<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?><?xml-stylesheet href="http://www.blogger.com/styles/atom.css" type="text/css"?><feed xmlns='http://www.w3.org/2005/Atom' xmlns:openSearch='http://a9.com/-/spec/opensearchrss/1.0/' xmlns:georss='http://www.georss.org/georss' xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'><id>tag:blogger.com,1999:blog-3263622768781598349</id><updated>2011-10-30T02:20:15.678-07:00</updated><category term='Alkohol'/><category term='TV'/><category term='buch'/><category term='fandom'/><category term='artikel'/><category term='Bücher'/><category term='Slash'/><category term='Abschied'/><category term='Weihnachten'/><category term='Geschichte'/><category term='TV-Blog'/><category term='Spoiler'/><category term='Kekse'/><category term='Zigaretten'/><category term='blog'/><category term='vampire'/><category term='schreiben'/><category term='Kurzgeschichte'/><category term='24'/><category term='Fanfiction'/><title type='text'>callisto's world</title><subtitle type='html'></subtitle><link rel='http://schemas.google.com/g/2005#feed' type='application/atom+xml' href='http://callisto24.blogspot.com/feeds/posts/default'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default?max-results=100'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://callisto24.blogspot.com/'/><link rel='hub' href='http://pubsubhubbub.appspot.com/'/><link rel='next' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default?start-index=101&amp;max-results=100'/><author><name>callisto24</name><uri>http://www.blogger.com/profile/18191488055625225167</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/_Uzq-1PR2gcg/SNaEoxPltqI/AAAAAAAAAAM/7NujjFFZKlk/S220/peacesee.jpg'/></author><generator version='7.00' uri='http://www.blogger.com'>Blogger</generator><openSearch:totalResults>109</openSearch:totalResults><openSearch:startIndex>1</openSearch:startIndex><openSearch:itemsPerPage>100</openSearch:itemsPerPage><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3263622768781598349.post-818536283920545055</id><published>2011-10-30T02:20:00.000-07:00</published><updated>2011-10-30T02:20:15.688-07:00</updated><title type='text'>Weihnachts-eBooks: Kulinarische Weihnachtsgeschichten</title><content type='html'>&lt;a href="http://weihnachts-ebooks.blogspot.com/2011/10/kulinarisches.html?spref=bl"&gt;Weihnachts-eBooks: Kulinarische Weihnachtsgeschichten&lt;/a&gt;: eBook: Der Weihnachtsteller. Kulinarische Weihnachtsgeschichten     Der Weihnachtsteller  Kulinarische Weihnachtsgeschichten  Amazon Kindle ...&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3263622768781598349-818536283920545055?l=callisto24.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://callisto24.blogspot.com/feeds/818536283920545055/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3263622768781598349&amp;postID=818536283920545055' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/818536283920545055'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/818536283920545055'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://callisto24.blogspot.com/2011/10/weihnachts-ebooks-kulinarische.html' title='Weihnachts-eBooks: Kulinarische Weihnachtsgeschichten'/><author><name>callisto24</name><uri>http://www.blogger.com/profile/18191488055625225167</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/_Uzq-1PR2gcg/SNaEoxPltqI/AAAAAAAAAAM/7NujjFFZKlk/S220/peacesee.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3263622768781598349.post-265666282958184751</id><published>2011-01-16T07:13:00.000-08:00</published><updated>2011-01-16T07:14:09.776-08:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='schreiben'/><title type='text'>Abgrund</title><content type='html'>Titel: Abgrund&lt;br /&gt;Autor: callisto24&lt;br /&gt;* * * &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie balancierte am Abgrund, solange sie denken konnte. Den Blick auf die Füße gerichtet, auf die schmale Kante, auf die Dunkelheit, die steil abfiel, Schrecken barg, den sie sich nicht auszumalen wagte. Ein Schritt nach dem anderen, fast panisch vor Angst, bemühte sie sich darum, ihren Atem unter Kontrolle zu bringen. Die Gefahr umgab sie von allen Seiten. Sie war so schwach, eine Feder nur. Ihr Halt nicht mehr als Illusion. Selbst wenn sie sorgfältig darauf achtete, einen Fuß immer auf dem Grund zu behalten, die Bindung zur Erde zu bewahren, so wusste sie doch, dass ein Windstoß reichte, sie ins Schwanken zu bringen. Die Arme ausgestreckt konnte sie nicht anders als weiterzugehen, der Linie zu folgen. Unfähig ihre Augen zu heben, unfähig innezuhalten. Das Leben wartete nicht, es verging und sie ging mit ihm. Eine Seiltänzerin, deren Schicksalsfaden mit jeder Sekunde durchschnitten werden konnte. Und weil sie ihre Endlichkeit sah, wuchs ihre Furcht mit jedem Schritt. Aus den Augenwinkeln ahnte sie die Tiefe, ahnte das Verderben, das dort lauerte. Zurück, nur ein wenig zurück, und sie konnte sich auf festen Grund fallen lassen. Konnte sich der Sicherheit hingeben, die weiche Erde darstellte. Aber ein dunkler Trieb zog sie zum Abgrund, ließ sie nicht los, zwang sie auf ihren Weg, geprägt von der Faszination des Schreckens. Sie blinzelte. Der Wind heulte auf und sie schwankte gefährlich. Ihre Arme ruderten hastig, als sie zum ersten Mal seit unschuldigen Kindertagen aufsah, den silbernen Streifen erblickte, der weit vor ihr, am Horizont wartete. Den sie nie erreichen konnte, der jenseits aller Möglichkeiten schimmerte. Sie weinte. Tränen verschleierten den Blick und doch konnte sie nicht stehenbleiben. Zurücksinken, sich in feuchtem Gras niederlassen, den silbernen Streifen beobachten erschien ihr wie ein plötzlich aus dem Nichts aufgetauchter Traum. Seine Erfüllung so absurd wie ihr eigenes, verzweifeltes Bemühen um Sicherheit. Wie ihre Sehnsucht nach Gurten und Bändern, die sie hielten und führten, wo kein Halt existierte. Zur Illusion zerfiel das Bild, als das Silber ihren Blick dorthin lenkte, wo sie ihr Leben lang den Grund vermutet hatte. Und wo sich nichts befand als ein zweiter Abgrund, zuvor nur erahnte Tiefe, deren Dunkelheit bevölkert wurde von den Geistern der Unkenntnis, die ihr folgten. Sie stolperte und fing sich wie so oft zuvor. Sie balancierte weiter auf dem schmalen Grad, der ihr keine Wahl ließ als voranzuschreiten oder abzustürzen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3263622768781598349-265666282958184751?l=callisto24.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://callisto24.blogspot.com/feeds/265666282958184751/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3263622768781598349&amp;postID=265666282958184751' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/265666282958184751'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/265666282958184751'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://callisto24.blogspot.com/2011/01/abgrund.html' title='Abgrund'/><author><name>callisto24</name><uri>http://www.blogger.com/profile/18191488055625225167</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/_Uzq-1PR2gcg/SNaEoxPltqI/AAAAAAAAAAM/7NujjFFZKlk/S220/peacesee.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3263622768781598349.post-1675684875045414310</id><published>2011-01-07T05:44:00.000-08:00</published><updated>2011-01-07T05:45:16.749-08:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Geschichte'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='schreiben'/><title type='text'>Der Job I</title><content type='html'>Titel: Der Job I&lt;br /&gt;Autor: callisto24&lt;br /&gt;* * * &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Job I&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gut, es ist kein Job. Es ist Baby-Sitten. Und eigentlich noch nicht einmal das, weil meine Verwandtschaft es aller Wahrscheinlichkeit nach nicht frohen Herzens duldete, mich mit ihrer Nachkommenschaft alleine zu lassen. Was für ein Wunder. Aber ehrlich gesagt, ich würde mich auch nicht unbedingt mit unschuldigen Kindern alleine lassen. Zu riskant, zu fragwürdig, zu wenig Vertrauen in das Schicksal. &lt;br /&gt;Vielleicht auch zu viel Vernunft. Denn – zugegeben – ein wenig labil bin ich schon. &lt;br /&gt;Aber wie dem auch sei. Ich schätze, unter dem Druck tobender Kinder, welcher, wie ich aus Erfahrung weiß, niemals nachlässt, findet sich jeder früher oder später zu Zugeständnissen bereit, an die er unter normalen Umständen keinen Gedanken verschwendet hätte. Ergo sah auch ich mich hin und wieder mit der Notwendigkeit konfrontiert, den Überwachungsdienst für die Pimpfe zu übernehmen. Lange ist es her, dass ich diesen Job mit meinen eigenen Kindern erledigt habe, und zu meiner Schande kann ich nur betonen, dass ich ihn nicht gerade gut gemacht habe. Wohl wahr, das Hüten hilfloser Kinder liegt nicht in meiner Natur. Zu vieles erschwert die Aufgabe, persönliche und charakterliche Schwächen. Da wäre zum einen die Langeweile. Ganz im Ernst, niemand kann mir erzählen, dass es besonders spannend sei, sich Tag für Tag, Nacht für Nacht, 24 Stunden am Stück hinter immer demselben winzigen Fratz herzulaufen, egal was dieser tut, egal was er sagt oder wie er sich benimmt. Noch schlimmer, wenn es zwei von der Sorte sind. Und nicht auszudenken, zählt die Brut sogar noch mehr Köpfe. &lt;br /&gt;Nun, irgendwie übersteht jeder diese Zeiten des Schlafmangels, der permanenten Angst und Überanstrengung. Und interessanterweise setzt mit zunehmendem zeitlichem Abstand auch das Vergessen ein. Man vergisst, wie ermüdend und anstrengend diese Tätigkeiten sind. Wäre dies nicht der Fall, so stürbe die Menschheit aus. Sich wiederholt der Aufgabe zu unterziehen, die so ein kleines Wesen bedeutet, erklärt sich nur durch die Löcher, die jedermann Gedächtnis durchziehen, durchziehen müssen, um schlichtweg die Arterhaltung zu sichern. &lt;br /&gt;Wie gesagt, diese Zeiten waren vorbei, und vor mir lagen lediglich Stunden, begrenzte Zeitabschnitte, die ebenso einen Anfang wie aber auch ein tröstliches Ende aufwiesen. Eine durchaus überschaubare und zu erledigende Aufgabe. Und ich hatte vor, diese zu erledigen. Ich war gut in Pflichterfüllung, meistens. Oh ja, ich hatte schon Ausflüge mit den Kleinen auf Spielplätze hinter mich gebracht, Aufsicht über unruhige Nachtstunden. Ich hatte mit Fläschchen gefüttert und im Schaukelstuhl gewogen. War unter Tische und Stühle gekrochen, und hatte sogar Fußball gespielt. Oder das, was ich für Fußball halte. Und so hatte ich auch fest vor, diesen Nachmittag hinter mich zu bringen. Doch es begann sofort ausgesprochen aufbauend, mit dem leeren Haus, das mich begrüßte. Unnötig zu erwähnen, dass es schneite, und insgesamt dieser Tag sich eine der unmöglichsten und unangenehmsten Wetterlagen ausgesucht hatte, die man sich vorstellen wollte. Weshalb ich sie mir auch nicht weiter vorstellte, sondern ihrer flüchtete. Genauer gesagt, ich umrundete das Gebäude und verkroch mich auf der mäßig geschützten Terrasse. Und nach der zwangsläufig verstreichenden Zeitspanne, die meine Füße benötigten, um sich in Eisklumpen zu verwandeln, ertönte Klopfen aus dem Inneren des Hauses. War doch die Familie tatsächlich schon zurückgekehrt, doch unter Zuhilfenahme des Schlüssels zuallererst ins Warme geflüchtet. Nun – ich sollte froh sein, dass sie mich überhaupt hineinließen. Und im Ernst – ich war auch froh. Ist es doch auch schön, die Verwandtschaft hin und wieder zu Gesicht zu kriegen. Vor allem, wenn sie klein und putzig ist. So klein, wie das Baby, welches noch mit rosa Mütze bestückt, auf dem Boden krabbelte, und praktisch danach schrie, geknuddelt zu werden. Ja, in Augenblicken wie diesen melden sich doch überraschend meine spärlich ausgeprägten Mutterinstinkte. Oder habe ich von meinen Eltern die Angewohnheit oder die Fähigkeit übernommen, mich gerade noch um Babys kümmern zu können, doch in stärkerem Ausmaße zu scheitern, je mehr Jahre das Kind auf den Buckel lädt. Weiß Gott, dass es mir mit den eigenen Sprösslingen so ging. Nun lässt sich ja auch nicht leugnen, dass Kinder doch schwieriger zu handhaben sind, je mehr Jahre sie zählen. Es reicht nicht mehr, sie nur zu schaukeln, zu wiegen, zu füttern, wickeln und zu trösten. Nein, man ist gezwungen sich richtiggehend mit ihnen zu unterhalten. Wie mit richtigen Menschen. Vielleicht, wenn es hart auf hart kommt, muss man auch etwas spielen. Ich erinnere mich da mit Schrecken an den vergeblichen Versuch meinerseits, mir ein Klettergerüst als Piratenschiff vorzustellen. Ganz ehrlich, da waren keine Segel, kein Steuerrad, keine Luken, Mastbäume oder wenigstens eine Kajüte. Und ein Holzschwert reicht eindeutig nicht aus, um einen kleinen Rotschopf in einen Piraten zu verwandeln. Aber ich habe auch dieses durchgestanden, ebenso wie Indianertänze um ein imaginäres Feuer. Und ebenso plante ich auch diesen Nachmittag durchzustehen. Ich begann also todesmutig mit dem Hochnehmen des Babys, wie bereits erwähnt meldete sich diesbezüglich eine Art Instinkt, den ich nicht unter meiner Kontrolle habe, beim besten Willen nicht. Nachdem es mir gelungen war, besagten Winzling durch zu knuddeln, bis dieser die obligatorischen Sabberspuren auf meinem Hemd hinterlassen hatte, konnte ich mich dem weitaus anspruchsvolleren Exemplar zuwenden. In diesem Falle handelte es sich um meinen kleinen Neffen, definitiv ein Fall für die Aufbietung letzter Fantasiereserven. Und er enttäuschte mich auch dieses Mal nicht. Nicht im Geringsten. Und so begannen wir umgehend mit dem allseits beliebten Feuerwehrspiel. Jawohl, es wurde gelöscht. Jawohl, es wurden Massen an Feuerwehrautos herbeigetragen. Denn wie jedes Kleinkind, das etwas auf sich hält, besitzt auch er eine Unmenge an nützlichem, sowie vollkommen nutzlosem Plastikkram. Wobei das Drama sichtlich damit anfing, dass aus dem Nichts und während des Wickelns der kleinen Schwester ein Feuerwehrmann ins Auge sprang, der umgehend und sofort der Aufmerksamkeit bedurfte. Besser gesagt, der in den Einsatz geschickt wurde, gnadenlos und hartherzig. Denn es handelte sich durchaus um keine einfache Arbeit. Ich beneidete ihn keineswegs, wurde er doch zwischen seinen Löscharbeiten wiederholt von Schwesterchen angegriffen und grausam abgelutscht. Sicher fühlte sich der Feuerwehrmann beruhigt ob der Tatsache, dass das angriffslustige rosa Monster noch keine Zähne besaß. &lt;br /&gt;Wie auch immer, die Löscharbeiten stellten sich als anspruchsvoll genug dar. Wir löschten den Schrank, den Sessel und Stühle, um nur einige der Brandherde zu nennen. Schwierig wurde es bei der Feuerbrunst, der mein Knie zum Opfer fiel, sowie dem Flammenmeer, das unerwartet über den Teppich züngelte. &lt;br /&gt;Nun muss man wohl zugeben, dass das zarte Alter von 3 Jahren nicht unbedingt für gesteigerte Konzentrationsfähigkeit spricht. Es ließ sich nicht leugnen, dass das Kind sich schnell von seinen doch recht verantwortungsvollen Aufgaben ablenken ließ. Da griff man schon hin und wieder nach dem bunt bemalten Gummiwerkzeug, oder suchte sich einen selbstverständlich spitzen und scharfen Holzsplitter, der vorerst offenbar die Löscharbeiten verstärken sollte, letztendlich aber doch dazu diente, geschmackvolle Muster in die Wand zu kratzen. &lt;br /&gt;Aber solange er sich beschäftigte, lag es mir fern, mich zu beschweren. War ich doch permanent damit beschäftigt, dem Baby hinterher zu krabbeln, welches sich mit ständigen Fluchtplänen trug. Ja, das Baby wollte hoch hinaus. Oder tief hinunter, denn es steuert mit Vorliebe die Treppe an. Und da ich keine Lust hatte, herunter kugelnde Wonneproppen aufzufangen, schnappte ich mir dieses Exemplar noch bevor sich ein Ereignis mit Tragweite abspielte. &lt;br /&gt;Aber dem Elend und der Anstrengung war noch nicht genug. Denn was kam dem kleinen abwechselnd mit Hausbau und Feuerlöschen beschäftigten Piraten als nächstes in den Sinn? Zu schrecklich, um es auszusprechen? &lt;br /&gt;Oh nein, denn er wollte in die Badewanne. Ausgelöst wurde dieser Wunsch durch die Entdeckung eines vollkommen verdreckten und sandigen Plastikfisches, und die notwendige Reinigung desselben. Ich hatte vollkommen vergessen, oder verdrängt, welche Folgen auch nur geringes Wasserplanschen haben kann. Und so tappte ich buchstäblich mit offenen Augen in die Falle. Und als er seinen Wunsch äußerte, blieb mir nichts, als die Hoffnung, dass die verantwortungsbewusste Mutter diesen ablehnte. Doch mitnichten. Weich wie Butter gab diese dem Bestreben des Sprösslings und seinem offensichtlich selten auftretenden Wunsch nach Reinlichkeit nach. &lt;br /&gt;Und weitaus schlimmer – das Kind wünschte, meine Gesellschaft bei dieser Prozedur. Im Ernst, es war lange her, dass ich einen kleinen Mann in die Badewanne gesetzt hatte. Und trotz seiner merkwürdigen Idee, ich solle mich mit ihm in die Wanne begeben, gelang es mir doch dieses Drama abzuwenden, und mich geschickt herauszureden. Badewanne? Ich? Das kam gar nicht in Frage. Und schon gar nicht in Anwesenheit von Winzlingen. Nun gut, ich konnte ihn damit besänftigen, und ebenso die gestresste Mutter, dass ihm dabei zuzusehen, wie er sich in der Wanne wälzte, Spaß und Vergnügen sei, sowohl für mich, als auch für ihn. &lt;br /&gt;Nicht dass ich etwas gegen das Baden an sich hätte, keineswegs. Ich tat es nur nicht. Das letzte Bad nahm ich während meiner Schwangerschaft, besser gesagt kurz vor der Entbindung. Und dies auf Anraten der Hebamme, der Schwester oder eines Arztes. Einzelheiten sind aus verständlichen Gründen meinem Gedächtnis entschwunden. Angeblich sollte ein Kräutermittelchen Wunder wirken gegen bestimmte Krämpfe. Nun, auf die Wunder wartete ich vergeblich. Und wie das mit Wehen so ist, so wurden sie nicht gerade besser im Verlauf der Zeit. Demzufolge verstärkte sich das gemischte Verhältnis, das ich zu Badewannen habe, zusätzlich und unwiderruflich. Sicher, auch früher, war ich nie ein Fan der Badewanne gewesen. Wie man es dreht oder wendet, irgendwie fühlt man sich doch ausgestellt, bloß und vor allem hilflos. Davon abgesehen, dass es langweilig ist, äußerst langweilig. Was soll man tun, während man so gemächlich einweicht? Ich habe es mit Lesen versucht, aber irgendwie ruiniert das die Bücher. Meine Gedanken wandern zu lassen vermeide ich tunlichst. Der Himmel weiß zu welch schrecklichen Erkenntnissen man da so kommt. Und nicht zuletzt stellt es sich doch immer wieder als eine ausgesprochen unangenehme, um nicht zu sagen qualvolle Anstrengung dar, die sich langsam abkühlende Wanne zu verlassen. Denn egal wie ungemütlich das lauwarme Wasser einem auch vorkommt, die Begegnung der aufgeschwemmten Haut mit der Luft, jagt schon allein in der Vorstellung kalte Schauer den Rücken herunter. Also unterm Strich bietet das Baden keine für mich erkennbaren Vorteile. Und selbst das gelegentlich vorgeschlagene Besteigen der Wanne mitsamt des Nachwuchses, sozusagen das Erschlagen der Fliege mit zwei Klappen, erfüllte mich persönlich mit Unbehagen. Welches soweit ging, dass ich mit meinen Sprösslingen nur die Wanne bestieg, wenn ich vorsorglich meine Blöße zuvor mit einem Badeanzug bedecken konnte. Ich gebe ja zu, vieles hat mit meinem gestörten Verhältnis zum eigenen Körper zu tun, ein Talent, das ich selbstverständlich und äußerst gründlich an meine Kinder weitergab, die dann auch herzlich froh waren, wenn ich ihnen bei der Reinigungsprozedur keine Gesellschaft mehr leistete. Keine allzu enge zumindest, denn das wachsame Auge blieb natürlich erforderlich. Und meine Kinder, wie wohl alle Kinder, liebten das Planschen im Wasser. Also ließ ich sie. Und sah mich konfrontiert mit extremer Langeweile, die von Bad zu Bad nur anstieg. Irgendwann ist es nicht mehr spannend, den Seifenschaum zu beobachten oder ein Plastikschiff durch künstlich erzeugte Wellen schwimmen zu lassen. Und irgendwann waren die Kinder zu meinem Glück und meiner Zufriedenheit groß genug, um nicht mehr der ständigen Badeaufsicht zu bedürfen. &lt;br /&gt;Ob ich nun verdrängt oder schlichtweg vergessen hatte, was es bedeutete, so einem Winzling beim Baden Gesellschaft zu leisten, ist mir ebenfalls entfallen. Wie auch immer war ich gezwungen, mich meinem Schicksal zu ergeben, und daran zu arbeiten, die Wanne zu füllen. Schon dieses nicht so einfach, aber wollen wir hier nicht auf die Schwierigkeiten, mit denen Heiß- und Kaltwassertanks gerade bei frostigen Temperaturen aufwarten, eingehen. Fakt war, dass die Wanne sich irgendwann füllte und besagter Pimpf sich bereits eifrig bemühte, durch gründliches Plantschen von außen, sprich Tauchen, Springen und Spritzen seines Plastikfisches, seine eigene Kleidung zu durchnässen. Von meiner wollen wir hier gar nicht sprechen. Doppelt unangenehm, da des Vaters ausgeprägte Schimmel-Phobie mir bereits zu Gehör gebracht wurde, und mich dazu veranlasste, jedem Wassertropfen, der die Wanne verließ, entsetzt nach zu jagen. Doch wie ich es auch drehte und wendete, früher oder später ließ sich nicht mehr leugnen, dass das Kind einen Wechsel in seiner Garderobe benötigte, oder wahlweise endlich den geplanten Hopser in das Innere der Wanne ausüben sollte. &lt;br /&gt;Nur, und wie das mit Kindern so ist, pflegte auch dieses gerne und häufig seine Meinung zu ändern. Besser gesagt, erschien ihm mit plötzlich auftretender Sicherheit die Wanne nicht mehr so verlockend, wie sie ihm zuvor vorgekommen war. Aber jetzt war es zu spät. Zumindest meine Entscheidung war gefallen. Die Klamotten waren nass, das Kind gehörte unweigerlich in die Wanne. Und dorthinein würde ich es auch befördern. Das wäre doch gelacht. &lt;br /&gt;Auch wenn ich auf die subtile Kunst der Manipulation zurückgreifen musste. Es war nie zu früh, ein Kind mit den Wahrheiten, Fallen und Stolpersteinen des täglichen Lebens zu konfrontieren. Und ich war immer wieder zufrieden, diesen Job übernehmen zu dürfen. Ständiges Bohren, Andeuten und Wühlen in den ersten, schwach ausgebildeten Netzwerken des kindlichen Unterbewusstseins führten über kurz oder lang doch stets zum Ziel. &lt;br /&gt;Nun gut, das Kind zeigte sich widerspenstig. Offensichtlich war ihm die Erkenntnis, dass sich der Boden der Wanne seiner Sicht ebenso wie seinem Vorstellungsvermögen entzog, aus undefinierbaren Gründen und gar plötzlich ein wenig unheimlich. Er wollte doch tatsächlich nicht hinein. Doch mit süßer Zunge stellte es sich langfristig als ein Leichtes für mich heraus, ihn dorthin zu bekommen, wo ich ihn haben wollte. Und natürlich fiel er auf mich herein. Es handelt sich um ein Kind, Himmel noch mal, und leichte Drohungen sowie die Erwähnung der mütterlichen Zerknirschtheit, wenn ihr Kind auf immer und ewig gezwungen war, als Dreckspatz auf Erden zu verharren, nur weil es zu feige war, hatten die erwünschte Wirkung. Natürlich vergaß ich nicht zu betonen, dass ihm der erwähnte Dreck für sein Leben haften bliebe, konnte ich mich doch noch zu gut, an ähnliche Geschichten aus meiner eigenen Vergangenheit erinnern. Besonders beliebt blieb stets der Hinweis, auf den Schmollmund, mit dem ich bis ins Grab leben musste, wenn ich ihn nicht sofort in ein braves und charmantes Lächeln verwandelte. Ähnliche Konsequenzen zog selbstverständlich eine in Falten gezogen Stirn nach sich, eine herausgestreckte Zunge oder rollende Augen. Oh ja, man wusste früher, wie sich kleine Kinder erschrecken ließen. Und ich hatte nicht vor, wertvolles Wissen wie dieses verfallen zu lassen. Lange Rede, kurzer Sinn. Ich hielt also meine kurzgeratene Verwandtschaft knapp über die Wasseroberfläche, nachdem ich sie von der Notwendigkeit überzeugen konnte, dem unheimlichen Nass eine Chance zu geben. Und auf einmal wurde mir die Begeisterung klar, mit der das geplagte Mütterchen dem Bade-Erlebnis zugestimmt hatte. Offensichtlich verweigerte der Sprössling den Kontakt mit Flüssigkeit, die der Reinigung des Körpers diente, rigoros. Na, das wollte ich ihm schon austreiben. Auch wenn ich nicht mehr zu viel in der Lage war, dann doch durchaus dazu, Zucht, Ordnung und Sauberkeit in diesen verlotterten Haushalt zu bringen. Ich spürte förmlich, wie mir der Tatendrang zu Kopf stieg. Jahrelang angestaute Langeweile floss ab von mir, als ich den Kleinen mit herzhaftem Wippen ins Badewasser stippte. Seine Zehen nur, und doch durchdrang Protestgeheul die Wände. Oder auch nicht, denn seine Mutter war wohlweislich dem offensichtlich vorherzusehenden Gebrüll geflohen. Zumindest tauchte sie nicht auf, ließ mich alleine mit der kniffeligen Aufgabe, den zurückgelassenen Nachwuchs Sitte und Anstand zu lehren. &lt;br /&gt;Welches ich dann auch tat – natürlich. Und ich lehrte nicht nur den Kleinen Manieren, sondern auch dem Baby, das wieder und wieder bei seinem Versuch zu entkommen, mit dem Kopf gegen die Wand stieß. Das Gepolter wurde mir einfach zu viel, und so schnappte ich mir das rosa Bündel und beschloss, die Gelegenheit zu nutzen, auch diesem die Sauberkeit, die sich gehörte, nahezubringen. &lt;br /&gt;Der Platsch, mit dem ich es neben den Bruder beförderte, erfreute mein Herz fast ebenso wie die rötliche Färbung, die der Schaum anzunehmen begann. Mädchen sorgen doch immer wieder für optische Freuden. Und auch der Junge benahm sich erstaunlich ruhig. Vielleicht ein wenig zu still, wenigstens für einen Jungen. Doch plötzlich auftretende Beweise vornehmer Zurückhaltung, sollte man nie in Frage stellen. &lt;br /&gt;Zufrieden mit meiner Arbeit warf ich der Verwandtschaft, die sich, sobald friedlich geworden, ausgesprochener Niedlichkeit erfreute, charmante Kusshände zu, und riskierte es, mich auf einen kleinen Erkundigungsgang zu begeben. Denn ob Kind Nummer drei immer noch brav und anständig an der Garderobe baumelte, wo ich es aufgehängt hatte, ließ sich nicht mit Gewissheit sagen. Kinder sind doch immer wieder unberechenbar. Doch auch das Kleinste zeigte sich ruhig und anständig. Vollends zufrieden konnte ich allerdings erst sein, nachdem auch meine Schwägerin sich nicht der Mühe unterzog, meinen höflichen Gruß zu erwidern. Nein, mit zur Decke verdrehten Augen und der Kruste, die sich in ihrem Mundwinkel bildete, nachdem das unschöne Rinnsal roter Flüssigkeit endlich gestoppt hatte, ignorierte sie mich mal wieder. Aber nicht umsonst war ich Kummer gewohnt, ebenso wie die Missachtung meiner Bemühungen. Ich überlegte einen Augenblick, ob das Messer in ihrer Brust demnächst Verwendung finden sollte, beschloss dann jedoch, es an seinem Ort zu belassen. Gott wusste, dass ich genug getan hatte. Ich dachte einen Moment an die grimmige Kälte außerhalb des Hauses, aber letztlich existierte kein Weg dieser zu entkommen. Ich schlüpfte in meine Stiefel und wickelte mich möglichst eng in meine viel zu dünne Jacke. Nichtsdestotrotz war es immer wieder ein gutes Gefühl, einen Job erledigt zu haben.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3263622768781598349-1675684875045414310?l=callisto24.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://callisto24.blogspot.com/feeds/1675684875045414310/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3263622768781598349&amp;postID=1675684875045414310' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/1675684875045414310'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/1675684875045414310'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://callisto24.blogspot.com/2011/01/der-job-i.html' title='Der Job I'/><author><name>callisto24</name><uri>http://www.blogger.com/profile/18191488055625225167</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/_Uzq-1PR2gcg/SNaEoxPltqI/AAAAAAAAAAM/7NujjFFZKlk/S220/peacesee.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3263622768781598349.post-9222699854352874872</id><published>2011-01-07T05:41:00.000-08:00</published><updated>2011-01-07T05:46:07.021-08:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Geschichte'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='schreiben'/><title type='text'>Der Job II</title><content type='html'>Titel: Der Job II&lt;br /&gt;Autor: callisto24&lt;br /&gt;* * * &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Job, Teil II&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Selbstverständlich habe ich niemanden umgebracht. Und schon gar kein Kind. So etwas fiele mir selbstverständlich nicht einmal in meinen allerschrecklichsten Albträumen ein. Und wie auch immer, vor allem wäre es doch niemals zu dieser Fortsetzung gekommen, hätte ich mich meiner unausgereiften Verwandtschaft bereits in diesem frühen Stadium entledigt. Dies tat ich selbstverständlich nicht. Dafür stand ich selbstlos und opferbereit genau eine Woche später wieder auf der Matte, um mir ein oder mehrere Beine auszureißen. Doch sollte dieses Mal alles anders kommen. Denn höhere Mächte als ich beschlossen eiskalt, dass diesmal die ganze Sache nicht im Heime des jungen Nachwuchses stattfinden sollte, sondern stattdessen in meinen eigenen vier Wänden. Mein Heim, missbraucht als Babyaufbewahrungsklappe. Wie gewohnt, war ich natürlich nicht in der Lage abzulehnen, sprich einfach ‚Nein‘ zu sagen. Weshalb ich es auch nicht tat, sondern äußerlich freudig zustimmte. Und so trudelten sie ein. Einer nach dem anderen. Füllten mein Heim mit Lärm, Geschrei, Tränen, Windeln und Kinderkotze. Gut, eigentlich war ich es, der mein Heim mit Lärm füllte. Denn da ich keine Stille ertrage, und schon gar keine Stille, die von mir erwartet mit Dialogen gefüllt zu werden, die ich mit Minderjährigen führe, welche der Sprache kaum oder überhaupt nicht mächtig waren, griff ich wie immer in einer Notlage zur CD. Und da ich kein Unmensch bin, sondern ein äußerst verantwortungsbewusstes Stück Mensch wählte ich in diesem Fall nicht meine üblich bevorzugten Stücke mit leichtem Death Metal Einschlag und den gewaltverherrlichenden Texten, sondern die extra für Fälle wie diese angeschaffte Liedersammlung für Minder-Bemittelte, zusammengestellt und vorgetragen mit schmalziger Stimme eines Möchtegern-Barden, der sich von einem aufgeregten Kinderchor begleiten ließ. Und diese Kinder-CD ließ ich dementsprechend hinauf und hinunter dudeln, wieder und wieder von vorne. Was den Vorteil besaß, dass Kinder älteren Geburtsdatums bereits begannen, sich Gedanken um die Texte zu machen, während Kinder, deren Existenz gerade erst begonnen hatten, sich von dem Rhythmus, dem auditiven Vergnügen oder auch nur den blinkenden Lichtern auf dem Apparat, der das Abspielen übernahm, leiten und ablenken ließen. Und eine Grundregel bestand doch immer darin, die Aufmerksamkeit der lieben Kleinen zu binden, sie gut genug zu beschäftigen, dass sie sich die vor ihnen liegenden Stunden zumindest nicht über das Maß des Erträglichen hinaus, beschwerten. Was ich nicht dabei bedacht hatte, war die Belastung, der ich selbst mein eigenes Nervenkostüm aussetzte. Eine Belastung, die alleine schon schwer zu ertragen wäre. Denn permanentes Gedudel Hirn- und Talent-loser Versuche von unbegabten Nichtskönnern, bei denen es nicht dazu reichte, sich als echter Musiker zu etablieren, und die deshalb als Kinderkomponist ihre Nische suchten, musste über kurz oder lang den auch nur mäßig musikalischen Zuhörer die Wände hochtreiben. &lt;br /&gt;Meine Nerven begannen demnach schon nach kürzester Zeit zu beben. Und das blieb beileibe nicht alles. Nehmen wir die Spielsachen. Natürlich verteilte ich diese in regelmäßigen Abständen über den Fußboden. Hauptsächlich natürlich um den Kurzen kleine, möglichst abgetrennte Inseln zu bieten, auf denen sie sich auf unbestimmte Zeit weitgehend ruhig aufhalten und beschäftigen konnten. Natürlich taten sie dies nicht. So wie Kinder nie das tun, was man ihnen aufträgt. Nicht einmal in diesem zarten Alter. Und wenn sie es in diesem nicht lernen, wann sollten sie es je tun? Ehrlich gesagt, hege ich nicht viel Hoffnung für diese Generation. Oder für die davor, oder die danach. &lt;br /&gt;Wie auch immer. Diese Kinder weigerten sich also, auf den abgegrenzten und wohl ausgeklügelten Plätzen zu bleiben, die ich strategisch angelegt hatte. Nicht zuletzt unter Beachtung eines Mindestabstands, der vermeiden sollte, dass sich die zu Betreuenden untereinander zu nahe kamen. Ganz besonders nicht nahe genug, um Differenzen irgendwelcher wie auch immer gearteter Gestalt, zu entwickeln oder gar auszutragen. &lt;br /&gt;Natürlich blieben alle diese Vorsichtsmaßnahmen vollkommen und insgesamt nutz- und funktionslos. Offenbar scheint nicht nur dem Erwachsenen das Gras auf der anderen Seite des Zaunes grüner. Nein, auch bei den Kleinsten fängt diese Unsitte bereits im zartesten aller Altersstufen an. Praktisch sobald sie krabbeln können, drängt es sie, die ihnen zugewiesenen Plätze zu verlassen. Und dies nur zu dem einen Zwecke. Um ihrem Leidensgenossen genau das wegzuschnappen, woran dieser gerade im Moment sein Herz gehängt hat. Und offenbar wird jede Begierde dieser Art nur noch angestachelt, durch den Widerstand, Protest oder die Tränen des Kontrahenten. Sie voneinander fernzuhalten, reicht also nicht aus. Man müsste sie in gesonderten Zimmern unterbringen, in Zellen sozusagen. Wände zwischen ihnen hochziehen, am besten gepolsterte, damit sie sich nicht miteinander verständigen und so von den Vorteilen ihrer differierenden Spielsachen überzeugen könnten. &lt;br /&gt;Wie auch immer, da mir jede Möglichkeit, die in diese Richtung führt, aus Platzmangel und anderen praktischen Gründen von vorneherein verwehrt blieb, musste ich mich damit abfinden, dass ein gewisser Geräuschpegel zusätzlich zu dem permanenten Gedudel nicht zu vermeiden war. Doch nicht nur dies. Auch das hin und wieder leider Gottes notwendige Hochheben, Herumtragen und in den Armen Schaukeln der weniger selbstständigen, um nicht zu sagen, labilen Kurzen, erwies sich als wachsende Belastung. Hauptsächlich in Hinblick auf meine nicht sonderlich ausgeprägte Rückenmuskulatur. Im Klartext, meine Bandscheiben protestierten nach einer Weile. Bücken und Hochheben konnte nicht angenehm, und langfristig sogar unerträglich werden. Dennoch ließ es sich nicht stoppen, sollte geplant sein, den Nachmittag ohne nachbarlichen Besuch, beziehungsweise dem Auftreten auf den Plan gerufener Ordnungshüter oder Beamten des Jugendamtes hinter mich zu bringen, so musste doch zumindest den Lautstärksten aller Beschwerden nachgegeben werden. Und ich tat so bis ich… ja bis ich buchstäblich nicht mehr konnte. Jeder Mensch hat seine Grenzen. Und meine lagen bei schmerzendem Rücken, schmerzenden Ohren und dem permanenten Treten auf scharfe und kantige Gegenstände, welche die lieben Kleinen mit Begeisterung durch die Gegend warfen. Denn so sah es aus, nicht einmal diese Unart konnte ich ihnen abgewöhnen. Nein, meine sorgfältig verteilten und aufgetürmten Spielsachen konnten nicht an den Plätzen verbleiben, die ich ihnen zugewiesen hatte. Sie bewegten sich praktisch selbststätig. Und dieses genau vor oder unter meine Füße. Mit der Konsequenz, dass ich entweder vor Schmerzen aufschrie, weil sich eine gefährliche Spitze in meine empfindliche Fußsohle bohrte, oder dass ich sogar Gefahr lief zu stolpern, und in voller Länge auf den Fußboden, gespickt mit zerklüfteten Landschaften zu fallen. Schrammen, Beulen und Blessuren waren logische Folge. Doch nicht mit mir. Nicht lange. Ich erkannte meine Grenzen. Gute Vorsätze waren eine Sache. Gutes Benehmen eine andere. Diese Kinder konnten sich einfach nicht benehmen. Und als das momentan meinen Rücken ruinierende Exemplar seinen Mageninhalt auf meinem Seidenpullover ausleerte, während mir ein anderes freudig demonstrierte, wie schön es einen Strahl in die Ecke stellen konnte, lief das Fass über. Das Monster in mir kam zum Vorschein, so sehr ich auch geglaubt hatte, es bändigen zu können. Zum Glück hatte ich mein Domizil in einem der oberen Stockwerke gewählt. Vielleicht lag der Grund bereits in einer entsprechenden Ahnung. Vielleicht war es auch Zufall oder handelte sich einfach nur um Glück. Auf jeden Fall, egal was man ihnen vorwerfen will, die Bälger waren doch erfreulich leicht. Und der Innenhof, in den ich sie warf, wurde so gut wie nie benutzt. Zeit genug, um das Nötigste zu packen und einen neuen Aufenthalt zu suchen. Vielleicht fände ich dort Kinder, die sich meinen erzieherischen Fähigkeiten eher anpassten. Die Hoffnung stirbt nun mal nie.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3263622768781598349-9222699854352874872?l=callisto24.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://callisto24.blogspot.com/feeds/9222699854352874872/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3263622768781598349&amp;postID=9222699854352874872' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/9222699854352874872'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/9222699854352874872'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://callisto24.blogspot.com/2011/01/der-jobf-ii.html' title='Der Job II'/><author><name>callisto24</name><uri>http://www.blogger.com/profile/18191488055625225167</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/_Uzq-1PR2gcg/SNaEoxPltqI/AAAAAAAAAAM/7NujjFFZKlk/S220/peacesee.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3263622768781598349.post-739244809884446315</id><published>2011-01-07T05:35:00.001-08:00</published><updated>2011-01-07T05:35:53.222-08:00</updated><title type='text'>Abseitig</title><content type='html'>Titel: Abseitig&lt;br /&gt;Autor: callisto24&lt;br /&gt;* * * &lt;br /&gt;Abseitig&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Irgendwann ist genug. Ich bin ein netter Mensch. Ehrlich, ich bin sogar ein guter Mensch, ein ziemlich guter. Meine Absichten sind durch die Bank anständig und ehrenwert. Ich nehme Rücksicht auf meine Mitmenschen, bin aufrichtig und tugendhaft. Mein Leben ist beispielhaft in jeder Hinsicht. Und ich gehe sogar noch weiter. Jawohl, ich opfere meine Freizeit, meine Energie und Lebenskraft für die gute Sache. Genauer gesagt, für die wohl edelste Sache, die existiert. Andernfalls hätte ich sie nicht ausgewählt. Mein Plus lag schon immer in meinem brillanten Verstand, beziehungsweise in meiner Fähigkeit, Ursachen und Zusammenhänge zu erkennen. Kein Wunder, dass ich bereits in jungen Jahren erkannte, dass im globalen Spiel der Kräfte, eine zahlenmäßig nicht unbedeutende Gruppe Menschen rücksichtslos untergebuttert wird und somit die Folgen der Ungerechtigkeiten gezwungen ist, auszubaden. &lt;br /&gt;Was soll ich sagen? Selbstverständlich wählte ich zu einem ersten meiner Ziele, den Welthunger zu beenden, ein Unterfangen, das jedem halbwegs menschenfreundlich gesonnenen Menschen, von primärer Bedeutung sein sollte. Als Entschuldigung, dass mir gleich dieses erste aller Lebensziele misslungen ist, kann ich eigentlich nur angeben, dass es sich bei meiner Wenigkeit doch auch nur um ein Exemplar des normal Sterblichen handelt. Leider ließ ich mich gleich zu Beginn meiner Laufbahn doch allzu rasch ablenken und frönte mittelmäßigen Arten des Zeitvertreibes. Nicht nur meinen aufreibenden Beruf darf ich dafür verantwortlich machen. Nein, eine Mitschuld trägt auch die Begeisterung, mit der ich mich in die weite Welt stürzte, nachdem ich endlich die Fesseln bayrischen Kleinstädterdaseins abgelegt hatte. &lt;br /&gt;Doch was soll ich sagen? Trotz allem blieb das Gute in mir bestehen, und auch wenn der jugendliche Höhenflug einem resignierten Pragmatismus weichen musste, so konnte ich doch von meinem Vorhaben nicht gänzlich lassen und entschied mich für einen gemäßigten Beitrag zur Errichtung einer faireren Weltordnung. Selbstverständlich erst, nachdem ich meinen Lebensabend eingeleitet und mich in das idyllische Städtchen zurückgezogen, in dem meine unschuldige Kindheit ihren Anfang genommen hatte. Es ergab sich demnach und nach meiner Rückkehr in das gemütliche Mammendorf, dass ich für die ortsansässige Kirche, je nach Gelegenheit, einen kleinen Stand mit fair gehandelten Waren aufbaute, und diese, so gut es eben meinen Fähigkeiten entsprach, an nichtsahnende Gottesdienstbesucher verkaufte. Leider hatte es sich nicht vermeiden lassen, dass auch in dem kleinen Ort meiner frühen Tage der Fortschritt einzog. Ich merkte es nicht nur an der S-Bahnlinie, die das Tor zur Welt bedeutete, sondern auch an dem Klientel Zugezogener, mit dem sich auch der einfache Kirchenbesucher von Zeit zu Zeit befassen musste, vor allem, wenn er im Verkaufsbereich tätig war. &lt;br /&gt;Der Faire Handel in der Kirche besitzt bereits eine gewisse Tradition, die sich langsam, aber sicher auch in die kleinen Vororte einer Großstadt Münchens, wie das im tiefen Bayern gelegene Mammendorf ausgebreitet hat. Gerade gegenübergestellt dem Prunk einer dörflichen Kirche, wirken die schlicht angerichteten Produkte geradezu herzergreifend erbärmlich. &lt;br /&gt;Soweit, so gut. Ich opferte also meinen Sonntagmorgen, um meinen Dienst an der weltweiten Gerechtigkeit zu verrichten. Und zumeist erntete ich auch Anerkennung und Respekt unter den wohlgesonnenen Mitarbeitern der Kirchengemeinde, sowie unter dem ein oder anderen Besucher der Messe, der sein schlechtes Gewissen durch den Kauf eines Beutels fairen Kaffees zu beruhigen suchte. &lt;br /&gt;Doch nicht heute, heute war es anders. Anmerken muss ich dazu, dass ich so frei war, mein Angebot an Waren mit liebevoll gestalteten Karten zu ergänzen, die bekannt dafür waren, einen Großteil des Erlöses an bedürftige Kinder der Ärmsten der Armen weiterzugeben, in Form von Medikamenten oder Lebensmitteln. Hin und wieder verkaufte ich eine dieser Karte und hatte nie ein schlechtes Gewissen dabei. Ebenso wie mit den Lebensmittelprodukten, ergab sich als Folge der Unternehmung, dass nicht nur Zeit, sondern ebenso meine etwas knappe Rente Einbußen erlitt. Schuld daran war der Rest von Konsumgier, der auch mir innewohnte, egal wie sehr ich zeit meines Lebens versucht hatte, diesen zu unterdrücken. Manchmal gingen eben die Pferde, oder die Gelüste mit mir durch und ich gönnte mir selbst eine Tüte Rosinen überzogen mit Schokolade oder einen aromatisierten Zimt-Tee. Auch die eine oder andere Karte hatte ich selbst erworben, sei es zum Zwecke der Weiterversendung oder als Auflockerung und Blickfang, bzw. zur Vertuschung eines vergilbten Fleckes auf meiner alten Tapete. &lt;br /&gt;Wie gesagt, bis heute gab es keine Beschwerden. &lt;br /&gt;Erst als diese Frau auftauchte. Diese Frau, der die Missgunst und der Lebensüberdruss bereits ins Gesicht geschrieben standen. Diese Frau, die sich erdreistete, zuerst mit ihren knochigen Fingern durch mein Sortiment, das ich wie immer penibel sorgfältig auf einem klapprigen Campingtisch aufgebaut hatte, - durch dieses Sortiment zu wühlen, die eine oder andere Kaffeesorte genauestens zu beäugen, bevor sie diese wieder zurücklegte. Diese Frau war es, die, nachdem sie meinen liebevollen Aufbau geprüft hatte, ihre Finger nach den geschmackvollen Karten ausstreckte, die den Rand meines Standes zierten. Eine nach der anderen hob sie heraus, betatschte sie gründlich, nur um sie mit einem abfälligen Herunterziehen der Mundwinkel wieder zurück zu legen. Und dann kam es. &lt;br /&gt;Sie sah mich an, abwertend – ich kenne diesen Blick. Ihre winzigen Schweinsäuglein blinzelten hinter der dicken Brille, als sie den Kopf schief legte, und den Mund öffnete. „Das ist aber kein Fairer Handel“, belehrte sie mich mit einem bestätigenden Nicken. „Über 80 Prozent der Einkünfte landen in der Verwaltung.“ &lt;br /&gt;Nun gut. Ich war geschockt. Ich starrte sie, vermutlich mit offenem Mund und keinem sehr intelligenten Gesichtsausdruck an. Natürlich hätte mir sofort eine passende Erwiderung einfallen sollen. Etwas Kluges, etwas Schnippisches. Etwas, das ihr den Mund stopfte. Doch wie immer in diesen Momenten zeigte ich mich leider zu verdattert, als dass eine passende Entgegnung sich in meinem Gehirn hätte bilden können. Ganz im Gegenteil. Die Nervenenden lagen blank, die Synapsen kollabierten und ich konnte nur etwas Unverständliches murmeln, das– wie ich leider zugeben muss – glücklicherweise im Tumult der Menge, die die Kirche verließ und sich bewusst bemühte, meinen Verkauf des guten Willens zu ignorieren, unterging. &lt;br /&gt;Nun, besagte Frau drehte sich nach ihrer erfolgreich angebrachten Spitze zufrieden wieder um und verschwand im Glanze ihrer Genialität. &lt;br /&gt;Was aber tat ich? Gut, ich war angebunden an diesem Stand. So wenige Kunden es waren, die meine Aufmerksamkeit in Anspruch nahmen, die mich zwangen, mir über die niedrigen Gegebenheiten der Welt, wie über das Zusammenrechnen und Abziehen geringfügiger Beträge, den Kopf zu zerbrechen, es waren immer noch genug. Genug, um mich abzuhalten von meinem geradezu überwältigenden Bedürfnis, dieser Dame von erstaunlicher Frechheit und Selbstgerechtigkeit hinterher zu stürmen und ihr ein halbes Kilo fair gehandelten Kakao um die Ohren zu schlagen. &lt;br /&gt;Wie gesagt, der Augenblick war nicht günstig. Was mich jedoch nicht daran hinderte, einige Beobachtungen zu machen und in meinen Gehirnzellen abzuspeichern, sollten sie für den späteren Gebrauch notwendig werden. &lt;br /&gt;Ich bemerkte also wie diese Dame hocherhobenen Hauptes, doch wohlgemerkt, ohne ein faires Produkt, so günstig und gering es auch sein mochte, zu kaufen, sich geraden Wegs aufmachte in Richtung des Gemeindehauses. Dies konnte nichts anderes bedeuten, als dass sie vorhatte, sich an dem kostenlosen Kirchenkaffee zu laben, der im Anschluss an brave Gottesdienstbesucher ausgeschenkt wurde. Wie günstig der Umstand, dass ich im Gemeindehaus ein und aus ging, sowie Schlüssel als auch Zugang zu den entlegenen Winkeln besaß und somit jede Gelegenheit, meinem neu entflammten Rachedurst zu frönen. &lt;br /&gt;So einfach und geistlos würde ich natürlich trotzdem nicht vorgehen. Schließlich konnte ich nicht wissen, wann oder wie mir diese doch gemeinnützige Einrichtung noch eines Tages zu Nutzen sein würde. &lt;br /&gt;Meine Pläne entwickelten sich, so wie sie das immer tun, unterbewusst und während ich noch meine Geschäfte abschloss. &lt;br /&gt;Das Kirchenschiff lichtete sich, die Massen entflohen dankbar. Die meisten, indem sie einen großen Bogen um das Angebot fair gehandelter Waren machten. Und wer würde es Ihnen verdenken? Die 60 Cent, die das fair gehandelte Produkt teurer waren, als die Discount-Alternative, ließen sich wertvoll und gewinnbringender in etwas Sinnvolleres investieren. Z.B. in den Schoppen Wein beim Italiener am Abend, auch ein Beitrag zur Weltoffenheit. &lt;br /&gt;Aber das war nicht mein Problem. Die Strafe würde sie früher oder später alle ereilen, alle wie sie so hochnäsig durch die Gegend spazierten. Das Fegefeuer war ihnen sicher. &lt;br /&gt;Mir vielleicht auch, das möchte ich hier offen gestehen. Und doch rechne ich mir noch eine geringe Chance aus, dem Unausweichlichen zu entkommen. Nicht, dass ich an die Gnade eines unsichtbaren Gottes glaubte, mit Sicherheit nicht. Doch eine gewisse universelle Gerechtigkeit liegt zumindest im Rahmen des Möglichen und bleibt es wert, ihre Existenz zumindest in Erwägung zu ziehen. &lt;br /&gt;Und meine bescheidenen Beiträge, meine kleinen Anstrengungen hier und da, die Welt ein klein wenig besser zu machen, sollten meiner Ansicht nach, nicht umsonst gewesen sein. &lt;br /&gt;Doch nun weiter mit der Geschichte. Nachdem sich allgemein angenehme Stille ausgebreitet hatte, kam ich dazu, meine Waren zu ordnen und sorgsam in die Kisten zu verstauen, die zur Aufbewahrung derselben vorgesehen waren. Danach galt es nur noch den Klapptisch zusammenzufalten und in die Abstellkammer zu befördern, sowie, beladen mit Waren und Kasse, den Rückweg in die niederen Gefilde des Gemeindehauses anzutreten, wo beides seinen wohlverdienten Platz fand, zumindest so lange, bis ich mich bereit erklärte für den nächsten Verkauf. Was wohl nicht so bald sein würde, bedachte ich mein aufgewühltes Gemüt nach diesem Erlebnis. &lt;br /&gt;Andererseits wusste ich zu diesem Zeitpunkt bereits genau, wie es mir gelingen sollte, meinen Seelenfrieden wieder herzustellen. &lt;br /&gt;Ich zögerte also nicht, meinen Plan in die Tat umzusetzen, schlich mich über die hinteren Treppen zur weitläufigen Garderobe, die, gerade in diesen kalten Tagen des Novembers, überladen war, mit Mänteln, Jacken und Hüten jeder Machart. Dank meines fotographischen Gedächtnisses erkannte ich den gesuchten Mantel auf Anhieb. Dank meiner genialen Bastelfähigkeiten auf die ich vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt zurückkommen werde, die jedoch in diesem Augenblick nichts zur Sache tun, gelang es mir mit unnachahmlichen Geschick einen meiner kleinen, selbst im Keller meines schäbigen Apartments, zusammengebastelten und mit einer Reichweite von 300 Metern ausgestatteten Sendern, im zufällig leicht aufgerissenen Saumes ihres Kleidungsstückes zu verbergen. Solche Leute haben immer einen aufgerissenen Saum, irgendwo. &lt;br /&gt;Der Sender saß, der Empfänger befand sich in der Innentasche meiner Jacke und gab ein vertrautes Summen von sich. Ich liebte dieses Summen. Es erinnerte mich an frühere, bessere Zeiten, an Zeiten im Dienst. Vielleicht bildete ich es mir auch nur ein, vielleicht vibrierte das elektronische Schätzchen nur in meiner Phantasie. Doch auch diese Befürchtung trübte meine freudige Erwartung nicht. Spürte ich doch endlich wieder den angenehmen Rausch, das süße Gefühl von Adrenalin, das wild durch meine Adern tobte. Lange vermisst und doch nicht tot. Ganz anders, als es diese Frau bald sein würde, die es geschafft hatte, mein bereits lange erkaltetes Blut wieder in Wallung zu bringen. Nicht mit den Wogen der Leidenschaft, sondern mit der viel stärkeren, viel mächtigeren Kraft des Ärgers, eines heiligen Zornes, den sie sich mehr verdient hatte, als sie es sich wohl hätte träumen lassen. &lt;br /&gt;Ich schloss die Keller ab. Ich beseitigte jede Spur meiner Verkaufsaktivitäten. Höflich und mit ausgesuchter Freundlichkeit verabschiedete ich mich von den fleißigen Mitarbeitern. Ich habe stets ein Lächeln für jeden übrig, so unbedeutend er auch erscheinen mag. Man kann nie wissen, wann eine Sympathiekundgebung von entscheidender Bedeutung sein wird, wann die vielleicht nicht einmal wahrgenommene Hilfe des Geringsten unter allen Menschen zum Rettungsanker, zum Alibi, zum erlösenden Schein wird. &lt;br /&gt;Solcherlei Gedanken plagten mich, während ich meinen langsamen Weg aus dem Gebäude nahm. Schritt für Schritt, gedankenverloren und ruhig, wie es sich für einen Mann meiner Jahre gebührt, ging ich unbeachtet einem Ziel entgegen, dass mit Sicherheit niemand in dieser trauten Gemeinschaft für möglich gehalten hätte. &lt;br /&gt;Gut gelaunte Sonntagsmenschen, befreit von der Last des Alltags, befreit von der wöchentlichen Seelenqual, beschenkt mit dem Segen des Allmächtigen, ließen sich das heiße Gebräu schmecken, dass ihnen in weißen Jugendherbergstassen serviert wurde. &lt;br /&gt;Keiner von ihnen ahnte das Hochgefühl oder konnte es auch nur annähernd nachempfinden, das mich packte, als ich die für den Laien kaum wahrnehmbaren Anzeichen identifizierte, die mir unmissverständlich mitteilten, dass das Ziel meiner Beobachtungen sich von dem besetzten Platz in nicht allzu langer Zeit lösen und hinaus schreiten würde. Hinaus  in die feindliche Welt, einem unbekannten und nicht gerade rosigen Schicksal entgegen. &lt;br /&gt;Ich folgte diesem Schicksal, meinem Schicksal, und dem der Frau, die sich zu viel herausgenommen hatte, als dass es gut für sie wäre. In sicherem Abstand, geleitet von unmissverständlichen Signalen folgte ich ihr bis zu dem Haus, welches genau dem entsprach, was einer Frau dieser Art gemäß sein musste. Der geradezu beleidigend langweilige Vorgarten mit den in blitzgerade ausgerichteten Blumentöpfen, die bereits allen Vorbereitungen für den nahenden Winter unterzogen worden waren, gähnte vor einer weißgeschrubbten Fassade, deren blanke Fenster geblümte Gardinen mit Schleifen schmückten. &lt;br /&gt;Ich sah sie vor mir, wie sie in Plastikschuhen greller Art, mit Gartenhandschuhen bewaffnet, die Brille vorgerutscht auf die schmale Nasenspitze, im Schweiße ihres Angesichts, jeden kleinsten Halm störenden Unkrautes aus der kargen Erde rupfte und denselben mit glänzenden Kugeln oder noch schlimmer – mit kitschigen Gartenzwergen ersetzte. Ein Stadtmensch, vielleicht sogar direkt aus München zugezogen, unerlaubt eingebrochen in eine Welt, die ihm von rechts wegen hätte verschlossen bleiben sollen.&lt;br /&gt;Nein, es wäre kein Fehler, dieser tragischen Existenz ein Ende zu bereiten. Im Gegenteil. Es war meine Pflicht. Die Pflicht eines Menschen, der sich in dem Metier auskannte. Skrupel waren für die wichtigen Dinge reserviert, nicht für eine Belanglosigkeit wie diese. &lt;br /&gt;Ich schob meine Hände in die Jackentaschen und sah ihr zu, wie sie hinter der blank gestrichenen Haustür verschwand. Bald würde von ihr nichts mehr übrig sein. Genauso wenig wie von dem abstoßenden Gebäude. Statt dessen ein schwelendes Loch, eine gähnende Lücke umrahmt von entsetzten Nachbarn, die sich wohl fragten warum der gefürchtete Terrorismus sich in ihre behagliche Gemeinde begeben hatte. Ich lachte in mich hinein. Wie schön, wenn die Medien Tag für Tag einem den Sündenbock in den schillerndsten Farben vorführten. In diesem Augenblick beschloss ich den Plastiksprengstoff in Form einer Amateur-Bombe, deren simple Machart jeder Experte auf Anhieb erkennen konnte, hinter den Kellerfenstern zu platzieren. Jede Wette, dass dieses Ereignis das langweilige Vorstadtleben auf das Erfreulichste beleben würde. &lt;br /&gt;Auch ein Rentner sollte sich ab und zu mal etwas gönnen. Schließlich tut es sonst keiner.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3263622768781598349-739244809884446315?l=callisto24.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://callisto24.blogspot.com/feeds/739244809884446315/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3263622768781598349&amp;postID=739244809884446315' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/739244809884446315'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/739244809884446315'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://callisto24.blogspot.com/2011/01/abseitig.html' title='Abseitig'/><author><name>callisto24</name><uri>http://www.blogger.com/profile/18191488055625225167</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/_Uzq-1PR2gcg/SNaEoxPltqI/AAAAAAAAAAM/7NujjFFZKlk/S220/peacesee.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3263622768781598349.post-1583581360947145636</id><published>2011-01-07T05:27:00.001-08:00</published><updated>2011-01-07T05:27:55.744-08:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Geschichte'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='schreiben'/><title type='text'>Schimmel im Haus</title><content type='html'>Titel: Schimmel im Haus&lt;br /&gt;Autor: callisto24&lt;br /&gt;* * *&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schimmel im Haus&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie hat es schon wieder getan. Meine gute Freundin Elisabeth. Sicher, Klartext reden ist immer gut. Klartext reden ist wichtig und reinigt die Luft. Es mag auch sein, dass sie einfach die Hoffnung nicht aufgibt. Die Hoffnung darauf, dass ich aus ihren Bemerkungen schließlich, letztlich, die einzig mögliche Konsequenz ziehe und das ekelhafte Gift, welches mein Haus verseucht, ein für alle Mal entfernte.&lt;br /&gt;Sie hatte es zwar nie in Worte gefasst, nie deutlich gemacht, und doch war es kein Geheimnis, dass ihre Kinder die meinen nicht mehr besuchen durften, seitdem ihr das Grauen bewusst geworden war. Nur zu offensichtlich, dass die Angst vor dem Schimmel den beiden Jungens deutlich eingebläut wurde. Keinen Fuß durften sie in unser Haus setzen, es sei denn, in Notfällen. Es sei denn in Momenten, in denen beim besten Willen kein anderer Babysitter zur Verfügung stand.&lt;br /&gt;Natürlich. Ich verstand das. Jeder versucht seine Kinder zu schützen. So gut wie möglich zu schützen. Das ist die Pflicht und die Verantwortung der Eltern. Wenn ich also irgendwo eine Gefahr wittere, so halte ich mein eigen Fleisch und Blut davon fern. Das ist eine Selbstverständlichkeit. Niemand versteht das besser als ich, die ich mich in permanenter psychotherapeutischer Behandlung befinde aufgrund der Ängste, die mein Leben bestimmen. Die Ängste, die in erster Linie und beinahe ausschließlich mit der Sicherheit und dem Heil meiner Kinder zu tun haben. Da wäre der Straßenverkehr, die pädophile Bedrohung, um nur die am meisten verbreiteten Ängste zu nennen. Doch was mich angeht, geht der Schrecken noch weiter. Ich bin ein intelligenter, phantasiebegabter Mensch. Ich verstehe, was um mich herum vorgeht. Ich kann hinter die Fassaden blicken und über die vorgeschobene Verschleierung der Gefahren hinweg.&lt;br /&gt;Das ist auch der Grund, weshalb ich mit meiner Familie in diesen Vorort gezogen bin. Weit weg aus dem Zentrum Münchens, in dem Hass und Verbrechen allgegenwärtig sind. Die Sicherheit einer Kleinstadt, auf deren Straßen noch Ball gespielt wird, aus deren Mitte es nur ein paar Schritte in die freie Natur sind, zog ich allemal vor. Natürlich ist auch hier in Maisach nicht alles eitel Sonnenschein. Mehr und mehr Verkehr verirrt sich zu uns, Gewerbegebiete und Industrieanlagen verschandeln die Orte, die ehemals noch Felder und Wiesen waren.&lt;br /&gt;Wir haben vergiftete Lebensmittel, sind umgeben von den schrecklichsten Krankheiten. Strahlung bedroht unser aller Leben. Dann wären da Absturz in jeglicher Hinsicht, der sogar in Dorfschulen droht, Versuchungen, die auf die Kleinen lauern, Verlockungen und tödliche Gefahren. Jeder Hund kann zubeißen. Jede Zecke eine Borreliose übertragen, deren Folgen sich über Jahre hinziehen. Jeder Husten kann zur Lungenentzündung ausarten, jeder Kopfschmerz, jede Sinnestäuschung zum Gehirntumor. Der unglückliche Sturz auf der Treppe, das Stolpern an der Straße, während einer unschuldigen Auseinandersetzung auf dem Schulweg. Vor allem möchte man sie beschützen.&lt;br /&gt;Mir fehlt einfach die Energie, mich auch noch über den Schimmel aufzuregen. Und, den Gedanken weitergesponnen, ich kann dagegen nichts unternehmen.&lt;br /&gt;Meine täglichen Ängste betreffend der unzähligen Gefahren, die auf meine Kinder lauern, müssen überwunden werden. So lautet das Ziel. Ich muss die Möglichkeit der Katastrophe akzeptieren. Und ich werde sie akzeptieren. Es funktioniert auch. Unterstützt von den kleinen bunten Kapseln, wirkte ich ausgeglichener, ruhiger, fühlte mich wieder in der Lage, dem Leben die Stirn zu bieten.&lt;br /&gt;Ich verfolgte meine Kinder nicht mehr heimlich. Ich beobachtete sie nicht mehr beim Spielen, bereit jeden Augenblick hinaus zu stürzen und daran zu hindern, auf einen Baum zu klettern, einen schmutzigen Stein anzufassen, oder die Katze zu streicheln, die sich vielleicht soeben mit der Vogelgrippe infiziert hatte.&lt;br /&gt;Nein, ich ließ es zu. Ich schaffte es. Die Zeit war reif, sich zurückzuziehen und dem Schicksal die Entscheidung zu überlassen.&lt;br /&gt;Nun mag man einwenden, der Schimmel im Haus sei nicht Sache des Schicksals. Doch im Grunde ist er dieses. Oder besser gesagt, er ist Sache meines Mannes. Wenn ich nämlich von meinem Haus spreche, so handelt es sich im Grunde um die vier Wände dieses Herren. Er besitzt die Alleinherrschaft, die endgültige Entscheidungsgewalt. Und er wird sich diese niemals nehmen lassen. Also bleibt mir nichts anderes übrig, als die brave Ehefrau zu spielen und auf meinen Göttergatten zu hören. Wenn er erschöpft vom täglichen Kampf um das Dasein in seinem Sessel niedersinkt, dann möchte er nichts weniger hören, als Anregungen, die das Renovieren betreffen. Nein, renoviert wird nicht, ist nicht. Ist nicht notwendig. So mein Gatte.&lt;br /&gt;Vielleicht liegt es daran, dass er sich unglaublich über jede Aktivität in dieser Richtung aufregt. Vielleicht ist Veränderung schwierig für ihn. Sehr schwierig. Vielleicht scheut er auch nur die Mühe.&lt;br /&gt;Ich habe es ihm gesagt. Habe ihm gesagt, dass ich es tun würde. Ich bin stark genug. Vielleicht nicht geschickt, vielleicht nicht handwerklich begabt. Meine wenigen Versuche in dieser Richtung haben es gezeigt. Allesamt endeten sie in Katastrophen, die immer noch in verschiedenen Stockwerken unseres Hauses, seines Hauses, zu bewundern sind. Laminat Böden, die Risse und Spalten aufweisen. Deren Kanten nicht an die Wände reichen. Zwischen ihnen und der jeweiligen Wand klaffen Lücken, sticht der nackte Betonboden ins Auge, sofern ich ihn nicht notdürftig mit Folie überklebt, mit Brettern vernagelt oder auf andere, provisorische Art zugekleistert habe.&lt;br /&gt;Ich kann es also verstehen, wenn er der Absicht, den Keller von Schimmel zu entfernen, den Boden herauszureißen und die Wände zu streichen, mit einiger Skepsis gegenüber steht. Da hilft es auch nichts, wenn ich ihm sage, dass es doch wohl kaum schlimmer sein kann, als es im Augenblick aussieht. Er sieht das nicht. Er riecht es auch nicht.&lt;br /&gt;Anders meine Freundin. Sie riecht es, sagt sie. Sobald sie ins Haus tritt, schlägt ihr der Geruch entgegen. Der Geruch nach Verfall, nach Krankheit, nach Gift. Sie sagt, sie erkennt den Geruch. In ihrem Schlafzimmer befand sich Schimmel. Sie haben ihn professionell entfernen lassen und nun erkenne sie diesen Geruch auf Meilen Entfernung.&lt;br /&gt;Ich rieche nichts. Aber das will nichts sagen. Ich rieche auch sonst nicht alles. Meine Sinne sind etwas betäubt. Jugendliche Exzesse könnten die Ursache sein. Oder einfach Verschlafenheit. Manchmal will man auch nicht alles mitkriegen. Wieso sollte ich tagtäglich riechen, wie der Schimmel mein Haus auffrisst. Und dass, wo ich nicht das Geringste dagegen tun kann. Ich bin verloren, hilflos, ausgeliefert all den Krankheiten, die sie mir aufzählt und die der Schimmel verursacht. Schimmel ist überall. Ich habe ihn immer und überall gesehen. Er ist in der Brotzeitbox, in der Tupperdose, im Kühlschrank und eben auch auf Wänden. Und dort erregt er Krebs, sagt sie. Vor Krebs habe ich Angst, große Angst. Ich habe aber auch Angst vor meinem Mann und vor seinem Ärger.&lt;br /&gt;Was also soll ich tun? Es gibt Möglichkeiten. Ich entledige mich meines Mannes und rücke dem Schimmel zu Leibe? Oder ich entledige mich ihrer und muss mir ihre störenden Bemerkungen nicht mehr anhören. Eine schwere Entscheidung.&lt;br /&gt;Meinen Mann loszuwerden birgt eine ungezählte Menge an Vorteilen. Ich würde weder sein Schnarchen, noch sein Rülpsen, noch seine Bierflaschen vermissen, die ich jeden Morgen aufsammle. Aber mit Sicherheit würde ich auch das Geld vermissen, das er nach Hause bringt.&lt;br /&gt;Und meine Freundin?&lt;br /&gt;Ihre permanente Erwähnung des schimmligen Unheils würde ich nicht vermissen. Die Gespräche mit ihr? Sie ist meine einzige Freundin. Ob das daran liegt, dass sie überall und allerorts von den Schimmelwucherungen in meinem Haus berichtet? Nein, es liegt wohl eher daran, dass ich ungern unter Menschen bin. Zum einen, weil ich es hasse, wenn man mir gute Ratschläge gibt. Und zum anderen, weil diese Menschen nichts anderes tun, als mir gute Ratschläge zu geben.&lt;br /&gt;Also komme ich zu dem Schluss, dass ich sie auch nicht vermissen würde. Könnte ich sie und meinen Mann gemeinsam von der Klippe stürzen, könnte ich mich vielleicht befreit fühlen. Mit der Klippe wird es wohl nichts. Aber vielleicht hilft eine Zutat im süßen Tee. Nicht umsonst plane ich bereits seit Jahren das Anpflanzen der Herbstzeitlose. Ein wundervolles Gewächs, geschmeidig im Wuchs und vielfach verwendbar. Jetzt, wo die Kinder groß sind, und eine Warnung verstehen, steht meinem Gartentraum im Grunde nichts mehr im Wege.&lt;br /&gt;Und wenn meine Freundin sich das nächste Mal einlädt, und sich über Schimmel auslässt, hätte ich etwas anzubieten. Der Rest des Tees fände vielleicht noch gute Verwendung für meinen Mann, wenn er nach getaner Arbeit in sein Heim zurückkehrt. Gesetzt den Fall, ich fühlte mich bereit dazu, den Daseinskampf auf meine Schultern zu laden, mich mit Lebensversicherung, Witwenrente und ähnlichen unverständlichen Begriffen auseinanderzusetzten.&lt;br /&gt;Zudem bliebe mir eine Menge Arbeit erspart. Den Keller entschimmeln, soweit kommt es noch!&lt;br /&gt;Lieber wende mich sinnvolleren Ängsten zu. Der Röntgenaufnahme zum Beispiel, die der Zahnarzt heute für meinen Jüngsten vorschlug. Nein zu sagen fiel mir von jeher schwer, also stimmte ich ohne weitere Fragen zu. Und die Konsequenz ist die gewohnte Panik. Panik vor Röntgenstrahlen, vor Krebs, vor Spätfolgen, vor Tragik, Schmerz und Katastrophen.&lt;br /&gt;Ich hasse Ärzte. Sie bringen nichts als Kummer. Warum müssen sie röntgen. Ich hätte nein sagen sollen, aber natürlich konnte ich nicht. Schließlich hätte er nicht gefragt, wenn er es nicht für sinnvoll gehalten hätte.&lt;br /&gt;Ich hasse mein Leben, hasse Ärzte, hasse Schimmel, hasse meine Phantasie, hasse Ängste, hasse alles. Punkt.&lt;br /&gt;Ich werde den Tee wohl in größeren Mengen brauen müssen. Mein Zahnarzt wird sich über eine Tasse freuen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3263622768781598349-1583581360947145636?l=callisto24.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://callisto24.blogspot.com/feeds/1583581360947145636/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3263622768781598349&amp;postID=1583581360947145636' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/1583581360947145636'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/1583581360947145636'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://callisto24.blogspot.com/2011/01/schimmel-im-haus.html' title='Schimmel im Haus'/><author><name>callisto24</name><uri>http://www.blogger.com/profile/18191488055625225167</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/_Uzq-1PR2gcg/SNaEoxPltqI/AAAAAAAAAAM/7NujjFFZKlk/S220/peacesee.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3263622768781598349.post-8877160666083069069</id><published>2010-12-19T05:19:00.001-08:00</published><updated>2010-12-19T05:19:47.130-08:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Geschichte'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='schreiben'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Weihnachten'/><title type='text'>Have yourself a merry little christmas</title><content type='html'>Seasons Greetings to my lovely friendslist. &lt;br /&gt;&lt;a href="http://www.taz.de/support-WikiLeaks" target="_blank"&gt;&lt;img style="width:72px;height:166px;border:none;" src="http://www.taz.de/lib/icons/logos/Wikileaks_logo-72.png" title="Blockade sichere Webbanner für WikiLeaks ein Aktion von www.bewegung.taz.de" alt="WikiLeaks" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Im letzten Jahr hab ich tatsächlich keine einzige Fanfiction geschrieben. (Wenigstens kann ich mich nicht daran erinnern.) Und ich weiß nicht einmal, wie man einen traurigen Smiley herstellt, sonst würde ich ihn hier einsetzen. So kann ich nur vermuten: :(, :)&lt;br /&gt;Aber ein paar originale Fictions sind dazugekommen, meistens extrem deprimierend. Daher die neue Weihnachtsliste:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://fanfiktion.de/s/494d285f000046fb0c906590"&gt;Weihnachten im Camp&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;Original Slash&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://community.livejournal.com/100_originale/27215.html#cutid1"&gt;Weihnachten - Bann&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://community.livejournal.com/100_originale/30252.html#cutid1"&gt;Fremd&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://community.livejournal.com/100_originale/19950.html#cutid1"&gt;Weihnachtselfen&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;Original Femslash&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://community.livejournal.com/100_originale/15332.html#cutid1"&gt;Krieger&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://community.livejournal.com/100_originale/13949.html#cutid1"&gt;Sommer&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://community.livejournal.com/100_originale/23964.html"&gt;Sylvester&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;table&gt;&lt;br /&gt;&lt;tr&gt;&lt;br /&gt;&lt;td&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://community.livejournal.com/fanfic_de/384023.html?#cutid1"&gt;Eine Petrelli-Weihnacht&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;Heroes, comedy&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://community.livejournal.com/recdich/24452.html"&gt;Unvermeidlich&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;24, comedy&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://community.livejournal.com/fanfic_de/394970.html?#cutid1"&gt;Ein Numb3rs Weihnachtsfest&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;Numb3rs, comedy&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://community.livejournal.com/fanfic_de/395256.html#cutid1"&gt;Weihnachten in San Francisco&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;Crossover, comedy&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://community.livejournal.com/freudianguns/34314.html?#cutid1"&gt;Mourning&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;Crossover Slash Drabble, Heroes/24, english, Peter Petrelli/Jack Bauer&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;/td&gt;&lt;br /&gt;&lt;td&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://community.livejournal.com/fanfic_de/383782.html?#cutid1"&gt;Damals&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;Heroes, drama&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://community.livejournal.com/fanfic_de/120087.html#cutid1"&gt;Allein&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;24, drama&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://callisto24.livejournal.com/12517.html#cutid1"&gt;Xmas&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;24, english, gen&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://callisto24.livejournal.com/15418.html#cutid1"&gt;A Jack/Chase Christmas&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;24, english, slash, smut&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://callisto24.insanejournal.com/24393.html"&gt;Willi Wonka's - Before Christmas&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;Crossover,english, slash, sylum&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;/td&gt;&lt;br /&gt;&lt;/tr&gt;&lt;br /&gt;&lt;/table&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://community.livejournal.com/fanfic_de/396120.html#cutid1"&gt;Weihnachten in Stars Hollow&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;Gilmore girls, drama&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://s63.photobucket.com/albums/h128/cal_listo24/glitter/?action=view&amp;amp;current=MerryChristmasstars.gif" target="_blank"&gt;&lt;img src="http://i63.photobucket.com/albums/h128/cal_listo24/glitter/MerryChristmasstars.gif" border="0" alt="Photobucket"&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Noch etwas Schmuddeliges? &lt;br /&gt;&lt;a href="http://www.club-der-sinne.de/gratis-eBooks:_:37.html"&gt;&lt;b&gt; gratis e-books&lt;/b&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a target="_blank" title="ImageShack - Image And Video Hosting" href="http://img7.imageshack.us/i/vomniko.jpg/"&gt;&lt;img src="http://img7.imageshack.us/img7/5359/vomniko.jpg" border="0" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fast vergessen - mein Weihnachtsbuch: &lt;br /&gt;Leseprobe aus 'Kimberleys Weihnacht - Schlimmer geht's immer'! &lt;br /&gt;Erschienen 2010, Aavaa Verlag&lt;br /&gt;Alle Rechte vorbehalten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://s63.photobucket.com/albums/h128/cal_listo24/cover%20und%20photos/?action=view&amp;amp;current=kimberley.jpg" target="_blank"&gt;&lt;img src="http://i63.photobucket.com/albums/h128/cal_listo24/cover%20und%20photos/kimberley.jpg" border="0" alt="Photobucket"&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erna schubste inzwischen Armin vorwärts. „Wir gehen“, verkündete sie. „Diese Umgebung kann und will ich unschuldigen Gemütern nicht länger zumuten. Emil, kommst du?“ &lt;br /&gt;„Also ich …“ Emil tauschte mit Tessa einen Blick. Das gab es doch gar nicht. War die Welt denn jetzt voller Paare? Und ich der einzige Single in meinem eigenen Haus? &lt;br /&gt;Ich fing einen Blick Samiras auf. Sicher, sie teilte mein Schicksal. Aber im Gegensatz zu mir, war sie noch jung. Ich kippte den Inhalt des Glases, das ich noch in meiner Hand hielt, meine Kehle hinunter. &lt;br /&gt;„Ich denke, wir bleiben noch ein wenig“, meinte Emil dann. „Ist doch so nette Gesellschaft hier.“ Tessa lächelte. Doch als Erna Armin nun auf ihren Bruder zu dirigierte, offenkundig in der Hoffnung, dass ein Mann ihm Verstand einprügeln konnte, sprang sie auf und nahm mich am Arm. „Wieso hast du mir nie verraten, was für einen hinreißenden Bruder du hast?“ &lt;br /&gt;„Emil?“ Ich brauchte unbedingt noch einen Drink. &lt;br /&gt;„Natürlich Emil, er ist entzückend.“ &lt;br /&gt;„Er ist ein Zwangsneurotiker. Putzt den ganzen Tag. Deshalb hat seine Frau es nicht mehr ausgehalten.“ &lt;br /&gt;Tessa schnalzte mit der Zunge. „Du redest wirr. Er putzt, kocht, räumt auf, hat einen Job und ist zuverlässig. Zieht alleine ein Kind auf, um Himmels willen. Er ist ein Traummann.“ &lt;br /&gt;„Emil?“ Eindeutig brauchte ich einen Drink. „Das willst du mir nicht wirklich antun.“ &lt;br /&gt;„Ach du, Witzbold.“ Sie knuffte mich in die Seite. „Ich bin so froh, dass du mich heute eingeladen hast. Deine Familie ist Gold wert.“ &lt;br /&gt;Ich sah auf Erna. „Da wäre ich mir nicht so sicher.“ &lt;br /&gt;„Ach komm“, meinte Tessa. „Sieh sie dir doch an.“ Ich warf einen Blick auf Clarissa, die gerade ihren Kopf zur Seite neigte und ihrem Neffen Tamino durch sein Haar fuhr. Es störte sie keineswegs, dass er gerade dabei war, dem Lebkuchenmann seine Puderzuckerknöpfe abzureißen, die sie vermutlich in sorgfältiger Kleinarbeit hergestellt hatte. Mich störte allerdings der Anblick der roten Flecken an ihrem Hals, die sichtbar wurden, als ihr Tuch verrutschte. Zuerst dachte ich an Knutschflecken und unterdrückte einen Würgereiz. Doch dann fiel mir auf, dass die Male erheblich kleiner und auch dunkler aussahen, punktförmig, fast wie Bisswunden. &lt;br /&gt;Ich packte Tessa am Arm. „Jacques“, keuchte ich und fühlte mich ein wenig bestätigt, als Tessa tatsächlich erstarrte. „Was ist mit dem Jungen?“, fragte sie vorsichtig. „Hast du nicht Angst …“ &lt;br /&gt;„Ich wollte es dir sagen“, unterbrach Tessa mich rasch. „Nur fand ich nicht den richtigen Zeitpunkt. Du warst so beschäftigt. Und dann überschlug sich alles.“ &lt;br /&gt;„Ich meine Clarissa …“ &lt;br /&gt;Plötzlich und ohne dass ich mehr gesagt hatte, richteten sich kühle Augen auf mich. Die Valizianer verfügten über ein erstaunlich gutes Gehör. &lt;br /&gt;Ich senkte meine Stimme. „Es sieht fast aus, als sei sie gebissen worden. In den Hals.“ &lt;br /&gt;„Und du denkst … nein, das kann ich mir nicht vorstellen. Nicht nachdem ich mich mit dem Gedanken angefreundet habe …“ Sie unterbrach sich und stürzte zur Tür. „Tanja! Du kommst sofort rein.“ &lt;br /&gt;„Aber Mama, was ist denn?“ Tanja kraulte Jacques im Nacken und kam widerstrebend näher. Tessa stemmte die Hände in die Seiten, starrte den Wolf an, der seinerseits einen Hundeblick auf sie richtete. Fast tat er mir leid. „Wir haben uns gerade erst ausgesprochen“, schmollte Tanja weiter. „Du weißt doch, wie unglücklich ich war. Aber jetzt ist alles geklärt.“ &lt;br /&gt;Tessa starrte den Wolf ärgerlich an, der sich tiefer duckte und leicht zurückwich. &lt;br /&gt;„Jacques.“ Der Wolf winselte. &lt;br /&gt;„Hast du jemanden gebissen? Jemanden aus diesem Haus, dieser Familie?“ &lt;br /&gt;„Aber Mama, wie kannst du nur? Das hatten wir doch alles.“ &lt;br /&gt;„Würde ich nie tun“, sagte Jacques zu meinem Erstaunen. Er war schwierig zu verstehen, die Zähne behinderten ihn ein wenig.&lt;br /&gt;„Ich weiß nichts über die Glaubwürdigkeit von Wölfen“, schimpfte Tessa. „Vielleicht war es auch einer von seinen Freunden. Ich sehe keine anderen bissigen Wesen hier.“ &lt;br /&gt;„Wir sind nicht bissig“, brummelte Jacques. &lt;br /&gt;Im Hintergrund räusperte sich jemand. „Da haben die Vierbeiner Recht.“ &lt;br /&gt;„Wie bitte?“ Tessa fuhr herum und stand plötzlich vor Arminius. Der hatte sich so schnell vor ihr aufgebaut, dass auch ich sein Nahen nicht bemerkt hatte. &lt;br /&gt;„Kommen Sie doch lieber herein. Sie alle.“ Er nickte in Richtung der Wölfe. Die sahen sich an, zogen ihre Schwänze ein und kamen ins Haus, noch bevor ich wiedersprechen konnte. Eigentlich war ich auch nicht mehr zum Widerspruch fähig. Wölfe im Haus? Warum auch nicht? Und wenn sie schon zugaben, nicht bissig zu sein, dann konnte doch wirklich nichts geschehen. Außerdem schneite es inzwischen in dicken Flocken. Da jagte man keinen Hund vor die Tür. Oder Wolf. &lt;br /&gt;Es war ein bisschen eng im Wohnzimmer, dennoch passten wir alle hinein. Ich ignorierte Ernas entsetzten Aufschrei beim Anblick der Wölfe, die sich vermutlich mehr erschreckten als sie und hinter dem Sofa zusammenkauerten. &lt;br /&gt;„Sie können sich nicht zurückverwandeln“, warf Tanja Erna vor. „Egal wie sehr sie sich aufregen. Erst wenn die Sonne aufgeht, nehmen sie wieder ihre normale Gestalt an.“ &lt;br /&gt;„Armin!“ &lt;br /&gt;„Ist schon gut, Liebling.“ Armin, sichtlich ausgebrannt, murmelte nur noch leere Phrasen. &lt;br /&gt;Arminius hingegen hatte wieder das Strahlen aufgesetzt, das mich bereits am Vortag genervt hatte. „Erst einmal meinen Dank für dieses wunderbare Fest.“ Er deutete eine Verbeugung in meine Richtung an. „Dass wir nun zu dieser Familie gehören, erfüllt uns mit Glück und Stolz.“ &lt;br /&gt;Erna starrte auf die Wölfe. Die ihrerseits starrten sie an. „Ich will nach Hause.“ &lt;br /&gt;„Aber sicher, meine Gnädigste.“ Nun verbeugte Arminius sich in ihre Richtung. „Und es wäre mir eine Freude, wenn wir Sie nach Hause bringen dürften.“ &lt;br /&gt;„Wir sind mit dem Auto da“, flüsterte Erna erschrocken. „Und wir haben Schneeketten“, bemerkte Armin. &lt;br /&gt;„Aber natürlich“, nickte Arminius und reichte unvermutet Armin seine Hand. Dessen Mund klappte auf, dennoch gab er einen kräftigen Händedruck zurück. &lt;br /&gt;„Sie sind betrunken und draußen ist es glatt“, sagte Arminius. „Wir werden Sie heimbringen. Ihr Bruder und unsere Tochter sind verlobt. Nun sind wir auf ewig verbunden und füreinander verantwortlich.“ &lt;br /&gt;„Öh, nun übertreiben Sie aber“, meinte Armin. &lt;br /&gt;„Mitnichten, lieber Freund. Ist Ihnen überhaupt aufgefallen, dass wir uns einen Namen teilen? Auch wenn meiner ein wenig klassischer anmutet. Aber das liegt in der Natur der Sache und in meinem Alter begründet.“ &lt;br /&gt;„Was faseln Sie da nur?“, murrte Armin. „Für den Fall, dass es Ihnen nicht aufgefallen ist, meine Frau ist sehr skeptisch, was die Verlobung betrifft. Sehr skeptisch.“ &lt;br /&gt;„Mann, das ist doch egal“, fiel ich ein. „Was ist mit dem Biss? Wir haben hier ganz andere Probleme.“ Es kam nicht sehr überzeugend heraus, da mich ein Schluckauf peinigte. „Hicks, ich meine – Clarissa?“ &lt;br /&gt;Clarissa hob die Augenbrauen. „Was ist mit mir?“ &lt;br /&gt;„Hast du dich verletzt?“ &lt;br /&gt;„Wie kommst du denn darauf?“ &lt;br /&gt;„Ach ich dachte nur – hicks – da!“ &lt;br /&gt;Sie hatte ihren Schal abgelegt und ich zeigte aufgeregt auf die Wunden. „Das sind doch … ich meine … hicks!“ &lt;br /&gt;„Ach das.“ Clarissa kicherte. „Ist nicht so wie du denkst. Das war ganz allein meine Entscheidung. Ich wollte es.“ &lt;br /&gt;„Du wolltest dich von einem Werwolf beißen lassen?“ &lt;br /&gt;„Was? Nein – natürlich nicht.“ &lt;br /&gt;Clarissa sah sich hilflos um, bis sie Theobald entdeckte, der bereits wieder auf gewohnt missmutige Art in der Ecke stand. „Ich hab mich von ihm beißen lassen.“ &lt;br /&gt;„Wie bitte?“ Ich traute meinen Ohren nicht. Und offenbar ging es anderen ebenso. &lt;br /&gt;„Wieso solltest du so etwas tun?“, fragte Emil entgeistert. &lt;br /&gt;„Das ist doch krank“, murmelte Isabelle. „Du brauchst Hilfe, Mädchen.“ &lt;br /&gt;„Nein, jetzt nicht mehr“, lachte Clarissa glücklich. &lt;br /&gt;„In was für eine Familie willst du da einheiraten?“ ging Erna nun auf Konrad los, der den Austausch stumm verfolgte, nur seinen Arm schützend um Amalia gelegt hielt. „Beißt du etwa auch andere Menschen?“ &lt;br /&gt;Nun richtete Konrad sich gerade auf. „Jetzt reicht es aber. Nein, ich beiße nicht. Und wenn Clarissa das will, dann ist das ihre Sache.“ &lt;br /&gt;„Aber doch nicht vor den Kindern“, protestierte Erna. &lt;br /&gt;„Das ist doch alles ganz anders“, mischte sich Pandora ein. „Der Abend hat so schön angefangen …“ &lt;br /&gt;„Himmel – Herrgott“, schimpfte Konrad. „Jetzt hab ich aber genug. Seid ihr denn alle völlig von gestern? Muss ich euch wirklich mit der Nase drauf stoßen? Wir haben Wölfe im Wohnzimmer. Wollt ihr mir erzählen, dass ihr nicht von selbst darauf kommt.“ &lt;br /&gt;„Worauf – hicks – denn?“ &lt;br /&gt;„Darauf dass mehr Dinge zwischen Himmel und Erde existieren, als das Fernsehen uns beibringt.“ &lt;br /&gt;„Und zwar?“ Ich hatte ehrlich gesagt genug von dem Geschwafel. &lt;br /&gt;„Kim!“ Clarissa kam strahlend und bleich auf mich zu. Eine irritierende Kombination, wenn auch nicht so irritierend, wie ihre Worte. „Ich habe mich beißen lassen. Ist das nicht großartig?“ &lt;br /&gt;„Das kann ich gar – hicks – nicht finden.“ &lt;br /&gt;„Du siehst die Konsequenzen nicht“, fuhr sie eifrig fort. „Stell dir nur vor, nie wieder Kalorien zählen? Nie wieder in den Spiegel sehen müssen. Ich kann für immer dünn bleiben.“ &lt;br /&gt;„Für die Ewigkeit“, ergänzte Arminius. &lt;br /&gt;„Ach nein“, seufzte Konrad. „Du willst tatsächlich einer von ihnen werden?“ &lt;br /&gt;„Schon passiert“, verkündete Clarissa stolz. „War ganz leicht. Hat auch fast nicht weh getan.“ &lt;br /&gt;„Da hörst du es“, schubste Amalia Konrad an. „Es tut nicht weh.“ &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;TBC im Aavaa Verlag auf www.buchfeinkost.de&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3263622768781598349-8877160666083069069?l=callisto24.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://callisto24.blogspot.com/feeds/8877160666083069069/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3263622768781598349&amp;postID=8877160666083069069' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/8877160666083069069'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/8877160666083069069'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://callisto24.blogspot.com/2010/12/have-yourself-merry-little-christmas.html' title='Have yourself a merry little christmas'/><author><name>callisto24</name><uri>http://www.blogger.com/profile/18191488055625225167</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/_Uzq-1PR2gcg/SNaEoxPltqI/AAAAAAAAAAM/7NujjFFZKlk/S220/peacesee.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://i63.photobucket.com/albums/h128/cal_listo24/glitter/th_MerryChristmasstars.gif' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3263622768781598349.post-677741520350764747</id><published>2010-12-19T04:05:00.001-08:00</published><updated>2010-12-19T04:05:59.646-08:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Geschichte'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='schreiben'/><title type='text'>Jasmin</title><content type='html'>Titel: Jasmin&lt;br /&gt;Autor: callisto24&lt;br /&gt;* * *&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Leben erscheint immer wieder seltsam, nicht zuletzt, weil es die merkwürdigsten Verbindungen erschafft. Auch wenn sich heutzutage niemand mehr über Altersunterschiede wundern sollte, so wird doch die Frau, die sich den jüngeren Mann angelt, vielleicht zu heiß beneidet, als dass ihr Verhalten Schule machte. &lt;br /&gt;Isabelle war eine erfolgreiche Frau. Sie kannte es nicht anders, aber war auch nicht eingebildet genug, um zu leugnen, dass ihr Erfolg in erster Linie mit ihrem Erbe zusammenhing. Ein guter Name schadete nie und schon gar nicht in ihrem Geschäft. Hatte ihr Vater als Parfümeur bereits Geschichte geschrieben, so war es ihr doch immerhin gelungen, trotz der schwierigen Wirtschaftslage, keine Verluste einzufahren. Vererbt wurde ihr nicht nur das Unternehmen, sondern auch die Liebe zu den Düften und zur Erschaffung bemerkenswerter Kreationen. Ganz zu schweigen von der Liebe zu dem Glamour, der sie und ihre Profession umgab. &lt;br /&gt;Dennoch fehlte Isabelle das Wichtigste zu ihrem Glück. Von Tag zu Tag hörte sie ihre biologische Uhr lauter ticken und von Tag zu Tag sah sie sich weiter davon entfernt, einen Menschen zu finden, an den sie sich zu binden bereit sei. &lt;br /&gt;Dabei hatte sie nie viel auf die Meinung anderer gegeben. Die Blicke und Bemerkungen, die sie trafen, wann immer sie sich mit einem ihrer männlichen Models im Arm zeigte, erwiderte sie mit einem Lächeln. Auch als ihre Begleiter immer jünger wurden, wenigstens im Gegensatz zu ihr selbst. Isabell war sich durchaus darüber im Klaren, dass es der Neid war, der ihr die Kritik an ihren Beziehungen einbrachte. Und warum sollte sie nicht beneidet werden, wenn die schönsten Männer der Welt ihr zu Füßen lagen, ihr alle Wünsche von den Lippen ablasen. &lt;br /&gt;Dennoch konnte ihr keiner geben, was sie sich ersehnte. Keinem einzigen war sie bis jetzt begegnet, der auch nur das entfernteste Verständnis für ihre Welt, für ihre Besessenheit, für ihre Liebe zu den Düften dieser Welt aufbrachte. Keiner, der eine Saite in ihr zum Klingen brachte, von der sie selbst nur ahnte, dass sie existierte. &lt;br /&gt;Manchmal klagte Isabelle Mathilda ihr Leid, der einzigen Vertrauten, die sie neben ihrem Therapeuten in ihr Leben ließ. Gemeinsam lauschten sie auf das Ticken der Uhr und Mathilda unternahm, was ihr in den Sinn kam, um Isabelle von ihrer Einsamkeit abzulenken. Doch alle Bemühungen resultierten nur darin, dass Isabelle sich mehr denn je in ihrer Arbeit vergrub, dass ihre Suche nach neuen Düften sich zu einer Obsession auswuchs, die jedes andere Gefühl zu ersticken drohte. &lt;br /&gt;Mathilda floh von Zeit zu Zeit aus dem bedrückenden Umfeld, gewöhnte sich ab, die Freundin zu beobachten, die Tag für Tag missmutiger und freudloser erschien. Mathilda floh weit, suchte dann ihre einzige Verwandte auf, eine Tante aus Kindheitstagen, die aus eigener Kraft eine Gärtnerei aufgebaut hatte. Was Mathilda nicht wusste: ihrer Tante Helene war es zur Gewohnheit geworden, dem eigenen Schicksal zu danken, indem sie immer wieder eine verlorene Seele in ihr Haus und in ihren Betrieb aufnahm. Jemanden, der ohne Abschluss, ohne Familie und ohne Zukunftsaussichten auf die schiefe Bahn geraten war oder andere finstere Gefilde durchwanderte. &lt;br /&gt;Mathilda sah ihn selten und Helene erklärte ihr auch den Grund. Der junge Mann sprach nicht viel. Er bewegte sich in Gesellschaft anderer Menschen unsicher und ungelenk. Seine Ängste waren wohl begründet und die Flucht in die Welt der Pflanzen nur allzu verständlich. In Helenes Gewächshäusern fand er Ruhe und Frieden. Die Blumen wurden ihm zu besseren Vertrauten, als jeder Mensch es gewesen wäre. Sie sprachen zu ihm und er antwortete. Er säte, pflanzte und pflegte mit jener rückhaltlosen Liebe, die selten war und die weder Mathilda noch Helena jemals wieder beobachteten. &lt;br /&gt;Peter war ein Segen für ihr Geschäft, so vertraute Helene ihrer Nichte an. Ihre Pflanzen wuchsen und gediehen, als versuchten sie, ihm damit eine Freude zu bereiten, ihn für seine Vergangenheit zu entschädigen. &lt;br /&gt;Manchmal bekam sie ihn tagelang nicht zu Gesicht. Nur die Spuren seiner Arbeit, die sorgfältig gewässerten Töpfe und Kästen, die liebevoll geschnittenen Hecken und die immer wieder vorwitzig aus der dunklen, reichen Erde sprießenden Keime, erzählten von seiner Anwesenheit. &lt;br /&gt;Und wenn er zurückkehrte, dann duftete er nach Jasmin, betäubend genug, als bedeckten ihn die Blüten der Pflanze immer noch. Der Duft haftete an ihm, ließ ihn über das gesamte Jahr nicht los, entfaltete sich zur Blütezeit jedoch zu nahezu atemberaubender Fülle. Wenn er an Helene vorüberging, so vertraute sie Mathilda an, dann umhüllte ihn eine Süße, die jeden rationalen Gedanken flüchten ließ. Zurück blieb nur ein Gefühl des Glücks, das mit keinem Wort zu erfassen war. Er duftete reiner als jede Blüte es könnte, klarer, als ein Hain gepflanzt aus Jasmin es im Zauber des Mondlichtes vermochte. &lt;br /&gt;Sein Duft verband die Trauer seines Wesens mit dem Wunder der Natur und niemand konnte sich ihm entziehen. &lt;br /&gt;Mathilda lachte, als sie Helene zuhörte. Sie kannte die teuersten Parfums, ihr Leben bestand aus den exquisitesten Gerüchen, und allein die Vorstellung, der Duft einer gewöhnlichen und nicht einmal exotischen Pflanze überträfe das fachliche Geschick der Meister auf ihrem Gebiet, entlockte ihr ein Lächeln. &lt;br /&gt;Doch Helene blieb überzeugt und als Mathilde aufsah, entdeckte sie Peter, der, weit genug fort von dem lauschigen Plätzchen, an das sie sich zurückgezogen hatten, aber doch nah genug, damit sie seine hochgewachsene Gestalt bewundern konnte, mit anmutigen Bewegungen Unkraut jätete. &lt;br /&gt;Mathilde betrachtete ihn sich genauer, das dunkle Haar, das ihm locker in die Stirn fiel und das er sich nicht selten mit einem ärgerlichen Kopfschütteln zurückwarf. Dennoch fiel es ihm unablässig erneut in sein Gesicht. Und als Mathilde ihre Aufmerksamkeit auf die großen, braunen Augen richtete, die so gedankenverloren in die Ferne zu blicken schienen, da wurde ihr klar, dass sie nie zuvor einen schöneren Mann gesehen hatte. &lt;br /&gt;Helene sah sie lächelnd an. „Hat was der Knabe, oder nicht?“ &lt;br /&gt;Mathilde nickte widerstrebend. „Du weißt ja, dass meine Vorlieben nicht in den männlichen Reihen der Schöpfung liegen, aber er sieht tatsächlich hübsch aus.“ &lt;br /&gt;„So dumm es sich anhört“, seufzte Helene. „Aber wenn du erst neben ihm stehst und seinen Duft einatmest, dann orientierst du dich vielleicht um.“ &lt;br /&gt;Mathilde lachte. „Ich glaube nicht, dass sich vierzig Jahre so rasch auslöschen lassen.“ &lt;br /&gt;Worauf Helene den Kopf schüttelte. „Weißt du, wenn sogar ein betagtes Frauenzimmer wie ich, das eigentlich jenseits von Gut und Böse sein sollte, Attraktivität bemerkt, dann ist nichts unmöglich.“ &lt;br /&gt;Mathilde lachte noch, als ihr ein Gedanke kam und sie runzelte ihre Stirn. „Bezweifle ich zwar, aber ich habe eine jüngere Freundin, die momentan in einer Krise steckt. Vielleicht sogar in mehreren. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Bekanntschaft mit jemandem, der nicht von seinem guten Aussehen oder dem Geschäft allzu abgelenkt wird, ihr weiterhelfen kann.“ &lt;br /&gt;Helene biss sich auf die Unterlippe, zögerte mit der Antwort. „Ich wünsche dem Jungen mehr als alles andere ein besseres Leben. Aber er zieht sich sehr zurück. Du weißt wie das ist mit den gebrannten Kindern. Ob er sich in deiner Welt zurechtfände, wage ich zu bezweifeln.“ &lt;br /&gt;Mathilda setzte sich eifrig auf. „Das soll er auch gar nicht. Ich dachte eher, dass Isabelle aus ihrem Trott ausbrechen könnte, aus ihrer künstlichen Laborwelt, in der sie Düfte zusammenmischt, deren Ursprünge ihr nicht einmal bewusst sind.“ &lt;br /&gt;Helene schüttelte den Kopf. „Nach allem, was du mir über sie erzählst, glaube ich kaum, dass du sie dazu bewegen kannst, hier heraus in die Einöde zu fahren. Und womit willst du sie überzeugen, meiner Gärtnerei oder einem einfachen Angestellten ihre Aufmerksamkeit zu schenken?“ &lt;br /&gt;Mathilda seufzte. Aber eine Idee hatte sich in ihr festgesetzt und wollte nicht weichen. &lt;br /&gt;Nicht, als sie sich verabschiedete, ohne Peter nähere Beachtung geschenkt zu haben. &lt;br /&gt;Auch nicht, als sie sich wieder in der Tretmühle befand. Und schon gar nicht, wenn ihr Blick auf Isabelles verkniffenes Gesicht fiel, als sie zusah, wie die Freundin sich in ihre Arbeit stürzte, ohne einen Erfolg für sich verbuchen zu können. Nicht in privater und auch nicht in beruflicher Hinsicht. Ein Umstand, der Isabelle zusätzlich zu belasten begann. Sie wusste sehr gut, dass es an der Zeit war, eine neue Kreation auszurufen. Wer sich nicht rührte, ging in der Menge unter, und sie hatte sich schon allzu lange ablenken lassen, viel zu lange nicht mehr auf dem gesellschaftlichen Parkett und in der Geschäfts- und Modewelt blicken lassen. &lt;br /&gt;„Ich wollte einen triumphalen Einzug halten“, klagte sie Mathilde ihr Leid. „Ich wollte mit einem neuen Duft, einem Ehemann und Familie aufwarten. Die Zeitungen sollten über mich schreiben, die Menschen sich den Mund zerreißen. Und nun bin ich nichts als eine einsame, alte Jungfer, die nur noch ihre Arbeit hat. Und nicht einmal die vermag ich zu erledigen.“ Isabelle schluchzte auf und Mathilda litt mit ihr. &lt;br /&gt;Sie räusperte sich überlegt. „Dass die Zeitungen über dich schreiben, lässt sich doch sicher auch anders erreichen. Es kommt nur auf eine ausreichend bombastisch aufgezogene Werbeaktion an. Nach meinem Empfinden brauchst du nicht mehr als ein gesellschaftliches Ereignis. Ob nun mit oder ohne Mann.“ &lt;br /&gt;Isabelle stöhnte. „Was soll ich mir darunter denn vorstellen? So eine Art Ball ausgerichtet für ein Aschenputtel? Nur dass ich in diesem Fall der Prinz bin?“ &lt;br /&gt;Mathilda schnalzte mit der Zunge. „An was du nur wieder denkst. Kann es sein, dass du so auf die Suche nach einem Mann fixiert bist, dass nichts anderes mehr für dich existiert?“ &lt;br /&gt;Isabelle senkte den Kopf. „Möglich“, gab sie zu und stöhnte. „Und ich weiß auch nicht, wie ich aus diesem Karussell aussteigen kann. Es dreht und dreht sich, bis ich zu alt und vertrocknet bin, um mich sogar nach Hirn- und gefühllosen Dressmen umzusehen.“ &lt;br /&gt;„Hm.“ Mathilda blinzelte. „Ich dachte an eine Werbeaktion revolutionärer Ausmaße. Warum nicht mit der Suche nach einen Prinzen verbinden?“ &lt;br /&gt;„Ach du.“ Isabelle versuchte ihr einen Klaps zu verabreichen, aber Mathilda drehte sich rasch genug weg. „Im Ernst – wir suchen den neuen Duft. Jeder der dazu beitragen kann, darf sich vorstellen. Und das im Rahmen eines gigantischen, von den Medien live übertragenen Events.“ &lt;br /&gt;Isabelle hielt in der Bewegung inne. „Du meinst, die letzte Komponente meiner neuen Kreation. Der zarte Hauch, nach dem ich suche. Wir sollen versuchen, ihn mit Hilfe einer Ausschreibung zu finden?“ &lt;br /&gt;Mathilda zuckte mit den Schultern. „Was haben wir zu verlieren? Selbst wenn der Duft kein durchschlagender Erfolg wird, so dürfte die Strategie ausreichen, um die Ausgaben wieder hereinzuholen. Und du bist wieder im Gespräch.“ &lt;br /&gt;Isabelle atmete tief durch und nickte. Die Saat war gesetzt und Mathilde blieb es nun übrig darüber nachzudenken, wie sie ihre heimliche Vision in die Realität umsetzen konnte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Peter strich sich sein Haar zurück und legte den Kopf schief, als Helene näher kam. Er stützte sich auf den Spaten und wartete, beobachtete wie Helene vorsichtig schnupperte, lächelte und dann in sicherem Abstand stehen blieb. Er hatte damit aufgehört, darüber nachzudenken, was es war, das sie fernhielt. Bis jetzt machte sie noch keine Anstalten, ihn herauszuwerfen. Das Einzige, wovor er sich fürchtete, denn der Garten, die Gewächshäuser und vor allem die Jasmin-Sträucher, die er hegte und pflegte und in deren Mitte, gut versteckt vor der Welt, sein Lieblingsplatz lag, waren ihm ein Zuhause geworden. Das einzige Zuhause, an das er sich erinnern konnte. &lt;br /&gt;Helena warf einen Blick auf die weißen Blütenblättern, die auf seine Schultern gefallen waren und sich in seinem Haar verfangen hatten, ohne dass er sich dessen bewusst war, und seufzte leise. &lt;br /&gt;„Du solltest einmal raus hier“, schlug sie vorsichtig vor. Nicht unerwartet erstarrte der Mann. &lt;br /&gt;„Was ist geschehen?“, fragte er mit belegter Stimme. &lt;br /&gt;„Nichts“, beeilte Helene sich zu versichern. Es war nicht fair, dass ein Junge, der durch Waisenhäuser, Jugendgefängnisse und üble Erfahrungen gegangen war, sich so sehr vor dem Leben fürchtete, dass er sich in einem Garten verkroch. Nicht einmal, wenn es ihr Garten war. &lt;br /&gt;Helene rief sich in Erinnerung, was Mathilda zu ihr gesagt hatte. Sie nickte in Richtung des Jasmins. „Ich brauche deine Hilfe.“ &lt;br /&gt;Sie räusperte sich verlegen. „Das Geschäft läuft im Augenblick ein wenig schleppend. Das bedeutet, ich muss jede Chance ergreifen, um ein wenig Aufheben um den Betrieb zu machen. Wenigstens wenn ich meine Rente sichern will. Und da wurde mir angetragen, ein paar meiner besonders wohlriechenden Pflanzen vorzustellen. Im Rahmen einer Gala.“ &lt;br /&gt;Peter verzog kurz den Mund, presste dann die Lippen zusammen. &lt;br /&gt;Helene seufzte leise. „Ich würde selbst gehen, aber mein Bein macht mir wieder Schwierigkeiten. Und außerdem würde ich mir wünschen, dass du öfter unter die Leute kommst.“ &lt;br /&gt;„Mir geht es gut“, antwortete Peter ruhig. &lt;br /&gt;„Ich weiß, natürlich. Ich weiß auch, dass du dich hier wohler fühlst. Aber manchmal muss man dem Glück auch eine Möglichkeit geben, sich zu entfalten.“ &lt;br /&gt;Peter runzelte die Stirn. „Ich bin glücklich.“ &lt;br /&gt;Helene ging einen Schritt auf ihn zu und atmete genießerisch ein. „Sei so gut und tu mir den Gefallen. Ich bitte dich.“ &lt;br /&gt;Worauf Peter nicht anders konnte, als den Kopf zu senken und zuzustimmen. &lt;br /&gt;Und noch ehe er sich versah, war der Tag gekommen. Nach Helenes Anweisung lud er den Laster voller Blütenzweige, die er mit blutendem Herzen abgeschnitten hatte. Arme voller herrlicher weißer und betäubend duftender, sich gerade erst öffnender Knospen trug er durch den Garten, strich liebevoll über die zusammengebundenen Äste. &lt;br /&gt;Immer wieder stoppte er die Fahrt, um die Blüten mit Wasser zu benetzen, sie in einem feuchten Nebel zu umfangen, der ihre Farben erstrahlen ließ und ihre Frische erhielt. &lt;br /&gt;Als Peter den Empfang erreichte, zögerte er. Und als man ihn, anstatt ihn zum Personal zu dirigieren, in eine Reihe Bewerber einfügte, die mit Flakons, Töpfen oder ihrerseits gewaltigen Blumensträußen ungeduldig warteten, glaubte Peter sich einem Irrtum zum Opfer gefallen. &lt;br /&gt;Er trug immer noch das Hemd, in dem er Gartenarbeit verrichtet hatte. Seine Hose wies Gras-Flecken auf und sein Haar wirkte ungekämmt. Die Gestalten neben ihm jedoch sahen aus, als bereiteten sie sich auf ein Bewerbungsgespräch vor, als stünden sie kurz davor, eine wichtige Erfindung zu präsentieren. &lt;br /&gt;Peter drückte die Zweige näher an seinen Körper und duckte sich in einem unbewachten Moment zur Seitentür heraus. Rasch fand er den Ausgang und stand einen Moment später auf einer weitläufigen Terrasse. &lt;br /&gt;Er lauschte auf die Musik, die Geräusche der Festlichkeit, deren bunte Lichter bis zu ihm flackerten. Unentschlossen verharrte er, überlegte krampfhaft, wie er seiner Verwirrung Herr werden konnte, ohne Helene zu enttäuschen. &lt;br /&gt;Ein plötzliches Geräusch ließ ihn zusammenfahren. Türen wurden zugeschlagen und geöffnet, bis rechts von ihm ein oranger Schein aus dem Gebäude drang, gefolgt von raschen Schritten. &lt;br /&gt;„Nun stell dich nicht an“, rief Mathilda hinter Isabelle her. „Du weißt, warum wir das veranstalten und kannst mir nicht erzählen, dass es so furchtbar für dich ist.“ &lt;br /&gt;Isabelle fuhr herum. „Ich schnuppere an wildfremden, merkwürdigen Gestalten und das zur Belustigung von Film und Fernsehen. Sag mir nicht, dass ich mich anstelle. Wenn ich gewusst hätte …“ &lt;br /&gt;Sie stoppte in ihrem Schritt. Der Moment, in dem sie Peter sah, war zugleich der Moment, in dem ein Windhauch den köstlichsten Duft zu ihr schickte. Unübertroffen in seiner Süße und zugleich von einer dunklen Schwermut, die mit unendlicher Zärtlichkeit ihre Sinne streichelte. Ihr Blick weitete sich. Sie erblickte die hohen Zweige, an denen unzählige weiße Blüten hafteten und zugleich die Gestalt, deren Arme sie mühsam umfingen. &lt;br /&gt;Große dunkle Augen fanden ihre und Isabelle stockte der Atem, als sich die fein geschwungenen Lippen in Erstaunen öffneten. &lt;br /&gt;Eine samtene Stimme drang leise an ihr Ohr, doch der Sinn der Worte entging ihr, als sie die zarten seidigen Blütenblätter bemerkte, die sich an seine Kleidung schmiegten, aus seinem Haar aufblitzten. &lt;br /&gt;„Entschuldigung. Ich … sollte nicht hier sein“, murmelte Peter und wich zurück, als die Frau einen Schritt auf ihn zuging. &lt;br /&gt;Mathilda verharrte im Hintergrund. Sie versuchte Isabelle Peters Anwesenheit, Helenes Idee zu erklären, doch ihre Worte verhallten ungehört. &lt;br /&gt;Isabelle streckte langsam ihre Hand aus und diesmal wich Peter nicht zurück. &lt;br /&gt;„Jasmin“, wisperte sie. „Jasmin hat gefehlt, ist es nicht so?“ &lt;br /&gt;„Jasmin fehlt immer“, antwortete Peter zögernd, als Isabelles Augen aufleuchteten. Ihr dunkles Grau glänzte im orangen Licht, das sie wie ein sanfter Schimmer umgab, und Peter wusste, dass er nie etwas Schöneres gesehen hatte. Keine Blüte, keine noch so perfekte Rose glich dieser Frau, die so selbstbewusst, so elegant, so königlich erschien. Und die ihn zugleich ansah, als trüge er die Lösung für alle Geheimnisse des Universums in sich. Deren Hand immer noch ausgestreckt war, als suchte sie seine Hilfe, als bräuchte sie ihn und sonst niemanden. &lt;br /&gt;Peter bemerkte nicht, wie ihm ein Teil der Zweige aus den Armen rutschte, als er zögernd nach ihren Fingern tastete, als seine warmen Hände ihr schmales, kaltes Handgelenk berührte, bevor sie sich ineinander verschlangen. &lt;br /&gt;Isabelle schloss die Augen, als sein Duft sich entfaltete, sie liebkoste und schließlich umfing. Fast fühlte sie sich, als schwänden ihr die Sinne und als sie ihre Augen wieder öffnete, blickte sie in ein fragendes Gesicht, umrahmt von weißen Blütenblättern. &lt;br /&gt;„Bleib bei mir“, bat sie, noch ehe sie zu sich kommen konnte. „Ich möchte nicht mehr ohne dich sein.“ &lt;br /&gt;Ein Laut hinter Isabelle ließ sie zusammenzucken, als sie aus den Augenwinkeln Mathilda auf sich zukommen sah. Die Freundin strahlte. &lt;br /&gt;„Ich verstehe nicht“, stieß Peter heiser hervor, ohne seinen Blick von Isabelle zu nehmen. &lt;br /&gt;„Das ist Schicksal“, jubilierte Mathilda. „Davon hätte ich nicht zu träumen gewagt, aber Helene hatte Recht. Ihr gehört zusammen.“ &lt;br /&gt;Isabelle schluckte, blinzelte und versuchte ihre Gedanken zu ordnen, die wild durcheinanderwirbelten. Bilder und Düfte von nie zuvor empfundener Intensität beschleunigten ihren Herzschlag. Und Peter befand sich in ihrem Zentrum, er nahm ihre Gefühle für sich ein, wie sie es nie zuvor gekannt hatte. &lt;br /&gt;„Was ist mir dir?“, fragte sie leise, als Peter seinen Blick senkte. &lt;br /&gt;„Ich kann nicht“, antwortete er und seine Stimme brach. „Ich bin nicht, was du denkst.“ &lt;br /&gt;Isabelle kam näher. Sie hob ihre verschlungenen Hände und legte seinen Arm um ihren Hals. Zwischen ihnen barsten die Knospen, brachten die Welt dazu stillzustehen, als sie flüsterte: „Du bist genau der, den ich gesucht habe“, flüsterte sie. „Was vorher war spielt keine Rolle. Die Zukunft existiert nicht. Aber jetzt halte ich dich fest und lasse nicht mehr los, solange du mich willst.“ &lt;br /&gt;Als er seinen Kopf an ihrer Schulter barg, funkelten Blitzlichter, brandete der Applaus auf. Und der Duft des Jasmin füllte ihre Herzen und trug sie davon in die Schönheit der Nacht.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3263622768781598349-677741520350764747?l=callisto24.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://callisto24.blogspot.com/feeds/677741520350764747/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3263622768781598349&amp;postID=677741520350764747' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/677741520350764747'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/677741520350764747'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://callisto24.blogspot.com/2010/12/jasmin.html' title='Jasmin'/><author><name>callisto24</name><uri>http://www.blogger.com/profile/18191488055625225167</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/_Uzq-1PR2gcg/SNaEoxPltqI/AAAAAAAAAAM/7NujjFFZKlk/S220/peacesee.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3263622768781598349.post-8199170419154970767</id><published>2010-12-19T03:59:00.000-08:00</published><updated>2010-12-19T04:00:04.733-08:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Geschichte'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='schreiben'/><title type='text'>Vampir</title><content type='html'>Titel: Vampir&lt;br /&gt;Autor: callisto24&lt;br /&gt;* * * &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Geruch war ihm unbekannt. Hin und wieder nahm er ihn wahr und konnte nicht anders, als zuzugeben, dass er ihn verstörte. Etwas Neues und nicht unbedingt Angenehmes addierte sich zu dem Duft, der ihn für gewöhnlich lockte. Der ihn mit jedem Schlagen eines Herzens lockte, das sich in seine Nähe wagte. Jenes Schlagen, das heiße, süße Ströme Blutes durch feste Adern beförderte und das ihm wie die herrlichste Musik in den Ohren klang. Nicht nur, wenn er trank. Seine Welt beherrschte dieser Klang, das regelmäßige Pochen, das köstlich erschien, ob es nun ruhig und regelmäßig oder aufgeregt und flatterhaft ertönte. &lt;br /&gt;Über Jahrhunderte hatte er sowohl die Laute, als auch die Düfte genossen, die ständig variierten, aber dennoch nie so grundsätzlich voneinander abwichen, dass es ihn verschreckte. &lt;br /&gt;Doch in diesem Jahrhundert entwickelte sich eine neue Seuche. Und der Vampir roch sie, schmeckte sie im Blut seiner Opfer. Sicher, sie konnte ihm nichts anhaben. So wie ihm nie zuvor eine Krankheit etwas hatte anhaben können. Infektionen, Schäden an Körper oder Geist, wuchernde Gewächse an jedem nur existierenden Organ, waren für ihn nie etwas anderes gewesen, als die pikante Würze, die eine notwendige Abwechslung in seinem sonst eintönigen Dasein verkörperte. Nichts davon hatte ihn jemals irritiert, nichts ihn abgestoßen. &lt;br /&gt;Natürlich war er es gewohnt, sich im Verborgenen zu halten. Seine Aktivitäten, seine Gewohnheiten, seine Bedürfnisse vor der Welt zu verstecken, war wichtiger als jeder Luxus, als jede Lebensqualität es sein konnte. &lt;br /&gt;Und so verhielt er sich schon immer eher praktisch als abenteuerlustig, eher vernünftig, als genussorientiert. &lt;br /&gt;Er brauchte nicht viel. Geschichten von Vampiren, die dem Reichtum frönten, belächelte er insgeheim. Viel Fantasie war nicht vonnöten, um zu erkennen von wem sie ersonnen waren. Nur ein Mensch konnte sich vorstellen, dass die Aufmerksamkeit, die ein Leben in Wohlstand mit sich zog, Halt machte bei der Frage nach näheren Umständen. Und allzu genau brauchte keiner seiner Art betrachtet zu werden, bis offensichtlich wurde, dass er nicht von dieser Welt war. Dass ihn etwas Dunkles, etwas Böses umgab. Ein Hauch von Tod und Mord schwang mit jedem ihrer Schritte und weder Blindheit noch taube Ohren konnten die Erkenntnis verschleiern. Eine Ahnung reichte aus, ein Windstoß, ein winziger Gedanke in die richtige Richtung und die Wahrheit kam ans Licht. Unweigerlich und ohne dass einer der ihren es verhindern konnte. &lt;br /&gt;Doch einen Trost gab es. Ebenso wenig wie seinesgleichen ihr wahres Wesen verbergen konnte, ebenso wenig konnte der Mensch den köstlichen Duft seines Blutes verbergen, konnte er den Geschmack verschleiern, der jedem Vampir auf der Zunge lag, gelangte er auch nur in die Nähe. Hörte er das sanfte Klopfen und das gleichmäßige Strömen des Lebenssaftes, nach dem er gierte. &lt;br /&gt;Keiner von ihnen konnte sich beherrschen, wenn eine Distanz überschritten wurde, die von einer Macht höher als sie alle, festgelegt worden war. &lt;br /&gt;Und so blieb es am sichersten, wenn er sein Jagdgebiet in eine Gegend ausdehnte, in der dem einzelnen Opfer, dem einzelnen Menschen wenig bis keine Beachtung geschenkt wurde. Über eine lange Zeit war es kein Problem gewesen. Die Nachrichten verbreiteten sich schleppend, Unglücke geschahen und wurden durch göttliche Gewalten erklärt. An der Aufklärung waren die wenigsten interessiert, noch erkannten sie die Möglichkeiten für eine solche. &lt;br /&gt;Doch mit der zunehmenden Vernetzung, erschwerten sich die Bedingungen für ihn und seinesgleichen und sie waren gezwungen sich mehr und mehr zurückzuziehen. In Länder, die noch nicht so erschlossen, nicht derart kontrolliert geführt wurden. In denen es nicht möglich war, jeden einzelnen Menschen aufzuführen, zu notieren und zu katalogisieren. &lt;br /&gt;Diese Länder wurden weniger. Aber sie verschwanden nicht. Eine große Hilfe waren ihm wie immer die Kriege, derer die Menschheit nie überdrüssig wurde. Bürgerkriege, innere Unruhen und Flüchtlingsströme boten ihm eine besondere Auswahl an Leckereien. &lt;br /&gt;Und er dankte seinem Schicksal, das diese Welt zu einem grausamen und rücksichtslosen Ort gemacht hatte, zu einem Paradies für Wesen, dominiert von Bedürfnissen, die in die Dunkelheit gehörten. &lt;br /&gt;Auch wenn er sich der Unstimmigkeiten hin und wieder bewusst wurde, die nicht nur ihn in eine Welt trieben, die ohnehin von Gewalttätigkeit regiert wurde. Als ob das Grauen sich selbst anzog, so wandelte er auf ausgetretenen Pfaden, betrachtete aus sicherer Entfernung den Schrecken, der sich vor ihm abspielte, während er geduldig auf seine Stunde wartete. In welcher er der dem Grauen einen Gipfel verlieh, von dem sich die durch Angst und Schrecken gemarterte Bevölkerung keine Vorstellung bildete. Und selbst wenn, dann bezweifelte er, dass sich der Terror vergrößern ließe unter dem sie litten. &lt;br /&gt;War er wirklich um so vieles schlimmer wie sie oder das, was sie sich gegenseitig antaten? &lt;br /&gt;Der Vampir gehorchte nur seinem Durst. Ihn trieben keine Beweggründe wie Machthunger oder Gier. Seine Grausamkeit lag in der Notwendigkeit. Er tötete vielleicht nicht schnell, vielleicht nicht schmerzlos, aber er tötete nicht um der Schmerzen willen. Er quälte und folterte nicht. Es fiele ihm nicht ein zu vergewaltigen oder zu verstümmeln. Er war anders, ein anderes Wesen, und hin und wieder fühlte er sich dem Menschen überlegen. Fühlte sich besser, als dieser es war. Reiner und ehrlicher. Und wenn es einen Gott gab, so nähme dieser den Vampir in sein Himmelreich, bevor er einen Gedanken an den Menschen und die Abgründe, die der in sich trug, verschwendete. &lt;br /&gt;Doch als der Vampir den neuen Geruch bemerkte, fühlte, wie er sich entfaltete und verbreitete und seine Folgen zu Gesicht bekam, das Leid, das er mit sich brachte, da erkannte er, dass der Mensch mehr Gründe für sein Verhalten besaß, als er geglaubt hatte. &lt;br /&gt;Der Mensch wurde geboren um zu leiden, der Schmerz begleitete seinen Weg. Und dieser Weg endete zwangsläufig in Qualen. War es wirklich so unverständlich, dass der Mensch für seine Qual, für seine Angst und für seinen Schmerz ein Ventil suchte? Und dies in einem anderen Menschen fand und in dem, was der ihm geben konnte? Ob es sich nun um Schmerzensschreie oder sinnlos vergossenes Blut handelte. Blut, das die Erde tränkte, auf der ein Sieger tanzte. Sich für einen Augenblick nur unsterblich wähnte. &lt;br /&gt;Bis zu einem gewissen Grad konnte der Vampir verstehen, was in dem Menschen vorging. Der Kampf, der sein Überleben war, ließ ihm keine Atempause und führte ihn durch sein eigenes Elend. Ein Elend, das er glauben musste, nur abwenden zu können, indem er es anderen auferlegte. Anderen, die er als nicht zugehörig empfand. Nicht zu sich selbst, nicht zu seinem Clan. &lt;br /&gt;Und darin lag der Vorteil des Vampirs. In den Löchern dieses Netzes konnte er verschwinden und wieder auftauchen. Lücken nutzte er, Haltlosigkeit, die ihm zum Vorteil geriet. &lt;br /&gt;Viel Mühe war nicht vonnöten. Viel gehörte nicht dazu. Er griff zu, wenn ihn jemand verlockte, wenn er Hunger hatte, und ließ die Reste liegen, ohne dass es jemanden interessierte. Nicht in einem Maße interessierte, dass er sich darüber Sorgen zu machen hatte. &lt;br /&gt;Bis der Duft auftauchte. Der strenge Beigeschmack, die neue Krankheit, die um sich griff. Die in rasender Eile durch das Land zog. Durch die Länder, denn der Vampir erweiterte sein Jagdgebiert. Dem Geruch zu entgehen war eine Sache. Die Ursache aufzuspüren eine andere. &lt;br /&gt;Je weiter der Vampir dem Kontinent entfloh, in dem er den Duft zum ersten Mal bemerkt hatte, desto seltener fing er ihn auf. Fast begann er sich sicher zu fühlen. Doch die Zeit verging und die Seuche breitete sich aus. Der Vampir empfing den Geruch nun überall, egal wohin er floh. Ein beißender Geschmack bildete sich in seinem Mund, je öfter er auf einen Menschen traf, der sich infiziert hatte. Er wurde den Geschmack nicht mehr los. Die Welt verkleinerte sich. Fluglinien verbanden jeden Winkel mit dem anderen. Schiffe trugen den Duft von Kontinent zu Kontinent, bis niemand mehr verschont blieb. &lt;br /&gt;Und der Vampir begann, sich verfolgt zu fühlen. Die Orte, an die er sich zurückziehen konnte, seine Verstecke schwanden dahin. Inzwischen glaubte er, den Geruch überall zu bemerken, fürchtete ihm nicht wieder entkommen zu können. &lt;br /&gt;Sicher gab es immer noch andere Menschen, andere Opfer. Süß und verlockend duftende Exemplare, deren reines Blut seinen Hunger stillte. Doch konnte der Vampir nicht anders, als sich bei jedem Menschen, den er verfolgte, den er jagte, zu fragen, ob er den Keim bereits in sich trug, der seine Innereien vergiftete. Paranoia, so nannte er es selbst, ein Wahn, dem er unterlag, wenn er glaubte, die Warnung nicht rechtzeitig empfangen zu können. Seine feinen Sinne trogen ihn nie, schon immer hatte er sich auf sie verlassen. Es gab keinen Grund, sie jetzt anzuzweifeln. &lt;br /&gt;Und doch fühlte er die Wellen des Giftes in der Atmosphäre. Eingesperrt in der einen Welt, die auch für ihn kein Entkommen bereithielt, wurde es schwieriger, dem Geruch aus dem Wege zu gehen. Er war überall. Und auch, wenn er ihn nicht spürte, so konnte er ihn doch erahnen. Allein das Wissen um seine Existenz quälte und verängstigte den Vampir auf eine neue, nie zuvor erlebte Weise. &lt;br /&gt;Mit keiner anderen Woge zu vergleichen, die über Jahrhunderte die Massen an schwachen Menschen verschluckt hatte, traf dieser Duft einen Nerv, von dem der Vampir nicht gewusst hatte, dass er oder seinesgleichen ihn noch besaßen. Weder die Pest, noch Cholera, Typhus, Lepra oder die unzähligen anderen Schreckgespenste, vor der die Menschheit sich in Sicherheit zu bringen suchte, hatten ihn je derart beeinträchtigt. &lt;br /&gt;Der Vampir war schlichtweg überfordert. Und während der wenigen Treffen, die ihn mit anderen Vampiren zusammenbrachten, bemerkte er, dass er mit seinen gemischten Emotionen nicht alleine stand. Kaum jemand sprach darüber. Die Vampire unterhielten sich ohnehin selten miteinander. Noch viel verschwiegener zeigten sie sich, wenn etwas sie beunruhigte. Und doch spürte jeder von ihnen die Bedrohung, sei es, dass sie auch nur in dem tiefen Bedürfnis bestand, sich von dem Duft fernzuhalten. &lt;br /&gt;Selbstverständlich besaß jeder von ihnen die Möglichkeit, gefahrlos die neue Blutsorte zu testen. Zumindest glaubten sie, dass keine Gefahr bestünde. Wenn ihnen keine andere Seuche etwas anhaben konnte, kein Schmerz, der den Menschen qualvoll dahinsiechen ließ, sich über sein Blut auf einen unzerstörbaren Vampir übertrug, so sollte auch eine neue Entartung des für ihre toten Körper überlebenswichtigen Saftes, keinen Schaden bringen. &lt;br /&gt;Und doch beschlich den Vampir, je länger und gründlicher er sich mit der Frage auseinandersetzte, je intensiver er in den Gehirnen der Seinen forschte, eine namenlose Furcht. Ein Unbehagen, das sich steigerte, als sich die Überzeugung herauskristallisierte, dass keiner von ihnen jemals von dem Blut derer gekostet hatte, die den Duft verströmten. Es existierten keine Daten, niemand wusste Genaues, niemand wagte es, Forschungen anzustellen. &lt;br /&gt;Die Angst, die er verspürte, Angst vor dem Unbekannten, die Vampire teilten sie. Der Geruch der Seuche stieß sie ab und vor die Wahl gestellt, zogen sie sich vor ihr zurück. Sie griffen nach den Menschen, deren Geschmack sie kannten, deren Duft unbefleckt und gewohnt in ihre Nasen drang. Das stechende Aroma der Infizierten hielt jeden einzelnen ab, sich sein Opfer unter den Erkrankten zu suchen. &lt;br /&gt;Gut, dass sie wenige waren. Gut, dass es ihnen nicht schwer fiel, sich aus dem Weg zu gehen und ihre Jagdgebiete auszudehnen. Schwieriger wurde es, doch nicht unmöglich. Immer noch fanden sich Zentren der Gewalt, die unbelastet blieben von übermäßiger Kontrolle. Zentren, die wie geschaffen waren, um sich an ihnen gütlich zu tun, um die Zähne in williges Fleisch zu schlagen, bis der letzte Atemzug gehaucht war. Auch wenn die Krankheit überall bestand, so fanden sich immer Exemplare vertrauter Konsistenz und Ausdünstung zwischen den wandelnden, stinkenden Leichen. &lt;br /&gt;Den Vampiren war Schuld fremd, es spielte keine Rolle, dass sie die letzten resistenten Exemplare aus einem Moloch der Verdammnis zerrten. Die Welt war immer noch unüberschaubar groß, eine Festtafel, auf der sie selbst neben vielen Seuchen Platz fänden. &lt;br /&gt;Sie sahen zu, wie die Krankheit Menschen dahinraffte, andere geboren wurden. Die Gattung auszurotten schien schon immer unmöglich. Keine Kraft, der sie sich bewusst waren, hatte jemals vermocht, ihr einen größeren Schaden zuzufügen, als sie selbst imstande wären. Letztendlich trugen die Vampire selbst auch kein Interesse daran, die Menschheit zu vernichten. Ebenso wenig wie die Seuche davon profitieren sollte, sich ihren eigenen Nährboden zu zerstören. &lt;br /&gt;Wenn der Vampir darüber nachdachte, so fragte er sich, ob die Seuche vielleicht eine ähnliche Liebe zu den Menschen verband, wie er sie in sich trug. Eine Liebe, die nicht nur von dem köstlichen Geschmack herrührte, mit dem sie ihn verlockte, der seinen Mund und seine Nase zu füllen imstande war wie nichts Vergleichbares, und die zu dem Kostbarsten gehörte, dessen er sich entsinnen konnte. Vielleicht lag darin der Grund. Vielleicht verlieh die Krankheit den Menschen ihren stechenden, beißenden Geruch, um sie damit für sich zu behalten, um sicher zu stellen, dass keiner von ihnen, keiner, der sich auf die profane und schlicht brutale Art der Vampire von den Menschen ernährte, sie für sich beanspruchte. Als versuchte die Seuche den Mensch, der sie befiel nicht nur zu vergiften und ihm das Leben zu rauben, sondern auch noch daran zu hindern, dass ein übernatürliches Wesen an seiner Lebenskraft sauge. &lt;br /&gt;Der Vampir wanderte durch die Nacht. War es wirklich so unklug, so unvorsichtig, den eigenen Instinkten zuwider zu handeln, wie die anderen ihm klarzumachen suchten? &lt;br /&gt;Er empfing ihre Gefühle, ihre Gedanken, vernahm ihre Warnung so deutlich, als gingen sie direkt neben ihm. Und doch war er nicht bereit, auf sie zu hören. Es war leicht, ihre Stimmen auszublenden, leichter noch, da er die vergangenen Jahrhunderte nichts anderes getan hatte. Er wollte nicht glauben, dass eine vage Bedrohung alleine ausreichte, um seinesgleichen wie eine Schar aufgeschreckte Schafe zusammenzutreiben. Dass der Gestank genug war, ein starkes, unverwundbares Geschlecht in Angst und Schrecken zu versetzen, dazu zu bringen, ihre natürliche Sehnsucht nach Einsamkeit aufzugeben um gemeinsame Zuflucht zu suchen. &lt;br /&gt;Der Vampir hatte nicht vor, ein Teil dieser Farce zu werden. Und er hatte nicht vor, noch länger dabei zuzusehen, wie die Welt sich in einen stinkenden, üblen Ort verwandelte, die ihm seinen Lebensraum nahm. Wenn es nicht anders ging, dann sorgte er selbst für die Ausrottung der Seuche. Wenn es sein musste, dann würde er jeden Infizierten töten und die Überlebenden dazu bringen, ihre gesunden Blutlinien fortzuführen. &lt;br /&gt;Doch was wenn nicht? Der Vampir blieb stehen. Handelte es sich nicht um ein Zeichen von Schwäche, wenn er es zuließ, dass ein einfacher Geruch ihn abstieß? Ein Duft, der nicht mehr war als Luft, flüchtig und vergänglich. So ganz anders als er selbst, dem nichts und niemand je etwas anhaben konnte. &lt;br /&gt;War es nur das Unbekannte, was sie alle fürchteten? Lag ihre Angst darin begründet, dass sie nicht wussten, wie es sich auswirkte, sollte einer von ihnen über die Grenze treten, sollte wider seine Gefühle handeln. &lt;br /&gt;Der Vampir straffte seine hagere Gestalt. Vor langer Zeit schon hatte er aufgehört zu kämpfen, doch das bedeutete nicht, dass er es vergessen hatte. Er erinnerte sich daran, wie es sich anfühlte, sich selbst zu überwinden. Dem Bedürfnis zuwider zu handeln, der Verlockung zu widerstehen, um einen Schritt vorwärts zu wagen. &lt;br /&gt;Es war soweit, er ginge vorwärts. Weder wollte er das Unbekannte, das ihn beunruhigte, ausrotten, noch vor ihm fliehen. &lt;br /&gt;Sich mutig dem Neuen in den Weg stellen, von der Gefahr zu kosten und einen fremden Weg zu beschreiten, das hatte sein Blut in Wallung gebracht, als er noch ein Mensch gewesen war. Als sein Herz pumpte und das Adrenalin in ihm tobte. Beinahe glaubte der Vampir auch jetzt das Adrenalin zu spüren, wie es sich seinen Weg durch vertrocknete Kanäle suchte. &lt;br /&gt;Er setzte sich wieder in Bewegung. Doch diesmal wich er dem Gestank nicht aus, er suchte ihn. &lt;br /&gt;Und er fand ihn. Die angstvollen Schreie seiner Gefährten klangen ihm in den Ohren, doch er weigerte sich, inne zu halten, beugte sich über das ärmliche Strohlager und sah in die großen, furchtsamen Augen, die aus dem hageren Gesicht hervortraten. &lt;br /&gt;Das Herz seines zukünftigen Opfers flatterte. Der Vampir hörte es wie einen kleinen Vogel in seinem hageren Brustkorb schlagen. Er roch das vergiftete Blut, fühlte, wie es in den Adern rollte, schwach und dennoch blieb es Blut. Der Vampir schnupperte. Und je stärker er sich konzentrierte, umso deutlicher empfing er die Süße des roten Saftes, nahmen seine Geruchsknospen den reinen, unverfälschten Geschmack unter dem Deckmantel des fauligen Eiters wahr. &lt;br /&gt;Da war er wieder, der Hunger. Seine Lust stieg, Wärme umfing ihn mit jedem Atemzug seines Opfers. &lt;br /&gt;Der Kranke blinzelte. Erschrocken, aber nicht ängstlich. Als wüsste er wie ihm geschah. Als habe er auf ihn gewartet. &lt;br /&gt;„Bist du der Tod?“, fragte er den Vampir. Der stockte noch vor dem letzten Kuss. &lt;br /&gt;„Nur, wenn du dir das wünscht“, antwortete er schließlich und sein Opfer schloss die Augen. &lt;br /&gt;„Nein“, sagte es. „Aber ich wusste, dass du zu mir kommst.“ &lt;br /&gt;Die dünnen Lippen des Vampirs verzerrten sich zu einem Lächeln, bevor er sie auf die kalte, schweißnasse Haut presste. Der Gestank stieg ihm zu Kopf, verwirrte seine Sinne, und der Vampir klammerte sich an die süße Note, die ihm vertraut war, die sein Opfer immer noch ausströmte. Scharfe Zähne durchbrachen das Fleisch und der Vampir begann zu trinken. Er hatte nicht gewusst, wie durstig er gewesen war. Und als der erste warme Tropfen seine Zunge berührte, vergaß er, wovor er sich gefürchtet hatte. Das Blut schmeckte wie es schmecken sollte, reich und süß. Es pulsierte in seiner Kehle. Der Vampir atmete tief durch die Nase ein und erkannte den Geruch als das, was er von Anfang an gewesen war. Mit einem gierigen Laut trank er weiter, saugte den erschlaffenden Körper aus, bis der aus seinen Armen sank wie eine leere Hülle. Doch nicht wertlos, nicht vergebens gestorben. Der Vampir leckte sich die Lippen. Das war es, was gesucht hatte, was sie alle gesucht hatten. Die Seuche gab ihm, was er so lange vermisst hatte. Sie gab ihm das Leben zurück. Und mit dem Leben seinen Tod.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3263622768781598349-8199170419154970767?l=callisto24.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://callisto24.blogspot.com/feeds/8199170419154970767/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3263622768781598349&amp;postID=8199170419154970767' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/8199170419154970767'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/8199170419154970767'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://callisto24.blogspot.com/2010/12/vampir.html' title='Vampir'/><author><name>callisto24</name><uri>http://www.blogger.com/profile/18191488055625225167</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/_Uzq-1PR2gcg/SNaEoxPltqI/AAAAAAAAAAM/7NujjFFZKlk/S220/peacesee.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3263622768781598349.post-7737943385143187580</id><published>2010-12-10T03:32:00.000-08:00</published><updated>2010-12-10T03:33:37.320-08:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='schreiben'/><title type='text'>Gestrichener Abschnitt aus Spuren</title><content type='html'>Titel: Alternatives Ende&lt;br /&gt;Autor: callisto24&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;* * * &lt;br /&gt; „Weißt du noch, als wir zum ersten Mal hier waren?“ &lt;br /&gt;Ismael sah sich um. Sein Blick wanderte über die Wasseroberfläche, das tiefe Grün des Waldes und die sanfte weiche Oberfläche der duftenden Erde. &lt;br /&gt;„Natürlich weiß ich das.“ Leon schüttelte den Kopf und legte sein Buch zur Seite. „Und ich habe schon damals nicht verstanden, was du so toll hier findest.“ &lt;br /&gt;Ismael lächelte. „Also trennen uns doch Welten.“ &lt;br /&gt;Leon sprang auf und legte ihm die Arme um den Hals. „Davon träumst du vielleicht.“ &lt;br /&gt;Ismael küsste ihn langsam. „In meinen Albträumen vielleicht“, murmelte er dann. Leons Hände wanderten an Ismaels Seiten hinab und er verhakte seine Finger in Ismaels Gürtelschlaufen. „Was redest du von Albträumen“, flüsterte er. Ismael lehnte seine Stirn gegen die von Leon. „Keine Albträume“, sagte er leise. „Keine Albträume, weil wir nie getrennt sein werden.“ &lt;br /&gt;Leon atmete aus. „Ich verlasse mich darauf.“ &lt;br /&gt;Ismael nickte leicht. „Und das kannst du auch.“ Er küsste Leons Wange und ließ seine Lippen dann in einer Linie Leons Hals hinab laufen, saugte dann leicht an der Haut am Nacken, bis Leon seufzte. &lt;br /&gt;Der Jüngere wand sich aus Ismaels Griff. „Und wenn uns jemand sieht?“ &lt;br /&gt;Ismael lachte und fing ihn wieder ein. „An unserem geheimen Ort?“ Er küsste Leon erneut, ließ ihn dann los. „Und außerdem dachte ich, ich hätte dir schon bewiesen, dass es keine Geheimnisse mehr für mich gibt.“ &lt;br /&gt;„Das hast du.“ Leon schmiegte sich an ihn. „Trotzdem ziehe ich es vor, kein Schauspiel für Käfer, Mücken und Fliegen zu bieten.“ &lt;br /&gt;„Oder zufällig vorbeikommende Camper, nicht wahr?“ &lt;br /&gt;Leon lachte. „Ganz genau. Es reicht schon, wenn wir das gemütliche Leben in einer verschlafenen Kleinstadt durcheinanderbringen.“ &lt;br /&gt;Ismael schüttelte den Kopf. „Nur weil ein Geschäftsmann seinen Mitbewohner auf offener Straße auf den Mund küsst? Das sollte doch heute niemanden mehr schockieren?“ &lt;br /&gt;Leon gab ihm einen Klaps auf die Wange. „Vor ein paar Wochen hast du das aber noch anders gesehen.“ &lt;br /&gt;Ismael fing Leons Hand und presste sie gegen seine Lippen. „Vor ein paar Wochen wusste ich aber auch noch nicht, was ich jetzt weiß.“ &lt;br /&gt;„Und das wäre?“ &lt;br /&gt;Ismael sah ihn ernst an. „Dass das Leben kurz ist und kostbar. Und dass die Liebe zuzulassen unsere Herzen höher schlagen lässt.“ &lt;br /&gt;Leon knabberte an Ismaels Unterlippe. „Wenn du poetisch wirst, weißt du genau, dass ich dir nicht widerstehen kann.“ &lt;br /&gt;Ismael küsste Leons Ohr. „Und das war meine Absicht.“ Er ließ ihn los, um die Habseligkeiten einzupacken, die sie mit an ihren Angelplatz genommen hatten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie küssten sich, als sie den Kofferraum ausräumten. Und sie küssten sich, als sie das Haus betraten. Das Leben lag in einer weiten Straße vor ihnen. Und nichts konnte ihnen etwas anhaben. Nicht in diesem Augenblick. &lt;br /&gt;Bis es an der Tür läutete. Ismael stellte die Packung Brotstangen wieder ab und Leon stand mit der Flasche Wein, die er im Begriff war zu öffnen, an einer Seitenkommode. &lt;br /&gt;„Ich mach schon“, lächelte Ismael, nichts anderes annehmend als den Besuch eines der Nachbarn, der vielleicht die Post vorbeibrachte. Nichts Schlimmeres erwartend als den Protest eines Menschen, der die Zuschaustellung ihrer Gefühle füreinander in den falschen Hals bekommen hatte. &lt;br /&gt;Doch es war weder das Eine, noch das Andere, und Ismaels Mund klappte weit auf. „Das gibt es doch nicht“, entfuhr es ihm, als er hinter sich ein Klirren hörte. Er drehte sich um, und sah seinen entsetzten Gesichtsausdruck in Leon gespiegelt, der zudem die Flasche hatte fallen lassen, deren Inhalt sich über den Boden ergoss. Leon sah hinunter. „Tut mir leid“, murmelte er abwesend. Mit langsamen, traumwandlerischen Bewegungen legte Leon den Korkenzieher ab, und sank dann in die Knie, um die Scherben einzusammeln. &lt;br /&gt;„Was willst du hier?“ Ismaels Stimme klang heiser, bevor er sich umdrehte, Angela stehen ließ, um Leon zu helfen. &lt;br /&gt;„Ich fühle mich so schlecht wegen allem“, weinte Angela laut und trat ein, schloss sorgfältig die Tür hinter sich. „Es ist alles so furchtbar, und ich wusste mir nicht mehr zu helfen.“ &lt;br /&gt;Ismael sah von der Bescherung auf. „Du wusstest dir nicht mehr zu helfen?“, wiederholte er ungläubig. &lt;br /&gt;„Ja“, schluchzte sie. „Ich habe euch im Stich gelassen. Und die Strafe holte mich ein.“ &lt;br /&gt;„Welche Strafe?“ Ismael schluckte und blickte auf Leon, der stumm zu Boden blickte. &lt;br /&gt;„Er wollte mich nicht mehr“, weinte Angela wieder. „Er sagte, dass er mich loswerden muss. Und da wurde mir alles klar.“ &lt;br /&gt;„Was wurde dir klar?“ Ismael entwickelte langsam eine Vorstellung. &lt;br /&gt;Angela trat ein paar Schritte auf sie zu, sah auf Leon, presste dann beide Hände gegen die Brust. „Mein Junge“, klagte sie. „Ich weiß jetzt, wie sehr ich an dir versagt habe.“ &lt;br /&gt;Leon sah nicht auf, aber dafür Ismael. „Das fällt dir reichlich früh ein“, brummte er ärgerlich. &lt;br /&gt;Angela legte den Kopf schief und ihre Lippen bildeten einen Schmollmund. „Das ist nicht fair, Ismael“, sagte sie dann. „Ich bin eine Mutter. Du wirst nie verstehen, was Mutterliebe für mich bedeutet.“ &lt;br /&gt;„Oh Mann.“ Ismael stand auf, klopfte sich die Knie ab. „Du hast wahrscheinlich Recht. Und jetzt sag uns, was dich hierher führt.“ &lt;br /&gt;Angela blinzelte unsicher. „Mein Junge“, sagte sie dann. „Ich sorge mich um meinen Jungen.“ &lt;br /&gt;Leon räusperte sich, sah dann auf. „Mir geht es gut“, antwortete er leise. „Es ist alles in Ordnung.“ &lt;br /&gt;„Nun.“ Angela rang die Hände. „Ich würde mich besser fühlen, wenn ich mich davon überzeugen könnte.“ Ihr Blick fiel auf Ismael, der sie mit gerunzelter Stirn ansah. „Immerhin ist einiges geschehen. Und … und Leon lebt hier doch mit einem … einem Fremden sozusagen. Keinem Blutsverwandten.“ &lt;br /&gt;Ismael verdrehte die Augen. „Das meinst du jetzt nicht ernst.“ &lt;br /&gt;„Doch.“ Angela nickte heftig. „Die Familie geht über alles. Das wirst du erst verstehen, wenn du diese Erfahrung machst. Bedingungslose Liebe gibt es nur unter Verwandten. Eltern und Kind …“ &lt;br /&gt;Ismael hob seine Hand und schüttelte den Kopf. „Das reicht“, sagte er dann langsam. „Ich verstehe, dass du Leon im Stich gelassen hast. Und das nicht nur einmal. Er ist jetzt erwachsen und braucht dich nicht mehr.“ &lt;br /&gt;„Ein Junge braucht immer seine Mutter“, protestierte Angela. &lt;br /&gt;„Nicht diese Mutter. Und nicht dieser Junge“, widersprach Ismael. Dann sah er Leon an, streckte seine Hand aus, die dieser ergriff und zog ihn hoch. „Leon hat jetzt mich“, sagte er dann. „Es wird ihm nichts mehr geschehen.“ &lt;br /&gt;Angela blinzelte. „Du kannst das Band zwischen mir und ihm nicht leugnen. Ein Leben hat uns zusammengeschweißt“, behauptete sie und nickte bekräftigend. „Du ahnst gar nicht, welche Albträume ich durchgemacht habe. Es war grauenvoll.“ &lt;br /&gt;Leon lachte plötzlich auf. „Albträume? Ich kenne Albträume. Wie sich das anfühlt weiß ich.“ &lt;br /&gt;Angela sah ihn an, schluckte. „Nicht wahr? Ich glaube, wir sind verbunden. Auf einer Ebene, die über das hinausgeht, was wir sehen und hören können.“ &lt;br /&gt;Ismael rieb sich mit der freien Hand über die Stirn. „Was willst du wirklich?“, fragte er, auf einmal von tiefer Müdigkeit befallen. „Suchst du eine Bleibe? Ist es das?“ &lt;br /&gt;Angela wurde rot. „Wie kannst du nur so etwas denken? Es geht mir nur um Leon.“ &lt;br /&gt;Ismael schüttelte den Kopf. „Wo warst du dann, als er dich gebraucht hat?“ &lt;br /&gt;Angelas Gesicht gewann noch mehr Farbe. Ihr Mund klappte auf, aber nur ihr schnaufender Atem war zu hören. &lt;br /&gt;Leon hob Ismaels Hand in seiner an und drückte sie dann sanft, bevor er zu ihm aufblickte. „Lass es gut sein“, sagte er dann und schüttelte den Kopf. „Das bringt nichts.“ &lt;br /&gt;„Was bringt nichts?“ Angela kniff ihre Augen zusammen, ging einen Schritt auf sie zu. Ihr Blick fiel auf die verschlungenen Hände und wurde starr. Sie sah zu Ismael auf, dann zu Leon und presste ihre Lippen zusammen. Angela räusperte sich trocken. „Das ist doch nicht wahr?“, murmelte sie. „Das ist doch krank.“ &lt;br /&gt;Leon fühlte, wie Ismael zurückzuckte, aber er hielt ihn fest. „Nein“, sagte er, leise genug, dass Angela sich anstrengen musste, aber laut genug, dass sie ihn verstand. „Das ist genau das, was ich will.“ Er sah zu Ismael hoch, dessen Augenlider flatterten. „Genau das“, versicherte er und lächelte, bevor er sich wieder zu seiner Mutter drehte und leicht seinen Kopf schüttelte. „Wenn du in Schwierigkeiten bist“, sagte er dann sanft, „dann bin ich sicher, dass Ismael nichts dagegen hat, wenn du hierbleiben möchtest. Aber deine Hilfe brauchen wir nicht. Nicht mehr.“ &lt;br /&gt;Angelas Unterlippe zitterte, als sie von einem zum anderen sah. „So ist das also“, flüsterte sie. „Das ist der Dank.“ Sie beugte sich vorwärts, barg ihr Gesicht in den Händen und schluchzte. Als sie keine Reaktion erfuhr, ließ sie die Hände sinken, starrte aus tränenlosem Gesicht auf die beiden Männer. „Es ist wohl mein Schicksal“, stieß sie mit gebrochener Stimme hervor. „Von der Welt verraten und im Stich gelassen. Mein eigener Sohn …“ &lt;br /&gt;Ismael seufzte leise. „Natürlich kannst du hier bleiben. Du bist Leons Mutter.“ &lt;br /&gt;Angela trat einen Schritt zurück, schüttelte wild den Kopf. „Ich denke gar nicht dran“, fauchte sie plötzlich. „Trotz allem was passiert ist, hätte ich nie gedacht, dass du … von allen Männern … du …“ &lt;br /&gt;Sie warf ihr Haar zurück und reckte das Kinn in die Höhe. „So schlecht geht es mir wirklich nicht, als dass ich mit euch …“ Sie verschluckte sich fast, hustete und sah sich dann hektisch um. „Das ist nicht meine Welt“, brachte sie hervor. „Nicht das.“ &lt;br /&gt;Leons Griff verstärkte sich, als Angela sich umdrehte, auf dem Weg zur Tür stolperte, sich jedoch sofort wieder fing und aus dem Haus, über den Kiesweg, in die Dunkelheit verschwand.“ &lt;br /&gt;Noch einen Moment nachdem die Tür ins Schloss gefallen war, standen sie unbeweglich nebeneinander, bevor Ismael sich zu Leon umdrehte und ihn an sich zog. „Bist du in Ordnung?“, fragte er. Und Leon lächelte zu ihm hinauf. „Noch nicht“, antwortete er leise. „Aber ich werde es sein.“ &lt;br /&gt;Er lehnte seinen Kopf an Ismaels Schulter und ließ es zu, dass Ismaels Lippen sich in seinem Haar verirrten.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3263622768781598349-7737943385143187580?l=callisto24.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://callisto24.blogspot.com/feeds/7737943385143187580/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3263622768781598349&amp;postID=7737943385143187580' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/7737943385143187580'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/7737943385143187580'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://callisto24.blogspot.com/2010/12/gestrichener-abschnitt-aus-spuren.html' title='Gestrichener Abschnitt aus Spuren'/><author><name>callisto24</name><uri>http://www.blogger.com/profile/18191488055625225167</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/_Uzq-1PR2gcg/SNaEoxPltqI/AAAAAAAAAAM/7NujjFFZKlk/S220/peacesee.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3263622768781598349.post-8770002759907806844</id><published>2010-12-09T06:41:00.000-08:00</published><updated>2010-12-09T06:42:18.898-08:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='vampire'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Geschichte'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='schreiben'/><title type='text'>Frühlingserwachen - Zeit</title><content type='html'>Titel: Frühlingserwachen&lt;br /&gt;Autor: callisto24&lt;br /&gt;* * * &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es war kalt. &lt;br /&gt;Und beängstigend langweilig. &lt;br /&gt;Temotas hatte nicht erwartet, dass die Ewigkeit derart öde sei. Wie lange er bereits unter der Erde lag, wusste er selbst nicht, jetzt nicht mehr. Hunderte, tausende von Jahren waren vergangen. Vielleicht addierten sich die Zeiträume zu unendlichen Vielfachen, vielleicht stellte sich jeden Augenblick heraus, dass es sich lediglich um Bruchteile von Sekunden handelte. Für ihn spielte weder die eine noch die andere Alternative eine Rolle. Seine Entscheidung war endgültig gewesen. Endgültig und unverrückbar. &lt;br /&gt;Seine Trauer überwältigend genug, seine Flucht eine logische Konsequenz. &lt;br /&gt;Niemals wieder wollte er zurückkehren an die Oberfläche, in eine Welt, die ihm alles versagte. All das, was für ihn Bedeutung hielt. &lt;br /&gt;Dass er nicht immer so empfunden hatte, gehörte zu dem, was er als die Tragödie seines Lebens bezeichnete, besäße er noch den Ehrgeiz, der ihn in seinen jungen Jahren, im Anschluss an seine Erschaffung, angetrieben hatte. Einen Wahn, so nannte er es später. Den Rausch, der ihn dazu trieb, immer wieder weiter zu gehen, als erlaubt, weiter, als die mit der Verwandlung zwangsläufig auf kaum erkennbare Spuren ihrer selbst geschrumpfte Moral, ihm zu seinen Lebzeiten erlaubt hatte. &lt;br /&gt;Und später, als der Rausch verflogen war, stand er starr und stumm vor den Trümmern, die er zurückgelassen, die er aus heilen Welten erschaffen hatte. &lt;br /&gt;Vergessen war die Poesie, an die er sich in seinem Wahn geklammert hatte. Ins Nichts sank der Machtrausch, der nicht enden wollende Ehrgeiz, immer wieder von neuem angestachelt durch die Erkenntnis seiner eigenen Unbesiegbarkeit. Wie besessen hatte er seine Jugend verschwendet, im Überschwang der Kräfte, die sich in ihm entfalteten und die zu beschreiben, ihm auch jetzt noch die Worte fehlten. &lt;br /&gt;Damals stand er am Anfang, so wie die Menschheit sich an ihren Anfängen befand. Weder wusste er, was er war, was ihn trieb, noch war er in der Lage, seine Bedürfnisse zu steuern. Er wusste nur, dass sich keiner der Sonnenwandler mit ihm messen konnte. Durch ihre schäbigen Ansiedlungen fuhr er wie ein Gewitter, nur schneller und verheerender. Seine eigene Stärke, die Geschwindigkeit beglückten ihn und die Zeit verflog in einem Strom aus warmem Blut, köstlichen Düften und schrillen Schreien. Als er zur Ruhe kam, war er sich immer noch seiner Stärke und seiner Macht bewusst. Er begann zu beobachten. Die minderwertigen Lebensformen, die Sonnenwandler, veränderten sich. Während er der Gleiche blieb, unverändert jung und hart, entwickelten sie Form, Gestalt und Manieren. Und als sie nicht mehr dabei verharrten, ängstliche Zeichen in schmutzige Höhlenwände zu kratzen, als sie Schönheit entdeckten und ihren Welten Farbe verliehen, da spürte Temotas seine Macht auf eine gänzlich andere Art und Weise. Sein Leben veränderte sich. Er war gezwungen, Vorsicht walten zu lassen. Worte wurden zu Nachrichten, verbanden die Menschen miteinander und forderten ihn heraus. Er genoss das Spiel mehr als je zuvor. Er genoss es, aus dem Verborgenen heraus zu operieren, genoss es, sie hinters Licht zu führen und zugleich zu beeindrucken. Niemand, dem er je begegnet war, konnte Temotas für den Rest seines Lebens aus seinem Verstand verbannen. Niemand zeigte sich gegenüber seiner Wirkung immun. &lt;br /&gt;Doch er wollte mehr. Seine Gier kannte kein Ende und so suchte er den Ruhm, obwohl er wusste, dass seine Suche nur zu stärkeren Ausbrüchen von Wahnsinn, Ehrgeiz und letztendlich roher Gewalt führte. Vielleicht auch genau aus diesem Grund. &lt;br /&gt;Die Schönheit, die er im Aneinanderreihen von Worten, in der Sprache entdeckte, befriedigte ihn auf lange Sicht ebenso wenig wie die in der Musik enthaltene oder in jeglicher anderen Kunst erreichbare. Und über kurz oder lang fielen den Menschen, die mit den Jahrhunderten auch an Verstand zu gewinnen schienen, die Kleinigkeiten auf, die er sowohl zu verbergen, als auch zu verdrängen suchte. Nie zuvor hatte ihn seine Unfähigkeit, den Tag zu sehen, gestört. Er hegte die Erinnerung an die Sonne aus den Tagen, bevor er erwacht war, wie einen Schatz. Jedoch einen, der unangetastet bleiben sollte. &lt;br /&gt;Er versuchte zu kompensieren, tötete öfter, wütete haltloser in den inzwischen gesichtslosen Mengen seiner Bewunderer. Doch nur, um aufzuwachen und sich wieder auf der Flucht zu befinden. &lt;br /&gt;Die Welt veränderte sich und sie schrumpfte zusehends. &lt;br /&gt;Temotas stellte fest, dass seine Worte leere Hülsen blieben, dass er nichts in sie hineinlegen konnte, bald auch nicht mehr wollte. &lt;br /&gt;Er suchte das, was die Sonnenwandler Gefühle nannten und begann zu glauben, dass ihre Fähigkeiten, die Geheimnisse, die er sich als unfähig erwies zu entschlüsseln, in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Sonnenlicht standen. &lt;br /&gt;Und im Laufe der Jahrzehnte, der Jahrhunderte verfestigte sich diese Überzeugung, wuchs sich aus zu einer regelrechten Besessenheit. &lt;br /&gt;Er beobachtete interessiert Entstehung und Verfall immer wieder anderer und doch gleich auftretender Religionen, Philosophien und der vergeblichen Versuche, Sinn und Unsinn der Welt, des Universums zu erklären. &lt;br /&gt;In keiner von ihnen fand sich ein Platz für ihn, in keiner entdeckte er einen Grund, der ausreichte, sein Dasein verlängern zu wollen. &lt;br /&gt;Nun wurde ihm seine Unverwundbarkeit zum Fluch. &lt;br /&gt;Der Vampir suchte nach Seinesgleichen, er jagte nach einem Wesen, das ihn ergänzte, das ihm die Kraft lieferte, gegen die Sinnlosigkeit zu kämpfen, die ihn umgab, die von allen Seiten auf ihn zu kroch, ihn umfing und in sich einschloss. &lt;br /&gt;Allmählich musste er erkennen, dass ihm die Fähigkeit zur Liebe fehlte, zu jenem Maß an gleichzeitiger Selbstaufgabe und Lust am Miteinander, welches die Menschen zu trösten schien, wenn die Jahre, die aus seiner Sicht nur so im Flug vergingen, sich ausdehnten, mit Elend und jenen entsetzlichen Schmerzen füllten, von denen er keine mehr Vorstellung besaß. Und es begann eine Zeit, in der er die Menschen um den Schmerz beneidete, dessen schwacher Nachklang aus seiner Erinnerung verschwunden war. Denn er begann zu glauben, dass Schmerz und Liebe sich ergänzten, und dass er, dem beides fehlte, einen Verlust erlitt, der über die Jahrtausende nur schwerer zu ertragen war. &lt;br /&gt;Dennoch suchte er weiter nach ihr, nach dem Schlüssel, der ihm ein neues Reich eröffnen sollte, das Reich, von dem Mythen und Legenden sprachen, während er durch die Dunkelheit schlich, ausgestoßen und einsam. &lt;br /&gt;Aus seinem Zeitalter gefallen und unfähig, in dem neuen zu erkennen, was andere Wesen in ihm sahen. &lt;br /&gt;Mag sein, dass er bereits zu lange existierte, dass jede Verbindung mit dem Rest der Welt, wenn denn je eine existiert hatte, unterbrochen war. &lt;br /&gt;Die Besessenheit wurde zu der Suche nach seiner Liebe als letzten Ausweg. Geprägt von den Geschichten, denen er von Anbeginn der Zeit an, beim Vorübergehen an Lagerfeuern, Festen der Mächtigen und der Ohnmächtigen gelauscht hatte, glaubte er sich verloren ohne einen Konterpart zu seiner eigenen Person. Eine fixe Idee, die der immer wiederkehrenden Romantik, marterte ihn und dennoch erlaubte er sich nicht, die Flamme erlöschen zu lassen, als handele es sich bei ihr um die letzte Faser, die ihn an sein Universum band. &lt;br /&gt;Manches Mal stand er kurz davor zu erkennen, dass die Poesie, der er sich einst verschrieben hatte, dass jegliche Kunst die Wurzel des Übels bedeutete. Dass er seiner Obsession nur nicht entfliehen konnte, weil er an sie glauben wollte. &lt;br /&gt;Daran glauben, dass es mehr gab, als den Durst und diesen zu löschen. Mehr als die Selbsterhaltung, als das instinktive Bedürfnis, die eigene Existenz soweit auszudehnen, wie es nur möglich sein sollte. &lt;br /&gt;Er durchstreifte die Kontinente, vergeblich. Selbst wenn einst Kreaturen existiert hatten, die ihm glichen, so war es keiner von ihnen gelungen, den Wandel der Zeiten zu überstehen. &lt;br /&gt;Die Erkenntnis traf ihn nicht plötzlich. Sie wuchs langsam in ihm, verfestigte sich, je öfter er einer Gestalt hinterher jagte, die mit ihrer Blässe, der hochgewachsenen Figur und der Angewohnheit unauffällig wie ein Schatten durch ihr Leben zu gehen, Hoffnungen in ihm entfachte, die zwangsläufig wieder enttäuscht werden mussten. &lt;br /&gt;Es waren traurige, einsame Seelen, denen er folgte, denen er auflauerte, und von denen er sich ernährte, als sie seine Erwartungen nicht erfüllen konnten. Schwache Sonnenwandler, die sich ihrer eigenen Bestimmung widersetzten und die Nacht suchten, obwohl ihnen so viel mehr offenstand. &lt;br /&gt;Erkannte er ihr Innerstes, so brandete Ärger in ihm auf, erhitzte für einen kurzen Augenblick die Kälte, die ihn umschloss. &lt;br /&gt;Er flüchtete sich in Raubzüge, in Bluttaten und Massenmorde, die Wellen schlugen, vor deren Auswirkungen er sich noch lange in Acht nehmen musste. &lt;br /&gt;Doch nichts mehr konnte ihm die Begeisterung seiner Jugend zurückgeben, die Hoffnung entfachen, die er vergeblich gehegt hatte. Und als ihm klar war, wie verloren, wie allein und wie erbärmlich seine Existenz in den Augen der Welt, aller Welten erscheinen musste, da begann er zu bereuen. &lt;br /&gt;Die Reue überfiel ihn grausam und er floh vor ihr, indem er weiter mordete. &lt;br /&gt;Doch als das Töten seinen Reiz verlor, als er seine eigene Hülle kaum noch ertragen konnte, wie sie vor Blut triefend und mit Schuld beladen durch eine Nacht schlich, die mit ihren neuartigen Lichtern und Geräuschen keinen Platz mehr für ihn hatte, da erkannte er die letzte Wahrheit. &lt;br /&gt;Seinen Ausweg, den einzigen Weg, der sich ihm bot. &lt;br /&gt;Konnte er nicht vernichtet werden, so war er gezwungen, sich selbst zu vernichten. So weit zu vernichten, wie es ihm möglich war. Seinem Gram zu gehorchen und die Strafe anzunehmen, von der er immer gewusst hatte, dass sie auf ihn lauerte. &lt;br /&gt;Er wanderte lange, bis er den richtigen Ort fand, bis er durch die Höhlen schritt, die einsam und leer auf ihn gewartet hatten. Und bis er damit begann, sich sein eigenes Grab zu schaufeln, sich in die Tiefe zu wühlen. Und immer trug er das Gefühl in sich, als beobachte ihn jemand. Eine Macht, größer als er. Doch er konnte nicht herausfinden, ob sie ihm wohlwollend oder verärgert zusah. Und so schloss er sie aus, konzentrierte sich auf die Erde, den Widerstand, der sich nur allzu leicht für ihn durchbrechen ließ. Wie durch Butter glitt er durch die Masse, rutschte tiefer, bis er nicht mehr wusste, wo und wann er begonnen hatte. &lt;br /&gt;Erst in diesem Augenblick schloss er seine Augen und wurde still, still für eine Ewigkeit. &lt;br /&gt;Sein Körper fühlte sich starr und klamm an, tot und erloschen. Im Widerspruch zu der Kälte, die ihn beherrschte, stand nur noch Geist, seine Gedanken, die nicht aufhören konnten zu wandern. &lt;br /&gt;Was hätte er darum gegeben, auch seinen Geist sterben zu sehen, die endlose Folge sich aneinanderreihender Worte, die durch seine Nervenbahnen taumelten zu unterbrechen, ein für allemal zum Schweigen zu bringen? &lt;br /&gt;Doch es sollte nicht sein. Der einzige Weg, der ihm blieb, lag in einem Rückzug, dem ultimativen Rückzug, dem Selbstbegräbnis. Es sollte den Hunger stillen. Den Hunger nach dem, was er einst Leben genannt hatte. Nach der Sonne, dem Licht, der Leidenschaft. Einen Hunger, den er nur noch stillen konnte, indem er die Letzte aller unverzeihlichen Sünden beging. &lt;br /&gt;Und so lag er nun begraben, klaftertief unter schwerer, dunkler Erde. Stumm und reglos, der lebende Tote, der er war. &lt;br /&gt;Der Albtraum sollte niemals enden. So sah sein Plan aus. &lt;br /&gt;Temotas ahnte nicht, zu keiner Zeit, dass sein so sorgfältig und entschlossen gefasstes Vorhaben auf Widerstände traf, die er nicht voraussehen konnte. So tief er sich auch in den Erdboden gewühlt hatte, tief genug, um von der Wärme des Erdinneren verbrannt zu werden, es reichte nicht aus. So unerträglich auch das Gewicht der zahllosen Gesteins- und Bodenschichten auf seinem Körper lastete, ihn zusammenpresste und verformte, es war nie genug. &lt;br /&gt;Er dachte, er hätte sich an die Last gewöhnt, an die Hitze, an den Druck. Doch er wusste nichts von den Veränderungen, die sich um ihn herum, mit ihm in ihrer Mitte, abspielten. Die Erde bewegte sich, sie wanderte. Die Elemente drifteten auseinander und wieder zusammen. Sie zogen ihn mit sich, schoben und zerrten. Doch im endlosen Fluss der Zeit und gefangen in seiner Schuld, spürte er davon nichts. Er vegetierte dahin, besessen nur von dem einen, dem unerfüllbaren Wunsch nach dem Ende. &lt;br /&gt;So fühlte er nicht, dass sein Körper über die Jahre, Jahrzehnte, Jahrhunderte in die Höhe trieb. Er spürte nicht, dass er der Oberfläche näher kam. Die neue Kälte, die in seine Glieder kroch, akzeptierte Temotas als willkommene Qual, als weitere Strafe für seine Sünden. &lt;br /&gt;Doch die Langeweile wuchs sich zu einem anderen, einem weitaus größeren Problem aus. Die Langeweile und die Geräusche, die von Zeit zu Zeit an seine Ohren drangen. An jene Ohren, die verstopft von Erde und Sand, doch in ihrer übermenschlichen Fähigkeit begannen, Laute wahrzunehmen, auf die er sich, obwohl eingehüllt in den Nebel seines eigenen Leids, keinen Reim machen konnte. &lt;br /&gt;Die Jahre vergingen, und sie wurden schwieriger zu ertragen mit jeder Minute, mit jeder Sekunde. Doch Temotas erkannte die Versuchung, und er widerstand ihr. Wie er es dereinst geschworen hatte. &lt;br /&gt;Er existierte nicht, durfte nicht existieren. Sein Wesen war verloschen und das, was davon übrig war, sollte von niemandes Auge je wieder erblickt werden. &lt;br /&gt;Augen waren es auch nicht, die ihn erblickten. Anderes, seltsames Leben bemerkte ihn dennoch. Sich tief im Inneren der Erde windende Kreaturen von geringem Verstand. Das Hindernis, auf das sie in ihrem Überlebenskampf stießen, hielt sie nicht davon ab, aus ihrer Welt das herauszuholen, was in ihrer Macht stand. Sie gaben nicht auf, ergaben sich nicht, bis sie verendeten und wieder zu dem wurden, woraus sie entstanden waren. &lt;br /&gt;Nur Temotas nahm nicht Teil an diesem Kreislauf. Er überdauerte, lag reglos in seinem Gefängnis, wartete, ohne zu wissen, worauf er wartete. &lt;br /&gt;„Was bist du“, fragte die Stimme. „Rau und heiser erklang sie tief in Temotas Geist. „Was willst du, das ich sei?“, antwortete Temotas stumm und erschrak zugleich. Viel zu lange hatte er auf kein Zeichen mehr reagiert; was war es, das ihn nun bewog, sich zu erkennen zu geben? &lt;br /&gt;Er öffnete seine gelben Augen nur einen Spalt, genug, um sich zu vergewissern, dass er immer noch inmitten der Erde, von Erde umgeben war. &lt;br /&gt;Ein seltsames Tier befand sich vor seinem Gesicht. Weder weiß, noch durchsichtig, in Gestalt und Farbe dazwischen liegend, bewies es doch eine ausgeklügelte Angepasstheit an seinen Lebensraum. Weder Wurm, noch Made und doch die Vorzüge jedes dieser Wesen in sich vereinend, wand es sich um Brocken verschütteten Gesteins. &lt;br /&gt;„Was bist du?“, fragte es erneut. &lt;br /&gt;„Ich bin nicht“, antwortete Temotas. &lt;br /&gt;„Aber ich spüre dich“, sagte das Wesen. „Ich spüre deine Angst.“ &lt;br /&gt;„Ich kenne keine Angst“, sagte Temotas. &lt;br /&gt;„Und doch versteckst du dich hier“, erwähnte die Stimme. Temotas schloss seine Augen und verwandelte die Laute in körperloses Rauschen. &lt;br /&gt;Doch so leicht ließ das Wesen sich nicht abweisen. „Und doch versteckst du dich hier“, wiederholte es und Temotas öffnete seinen Augen wieder. Zum ersten Mal seit unendlich langer Zeit spürte er ein Gefühl in sich aufwallen. Funkelnder Ärger kroch an die Oberfläche seines Körpers, setzte sich auf die kalte Haut, sandte elektrische Impulse durch seine Glieder. &lt;br /&gt;„Ich verstecke mich nicht“, brachte er mit zusammengebissenen Zähnen hervor. „Ich bin kein Feigling.“ &lt;br /&gt;Das Wesen näherte sich. Es glitt an ihn heran, um ihn herum, befeuchtete seine Ohrmuschel, wisperte in seinen Nacken, bis Temotas erschauerte. &lt;br /&gt;„Warum siehst du dir dann nicht an, was um dich herum vorgeht?“, flüsterte es verlockend. &lt;br /&gt;Temotas versteifte sich. „Weiche von mir.“ Der ausgesandte Strahl seiner Gedanken glich einem Schwert, bereit das Wesen zu zerteilen. Sein Herz, das so lange gefroren in seiner Brust geruht hatte, zitterte vor unterdrückter Wut. „Du hast kein Recht, mich in meiner Ruhe zu stören.“ &lt;br /&gt;„Aber du ruhst nicht“, flüsterte das Wesen wieder. „Du bist nicht tot, nicht einmal annähernd.“ &lt;br /&gt;„Ich bin nicht tot“, wiederholte Temotas. „Woher willst du das wissen?“ &lt;br /&gt;Die Kreatur stieß einen Laut aus, der beinahe einem Lachen ähnelte. „Weil ich den Tod erkenne. Ich weiß, was mit dem geschieht, was verscheidet. Ich sehe, wie es stirbt, verrottet, zerfällt, sich verwandelt. Du unterliegst keinem Wandel.“ &lt;br /&gt;Nun spürte Temotas, wie das Wesen über seine knochige Brust kroch. Er fühlte jede Rippe, die unter ihm nachgab, jeden Muskel, jede Sehne, die durch seine Berührung erwachte. &lt;br /&gt;Temotas hörte die Stimme wie ein Krächzen in seinem Kopf. „Seit Jahrhunderten bleibst du unverändert, lässt dich treiben, ignorierst das Werden und Vergehen um dich herum.“ &lt;br /&gt;„Alles vergeht, sobald ich es berühre“, entgegnete Temotas. „Es gibt keine Rettung, keinen Ausweg. Das Sterben umgibt mich wie ein Mantel, es strahlt aus, vernichtet jeden Keim, der es wagt, mir unter die Augen zu treten.“ &lt;br /&gt;„Das ist nicht wahr“, wisperte die Kreatur. Sie glitt wieder an ihm hoch, benetzte sein Gesicht mit schleimiger Substanz. Angeekelt wich Temotas zurück, wand seinen Kopf. Heißer Schmerz schoss in ihm hoch, brachte ihm jede Faser seines Körpers ins Bewusstsein. Seine Wirbelsäule ächzte und sein Hals fühlte sich an, als wäre er durch die ungewohnte Bewegung gerissen. Und doch fiel ihm jetzt, und erst jetzt auf, dass die Erde, in der er lag, eine andere war. &lt;br /&gt;Zu tief, zu lang hatte er in ihr geruht. Nichts war ihm zu seiner Unterhaltung geblieben, außer die Muster der namenlosen Schichten, die von einer Vergangenheit sprachen, die bereits in die Ewigkeit eingegangen war, noch bevor er geboren wurde. Nichts anderes hatte er gewollt, außer der toten, leeren Erde. &lt;br /&gt;Nur, dass diese nicht mehr tot war. Etwas entstand in ihrer weichen, saftigen Masse. Feine Wurzeln kletterten einer Zukunft entgegen, die Temotas nicht sehen, von der er nichts wissen wollte. &lt;br /&gt;Seine Organe, obgleich ausgedorrt und vertrocknet, revoltierten. Sein Inneres geriet in Bewegung. Ihm wurde schlecht von dem, was er zu sehen glaubte. &lt;br /&gt;„Das kann nicht sein“, keuchte er. „Ich bin zu tief. Ich habe zu weit gegraben. Kein Leben darf mich stören.“ &lt;br /&gt;„Denkst du, ich sei kein Leben?“ Schmeichelnd klang die Stimme diesmal, erfüllt von unausgesprochenen Versprechungen. &lt;br /&gt;„Du bist…“ Temotas schwieg. Er wusste nicht, welch eine Kreatur es war, die ihn aus seinem starren Schlaf zu erwecken suchte. &lt;br /&gt;„Kein Leben“, vervollständigte er den Satz. „Du bist etwas anderes.“ &lt;br /&gt;„Wie Recht du doch hast“, zischte die Stimme in sein Ohr. „Ich bin etwas anderes, ebenso wie du. Und für uns beide gilt die gleiche Regel, das gleiche Schicksal.“ &lt;br /&gt;„Das denke ich nicht.“ Temotas knirschte mit seinen Zähnen, fühlte wie sie sein schmerzendes Zahnfleisch versuchten, zum Bluten zu bringen. Vergeblich, da jeder Tropfen bereits in die dunkle Erde gesackt war, jede Kraft aus ihm gestorben. &lt;br /&gt;„Sieh doch!“, lockte die Kreatur. „Es ist nicht mehr weit. Dein Schlaf ist beendet, dein Traum ausgeträumt.“ &lt;br /&gt;„Ich weiß nicht, wovon du sprichst“, wehrte sich Temotas und schloss wieder die Augen. Doch er konnte nicht verhindern, dass seine Sinne erwachten, dass er spürte, wie sich um ihn herum, jede Zelle teilte. Wie sich das mikroskopisch kleinste aller Wesen an ihn schmiegte, wie Samen aufsprangen, Keime sich in die Höhe reckten, einem Ziel entgegen, das er nicht sehen konnte. &lt;br /&gt;„Wie kann das sein?“, flüsterte er. „Du weißt nicht, was du tust?“ &lt;br /&gt;„Ich weiß, was ich tun muss.“ Die Kreatur kroch an ihm herab, hinterließ schmerzende Spuren auf seinem Körper. „Du bist weit genug gekommen. Nun gibt es kein Zurück.“ &lt;br /&gt;„Ich habe mich nicht bewegt“, sagte Temotas. „Seit Jahrhunderten nicht mehr.“ &lt;br /&gt;„Du nicht“, wisperte das Wesen. „Doch alles um dich herum befindet sich in ständigem Fluss. Und nun bist du in meiner Welt. Hier musst du mir gehorchen.“ &lt;br /&gt;„Wer bist du?“, fragte Temotas. &lt;br /&gt;Das Wesen kicherte, diesmal hell und schaurig. „Manche nennen mich Persephone“, hauchte es, bis er jede Silbe in seinen Eingeweiden spürte. „Ich bringe das, was tot erscheint, zurück ins Leben.“ &lt;br /&gt;„Ich kann nicht zurück“, krächzte Temotas. „Ich darf nicht.“ &lt;br /&gt;„Das ist nicht mehr unsere Entscheidung“, erwiderte Persephone. „Verstorbenes verwandelt sich. Noch bevor die Kälte der Wärme weicht, wissen die Kräfte, die uns bestimmen, von der Aufgabe, die vor ihnen liegt. Und aus dem Starren, Schlafenden wird Bewegung, entwickelt sich ein neues Sein. Jedes Mal anders, jedes Mal neu und doch jedes Mal wild und schön.“ &lt;br /&gt;„Doch bin ich kein Teil davon“, sagte Temotas. „Was du erschaffst, töte ich von neuem.“ &lt;br /&gt;„Alles stirbt“, sagte Persephone. „Alles muss sterben.“&lt;br /&gt;„Wir nicht“, antwortete Temotas. „Wir gehören nicht dazu.“ &lt;br /&gt;„Woher willst du das wissen?“ Persephone schlängelte sich an seinem Körper hoch, presste ihre Weichheit gegen seine Härte. &lt;br /&gt;„Auch wir haben unseren Teil auszuführen. Eine Aufgabe, eine Bestimmung.“ &lt;br /&gt;„Du vielleicht“, wisperte Temotas und umschlang sie mit seinen tauben Armen. „Meine Bestimmung ist dieses ewige Grab.“ &lt;br /&gt;„Dann hat deine Bestimmung sich verändert“, murmelte Persephone und ihr mundloser Körper küsste seinen Hals. &lt;br /&gt;„Das ist nicht möglich“, dachte Temotas. „Das will ich nicht, ich kann nicht.“ &lt;br /&gt;„Doch, du kannst“, antwortete Persephone. „Du bist stark. Du bist wieder jung, du wirst die Welt mit neuen Augen sehen.“ &lt;br /&gt;„Meine Augen sind der Welt müde“, erwiderte Temotas. „Es existiert nichts auf Erden, das sie nicht schon zu oft gesehen, zu oft vernichtet haben.“ &lt;br /&gt;„Du erinnerst dich nicht an den Zauber der Nacht“, schmeichelte Persephone. „Du erinnerst dich nicht an die betäubenden Düfte der ersten Blüten des Jahres. Weißt du nicht mehr, wie das junge Grün deine Sinne erfüllt, wie der Regen zarter Apfelblüten dein Herz zum Schlagen brachte? Kurz nur, so kurz. Ein widernatürliches Ergebnis überschäumender Emotion. Weißt du nicht mehr, wie das milchige Mondlicht die zarten Opfer erster Frühlingsnächte umfließt? Wie ein funkelnder Stern, wie die Hoffnung, der Trieb die Menschen aus ihrem Schutz lockt? Weißt du nicht mehr, wie herrlich es ist, zur Jagd zu erwachen?“ &lt;br /&gt;Temotas Brust hob sich. Seine Lungen rasselten. Beinahe schmeckte er die Süße dieser ersten Tage, in denen die Kälte vergeblich um ihre Vorherrschaft kämpfte, doch dann weichen musste, der Kraft einer lebenerschaffenden Sonne. Einer Sonne, die er nie sehen würde.“ &lt;br /&gt;„Ja“, sagte er. „Ich weiß noch, wie es war. Wird es wieder so sein?“ &lt;br /&gt;„Besser“, versprach ihm Persephone. „Viel besser.“ &lt;br /&gt;Und mit ihr in seinen Armen grub er sich der Nacht entgegen. In seinen Ohren rauschten der Hunger, die Sehnsucht, das Wissen um den Tod, den seine Rückkehr brachte. &lt;br /&gt;Und als der Vampir unter der Kuppel des dunklen Himmels verharrte und seine gelben Augen zu den Gestirnen wandern ließ, da roch er stärker noch, als jede Ahnung frühlingshaften Erwachens, das pulsierende Blut der Menschen, die ihm zur willigen Nahrung werden sollten. Er ließ Persephone los, die mit einem heiseren Stöhnen an ihm herabglitt. &lt;br /&gt;„Du hattest Recht“, sagte der Vampir zu ihr. „Wir alle müssen sterben.“ Und seine Zähne blitzten auf, bevor er sie in ihr versenkte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ende&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3263622768781598349-8770002759907806844?l=callisto24.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://callisto24.blogspot.com/feeds/8770002759907806844/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3263622768781598349&amp;postID=8770002759907806844' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/8770002759907806844'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/8770002759907806844'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://callisto24.blogspot.com/2010/12/fruhlingserwachen-zeit.html' title='Frühlingserwachen - Zeit'/><author><name>callisto24</name><uri>http://www.blogger.com/profile/18191488055625225167</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/_Uzq-1PR2gcg/SNaEoxPltqI/AAAAAAAAAAM/7NujjFFZKlk/S220/peacesee.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3263622768781598349.post-2837534478618697605</id><published>2010-12-09T05:30:00.001-08:00</published><updated>2010-12-09T05:30:27.154-08:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Geschichte'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='schreiben'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Weihnachten'/><title type='text'>Fremd</title><content type='html'>Titel: Fremd&lt;br /&gt;Autor: callisto24&lt;br /&gt;* * *&lt;br /&gt;Nichts ist so wie es erscheint. Die Welt unter Münchens leuchtender Decke splitterte sich auf in unzählige Facetten und nur eine einzige davon gehörte zu ihm. Eine der Welten, die Menschen wie ihn umschlossen, einschlossen, Menschen, die keine Heimat mehr hatten, die vor Armut oder Verfolgung flohen und ohne Chance auf Asyl ihr Leben im Dunst des Illegalen verlebten, war seine. &lt;br /&gt;Warum auch, so fragte er, sollte er nicht das Recht besitzen, sich sein Leben nach eigenen Maßstäben einzurichten. Wie jeder andere es durfte, jeder, der in einem freien Land lebte. Warum sollte es ihm nicht erlaubt sein, das Glück zu suchen und zu finden? &lt;br /&gt;Auch wenn nichts dem Bild glich, das man ihm vom Paradies gemalt hatte. Manchmal lachte er fast, dachte er daran. Doch nur fast. &lt;br /&gt;Wie naiv doch die Sicht aus seiner Welt auf die erschien, in der er jetzt lebte. &lt;br /&gt;Sicher, er hatte es geschafft, er konnte sich glücklich schätzen. Selbst jetzt, mit dem Wissen von allem, was ihm fehlte, der festen Überzeugung, dass er niemals dazugehörte, dass er ohne Papiere ein stetes Leben auf der Flucht vor dem Gesetz führte, fiel es ihm nicht ein, seine Entscheidung auch nur eine Minute lang anzuzweifeln. &lt;br /&gt;Auch wenn sein Leben in nichts dem derer glich, die von ihm nichts wussten. Jenem Teil der Bevölkerung, der sich nicht fragen musste, wann er entdeckt und über die Grenze katapultiert, manövriert oder geschifft wurde. &lt;br /&gt;Jenem, der es nicht gewohnt war, dass sein Gegenüber die Augen niederschlug, noch bevor er ihm beweisen konnte, dass er selbst dem Blick jedes anderen aus reiner Notwendigkeit auswich. &lt;br /&gt;Schwer war es. Aber er war jung. Und sie waren Freunde. Sie wussten von seiner Schüchternheit. Sie wussten, dass sie ihn schubsen mussten. Also schubsten sie, bis er auf diese Frau traf. Diese Frau, die sie ansah, die sie alle musterte. Und die lächelte. &lt;br /&gt;Fremde Frauen in einem fremden Land, hellhäutig und geheimnisvoll. Und betrunken. Denn auch dies war ein Teil des Luxus, der gleichzeitig anzog und abstieß. Manchmal war es nicht schlecht zu wissen, dass die Sprache, in der sie sich unterhielten, nicht verstanden wurde. &lt;br /&gt;Und sie fühlten sich gut. Es war einer dieser Abende, in denen sie sicher sein durften. &lt;br /&gt;Der Dezember bot so viele Möglichkeiten, sich in der Anonymität der Stadt zu verlieren. Die Menschen trugen einen seligen Ausdruck freudiger Erwartung in ihren glänzenden, hellen Gesichtern, oder sie wirkten verloren in der Hektik der Festtagseinkäufe, stürmten an Menschen, an Wundern vorbei, ohne sie zu registrieren, die Lippen verbissen zusammengepresst. Manche drängten sich rücksichtslos vorwärts, jagten einem unerreichbaren Ziel hinterher. &lt;br /&gt;Selten, dass jemand sich die Zeit nahm, den Glanz und den Schmuck offen zu betrachten. Selten, dass jemand lächelte. &lt;br /&gt;Nicht einmal zu einer Zeit wie dieser. Nicht einmal am Abend, der doch dem Ausklang eines Tages gewidmet sein sollte. &lt;br /&gt;Mit einem staunenden und einem ungläubigen Auge beobachtete er, wie die Menschen sich an den duftenden und funkelnden Buden vorbeileiten ließen. Er bemerkte wie sie sich selbst die Zeit stahlen, dass einmal kurz innezuhalten den Preis bereits in sich trug. &lt;br /&gt;Er verstand nie, warum sie ihn bezahlten, warum sie Tag für Tag mit diesen leeren Gesichtern durch eine Welt hetzten, die eigentlich so viel besser sein sollte als seine. &lt;br /&gt;Sie kleideten sich dunkel und grau. Sie trugen ihre schlechte Laune vor sich her wie einen Schild. Sie ehrten und verehrten die Depression, die sie zwischen den Steinklötzen festhielt. Doch wer war er, um darüber zu urteilen? Untergehen in der Menge bedeutete auch den Abschied von den Farben, die trotz des Verfalls, des Schmerzes und den Drohungen, die seine Heimat überschatteten, wie frohe Tupfer dem Bösen zu widerstehen suchten. &lt;br /&gt;Aber frohe Tupfer passten nicht in diese Welt. Und so wurden sie auch zu einem Teil der Gesellschaft, an der Oberfläche. &lt;br /&gt;Und leichter als jeden anderen konnten sie diese Frau täuschen. Er ahnte, dass sie ihn für ein Symbol verwehender amerikanischer Besatzungstruppen hielt, dass der Schein ihm half, in den Augen der westlichen Welt akzeptiert zu werden. &lt;br /&gt;Die Frau ging an ihnen vorbei. Sie lachte nun, hinein in ihre Tasse, deren Inhalt noch ein wenig dampfte. Ihr Atem war in der Kälte zu sehen und dennoch hatte sie den Mantel aufgeknöpft, den Schal gelöst. &lt;br /&gt;Er fror genauso wenig wie sie und es wunderte ihn. Eigentlich sollte er frieren, kannte es fast nicht mehr anders in diesen Monaten, in der kalten Jahreszeit. &lt;br /&gt;Nicht dass es eine Rolle spielte. Nicht für ihn. &lt;br /&gt;Trotz der fehlenden Sonne, trotz der trüben Grundstimmung spürte er die Bemühungen und die gelegentliche Liebe, die in manchen Ecken und Winkeln aufflammte. Ob beabsichtigt oder unbeabsichtigt, ob missverstanden oder initiiert, spielte keine Rolle. Das Leben war kurz und grausam. Es konnte jederzeit und überall enden. Er hatte seinen Teil gesehen und nicht vor, den Moment, der ihn anlachte, aufzugeben. &lt;br /&gt;Er war bereit, das Weihnachtsfest zu feiern, wie er es nicht kannte. Anders und erfüllt von Gold und Silber. Mit Düften und Lichtern, optisch überwältigenden Eindrücken, mit jedem einzelnen Schritt. &lt;br /&gt;Nicht in der Hütte, die sich als Kirche ausgab. Nicht unter brennender Sonne und mit dem Schall der Gewehre im Hintergrund. &lt;br /&gt;Er hatte etwas, dieser Markt am Marienplatz. Strukturiert wirkte er, perfektioniert und durchdacht. Geordnet und geregelt. Sicher und vertrauenerweckend. &lt;br /&gt;Pausbäckige Menschen hinter glänzenden Schmuckstücken, die keinen Sinn ergaben. Rotgesichtige Frauen in dampfenden Würstchenbuden. Handschuhe und Mützen, tief über die Ohren gezogen im Hintergrund der dicht an dicht gehängten Strohsterne. &lt;br /&gt;Dazwischen Moderne, Musik in CD-Form, Lichterketten, die aussehen wollten, als tropften in regelmäßigen Abständen Eiszapfen von ihnen herab. Überhaupt die merkwürdigsten und verrücktesten Lichter. Sie blinkten und blitzten, verteilten grellen Schein in unterschiedlichen Farben. &lt;br /&gt;Und doch war es nicht so, als wundere er sich darüber, was Weihnachten in dieser Stadt bedeutete. Er hatte nicht viel gesehen, wenig mit Ausnahme des Wohnheims, in dem er lebte, den Ecken, in denen man sich traf um über die wenigen Möglichkeiten zu sprechen. &lt;br /&gt;Aber was er von der Stadt sah, in den Momenten wie diesen, in denen sie feierte oder zu feiern versuchte, schien der Absicht zu dienen, einem allgegenwärtigen und andauernden Tief zu entfliehen. &lt;br /&gt;Manchmal und unerwartet durchstreiften zunehmend wunderliche und beinahe bunte Erscheinungen die Straßen. Frauen in Kleidern, die ihn an eine Tradition erinnerten, mit der er nichts anzufangen wusste. Männer mit Hüten und Lederhosen, die so überhaupt nicht in das Bild der Busse und Bahnen passen wollten. &lt;br /&gt;Ebenso wie dieses kurze Aufflammen exotischer Ausgelassenheit mutete die unzusammenhängende Pracht, die nun an Hauswänden prangte, sich über die Gassen verteilte und zwischen den Gebäuden drängte, wie eine Maske an, die tieferliegende, schlummernde Krankheiten überdeckte. Seuchen und Plagen, die nicht erwähnt wurden, schon gar nicht zu einer Zeit der Feste. &lt;br /&gt;Die Sinne wollten betäubt werden, und Sinne wurden betäubt. &lt;br /&gt;Wie sie, die Frau den Markt umkreiste, sah es aus, als sei ihr schon seit geraumer Zeit gelungen, die Sinne erfolgreich zu betäuben. &lt;br /&gt;Ein letzter Blick zu den anderen und er folgte ihr. Was geschah war eindeutig. Sie war immer wieder gekommen, hatte Blicke auf ihn geworfen, auf seine Leute. Nur um weiterzugehen mit langsamen, wiegenden Schritten, den Griff fest um die Tasse mit der Silhouette der Stadt darauf, in deren Zentrum sie sich befanden. &lt;br /&gt;Einmal noch sah er sich um, sah wie die anderen lachten, wie sie ihm zunickten. &lt;br /&gt;Vielleicht war es das. Vielleicht lebten die Frauen hier so, frei und unkompliziert. In einer Welt, deren Mechanismen ihm fremd waren. &lt;br /&gt;In das kalte Wasser zu springen entbehrte nicht eines gewissen Reizes. Und so fand er sich wieder, Schulter an Schulter mit ihr. Sie gingen ein Stück nebeneinander, bevor sich ihre Augen trafen und sie blinzelte. Aber das war in Ordnung. Sie konnte seinen Blick nicht aushalten und er ihren genauso wenig. Aber er konnte weitergehen. &lt;br /&gt;Für einen Augenblick zweifelte er daran, dass sie ein Ziel hatte. Ihr Gang wirkte unstet und verschwommen. Ihre blauen Augen hohl, wenn sie an ihm vorbei starrten. &lt;br /&gt;Und doch wusste sie genau, wohin sie ging. Das Zentrum reichte ihr nicht aus. Sie suchte die Mitte von allem. Den Baum, der vor dem Rathaus aufragte. &lt;br /&gt;Verharrte neben der Mariensäule, eines der Gebilde dieser Stadt, das zugleich Zauber und Kitsch war. Dann sah er in den Baum. Und er ahnte, was sie fühlte. Sie, die still und steif neben ihm stand, die Augen nach vorne gerichtet, als versuche sie die Lichter vor sich zu hypnotisieren. Vielleicht wollte sie eines von ihnen bewegen, zum Aufleuchten oder zum Erlöschen bringen. &lt;br /&gt;Eine Krone der hiesigen Schöpfung, die Kommerz und die Gier nach Geld begonnen hatte, bildete dieser riesige Baum vor dem Rathaus, dicht bestückt mit funkelnden Glühbirnen, die je nach Stand des Alkoholpegels eines Betrachters mehr oder minder munter flackerten. &lt;br /&gt;Er spürte, wie er Gefahr lief, sich bei ihr zu infizieren, von ihrem Wahnsinn zu schmecken. Sie liebte diesen Baum, unabhängig davon, woher er stammte, welch großzügige Gemeinde ihn stiftete, unabhängig davon, welche Höhe, Breite, Zweck und Ziel oder Glühweine er mitbrachte. &lt;br /&gt;Sie liebte es, an ihm vorbeizulaufen, sich unter dem hohen gotischen Eingang in den Rathaushof hindurch zu ducken, die Vorstellung zu leben, sie befände sich inmitten einer Festung aus alter Zeit. Und so zog sie ihn mit sich in eine andere, eine gänzlich andere Welt. &lt;br /&gt;Er zuckte zusammen, als er ihre Hand an seinem Ärmel spürte, als sie ihn durch einen Eingang führte, den er mied. Zu offiziell, zu gefährlich dieses Zeugnis städtischer Direktive. &lt;br /&gt;Sein Herz klopfte schneller, als über ihm die fremdartigen Weisen ertönten, ihn zusammenzucken ließen. Seltsame, unverständliche Hymnen, getragen und traurig, gesungen von hohen Stimmen, die durch Lautsprecher verstärkt von Balkonen des Gebäudes klangen. &lt;br /&gt;Sie schien sich nicht daran zu stören. Im Gegenteil. Sie strahlte, als sie den Durchgang passiert hatten und sich im Innenhof des Rathauses befanden. Nur dass es noch weniger wie ein Rathaus aussah, als bisher. &lt;br /&gt;Der Innenhof war im Lichte und Klang der Festivitäten vergleichbar mit einer Burg, geheimnisvoll, dunkel, erhaben und schön. Eine Burg, so wie er sie nur aus den Medien kannte. Wie sie zur Geschichte dieses Landes, dieses Teiles der Welt gehörte. In der es kalt war, und abweisende Bauwerke aus schwerem Stein zum Leben gehörten. &lt;br /&gt;Zu kalt. Sie entfloh ihm wieder und er floh mit ihr. Und fand sich wieder umgeben von Licht und Musik, dem Treiben des Christkindlmarktes, den Düften der Leckereien, die es nur zu dieser einen Zeit des Jahres genossen wurden. &lt;br /&gt;Er sah sie an, und sie lachte. Sie sah jünger aus, als sei es ihr gelungen, einen Zauber wieder neu zu kreieren, den sie verloren geglaubt hatte. &lt;br /&gt;Und in diesem Moment wusste er, dass sie nicht aufgab, dass der Zauber der Münchner Weihnacht den Höhepunkt ihres Jahres darstellte, den Gipfel ihrer Wünsche. Selbst wenn sie sich dazu zwingen musste, in der Zeit zurückzuwandern. &lt;br /&gt;Sie lächelte. Sie lächelte wieder. Sie trank und ging. Sie verschwamm im Anblick des glitzerenden Baumes. Sie blinzelte gegen die funkelnden Lichter, den grellen Schein der Stände. &lt;br /&gt;Bis er sie einholte. Und sie mitnahm. &lt;br /&gt;Blicke sagten mehr als Worte und das nicht nur, weil Worte nicht ausreichten. Sie verstand nicht, er verstand nicht und doch folgte sie ihm. Es war beinahe beängstigend. &lt;br /&gt;Eine besondere Nacht, eine der einsamen Weihnachtsnächte, während derer Menschen in der Großstadt anders handeln als sie gewohnt sind. Nächte, die gefährlich und doch spannend sind. Während derer die Zwischenräume sich gleichermaßen vergrößern und zusammenschrumpfen. Während derer Schritte zu Entfernungen werden, die glitzernde Märchenwelten von trostlosen Seitenstraßen trennen, von Vierteln, in denen Geheimnisse wohnen. &lt;br /&gt;Und nur manchmal getraut sich jemand die Grenze zu überschreiten. Nur in bestimmten Nächten. Nur wenn das Risiko unwichtiger erscheint, als das Abenteuer. &lt;br /&gt;Wie merkwürdig es doch war, dass sie ihm folgte. Wie unverständlich und doch wie passend. Ein Weihnachtsgeschenk, das ihm, fern der Heimat in den Schoß fiel. &lt;br /&gt;Bis zuletzt glaubte er, dass sie sich von ihm abwende, dass sie sich umdrehe und davon liefe. Ob sie selbst nicht mehr wusste, wie sie den Weg zurück fände. Oder ob das Gebäude, in das er sie lotste, nicht nur für seine Begriffe einem wahren Palast glich im Vergleich zu den Unterkünften, die er sonst bewohnte, darüber hatte er nicht vor nachzudenken. Nicht, als sie sich bereits aus ihrem fleckigen Mantel geschält, das im erbarmungslos elektrischen Licht strähnig wirkende Haar zurückgestrichen und nach der Flasche gegriffen hatte, die er neben seinem stolzesten Besitz aufbewahrte. &lt;br /&gt;Das Licht des Fernsehers waberte in bläulichen Streifen durch den Raum, als sie wieder zu sich kam. Vielleicht riss auch die Panik, die aus ihm strömte, die Frau aus ihrer Bewusstlosigkeit, in die sie nicht unerwartet gefallen war, betrachtete er den schmalen Streifen Flüssigkeit, der in der einst gefüllten Flasche zurückgeblieben war. &lt;br /&gt;Als sie blinzelte, versuchte er zu fragen, ob es ihr gut ginge. Sein Herz pochte ahnungsvoll im Angesicht der Schwierigkeiten, die er vorhersah, in die er sich geritten hatte. Und nicht nur sich, auch die anderen. Jeden, der sich so wie er hier aufhielt. &lt;br /&gt;Sie öffnete die Augen und fasste sich an die Stirn, als er ihr das Blut zeigte. Doch ihre Antwort bestand nur in einem Nicken und dem Lächeln, das ihm nun, im Licht des grauenden Morgens, hohl und nichtig erschien. &lt;br /&gt;Und dann verschwand sie und er konnte sie nicht aufhalten, wusste nicht einmal ob er dies wollte. &lt;br /&gt;Sie war fort und das war gut. &lt;br /&gt;Und wie hätte er auch ahnen können, dass der Kreis damit nicht geschlossen war, dass die Reise erst begann. Dass nichts auf dieser Welt ohne Folgen blieb. &lt;br /&gt;Folgen von denen er erst so viele Jahre später erfuhr. Folgen, die ihn gleichzeitig verstörten, erfreuten und mit Stolz erfüllten. &lt;br /&gt;Er konnte nicht anders, er rief sie an. &lt;br /&gt;Längst ausgewichen, als es eng wurde, längst dem Zugriff der Behörden entschwunden und sich dort niedergelassen, wo andere Behörden mit weniger Chancen die Suche nach ihm und seinesgleichen gelegentlich aufgaben. &lt;br /&gt;Aber er rief an. Und er dachte an München. An das Zimmer, in dem er gewohnt hatte, an den Fußballplatz, an die Arbeit. Er dachte an München zur Weihnachtszeit. An den riesigen Baum, unter dem sie stand, duftend nach Gewürzen und Glühwein. An die Exotik, die sie verströmte, an die Unmöglichkeit, ihren Wortschwall zu verstehen, selbst als sie dann nüchtern gewesen war. Und wie er sich bemüht hatte, wie er ihre Telefonnummer bekam. Wie er sie wieder und wieder anrief. Wie er hartnäckig blieb. Bis sie sich auf ihn einließ, nur um ihn dann wegzustoßen. Ohne ihm mitzuteilen, dass er damals in München mehr zurückgelassen hatte, als ein Leben, das besser sein sollte, als das Leben in Hitze, Armut und Gewalt, vor dem er geflohen war. Dass er ein Leben gezeugt hatte, das ein Bindeglied sein konnte zwischen einer Welt an der Oberfläche, die er nie verstünde, so sehr er sich auch bemühte, und seiner Welt der Verborgenheit, des ewigen Suchens und Versteckens, der Unsicherheit, die nie endete, unabhängig davon wie glanzvoll eine Stadt in der Weihnachtszeit wirkte.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3263622768781598349-2837534478618697605?l=callisto24.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://callisto24.blogspot.com/feeds/2837534478618697605/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3263622768781598349&amp;postID=2837534478618697605' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/2837534478618697605'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/2837534478618697605'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://callisto24.blogspot.com/2010/12/fremd.html' title='Fremd'/><author><name>callisto24</name><uri>http://www.blogger.com/profile/18191488055625225167</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/_Uzq-1PR2gcg/SNaEoxPltqI/AAAAAAAAAAM/7NujjFFZKlk/S220/peacesee.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3263622768781598349.post-3039492273292389015</id><published>2010-12-09T05:19:00.000-08:00</published><updated>2010-12-09T05:20:43.835-08:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Geschichte'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='schreiben'/><title type='text'>Schokomann</title><content type='html'>Titel: Schokomann&lt;br /&gt;Autor: callisto24&lt;br /&gt;* * *&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meine Freundinnen und ich hatten uns schon immer gerne mit dem Übersinnlichen beschäftigt. Zugegeben waren sie mehr von der Wirksamkeit ihrer seltsam gereimten Sprüche, verbrannten Kräuter oder geweihter Kerzen überzeugt als ich, aber nichtsdestotrotz hielt ich ihr Hobby für spannend genug, um mich einzuklinken und, wann immer es ging, bei einer ihrer Aktionen anwesend zu sein. &lt;br /&gt;Wohlgemerkt, es handelte sich bei ihnen um weiße Hexen, das bedeutet, welches Ritual - oder wie sie es nennen - welchen Zauber sie auch anwendeten, der dahinterstehende Grundgedanke musste zwangsläufig positiv sein. Es ging um die allumfassende Liebe, Natur und das Gleichgewicht im Universum. &lt;br /&gt;Auch wenn ich beileibe nicht alles verstand, oder auch verstehen wollte, so fühlte ich mich doch wohl in ihrer Mitte. Ich musste nicht einmal vorgeben, besonders von dem überzeugt zu sein, was vorging. Es reichte ihnen, dass ich anwesend war und sie mit meiner Energie unterstützte. Wenigstens waren das die Worte, mit denen sie mich überzeugten, dabei zu bleiben, wenn sich tief in mir leise Zweifel anschlichen. &lt;br /&gt;Und ich blieb. Immer. Ich denke, einer der Hauptgründe lag darin, dass ich nie eine richtige Familie hatte. Zumindest keine, die man als solche bezeichnen konnte. Dem Modewort ‚Patchwork-Familie‘ gelang es nicht einmal annähernd das Chaos zu beschreiben, in das meine biologischen Eltern mich regelmäßig stürzten. Im Lauf der Zeit verlor ich sowohl den Überblick, als auch das Interesse an meinen zahllosen Halb- und Stiefgeschwistern. Das war wohl auch nur fair, denn es kam mir nicht unbedingt so vor, als entwickelten meine Blutsverwandten oder die angeheirateten und verbandelten Familienmitglieder mehr Interesse an mir, als die vom Gesetz vorgeschriebene Notwendigkeit vorsah. Wie sollten sie auch? Es galt immer ein neues Geschwisterchen auszubrüten oder eines zu verhätscheln, das sie vor ungelöste Probleme stellte. Natürlich nur, solange ihr eigener Beziehungskram oder eine neu eingegangene oder gescheiterte Liebelei nicht jede Kraft verbrauchte. &lt;br /&gt;Insofern glich der Moment, in dem mich die Mädchen unter sich aufnahmen, beinahe einer religiösen Offenbarung. Gefühle überschwemmten mich, die ich zuvor nicht gekannt hatte, und für eine lange Zeit wusste ich nicht, was ich mit diesen anfangen sollte oder konnte. &lt;br /&gt;Kein Wunder, dass ich an diesen zweifelte, mich rar machte, und den Geschehnissen mit einer gewissen Skepsis begegnete. &lt;br /&gt;Und so erstaunte mich fast noch mehr die Selbstverständlichkeit, mit der sie über meine Zurückhaltung und mein Zögern hinweggingen. Ich kannte es nicht, dass dem persönliche Rückzug mit Akzeptanz begegnet, er aber nicht als Aufforderung verstanden wurde, sich in Zukunft geflissentlich aus dem Weg zu gehen. &lt;br /&gt;Nein, wie Stehaufmännchen standen die Mädchen immer wieder vor meiner Tür, teilten mir lachend ihre Pläne mit, luden mich zu ihren geheimen Sitzungen oder ihren weniger geheimen Treffen am See oder in der Eisdiele ein. &lt;br /&gt;Wenn ich die Möglichkeit nicht anhand intensiver Beobachtung der Betreffenden ausschlösse, so bliebe ich mit Sicherheit davon überzeugt, dass sie mich in die Fänge einer Sekte zu locken planten. &lt;br /&gt;Aber nichts dergleichen ging vor. Und wie sie mir immer wieder und von Mal zu Mal glaubhafter versicherten, stand nichts anderes als die allumfassende Liebe hinter ihren Intentionen. Die und die Tatsache, dass, eingerechnet meiner Wenigkeit, die Gruppe eine in spiritueller Hinsicht offensichtlich bemerkenswert wirksame Anzahl ergab. &lt;br /&gt;Wirksam in vielerlei Hinsicht, die ich nicht vollständig nachvollziehen konnte. Aber solange es sie glücklich machte, dass ein aus Blättern gelegter Kreis, ein paar dahin gehauchte Worte einen Windhauch zur Folge hatten, oder je nach Wahl ein paar Tropfen Regen, beziehungsweise ein Aufreißen der Wolken, so lag es mir fern, mich zu beschweren. &lt;br /&gt;Natürlich gingen ihre Bestrebungen auch weiter. Sie verbrannten Räucherwerk und beschworen damit Ereignisse des Alltags, die sich – meiner bescheidenen Ansicht nach – keinen Deut um Reime und Düfte scherten. Aber ich behielt meine Meinung wohlweislich für mich und lächelte zustimmend, wenn eines der Mädchen begeistert davon erzählte, wie ihr Zauber tatsächlich dabei geholfen hatte, Gewicht zu verlieren, eine kleine Summe Geldes zu gewinnen, oder den Mann ihrer Träume – wenn auch nur für eine Sekunde – auf sich aufmerksam zu machen. &lt;br /&gt;Sollten sie doch glauben, was sie wollten. Ich war glücklich und zufrieden damit, in ihrer Runde angenommen zu sein und mich als ein fast vollwertiges Mitglied ihrer Gemeinschaft fühlen zu dürfen. &lt;br /&gt;Denn um eine Gemeinschaft handelte es sich. &lt;br /&gt;Wir trafen uns regelmäßig und zwanglos. Wir ratschten, kochten, fuhren Rad oder gingen spazieren. &lt;br /&gt;Natürlich alles unter dem Eindruck der einen Kraft, die unsere Welt zusammenhielt. &lt;br /&gt;Und so liebte ich besonders unsere abendlichen Treffen, wenn wir uns um einen Herd scharrten und ein Gericht zuzubereiten. Nicht ohne zuvor natürlich diverse Koch- und Hexenbücher zu Rate gezogen zu haben. Denn in jedem Buch der Schatten widmeten sich lange Passagen der Wirksamkeit einzelner Kräuter und Gewürze, der magischen Essenz von Pflanzen und Früchten. Sie alle wollten mit Bedacht und mit Wissen um ihre Wirkung eingesetzt werden. &lt;br /&gt;Das Leben war uns kostbar und die wichtigste Regel bestand darin, alles uns mögliche zu tun, um es zu bewahren, zu lieben und zu ehren. &lt;br /&gt;Wir baten jedes Kraut, jedes Blatt, jede Wurzel um Erlaubnis, bevor wir es oder sie pflückten oder ausgruben. Nicht dass sie uns einer Antwort für würdig erachteten, aber allein die Bitte enthielt eine beruhigende Wirkung. &lt;br /&gt;Ich fand mich selbst zunehmend gefangen im Bann der Gruppe, die ich im Grunde meines Herzens immer noch heimlich verlachte. &lt;br /&gt;Doch der Zusammenhalt, die offen zur Schau getragene Liebe allem Lebendigem gegenüber und die nicht zu erschütternde Hoffnung, die jeden noch so absurd anmutenden Zauberspruch begleiteten, zogen mich magischer an, als eine geborene Zweiflerin wie ich für möglich gehalten hätte. &lt;br /&gt;Ich genoss also in angenehmer und wie ich glaubte auch unschuldiger Gesellschaft das abendliche Gericht, schwelgte in raffinierten Zusammensetzungen und Gewürzen. Meine Freundinnen erwiesen sich immer wieder als wahre Künstlerinnen auf dem Gebiet der kreativen Küche. Die gezüchteten Kräuter, die frisch geernteten Früchte und Gemüse und das gemahlene und gequollene Getreide ergaben die interessantesten Kombinationen, die, wie ich zugeben muss, allesamt schmackhaft waren und sich wohltuend auf den Körper auswirkten. &lt;br /&gt;Und gerade aus diesen Gründen fühlte ich mich umso mehr überrascht, als mir ein Dessert von außergewöhnlicher Köstlichkeit und Exotik angekündigt wurde. &lt;br /&gt;Und als mich die vielen zarten Hände meiner Freundinnen und Gefährtinnen auf den Weg in die Küche geleiteten, in der wir gemeinsam geschält, geschnitten, zerteilt und geköchelt hatten. Unter Lachen und Singen waren wir es gewohnt, uns dem Ritual der Nahrungszubereitung zu widmen. Die Gerüche und Düfte, die der Küche entströmten waren mir meistens vertraut. Dennoch überraschte mich die Wolke süßen Dampfes, die mir entgegen quoll und keinen Zweifel daran ließ, um welch eine Delikatesse es sich handelte. &lt;br /&gt;Erstaunt wandte ich mich zu Alina um. „Ich dachte, Ihr verzichtet auf Schokolade. Die Schädigung der Umwelt aufgrund der notwendigen Transporte, die Schwierigkeiten mit dem fairen Handel …“ &lt;br /&gt;„Richtig“, unterbrach Alina mich lächelnd und zwinkerte Carla zu, die den Stieltopf von der Herdplatte zog und darin zu rühren begann. „Kakao und Schokolade vermeiden wir meistens. Aber es gibt Ausnahmen. Und gerade heute erleben wir eine davon.“ &lt;br /&gt;Ich sah nun Carla verwirrt an, die mir zulächelte, ohne mit dem Rühren aufzuhören. Der süße Duft intensivierte sich, stieg mir angenehm in die Nase, belebte meine Sinne. Dabei musste ich für mich zugeben, dass die Abstinenz von dieser Köstlichkeit für mich selbst keine unumstößliche Regel bedeutete. Im Gegenteil, ich fand mich recht regelmäßig dabei, wie ich meiner Schwäche nachgab und mir einen Schokoriegel leistete. &lt;br /&gt;Sicher, in letzter Zeit wurden Momente wie dieser seltener, zumal es die Stimmung ein wenig beeinträchtigte, wenn während des Genusses immer wieder verstohlene Blicke in die Runde geworfen wurden. Nicht mit Absicht selbstverständlich, doch konnte ich nicht umhin zu fürchten, eine meiner Freundinnen aus der verschworenen Gemeinschaft des magischen Zirkels könnte mich sehen und mir Vorhaltungen machen. &lt;br /&gt;Obwohl es nicht ihre Art war, dergleichen zu äußern. Doch vielleicht steigerte gerade diese Überzeugung den unangenehmen Beigeschmack sowie meinen Wunsch einer Situation wie dieser unbedingt aus dem Weg zu gehen. &lt;br /&gt;Wie dem auch sei, Schokolade gehörte immer schon zu meinen großen Leidenschaften und so war es nicht nötig, dass mich die Hände der anderen voranschoben. Ich fühlte mich selbst magisch angezogen von dem köstlichen Aroma, das aus dem Topf aufstieg. &lt;br /&gt;Vorsichtig, mir der Erwartungen, die an mich gerichtet wurden, nicht vollkommen sicher, näherte ich mich dem Herd, beugte mich ein wenig vorwärts, schloss meine Augen und schnupperte genießerisch. Erst dann öffnete ich meine Augen wieder und blinzelte in den Topf, in dem sich ein mit einem hellen Holzlöffel stetig in Gang gehaltener Strudel drehte. &lt;br /&gt;Die köstliche Masse war von feiner Konsistenz, zart und flüssig und duftete mit exotischer Fülle. &lt;br /&gt;„Was habt ihr darin?“, flüsterte ich beeindruckt und versuchte vergeblich zu verbergen, wie mir das Wasser im Munde zusammenlief. &lt;br /&gt;Alina lächelte zufrieden und nickte Carla zu. „Vanille“, sagte die ebenfalls mit einem breiten Lächeln und nickte in die Richtung einer ausgedrückten Vanilleschote. &lt;br /&gt;Ich staunte. Vanille und Schokolade in einem Gericht. Offenbar musste es sich um einen ganz besonderen Anlass handeln, der darüber hinwegsehen ließ, dass eine beträchtliche Menge an Kohlendioxid in die Atmosphäre gepumpt werden musste, um die Utensilien aus den warmen Ländern in ihre Heimat zu bringen. &lt;br /&gt;„Zimt“, fuhr Carla fort und zwinkerte mir zu. „Ingwer, Chili …“ &lt;br /&gt;„Chili?“, unterbrach ich sie erstaunt. „Wofür? Was wird das wenn es fertig ist?“ &lt;br /&gt;Alina schnalzte mit der Zunge, beugte sich zu mir vor und legte mir ihre weiße Hand auf die Schulter. „Geduld“, flüsterte sie. „Du wirst das Ergebnis noch früh genug zu sehen bekommen.“ &lt;br /&gt;Ich leckte mir begeistert die Lippen. „Das kann ich kaum erwarten“, gab ich ehrlich zu. &lt;br /&gt;Carla und Alina wechselten einen Blick und ich hörte die anderen in meinem Rücken leise kichern. &lt;br /&gt;„Chili bestimmt die Würze“, sagte Carla. „Er soll ja nicht zu langweilig werden. Ein wenig Feuer gehört dazu.“ &lt;br /&gt;„Er?“, fragte ich erstaunt und runzelte die Stirn. „Also wird es ein Kuchen oder Auflauf?“ &lt;br /&gt;Ich hatte im Stillen darauf gehofft, dass es sich um kein Backwerk handelte. Alina lachte, als verstünde sie meine Sorge. „Kein Kuchen, kein Auflauf“, zerstreute sie meine Befürchtungen. „Aber er wird süß und schwer.“ &lt;br /&gt;„Süß und stark“, verbesserte Carla sie und beide lachten über einen Scherz, den ich nicht verstand. &lt;br /&gt;Ich räusperte mich unsicher. „Zucker ist also schon darin“, riet ich und sah mich um, auf einmal nervös geworden. Ich begann mich zu fragen, warum wir alle in der Küche standen, als warteten wir auf etwas. Und noch dazu schien jeder zu wissen, worauf wir warteten. Jeder außer mir. &lt;br /&gt;„Besser als Zucker“, bemerkte Alina. „Wir haben einen Sirup aus Honig destilliert. Ihn mit Zuckerrübensaft ziehen lassen und mit Holunderblüten versetzt.“ &lt;br /&gt;„Oh.“ Ich zeigte mich beeindruckt. „Das wird sicher gut.“ &lt;br /&gt;Clara lachte, nahm den Topf hoch und schickte sich an, die Küche zu verlassen. Das verwirrte mich und ich sah fragend zu Alina auf. „Ist es das? Ist es schon fertig?“ &lt;br /&gt;Mir war nicht klar, was für ein Dessert dieser Topf enthielt. Auch hatte ich nirgendwo angerichtete Teller mit Früchten oder anderen Leckereien gesehen, die mit der delikaten Schokoladensauce verziert werden sollten. &lt;br /&gt;Clara zog den Löffel aus der Mitte des Topfes, kippte ihn leicht und ließ die sämige und glattfließende Masse herabfließen bis ich erkannte, dass es sich bereits um eine Schöpfkelle mit einem feinen Ausgussstück handelte, mit der sie hantierte. &lt;br /&gt;Trotzdem kam ich immer noch nicht darauf, welchem Zweck die warme Flüssigkeit zugedacht war und folgte Clara und Alina erwartungsvoll. Die Schritte hinter mir bewiesen, dass die anderen uns folgten und wenn ihre Sinne mit eben dem köstlichen Duft erfüllt waren wie meine, dann fühlten sie ebenso die Vorfreude auf künftige Genüsse. &lt;br /&gt;Mit wachsendem Erstaunen stellte ich fest, dass wir nicht nur an unserer Speisetafel mit den unangetasteten Resten der Mahlzeit und dem aufeinandergestapelten Geschirr vorbeigingen, sondern sogar das Haus verließen. Für einen Moment dachte ich, dass wir uns vielleicht auf der Terrasse sammelten, um den angenehmen Sommerabend zu genießen, doch auch über sie liefen wir achtlos hinweg und betraten den weitläufigen Garten, den ich bislang nur bei Tageslicht gesehen hatte. Eine dicht bewachsene Wunderwelt, geschmückt mit seltenen Blumen und wenig verbreiteten Kräutern, denen Alina auf ihrem Besitz ein Zuhause gewährte, dehnte sich vor uns aus und mein Erstaunen wuchs, als wir tiefer in das Dickicht vordrangen. Denn wie ein Dickicht kam es mir beinahe vor, war es bei Tage doch einfacher den herabhängenden Zweigen auszuweichen oder sie einfach zu umgehen. &lt;br /&gt;Doch schließlich betraten wir tatsächlich eine Art Lichtung, an die ich vergeblich versuchte, mich zu erinnern. Zwar konnte ich mir weder vorstellen, dass Alina sie frisch angelegt hatte, noch rechnete ich damit, dass sie mir bei meinen bisherigen Besuchen entgangen war. &lt;br /&gt;Nichtsdestotrotz stand ich nun unvermittelt auf einer freigelegten Fläche, umrahmt von Büschen und Bäumen. Erkennen konnte ich deren Umrisse aufgrund der vereinzelt aufgestellten Fackeln, die Alina nun zu entzünden begann. Mit der Ausdehnung des Lichtes wurde es mir auch möglich, die Beschaffenheit des Bodens unter meinen Füßen genauer zu erkennen und ich bemerkte deutliche Anzeichen dafür, dass dieser Ort bereits wiederholt als Feuerstelle benutzt worden war. Ein Kreis aus weißen, großen Steinen schloss eine sauber glattgefegte Fläche ein, in deren Mitte ein sorgfältig aufgeschichteter Stapel trockener Zweige lag. Trocken genug, dass sie in einer Stichflamme aufgehen konnten und kaum die Möglichkeit für ein gemütliches Lagerfeuer boten. Sollte es das sein, was geplant worden war. &lt;br /&gt;Dass dem nicht so war, wurde mir umso bewusster, als Clara ohne weitere Umschweife und auch ohne das leise Gemurmel unverständlicher Sprüche, auf die zu achten, mir es zumeist an Interesse und Energie mangelte, den Kreis betrat. Sie stieg einfach mit ihrem Topf in der Hand über die Steinreihe und begann damit, innen an dieser entlang zu laufen. Runde um Runde lief sie, bis ich auf einmal bemerkte, dass die anderen die Zeit genutzt hatten, um sich ebenfalls in einem Kreis aufzustellen, der die Szenerie umschloss. Nur ich stand außen vor, innerhalb des aus Menschen gebildeten, doch außerhalb des Steinkreises, in dem Clara sich befand. &lt;br /&gt;Verwirrt sah ich mich um, suchte Alinas Blick. „Was ist hier los?“, fragte ich. Alina nickte und auf dieses Zeichen hin fassten sich die anderen an den Händen und begannen damit, leise zu summen, während Alina das Wort an mich richtete. „Du bist nun lange genug bei uns“, begann sie, löste sich von ihren Kameradinnen und nahm mich bei den Händen. „Daher hielten wir es für richtig, dir anhand eines ganz besonderen Desserts zu demonstrieren, welche Gaben die Natur für uns bereitstellt.“ &lt;br /&gt;Ich schluckte trocken und konnte es nicht verhindern, dass sich eine leicht unangenehme Vorahnung in mir breit machte. &lt;br /&gt;„Und das bedeutet?“, fragte ich mit vorgetäuscht fester Stimme. &lt;br /&gt;Alina lächelte freundlich und drückte meine Hände. „Das bedeutet, dass du dir etwas gönnen solltest. Und wir werden dafür sorgen, dass dir alle Möglichkeiten offen stehen.“ &lt;br /&gt;Sie drehte sich zu Carla, die nun auch stehen geblieben war und ein ebenso geheimnisvolles wie beunruhigendes Lächeln aufgesetzt hatte. &lt;br /&gt;„Was habt ihr vor?“, fragte ich und versuchte meine Hände denen Alinas zu entziehen. Körperkontakt gehörte noch nie zu den Dingen, die mir besonders leicht fielen. &lt;br /&gt;Doch Alina hielt mich in einem schraubstockartigen Griff bis das Bedürfnis, mich ihm zu entziehen aus meinen Gedanken wich, ersetzt wurde durch haltloses Staunen, das mich mit dem Anblick Carlas erfasste, die tatsächlich damit begann die köstlich duftende und immer noch warm dampfende Schokoladensauce auf den zwar gefegten, aber mit Sicherheit nicht besonders sorgfältig gesäuberten Erdboden zu gießen. &lt;br /&gt;Mein Mund öffnete sich mit dem Wunsch, einen begründeten Protest anzustimmen. Doch verstummte ich, als mir zu meiner immer größer werdenden Verwunderung bewusst wurde, dass sie nicht wahllos Schokolade auf dem Boden verteilte, sondern – ganz im Gegenteil – mit Hilfe ihres Schöpflöffels langsam eine Linie auf den bloßen Grund malte. Sprachlos beobachtete ich, wie um den angehäuften Stapel von Zweigen herum ein Bild entstand. Ich blinzelte zweifelnd, doch musste mir eingestehen, dass ich keineswegs irrte. &lt;br /&gt;Sie zeichnete eine Figur, die mit viel Fantasie als eine Art Lebkuchenmännchen durchgehen konnte. Langsam entwickelten sich Arme und Beine, der runde Kopf prangte bereits auf der mir gegenüberliegenden Seite des Holzes. &lt;br /&gt;Ich merkte nicht, wie Alina mich losließ, zuckte jedoch zusammen, als plötzlich in meinem Augenwinkel ein Licht aufflammte, das brennende Streichholz durch die Luft wirbelte und sobald der erste Funke die trockenen Zweige erreicht hatte, diese entzündete. &lt;br /&gt;Automatisch wich ich einen Schritt zurück, als die Hitze mir entgegenschlug, wurde jedoch aufgehalten durch die Hände meiner Freundinnen, der im Gegensatz zu mir in das Geschehen Eingeweihten. &lt;br /&gt;Rascher als ich begreifen konnte, was vor sich ging, brannten die Zweige lichterloh. Zu meinem Schrecken dehnten sich die Flammen, krochen über den Boden und näherten sich der bereits flüssigen Schokolade. Diese begann damit, Blasen zu werfen, sich zu bewegen und ebenfalls auszudehnen. Beine und Arme wuchsen, der runde Kopf nahm eine Form an, die bald menschliche Attribute aufwies. Zumindest äußerlich menschlich, wie ich mir sagte, als ich mit steigendem Grauen beobachtete, wie das Feuer an Hitze und an Helligkeit abnahm, dafür auf die Schokoladenränder zuwuchs, nach und nach die gezeichnete Form anfüllte. &lt;br /&gt;Ich irrte nicht, es bildete sich eine Gestalt aus der Vereinigung von Feuer und Schokolade. Die Figur regte sich, streckte ihre Glieder, eines nach dem anderen und hob ihren Kopf, um mich anzusehen. &lt;br /&gt;Erst jetzt merkte ich, dass mein Mund immer noch offen stand und ich schluckte trocken. Dass Carla inzwischen den leeren Topf auf den Boden gestellt und sich zu mir gesellt hatte, wurde mir erst bewusst, als sie meine Schulter berührte und ich mich instinktiv zu ihr umdrehte. &lt;br /&gt;„Das ist unser Geschenk an dich“, sagte sie lächelnd. „Der seltenste Nachtisch, den du dir vorstellen kannst. Ein Mann aus Schokolade.“ &lt;br /&gt;Ich nickte verblüfft, als die Figur sich erhob, weiter streckte und dehnte, bis er schließlich im Licht der Fackeln am ehesten mit einem in Schokolade getauchten Athleten vergleichbar war. &lt;br /&gt;Er roch ein wenig verbrannt, als er mich in seine Arme schloss, doch das betäubende Aroma von Kakao und Ingwer stieg mir in den Kopf und verjagte jeden Zweifel. &lt;br /&gt;Und zwar wirklich jeden Zweifel. Es ist vielleicht unnötig anzufügen, dass ich von diesem Moment an zu einem treuen und gläubigen Mitglied der Gruppe geworden war. Und das nicht nur, weil mein Schokomann gar so lecker schmeckte.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3263622768781598349-3039492273292389015?l=callisto24.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://callisto24.blogspot.com/feeds/3039492273292389015/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3263622768781598349&amp;postID=3039492273292389015' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/3039492273292389015'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/3039492273292389015'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://callisto24.blogspot.com/2010/12/schokomann.html' title='Schokomann'/><author><name>callisto24</name><uri>http://www.blogger.com/profile/18191488055625225167</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/_Uzq-1PR2gcg/SNaEoxPltqI/AAAAAAAAAAM/7NujjFFZKlk/S220/peacesee.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3263622768781598349.post-2017807196013444320</id><published>2010-12-09T05:10:00.001-08:00</published><updated>2010-12-09T05:10:39.796-08:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Geschichte'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='schreiben'/><title type='text'>Lachs an Salat</title><content type='html'>Titel: Lachs an Salat&lt;br /&gt;Autor: callisto24&lt;br /&gt;* * * &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Langsam und sorgfältig rollte Camilla den geräucherten Lachs zwischen ihren Fingern. Normalerweise kam sie nicht auf die Idee, sich in die Küche zu stellen. Und schon gar nicht darauf, ihre Zeit damit zu verschwenden, sich ein Mode-Rezept aus einer In-Zeitschrift empfehlen zu lassen und daran ihre spärlich ausgeprägten Kochkenntnisse zu erproben. Wobei ‚Kochkenntnisse‘ maßlos übertrieben war. Ebenso übertrieben, wie die Annahme, ihre aktuelle Tätigkeit habe etwas mit Kochen zu tun. &lt;br /&gt;Eigentlich fühlte sie sich mehr an Kinderspiele im Matsch oder Sandkasten erinnert, als sie den Quark in einer Schüssel mit der hastig abgemessenen Menge Sahne und der Messerspitze Meerrettich verrührte, die ihm den pikanten Geschmack verleihen sollte. Hastig, weil sie wie immer zu spät dran war und vor allem zu wenig Zeit veranschlagt hatte, um sich mit dieser ungewohnten Tätigkeit auseinanderzusetzen. &lt;br /&gt;Herrgott, es konnte doch wohl nicht so schwer sein, etwas Quarkcreme abzuschmecken, auf dünne Scheiben geräucherten Lachs zu streichen und dann das Ganze zu handlichen Röllchen zu formen, die in dekorative Scheiben geschnitten und auf Salatblättern angerichtet einen exzellenten Blickfang bieten sollten. &lt;br /&gt;Leider war es das doch. &lt;br /&gt;Camilla besaß für gewöhnlich das Privileg, dass sie ihre Nahrungsaufnahme im Vorbeigehen erledigen konnte, während eines Geschäftsessens oder mit Hilfe eines Croissants, den sie sich neben dem Kaffee im Pappbecher gönnte. Ansonsten halfen Tiefkühlgerichte und Lieferservice über die Runden. Camilla war nicht wählerisch und hatte zudem den Vorteil, dass sie sich nicht allzu sehr für ihr leibliches Wohl oder gar für die Kunst des Kochens interessierte. Eine Frau in ihrer Position hatte anderes zu tun. &lt;br /&gt;Aber manchmal warf das Schicksal auch einer Frau wie ihr Knüppel zwischen die Beine, mit denen sie nicht gerechnet hätte. Und das nicht im anzüglichen Sinne. &lt;br /&gt;In Camillas Fall handelte es sich um ein ungünstiges Zusammentreffen widriger Umstände. Wer konnte auch ahnen, dass ihr Kollege Thorsten die Diskussion, die sie mit ihrer Assistentin betreffend der Vor- und Nachteile eines mehrgängigen Hochzeitsmenüs geführt hatte, derart auffasste, als sei Camilla eine Spezialistin in Bezug auf jegliche Fragen der Ernährung. &lt;br /&gt;Die Wahrheit bestand lediglich darin, dass Camilla ein Talent mit Worten besaß, das in Verbindung mit über Jahre erprobter Überzeugungskraft durchaus den Eindruck erwecken konnte und zumeist auch sollte, als kannte sie sich in jedem gewählten Bereich, über den sie sprach, besser aus, als jeder andere. &lt;br /&gt;So hatte sie nicht mit Tipps gegeizt, die der zukünftigen Braut helfen sollte, keine unverzeihlichen Fehler in der Zusammenstellung des Festmahls zu begehen. Denn auch wenn Camilla in den Kenntnissen der technischen Zubereitung von Speisen ausgesprochene Mängel aufwies, so war sie doch oft genug zu entsprechenden Veranstaltungen geladen gewesen, um eine Blick für Abfolge, geschmackliche und farbliche Abstimmung und ebenso rasch aufflackernde wie wieder untergehende Modetrends zu entwickeln. Ganz davon abgesehen, dass es in diesen Tagen Pflicht war, sich mit den gesundheitlichen Aspekten der Nahrungsaufnahme, der Addition und Subtraktion von Gewürzen, Kräutern und geschmacksgebender Zutaten ausreichend auszukennen, um seinem eigenen Körper und dem möglicher Gäste anstelle von Völlegefühl und Herzbeschwerden, den Eindruck vollwertiger Zufriedenheit ohne schädliche Nebenwirkungen zu vermitteln. &lt;br /&gt;Soweit so gut. Und wer hätte auch ahnen können, dass Thorsten gerade während des Vortrags, den sie ihrer Sekretärin hielt, gebannt lauschte und sie im Anschluss mit bewundernder Höflichkeit überschüttete. Wer hätte gedacht, dass ein Mann wie er sich von den Hausmütterchen Qualitäten, die doch so vollkommen jenseits der aktuellen Mode und den Prioritäten, die sich eine Frau von heute setzte, lagen, beeindrucken ließ. &lt;br /&gt;Natürlich, Camilla war es gewohnt zwischen den Worten zu lesen und sie erkannte rasch, dass gerade dieser Punkt es war, an dem sich ein gutaussehender, alleinstehender Mann mittleren Alters, auf den sie zudem bereits seit Monaten ein Auge geworfen hatte, greifen ließ. Denn darin lag das Problem. Die Frauen, mit denen er als erfolgreicher Geschäftsmann zu tun hatte, bewegten sich, wie Camilla selbst, in Kreisen, in denen die Nahrungszubereitung, sowie die daraufhin notwendig gewordene Reinigung der Utensilien von diensthabendem Personal ausgeführt wurde. &lt;br /&gt;Sollte Thorsten einer von jenen Junggesellen sein, die sich als begehrte Beute der immer noch vereinzelt auftretenden Damenwelt inmitten der Geschäftskreise verstand, so mochten es durchaus die hauswirtschaftlichen Kenntnisse und Vorzüge einer Frau sein, die ihm, wenn auch unterschwellig, eine Verbindung attraktiv erscheinen ließen. &lt;br /&gt;Sicher, Camilla wusste sehr gut, dass sie nach einem Strohhalm griff, dass es für eine Frau ihres Alters geradezu unmöglich war, einen Fang wie ihn zu machen. &lt;br /&gt;Und gerade deshalb war sie wohl so unüberlegt auf seine Andeutungen angesprungen, hatte sich als etwas, als jemand ausgegeben, der sie nicht war, und ihn im gleichen Atemzug zum Beweis ihrer Fähigkeiten und Künste in ihr Heim eingeladen. &lt;br /&gt;Und nun stand sie da, inmitten ihrer Küche, und verfluchte sich, dass sie nicht doch den Catering-Service in Anspruch genommen hatte, der ihr als erstes in den Sinn gekommen war. Ebenso wie sie die Hilfe ihrer Haushälterin erbeten und dieses damit beauftragt hatte, die Wohnung so anheimelnd und wohnlich wie nur möglich zu gestalten, angefangen mit Blumen und Kerzen, bis über hier und da ein zierliches Porzellanfigürchen, das ebenso Camillas Weiblichkeit, wie ihren guten Geschmack zum Ausdruck bringen sollte. Wenn es auch mehr ihr finanzieller Status war, der sich so beweisen ließ, so dachte Camilla bei sich, wenigstens als ihr die Rechnung für das Schmuckstück präsentiert wurde. &lt;br /&gt;Das Problem bei jeder Art von Lieferservice bestand nur darin, dass Thorsten aller Wahrscheinlichkeit nach schon jede ortsansässige Adresse selbst wiederholt getestet hatte, ebenso wie sie. Und Camilla wusste sehr wohl, dass sie sowohl an der Aufmachung, als auch am Geschmack der Speisen erkennen konnte, woher sie stammten. Und zwar nicht aus ihrer Küche. &lt;br /&gt;Deshalb stand sie nun in derselben und formte, mehr oder weniger geduldig, Röllchen für Röllchen. Nur dass die Gebilde, die sie produzierte weniger einem Lachsröllchen glichen als einem undefinierbaren Klumpen. &lt;br /&gt;Überall klebte die Meerrettich-Sahne-Creme, die eigentlich nur als dünne Schicht auf die Lachsscheiben aufgestrichen, mit hauchfein gehackter Petersilie bestreut, ein filigranes Gebilde der Köstlichkeit ergeben sollte, nach dem Thorsten sich alle zehn Finger leckte. &lt;br /&gt;Doch schon beim Abschmecken versagte Camilla nach Strich und Faden. Dabei wusste sie nicht einmal, ob sie zu viel oder zu wenig des teuren Meersalzes verwendet hatte, oder ob der Meerrettich zu stark vorschmeckte. Das Einzige, was ihr klar wurde, nach wiederholtem und verzweifeltem Probieren, war die Tatsache, dass die vermaledeite Creme wie Feuer in ihrer Kehle brannte. In ihrer Ratlosigkeit hatte sie noch mehr Sahne hinzugefügt, wodurch die Konsistenz mehr einer dickflüssigen Suppe zu gleichen begann, die nun von allen Seiten des dünn geschnittenen Lachsfilets herunter rann und auf seiner Mitte lediglich einen feuchten Glanz hinterließ. &lt;br /&gt;Camillas Augen brannten mit noch nicht geweinten Tränen. Wieso konnte sie in einem Raum voller Aufsichtsratsvorsitzender sicher und fehlerfrei auftreten, aber kein lächerliches Lachsröllchen zubereiten? &lt;br /&gt;Es sollte doch nur eine winzige Probe ihres Könnens sein, eine Demonstration ihrer Fähigkeiten, in gelöster Stimmung mit einem Glas Sekt zu sich genommen, bevor sie sich in ein vornehmes Restaurant begaben, wie Menschen ihrer Klasse und ihres Anspruches es gewohnt waren. &lt;br /&gt;Und jetzt stapelten sich die Schüsseln in der Spüle, hingen im Eifer des Gefechtes zerrissene Lachsscheiben unbeachtet von Tellerrändern, während sie, in ihrer Panik, einen neuen Versuch begonnen hatte. &lt;br /&gt;Camilla war sich sicher, dass Sahnetropfen in ihrem sorgfältig zurückgesteckten Haar hingen. Sie hatte es noch nicht geschafft, ihren Lippenstift nachzuziehen oder die Weste zu wechseln, die – so war sie sich sicher – inzwischen unangenehm nach Fisch roch. &lt;br /&gt;Stattdessen kratzte sie den letzten Rest Quark aus der dritten geöffneten Schale und benutzte in ihrer Verzweiflung eine der ungebrauchten Müslischalen aus dem oberen Küchenschrank. Sämtliche Edelstahl Schüsseln klebten bereits mit verkrusteter Creme, trugen Salzränder oder bliesen Petersilie in die Luft, wenn man sie nur ansah. &lt;br /&gt;Das war auch so ein Punkt: die Petersilie. Camilla gelang es nicht, diese derart fein zu hacken, wie sie es gewohnt war, sie vor sich auf dem Teller zu sehen. &lt;br /&gt;Mit welcher Begeisterung hatte sie die frische, ökologisch einwandfrei gewachsene und gedüngte Pflanze erstanden. Mit eben der Begeisterung, mit der sie sich im Delikatessgeschäft bezüglich des Fisches beraten ließ. Und nun stand sie vor einem Teller zerrupfter, grüner Blätter, die mehr an Unkraut erinnerten, als an alles andere, und die einfach nicht klein zu kriegen waren. &lt;br /&gt;Zerfranst, plattgedrückt und in unangenehm großen, unförmigen Fetzen klebten sie auf dem zweiten Schneidebrett, das Camilla aus dem Schrank geholt hatte, nachdem die grüne und sich gefährlich ausbreitende Färbung des ersten sie zunehmend irritiert hatte. Wer hätte auch gedacht, dass Petersilie derart abfärbt? &lt;br /&gt;Mit einem erschöpften Seufzer betrachtete Camilla die beiden Teller, auf denen sie die verschiedenen Salatblätter vor viel zu langer Zeit angerichtet hatte. Sie begannen bereits damit sich an den Rändern einzurollen, wirkten unangenehm trocken und Camilla warf einen Blick auf die Salatschleuder in der die letzten auf ihren Einsatz warteten, die eigentlich schon längst mitsamt den Lachsscheiben abgedeckt und gekühlt im Kühlschrank liegen sollten. &lt;br /&gt;Doch was sie auch getan hatte – keines der ursprünglich saftigen Blätter, die sie wusch und schleuderte, behielt auch nur annähernd die Frische und appetitliche Ausstrahlung, die sie vom Anblick dergleichen gewohnt war. &lt;br /&gt;Und nun lagen die traurigen Überreste des sorgfältig ausgewählten Gemisches aus Rucola, Feldsalat und Endivie wie ein trauriger Abklatsch ihrer selbst erwartungslos auf dem weißen Porzellan und harrten der Geschehnisse, die da kommen sollten, aber offensichtlich auf sich warten ließen. &lt;br /&gt;Camilla wagte es kaum auf die Uhr zu sehen und als sie es doch tat, fiel ihr vor Schreck der Löffel, mit dem sie gerade heftig in ihrer Müslischüssel rührte, aus der Hand und landete inmitten der immer noch seltsam klumpig wirkenden Creme. Ein unglücklicher Blick über die, bis auf den letzten Zentimeter, ausgenutzten Fläche des ansonsten ausgesprochen geräumig wirkenden Küchentisches, stattete Camilla mit dem Mut der Verzweiflung aus und sie begann damit, den Löffel aus der Schüssel zu fischen und das unförmige Gemisch auf die letzte, ausgebreitete Lachsscheibe zu klatschen. &lt;br /&gt;Mit hastigen Bewegungen strich sie es halbwegs glatt, griff mit den zwar perfekt manikürten, jedoch mit Quark und Sahne verschmierten Fingern in das letzte Häufchen grob zerkleinerte Petersilie, drückte diese ein wenig zu fest, damit sie ihr nicht erwischte und bröselte dann die grünen Bröckchen über die uneben gestrichene Creme. &lt;br /&gt;Mit einem weiteren Blick auf die Uhr, formte sie aus der Scheibe ein Gebilde, das zumindest entfernt einer Rolle ähnelte und dankte den Göttern, dass wenigstens dieser Handgriff nicht vollkommen daneben ging. &lt;br /&gt;Camilla ignorierte die weißen und grünen Tupfen, die ihre Finger auf dem rosafarbenen Lachs hinterließen, griff hastig nach dem Sägemesser, als es an der Tür schellte, und sägte beherzt die Rolle in unterschiedlich dicke Scheiben. &lt;br /&gt;Das heißt, Scheiben waren es weniger, sondern eher zusammengepresste Ovale, die Camilla hektisch auf die Salatblätter warf. In der Not half eben nur Improvisation, aus anderen Fachrichtungen als der schwierigen Welt der Kochkunst war ihr diese Weisheit schon seit langem bekannt. &lt;br /&gt;Sie hielt ihre Hände unter den laufenden Wasserhahn, rieb sie an der Schürze trocken, die sie gleich darauf abnahm, zusammenknüllte und in eine Ecke der Küche kickte, während sie beide Teller schnappte und in das Wohnzimmer balancierte, in dem sie wenigstens geistesgegenwärtig die Getränke bereits in einem Sektkühler bereitgestellt und das Licht gedimmt hatte. &lt;br /&gt;Für einen Blick in den Spiegel blieb keine Zeit, aber dafür knallte Camilla die Küchentür mit ärgerlicher Wucht zu, als wollte sie sicher gehen, dass diese sich so schnell nicht wieder öffnete. &lt;br /&gt;Sie strich ihr Haar aus dem Gesicht, kniff sich in die Wangen, um das fehlende Rouge zu ersetzen und öffnete dann mit ihrem erprobten und durchaus bewährten Lächeln die Tür. &lt;br /&gt;Und dort stand Thorsten, gepflegt und gutaussehend wie immer, als er mit elegantem Griff hinter seinem Rücken einen raffiniert zusammengestellten Blumenstrauß hervorzauberte. &lt;br /&gt;Strahlend erwiderte er ihr Lächeln, als sie den Strauß entgegennahm und Thorsten hereinbat. Während sie eine Vase hervorsuchte und den Strauß ins Wasser stellte, behielt sie das Lächeln der Einfachheit halber auf ihrem Gesicht und konzentrierte sich darauf, ihren Atem zu beruhigen. Es war einfach lächerlich, dass eine Frau ihren Alters und ihrer Erfahrung sich wegen eines zwanglosen Treffens unter Kollegen derart verrückt machte. &lt;br /&gt;Mühsam zwang sie die Vorstellung der kritischen Gedanken, die sich in Thorsten erheben mochten, der aufmerksam auf die zum Glück mäßig beleuchteten Teller blickte, nieder. Positiv denken, so hieß die Devise. Und letztendlich konnte sie immer noch behaupten, dass das Gericht exakt so gedacht war, wie es sich ihnen präsentierte. So unwahrscheinlich ihm das auch vorkommen mochte, verfügte Camilla doch über ein gewisses Maß an Überzeugungskraft, das zu nutzen, in diesem Moment wohl angebracht war. &lt;br /&gt;Für einen Moment überlegte sie, ob auf das Kerzenlicht nicht besser verzichtet werden sollte, um die genauere Betrachtung gewisser Details zu verhindern, doch bevor sie den Gedanken noch zu Ende denken konnte, hatte Thorsten bereits mit charmanten Worten die Erlaubnis eingeholt und erwies sich als der Kavalier, für den Camilla ihn immer gehalten hatte. &lt;br /&gt;Hastig versuchte sie seine Aufmerksamkeit von den Speisen auf den Sektkühler zu richten und selbstverständlich wurde Thorsten auch hier nicht müde, seine perfekten Manieren auf ausgefeilte Weise zu präsentieren. &lt;br /&gt;Er füllte ihre Gläser und strahlte sie immer noch unentwegt an, als sie vorsichtig nippte und sich bemühte, gleichermaßen unschuldig und verführerisch zu erscheinen. &lt;br /&gt;Mit einer weit ausholenden Geste bot er ihr den Arm und geleitete sie den halben Schritt an ihren schmalen Art Dekor Tisch, der gerade genug Platz für die beiden Teller und ihre Gläser bot. &lt;br /&gt;„Das ist norwegischer Edellachs aus königlicher Zucht“, erklärte sie, und versuchte nicht daran zu denken, dass das Zucken in seinem Gesicht ein Naserümpfen bedeuten könnte. &lt;br /&gt;„Gefüllte Lachsroulade an Salat“, fuhr sie schnell fort. „Einfach und unaufdringlich, passt für jede Gelegenheit.“ Sie schluckte nervös. „Lachs beugt zudem den in unserer Gesellschaft und diesen Breitengraden weit verbreiteten Vitamin-D-Mangel vor“, erklärte sie weiter in dem Versuch, seine Aufmerksamkeit von dem Anblick, der sich auf seinem Teller bot, abzulenken. „Gerade wenn ein gewisses Alter überschritten wurde und die Osteoporose droht, sollte man peinlich genau darauf achten ...“ &lt;br /&gt;Camilla brach erschrocken auf und spürte, wie ihr das Blut ins Gesicht stieg. Hastig schlug sie die Augen nieder. Ihre Wangen glühten, während sie auf die verhunzten, ausgesprochen individuell verformten und sich geradezu im Stadium der Auflösung befindenden Lachsröllchen starrte. &lt;br /&gt;Was hatte sie sich nur dabei gedacht? Der größte Fehler, der ihr nur hätte unterlaufen können, und sie war mit beiden Beinen in den Abgrund gesprungen, der sich vor jeder Frau auftat, die ein gewisses Alter überschritten hatte. Frau sprach nicht über die Anzahl der Jahre, die sie auf dem Buckel trug, niemals. Und schon gar nicht in Gegenwart eines potentiellen Fanges. Alleine anzudeuten, dass die eigene Aufmerksamkeit sich von der allgemeinen Achtsamkeit und der modern gesunden Lebensführung, auf die schlicht notwendige Schadensbegrenzung, die der unwiderruflich eintretende Verfall des Körpers mit sich brachte, beschränkte, bedeutete den Todesstoß für jede auch nur in Erwägung gezogene Romanze. &lt;br /&gt;Camilla fühlte das Bedürfnis, sich ihre eigene Zunge abzubeißen. Sie konnte es nicht glauben, dass sie tatsächlich Osteoporose erwähnt hatte. Ebenso gut hätte sie auch über ihren bevorstehenden Einzug ins Seniorenstift sprechen können. Nicht dass sie das vorhatte. Aber nach diesem Abend konnte sie die Hoffnung auf einen Lebensabend, der etwas anderes als Kaffeekränzchen und Gruppensingen beinhaltete, wohl endgültig aufstecken. &lt;br /&gt;So grübelte Camilla düster vor sich hin, bis ein leises Räuspern sie zwinkern und aufblicken ließ. Camilla begegnete einem belustigten Lächeln, das keinen Zweifel daran ließ, dass Thorsten ihre Verlegenheit durchaus aufgefallen war. &lt;br /&gt;Nichtsdestotrotz räusperte er sich erneut und nickte dann in die Richtung seines Tellers. &lt;br /&gt;„Das sieht sehr gut aus“, meinte Thorsten charmant und Camilla glaubte zu bemerken, wie sich der Rotton ihrer Haut intensivierte. &lt;br /&gt;Thorsten fasste todesmutig die schlanke Vorspeisengabel, sammelte eine der Scheiben so gut es ging auf diese und balancierte sie zum Mund. &lt;br /&gt;„Mm“, murmelte er dann und schluckte, leckte sich nachdenklich die Lippen. „Äußerst delikat.“ &lt;br /&gt;Und lächelte wieder, so dass Camilla nicht sicher war, ob oder inwieweit er es ernst meinte. &lt;br /&gt;Also folgte sie seinem Beispiel und führte eine Gabel, mit der sie ein ausgefranstes und weiß–grün betupftes Stückchen Lachs aufgespießt hatte, zum Mund. &lt;br /&gt;„Das soll so sein“, murmelte sie, bevor sie kostete. „Die Vermählung von Haute Cuisine mit der Vertrautheit des Alltags ergibt den Hauch Klassik, den sich jedermann insgeheim wünscht.“ &lt;br /&gt;„Und jede Frau“, ergänzte Thorsten und zwinkerte wieder. &lt;br /&gt;Camille zwinkerte zurück, kaute rasch und schluckte. Schluckte wieder. &lt;br /&gt;„Verflixt“, entfuhr es ihr. &lt;br /&gt;„Was ist denn?“ Thorsten zog fragend die Augenbrauen hoch. &lt;br /&gt;Camille biss sich auf die Unterlippe und schlug dann die Augen nieder. „Ich habe den Meerrettich vergessen“, stieß sie dann betreten hervor. „Ich weiß nicht, wie das passieren konnte. Jetzt schmeckt es nach … nichts.“ &lt;br /&gt;Als Thorsten sich vorbeugte und ihr eine lose Strähne aus der Stirn strich, zuckte sie zurück und sah ihn groß an. Er lächelte wieder und warf dann einen Blick zu der fest verschlossenen Küchentür. &lt;br /&gt;„Ich dachte mir schon, dass es nicht so einfach war“, meinte er dann. &lt;br /&gt;Camilla blinzelte. „Aber, wie kommst du darauf?“, versuchte sie möglichst unbeeindruckt zu erscheinen. &lt;br /&gt;„Nun.“ Thorsten räusperte sich wieder und gab ihr dann mit dem Zeigefinger einen Stups auf die Nasenspitze. „Ich ging davon aus, dass Petersilie auf der Nase und Quark in der Frisur nicht zu deiner üblichen Aufmachung gehören.“ &lt;br /&gt;Wenn Camilla nicht schon knallrot gewesen wäre, dann hätte ihr Gesicht spätestens jetzt diese Farbe angenommen. &lt;br /&gt;„Ich … also … was das Kochen angeht …“ &lt;br /&gt;Thorsten legte ihr sanft seinen Finger auf die Lippen und schüttelte leicht den Kopf. „Ist schon in Ordnung. Ich helfe dir dabei, die Küche aufzuräumen.“ Er lachte leise. „Liege ich richtig damit, dass das dein momentan größtes Problem darstellt?“ &lt;br /&gt;Camilla nickte verlegen und Thorsten lachte wieder, worauf Camilla sich ein Herz fasste. „Das hat aber Zeit“, schlug sie vor, „vielleicht sogar bis morgen früh?“ &lt;br /&gt;Worauf Thorsten lachend seinen Kopf schüttelte. Doch an der Art, wie die kleinen Fältchen um seine Augen ein belustigtes Muster entwarfen, erkannte Camilla, dass ihre Bemühungen, wenn auch anders als sie erwartet hatte, letztendlich von Erfolg gekrönt waren.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3263622768781598349-2017807196013444320?l=callisto24.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://callisto24.blogspot.com/feeds/2017807196013444320/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3263622768781598349&amp;postID=2017807196013444320' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/2017807196013444320'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/2017807196013444320'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://callisto24.blogspot.com/2010/12/lachs-salat.html' title='Lachs an Salat'/><author><name>callisto24</name><uri>http://www.blogger.com/profile/18191488055625225167</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/_Uzq-1PR2gcg/SNaEoxPltqI/AAAAAAAAAAM/7NujjFFZKlk/S220/peacesee.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3263622768781598349.post-113500782851082275</id><published>2010-12-09T04:57:00.001-08:00</published><updated>2010-12-09T04:58:15.363-08:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='schreiben'/><title type='text'>Feiertagssuppe</title><content type='html'>Titel: Feiertagssuppe&lt;br /&gt;Autor: callisto24&lt;br /&gt;* * * &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der kräftige Duft der Brühe stieg hoch und Henriette wich zurück, bevor der kräuselnde Dampf ihr allzu streng in die Nase steigen konnte. &lt;br /&gt;Feiertage bedeuteten Henriette viel, um nicht zu sagen alles. Sie gaben dem Leben Struktur, verliehen dem Jahr seine Höhepunkte und ihr die Möglichkeit auf ein Ziel hinzuarbeiten, ihre Gedanken und Pläne auf ein Ereignis zu konzentrieren, das es wert war, als solches beachtet zu werden. &lt;br /&gt;Und selbstverständlich gehörte auch ihr Hochzeitstag zu einem dieser Feiertage, denen es galt, besondere Beachtung zu schenken. Nicht dass Egon es wirklich wert war, dass sie sich so um ihn bemühte. Dennoch, er war nun einmal ihr Mann und sie hatte geschworen, ihn zu lieben und zu ehren, bis dass der Tod sie schied. So abgedroschen dies auch klingen mochte. &lt;br /&gt;Ihr Zusammenleben, die vielen Jahre, die sie miteinander durch Dick und Dünn gegangen waren bedeuteten Henriette viel. Deshalb hatte sie sich entschlossen, diesem Hochzeitstag mehr Aufmerksamkeit zu schenken, als ihre spärliche, übrig gebliebene Verwandtschaft für akzeptabel hielte. &lt;br /&gt;Natürlich lag der größte Teil ihrer Familie schon längst im Grab, ein Umstand, an dem man sich in ihrem Alter gewöhnt und mit dem man sich wohl oder übel abgefunden hatte. Selbst wenn Henriettes selige Mutter nicht müde geworden war, Egon zu wünschen und zu prophezeien, dass er das Zeitliche lange vor ihr selbst segnen sollte. Selbst auf dem Totenbett drückte sie noch ihren Unmut darüber aus, dass Egon trotz seines Übergewichts, seiner Trinkerei und den übelriechenden Zigarren, nach denen er ständig roch, kein Anzeichen einer Erkrankung oder Schwäche zeigte. &lt;br /&gt;Das war eine schwere Zeit für Henriette gewesen, hin und hergerissen zwischen dem Bedürfnis, ihren Ehemann zu verteidigen und dem Wunsch ihrer Mutter das Verständnis entgegenzubringen, das sie am Ende ihres Lebens verdient hatte. &lt;br /&gt;Letztendlich spielte all das auch keine Rolle. Egon und sie hatten ihre Mutter ebenso begraben wie ihren Vater und Bruder, ihre Tanten und Onkel. Lediglich zwei Cousinen besuchte sie noch ab und an, von denen eine nicht fit genug war, um die Bedeutung des Tages zu begreifen und die andere sich schlichtweg weigerte, mit Egon eine Mahlzeit zu teilen. &lt;br /&gt;Aber an all das wollte Henriette an diesem besonderen Tag auch nicht denken. Stattdessen verbrachte sie bereits die Zeit seit den frühen Morgenstunden mit der sorgfältigen Vorbereitung eines Abendessens, das Egon ihrer Liebe und Treue versichern und den heiligen Bund ihrer Ehe erneuern sollte. &lt;br /&gt;Zwar war Henriette es gewohnt, sich nach dem Geschmack ihres Mannes zu richten, zumindest wenn es um das tägliche Kochen ging, doch an den Ehrentagen nahm sie sich heraus, ein gewisses Maß an Kreativität, wenn nicht gar Experimentierfreudigkeit an den Tag zu legen. &lt;br /&gt;Daher hatte sie sich auch entschlossen, mehrere Gänge zu servieren und mit jedem einzelnen ihre Liebe und Hingabe erneut unter Beweis zu stellen. &lt;br /&gt;Der Kühlschrank war gefüllt mit den Speisen und Beilagen, die kalt serviert wurden, die Gefriertruhe beinhaltete Egons Lieblingseissorte und im Ofen brutzelte ein raffiniert gewürzter Braten. &lt;br /&gt;Henriette hatte sich die Freiheit genommen anstelle der Salzstangen auf dem Esstisch zur Feier des Tages eine ausladende Platte mit Frischkäse bestrichener Cracker anzurichten und das Naserümpfen ihres Mannes geflissentlich ignoriert. &lt;br /&gt;Dass er die einzelne Rose, die sie mitsamt der Lieblingsvase ihrer Mutter neben der Platte in die Mitte des Tisches gestellt hatte, beachtete Egon nicht, aber Henriette hatte das auch nicht erwartet. Auch die Kerzen am Fenstersims oder die Biskuitrolle, die das trockene Mürbegebäck zum Kaffee ersetzt hatte, entlockten ihrem Mann kein Augenzwinkern. Und dass sie selbst ihren Tag in der Küche verbrachte, anstatt mit der Wäsche, dem Putzen des Bades oder dem Staubwischen, um nur wenige ihrer bevorzugten Beschäftigungen zu nennen, war Egon natürlich ebenfalls nicht aufgefallen. &lt;br /&gt;Nun, Henriette erwartete das auch nicht, keineswegs. Er war ihr Mann und er gehörte zu ihr. Das musste genügen. Vor Jahrzehnten hatten sie sich einander versprochen. Sie liebte ihn und er liebte sie. Und das Mindeste war, dass sie diese Liebe mit einem Festessen unter Beweis stellte. &lt;br /&gt;Trotzdem fühlte ihr Herz sich schwer an, wollte sich die Festtagsstimmung, auf die sie gewartet hatte, nicht einstellen. &lt;br /&gt;Henriette rieb sorgfältig die Suppenschüssel mit einer Knoblauchzehe aus. Sicher, Egon konnte Knoblauch nicht ausstehen, aber in jeder Frauenzeitschrift stand doch, dass diese Knolle besonders gut für das Herz und den Blutdruck sei. Zwei Schwachpunkte, die Egons Arzt von Zeit zu Zeit zu bemängeln pflegte. Nicht dass es Egon etwas ausmachte, oder er auf die Idee käme, seine Lebensweise zu überdenken, geschweige denn dass er auf den Rat des Mannes hörte, doch Henriette hatte nicht vor mit der Gesundheit ihres Mannes Poker zu spielen. Wo es ging, mogelte sie ihm ein wenig Grünzeug unter. Ein paar Vitamine hier und da, ein Hauch von Ballaststoffen konnten doch nicht schaden. &lt;br /&gt;Und was Egon nicht wusste, das konnte ihn auch nicht stören. Soweit war Henriette sich sicher, dass ein schwaches Knoblaucharoma den Geschmacksknospen ihres Mannes nicht auffiele. &lt;br /&gt;Ein unanständiges Schimpfwort entkam ihren Lippen, als sie mit Schwung die Suppe in die feine Porzellanschüssel füllte, die ihre Mutter ihr bei der Heirat als besonders exquisiten Bestandteil des Sonntagsgeschirrs präsentiert hatte. Wie immer stellte sie sich zu ungeschickte an und trotz all ihrer zuvor ausgefeilten Kunstgriffe, landete ein geraumer Teil der Flüssigkeit auf dem Küchentisch neben dem Herd. &lt;br /&gt;Henriette stellte den Topf zurück und fragte sich einen Moment, ob sie die Grießklöße vor dem obligatorischen Umfüllen aus der Schüssel hätte fischen sollen. Doch dann verdrehte sie ihre Augen und beschloss keinen Gedanken mehr an die weichen, weißen Knödel zu verschwenden, die sie mit soviel Mühe aus der klebrigen Masse geformt hatte, und die trotz allem jetzt wie unförmige Beulen in der klaren Brühe schwammen. &lt;br /&gt;Henriette hatte noch nie verstanden, warum Egon diese besondere Vorliebe für Grießnockerlsuppe hegte. Sie selbst konnte Suppen eher etwas abgewinnen, wenn sie mit einer auffallend cremigen Konsistenz ihrem Gaumen schmeichelten. Etwas Sahne, ein Stich Butter und vielleicht ein wenig geschmolzener Käse waren die Bestandteile, mit der sich eine Suppe genießen ließ. Aber auch da schieden sich ihr Geist und der ihres Mannes. Egon liebte die klare Brühe und Henriette musste, wenn auch widerstrebend zugeben, dass in diesem Fall und im Hinblick auf die Tatsache, dass es sich mit der Suppe nur um den ersten warmen Gang der Mahlzeit handelte, es sinnvoller war, mit etwas Leichtem zu beginnen. &lt;br /&gt;Und warum auch nicht ihren Hochzeitstag und Egon damit erfreuen, dass sie sich mit der Suppe ganz besondere Mühe gab, ja, sich sogar an die Hinweise hielt, die Egon im Laufe der Jahre fallen gelassen hatte. In all den langen Jahren, in denen er von seiner Mutter gesprochen hatte und von ihrem ganz besonderen und von Henriette definitiv unerreichtem Können in der Küche. &lt;br /&gt;Mit schiefem Blick auf die in Würfeln gepresste Brühe, die Henriette nachlässig in heißes Wasser warf, erwähnte er beiläufig, wie es in ihrer Familie Tradition gewesen war, nach klassischer Art Knochen auszukochen, die wertvollen Inhaltstoffe des Marks und den unerreichten Geschmack, den nur die Mühe dieser Arbeit erzielen konnte, sich mühselig und über Stunden hinweg zu erarbeiten. &lt;br /&gt;Also hatte Henriette sich ein Herz gefasst, umgehört und es war ihr tatsächlich gelungen, die richtigen Suppenknochen aufzutreiben. Mit weit geöffnetem Fenster und einer Wäscheklammer auf der Nase hatte sie diese ausgekocht, den Sud erkalten lassen und für diesen speziellen Tag aufgehoben, an dem sie ihn mit der abgewogenen, gewaschenen und geputzten Menge an Suppengrün neu aufsetzte. An dieser Brühe sollte es nichts auszusetzen geben, das hatte sie sich geschworen. Sie bildete den Auftakt zu einem Festmahl, nach dem sich ihr Mann noch nach Jahren alle Finger lecken sollte. &lt;br /&gt;Das Abseihen war nicht leicht gewesen, aber auch das war ihr gelungen, wusste Henriette doch wie sehr Egon es hasste, wenn er in seiner Brühe Bestandteile entdecken musste, die auch nur ein wenig an Gemüse erinnerten. Nicht einmal die winzigen Kräuter und Gewürze, die beim Aufgießen einer einfachen gekörnten Brühe in der Flüssigkeit schwammen, vermochte er zu tolerieren. Und Henriette war es nach den vielen Jahren gewohnt, ihm seine kleinen Vorlieben und Schwächen nachzusehen. Auch das machte Liebe aus. Auch das bedeutete eine lebenslange Partnerschaft. &lt;br /&gt;Und natürlich beruhte dieses Einvernehmen auf Gegenseitigkeit. So hatte Henriette ihrem Egon im Laufe der Zeit abgetrotzt, dass sie die mühsam auf dem Balkon gezogene Petersilie benutzen und nach ihrem Belieben über die Speisen verteilen durfte. &lt;br /&gt;Mit dem eigens zu diesem Zweck erworbenen Wiegemesser machte Henriette sich nun daran und zerkleinerte die liebevoll aus dem Topf herausgesuchten, schönsten und grünsten Petersilienblätter, indem sie wieder und wieder mit dem scharfen Messer über sie hinweg ging. Jede Seite des Wiegemessers in einer Hand und in einem stetigen Rhythmus wiegte sie mit der Klinge über das Brett, sah zu, wie die Blätter in ihre Einzelteile zertrennt wurden, kleiner und filigraner gehobelt, bis sie nur noch wie feiner, grüner Staub, so leicht, dass ein Windhauch sie anhoben konnte, in einem kleinen Haufen auf dem Brett lagen. &lt;br /&gt;Mit einem zufriedenen Seufzer legte Henriette das Messer weg. Es war gut und richtig, darauf zu achten, dass Egon wenigstens ein Mindestmaß an Vitaminen genoss, auch wenn er sich innerlich dagegen sträubte. Wollte sie ihn doch noch so lange behalten, wie es irgend möglich war. &lt;br /&gt;Mit einem weichen Küchentuch wischte sie über den Rand der Porzellanschüssel, entfernte die letzten Tropfen, die ihrer misslungenen Umfüllaktion entsprungen waren und streute dann liebevoll die feingehackte Petersilie über die in der Suppe schwimmenden Grießklöße. Deren flockiges Weiß erhielt so hübsche grüne Sprenkel und Henriette trat einen Schritt zurück, um ihr Werk zufrieden zu betrachten. &lt;br /&gt;Sie schloss die Schüssel mit dem geschwungenen Deckel, stellte sie auf das Tablett, neben die dazu passenden Suppentassen und blank geputzten Löffel, bevor sie ihre Schürze abnahm und sich ihr Haar aus dem Gesicht strich. &lt;br /&gt;Sicher, sie war nicht jünger geworden. Aber letztendlich war das keiner von ihnen. Und dieser Tag sollte ein Festtag werden. Die Suppe war nur der Beginn. &lt;br /&gt;Henriette ging leichten Schrittes, so leicht es ihr mit der Suppenschüssel, die auf dem Tablett balancierte, möglich war, auf die Küchentür zu, drückte mit über die Jahre hinweg perfektioniertem Geschick mit Hilfe des Ellbogens den Griff herunter und betrat das Wohnzimmer in dem ihr Mann wartete. &lt;br /&gt;Obwohl, dass er wartete, war eigentlich zu viel gesagt. Egon lümmelte, wie es seine Art war, auf dem Sofa. Er hatte sich zurückgelehnt, in der einen Hand die Bierflasche, während er sich mit der anderen seinen Bauch kratzte. &lt;br /&gt;Aber Henriette wollte sich nicht ärgern. Nicht an diesem Tag. &lt;br /&gt;Er sah nicht auf, als sie eintrat. Sein Blick blieb, wie gewohnt, auf den Bildschirm gerichtet, auf dem fast ähnliche Erscheinungen, wie er eine bot, ebenfalls auf Sofas lümmelten und sich dabei allerdings auch noch wüst beschimpften. &lt;br /&gt;Aus den Augenwinkeln bemerkte Henriette, dass die Platte mit den verzierten Crackern leer war und schmunzelte zufrieden in sich hinein. Sie stellte vorsichtig das Tablett auf den Sofatisch und räumte die leere Platte zur Seite. Eine leere Tasse fand ihren Platz direkt vor Egon und die andere daneben, gerade dort, wo sie selbst sich zu setzen gedachte. Jedoch nicht, bevor sie für ein passenderes Getränk gesorgt hatte, als das, welches Egon für sein ein und alles erklärt hatte, solange sie sich kannten. &lt;br /&gt;Henriette brachte Tablett und Platte zurück in die Küche und ergriff dann die Flasche Rotwein, die sie sorgfältig temperiert und auch nicht vergessen hatte, die gewünschte Zeit atmen zu lassen. Es sollte nichts schief gehen, alles musste passen. &lt;br /&gt;Henriette schüttelte ihr Haar zurück, versuchte sich einen Moment darauf zu konzentrieren, wie es einmal ausgesehen hatte, und trug dann die Flasche ins Wohnzimmer. Sie nahm zwei langstielige Gläser aus dem Schrank und setzte diese neben den Suppentassen ab. &lt;br /&gt;Egon reagierte immer noch nicht. Also hob Henriette den Deckel von der Suppenschüssel und wartete, bis der Duft nach Brühe das Zimmer erfüllte. Mit der Suppenkelle tauchte sie in die Flüssigkeit und sagte dann schmeichelnd: „Sieh doch, Liebling, was ich dir gemacht habe.“ &lt;br /&gt;Egon brummte etwas Unverständliches. Also nahm Henriette seine Suppentasse und ließ einen guten Löffel der Brühe hinein gleiten. Obenauf schwammen zwei weiche Grießklößchen und Henriette bewunderte für einen Augenblick deren Lockerheit, die ihr trotz der vielleicht ungewohnt erscheinenden Form, doch bemerkenswert gut gelungen war. &lt;br /&gt;Egon rümpfte die Nase. „Was ist das denn?“, bequemte er sich dann ungehalten von sich zu geben, ohne sich jedoch aufzurichten. &lt;br /&gt;„Ich habe dir deine Lieblingssuppe gemacht“, zwang Henriette sich, so charmant es ihr möglich war, zu antworten. „Wie du sie gerne hast. Wie deine Mutter sie gemacht hat.“ &lt;br /&gt;Egon blinzelte und sah endlich zu ihr auf, schüttelte dann entschieden den Kopf. „Nein“, murrte er dann. „Das riecht komisch. So kenn ich die Suppe nicht.“ &lt;br /&gt;Henriette schloss die Augen und atmete tief durch. „Ich habe mir viel Mühe damit gegeben“, sagte sie dann gepresst und deutete in Richtung Küche. „Es ist auch nur die Suppe. Danach kommen noch mehrere Gänge.“ Sie öffnete ihre Augen wieder und sah ihren Gatten an. „Es ist ein besonderer Tag heute“, sagte sie leise. „Schnupper doch mal, wie gut es duftet. Seit heute Vormittag stehe ich in der Küche und schufte. Warte erst, bis du den Braten siehst.“ &lt;br /&gt;Egon verzog das Gesicht. „Ich will nicht einmal diese Suppe hier sehen“, murrte er und richtete sich dann ächzend auf, um einen Blick in die Schüssel zu werfen. „Was soll das denn sein?“, brachte er dann verächtlich vor. „Kannst du denn gar nichts richtig machen? Bei Mutti sah ein Nockerl aus wie das andere. Gleichmäßig und perfekt geformt. So schwer kann das doch wohl nicht sein.“ &lt;br /&gt;Henriette presste ihre Lippen zusammen und schluckte, bevor sie weitersprach. „Probier doch erst einmal“, sagte sie leise. „Sie sind sehr leicht und locker.“ &lt;br /&gt;„Blödsinn.“ Egon ließ sich mit einem Stöhnen wieder auf das Sofa zurücksinken und griff nach der Fernbedienung. „Das blöde Grünzeug hast du auch wieder reingematscht. Du weißt doch, wie ich das hasse.“ &lt;br /&gt;„Vitamine tun dir gut“, versuchte Henriette zu erklären. &lt;br /&gt;„Ach was“, schimpfte Egon nun. „Die kannst du in der Pfeife rauchen. Ich brauch etwas Richtiges zwischen die Kiemen. Nicht deinen vornehmen Edelfraß. Was hast du überhaupt mit den Crackern angestellt. Und ich wette, du servierst mir als nächstes ein Gemüse und behauptest, dass ich davon satt werde.“ &lt;br /&gt;Henriette nahm die Flasche und sein Glas, schenkte ihm mit zitternden Händen ein. „Liebling“, sagte sie dann. „Ich bitte dich. Es ist ein besonderer Tag für mich.“ &lt;br /&gt;Sie setzte das Glas vor ihm ab und ergriff ihr eigenes. „Ich weiß nicht, ob man Rotwein zu Suppe trinken kann“, fuhr sie nervös fort, „aber es kann doch auch nicht schaden, sich einmal etwas Besonderes zu gönnen.“ &lt;br /&gt;„Etwas Besonderes?“, lachte Egon. Und mit einem hässlichen Lachen, beugte er sich vor, ergriff sein Glas mit genügend Schwung, dass die Hälfte seines Inhaltes heraus schwappte, auf der Tischdecke, dem Teppich und sogar in ein paar Spritzern auf den Gardinen landete, hielt es einen Moment hoch, als wolle er Henriette zuprosten, bevor er damit ausholte und durch das Wohnzimmer warf in Richtung der Küchentür. Doch noch vor dieser fiel es auf den Boden und zerschellte. Der Rest des Weins hinterließ einen nassen Fleck, der sich farblich jedoch kaum von dem Ton des Teppichs abhob, wie Henriette mit Erleichterung feststellte. &lt;br /&gt;Überhaupt fühlte sie sich ruhiger, als sie in einer Situation wie dieser erwartet hätte. Ihr Atem ging langsam und gleichmäßig und in ihrem Kopf war es klarer, als zu jedem anderen Zeitpunkt des Tages. Die Aufregung war wie weggepustet, nun, da sie wusste, dass die Entscheidung gefallen war. &lt;br /&gt;Egon interessierte sich nicht die Bohnen für ihren gemeinsamen Tag. Er achtete weder ihre Mühe, noch kümmerten ihn Henriettes Gefühle. &lt;br /&gt;Sie seufzte leise. Es war ja auch nicht direkt eine Überraschung. Sie sah langsam an ihm herab, an seinem schmutzigen Unterhemd, das er nun schon mehrere Tage trug, der ausgebeulten Jogging Hose, dem unrasierten Kinn und den blutunterlaufenen, geradezu verquollenen Augen. Das wenige schüttere Haar, das ihm geblieben war, klebte fettig an seinem Hinterkopf und das pausbäckige Gesicht zeigte das selbstzufriedene Lächeln, das er sich mit dem Beginn der Rentenzeit und der stetig entwickelnden Vorliebe für Reality-Soaps angewöhnt hatte. &lt;br /&gt;Nein, sie hatte ihm jede Chance gegeben, alles getan, was in ihrer Macht stand. &lt;br /&gt;Henriette schenkte sich ein, nahm ihr Glas, lehnte sich im Sofa zurück und nippte versonnen daran. Ihr Blick fiel auf die einzelne Rose und sie dachte daran, welche Wünsche und Träume sie als junges Mädchen vor ihrer Heirat gehegt und Jahr für Jahr mehr vergessen hatte. &lt;br /&gt;Sie hörte, wie Egon den Fernseher lauter stellte und dachte vage daran, dass sie bald aufstehen und nach dem Braten sehen sollte. Aber noch war es nicht soweit. &lt;br /&gt;Henriette hörte wie das Sofa quietschte, wie Egon sich mit einem Stöhnen vorwärts beugte und einen Blick in die Schüssel warf. &lt;br /&gt;Schwer ließ er sich wieder zurückfallen und warf ihr einen gnädigen Blick zu. &lt;br /&gt;„Also gut“, sagte er dann. „Will ich mal nicht so sein. Gib mir was davon.“ &lt;br /&gt;Henriette nickte lächelnd. Oh ja, sie kannte ihren Mann, kannte ihn besser, als er sich selbst. Sie stellte ihr Glas ab, fühlte dass er sie beobachtete, als sie sich ihrerseits vorbeugte und ihm ohne zu kleckern eine weitere Kelle Suppe mit Knödeln in die Tasse gleiten ließ. &lt;br /&gt;Egon rutschte mühsam an den Rand des Sofas, nahm den Löffel ohne seinen Blick vom Fernseher zu wenden, und begann damit hastig und mit vernehmlichem Schlürfen die Suppe zu essen. Mit seiner anderen Hand streckte er Henriette die Bierflasche entgegen. „Hol mir noch eins“, befahl er zwischen zwei Löffeln und während zwei der Figuren auf dem Bildschirm mit Fäusten aufeinander losgingen. &lt;br /&gt;„Aber natürlich“, antwortete Henriette gehorsam, nahm die leere Flasche und begab sich zum Kühlschrank, um eine neue herauszuholen. &lt;br /&gt;Selbst wenn Egon trotz Arterienverkalkung und leicht erhöhtem Blutdruck im Grunde gesund wie ein Fisch im Wasser war, so konnte sie sich doch darauf verlassen, dass seine Geschmacksknospen durch Alkohol, Nikotin und zu scharf gewürztes Essen ausreichend gelitten hatten, um den Geschmack zu verdecken, der nicht wirklich in eine Suppe passte. Auch nicht, wenn man die Freiheiten bedachte, die Henriette gewohnt war, sich seiner Gesundheit zuliebe und gegen seinen Willen zu erlauben. &lt;br /&gt;Sie lächelte, als sie sich vorstellte, wie er wohl sehr bald feststellen musste, dass dieser Hochzeitstag in ihrem Sinn ablief. Nicht mehr lange, und sogar Egon fiele auf, dass ihre Suppe Inhaltsstoffe enthielt, auf die seine Mutter wohl kaum gekommen war. &lt;br /&gt;Allerdings bezweifelte Henriette, dass er diese in Verbindung brächte mit den dekorativen Blumen, die sie neben der Petersilie, dem Thymian und dem Rosmarin auf ihrem Balkon züchtete. Vielleicht, wenn er sich einmal vom Fernseher und seinem Sofa getrennt und etwas frische Luft geschnappt hätte, so wie sie ihn so oft gebeten hatte, vielleicht hätte er dann die Herbstzeitlose oder die verschiedenen Nachtschattengewächse erkannt, denen sie ihre Liebe und Aufmerksamkeit schenkte, damit sie wuchsen und gediehen, bis sie eine von ihnen brauchte. &lt;br /&gt;Doch Henriette bezweifelt das. Egon dachte nicht so viel nach. Sonst hätte er vielleicht gespürt, dass die letzte Chance, die sie ihm gegeben hatte, eigentlich keine mehr war.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3263622768781598349-113500782851082275?l=callisto24.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://callisto24.blogspot.com/feeds/113500782851082275/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3263622768781598349&amp;postID=113500782851082275' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/113500782851082275'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/113500782851082275'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://callisto24.blogspot.com/2010/12/feiertagssuppe.html' title='Feiertagssuppe'/><author><name>callisto24</name><uri>http://www.blogger.com/profile/18191488055625225167</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/_Uzq-1PR2gcg/SNaEoxPltqI/AAAAAAAAAAM/7NujjFFZKlk/S220/peacesee.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3263622768781598349.post-52990458853810767</id><published>2010-12-09T04:33:00.001-08:00</published><updated>2010-12-09T04:34:59.038-08:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Geschichte'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='schreiben'/><title type='text'>Appetitlich</title><content type='html'>Titel: Appetitlich&lt;br /&gt;Autor: callisto24&lt;br /&gt;* * *&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Diesmal musste es klappen. Hilde war fest entschlossen, sich keine Schwäche mehr zu erlauben. Jahr für Jahr das gleiche Spiel. Der Frühling folgte auf einen Winter, in dem sie sich von Festtag zu Festtag gehangelt hatte und in der Zwischenzeit jeden kühlen Luftzug als Ausrede für eine warme Mahlzeit, eine heiße Schokolade oder eine cremige Suppe benutzte. Und mit den ersten warmen Sonnenstrahlen folgte unweigerlich die Ernüchterung, wenn die im vorigen Sommer noch perfekt sitzende Hose auf einmal an den Hüften spannte. &lt;br /&gt;Jedes Jahr von neuem die Garderobe zu erneuern war nicht nur mühsam, sondern auch noch teuer. Und wie Hilde es auch drehte und wendete, die zusätzlichen Pfunde wirkten sich auf ihr Selbstvertrauen alles andere als positiv aus. &lt;br /&gt;Aber damit war nun Schluss. Ab jetzt wurde abgenommen. Und wie. &lt;br /&gt;Hilde hatte nicht vor, sich auch nur eine Schwäche zu erlauben. Nicht eine kleine. Andere hatten das auch geschafft. Es kam nur auf die Willensstärke an. Schluss mit den komplizierten Diät-Versuchen, die sie sich aus Zeitschriften ausschnitt und sorgfältig zusammenheftete. Nur um dann Unsummen auszugeben für Hüttenkäse, Kräuter, das trockene Knäckebrot, für das geworben wurde. Sie schnitt, wusch, hobelte und arbeitete sich einen Wolf bei der Zubereitung komplizierter und angeblich gleichermaßen gesunder wie wohlschmeckender Mahlzeiten. Ausgewogen und dennoch kalorienarm sollten sie Wunder wirken, Hilde in eine elegant dahinschwebende Elfe verwandeln, die zudem auch völlig frei von Hungergefühlen glücklich durch den Tag tanzte. &lt;br /&gt;Natürlich funktionierte es nicht. Und natürlich waren die Selbstvorwürfe das Schlimmste, die sich unwiderruflich einstellten, wenn sie nach wenigen Tagen der Geschmacks- und gewürzfreien Gerichte überdrüssig, sich mit einem Schokoriegel in einer Ecke wiederfand. &lt;br /&gt;Vielleicht folgten die Depressionen ihrer Schwäche, vielleicht stellten sie sich aber auch schon aufgrund des ständigen Kampfes gegen den Appetit ein, der während jeder ihrer Diät-Anfälle den größten Teil von Hildes Energie fraß. &lt;br /&gt;Es kam also – und so hatte sie eindeutig und von ganzem Herzen beschlossen – darauf an, ihre Energie daraufhin zu fokussieren, nichts zu essen. Und damit meinte Hilde auch nichts. Ihre Freundinnen, ihre Familie waren allesamt vorgewarnt und hatten nach einigem Sträuben zugestimmt, sie nicht mit Einladungen und Versuchungen zu quälen. Hildes Tagespläne standen, ihre Routen, die große Bögen um Bäckereien, Konditoreien und andere Quellen der Versuchung schlugen und sie trotzdem zu ihren Zielen fühlten, waren festgelegt und Hilde verbrachte die letzten Tage des Winters damit, sich mental auf die bevorstehende Fastenkur vorzubereiten. Einen letzten nicht gerade bedauernden Gedanken schickte Hilde noch an die hohen Summen, die sie für Diäten ausgegeben hatte, die in fertigen Dosen oder Gläsern einher kamen und ihr beim Erwerb suggerierten, dass allein der Anblick die Kilos schwinden ließ. Natürlich halfen auch die darin enthaltenen Pülverchen nicht weiter, weder ob sie als Brei, als Suppe, Pudding oder Diätdrink verabreicht wurden. Hilde endete doch immer wieder mit dem obligatorischen Schokoladenriegel und der Schale Chips. &lt;br /&gt;Auch damit hatte es nun ein Ende. Hilde hatte genug gehört, gelesen und sich selbst zusammengereimt, um davon überzeugt zu sein, dass in der Nulldiät die Zukunft lag. Ihre Zukunft. Und welche Zeit wäre besser geeignet, als der Frühling, um mit einer Unternehmung wie dieser zu starten?&lt;br /&gt;Alles blühte, alles grünte und die ersten Sonnenstrahlen wärmten genug, um das leise Frösteln, das dem Verzicht auf Nahrung nur allzu oft folgte, zu übertünchen. &lt;br /&gt;Einziges Problem in Hildes ansonsten so durchdachten, notwendigen und sinnvollen Plan trat ihr in Gestalt von Stefan entgegen. Stefan, Hildes Freund seit zwei Jahren und der Einzige, der ihren Träumen vom Erreichen des Wunschgewichts aktiv entgegentrat. &lt;br /&gt;Unglücklicherweise konnte sie ihn nicht davon überzeugen, dass ihr persönliches Heil und Glück in einem schlanken Körper wohnte. Und insgeheim befürchtete Hilde von Zeit zu Zeit, dass es Stefans Absicht war, sie als die dralle, unauffällige Brünette zu behalten, die weit davon entfernt war, die Blicke anderer männlicher Wesen auf sich zu ziehen. &lt;br /&gt;Nicht dass Hilde vorhätte, Stefan zu hintergehen. Nichts läge ihr ferner. Und doch wünschte sie sich, wie ihrer Meinung nach jede Frau sich wünschte und wie es zur Natur von Evas Geschlecht gehörte, ein wenig die Verführerin sein zu dürfen, als die sie geboren war. &lt;br /&gt;Ohne Konsequenzen selbstverständlich, lediglich als Beweis dafür, dass sie noch nicht zum alten Eisen gehörte, dass sie jung genug war, um auf Männer zu wirken, sie zu verwirren und auf ihre Weise anzuziehen. &lt;br /&gt;Dieses Gefühl vermisste Hilde seit geraumer Zeit, um ehrlich zu sein, bereits seit Jahren. Und sie vermisste es schmerzlich. &lt;br /&gt;Es stellte die Art von Selbstbestätigung dar, die Hilde ansonsten nirgendwo erhalten konnte, und die ihr auf eine merkwürdige, wirre und unlogische Weise mehr bedeutete, als jeden Erfolg, jedes Lob, das sie in ihrem Beruf erzielte. &lt;br /&gt;Himmel, sie war nicht alt. Sie war eine junge Frau. Und auch wenn sie sich an Stefan gebunden hatte, so bedeutete das noch nicht das Aus für jeden angedeuteten Flirt, für jedes noch so kleine Amüsement. &lt;br /&gt;Nur dass diese Flirts ungewollt wegfielen, dass sie nicht einmal annähernd in der Lage war, die Augen eines beliebigen Mannes, der sie zudem an sich nicht im Geringsten interessierte, auf sich zu fesseln. Und dieser Mangel an Interesse schmerzte von Jahr zu Jahr stärker. &lt;br /&gt;Es half nichts, die Sache musste in Angriff genommen werden, und Hilde fühlte sich willens und in der Lage, diese auch in Angriff zu nehmen. &lt;br /&gt;Natürlich verhielt sie sich nicht dumm oder gar selbstzerstörerisch. Die notwendigen Vitamine und Mineralstoffe lagen in Tablettenform bereit. Kalorienfreie Suppen und Diätsäfte sollten das ausgeklügelte Heilfasten begleiten. &lt;br /&gt;Und als spirituelle Begleitung hatte Hilde sich die eine oder andere CD meditativer Gesänge angeschafft. &lt;br /&gt;Auch wenn man alles andere außen vorließ, so handelte es sich bei der Fastendiät doch um eine ausgesprochen preisgünstige Form des Überlebens. Und das bedeutete, dass durchaus der eine oder andere Cent übrig blieb, mit dem sie sich Dinge leisten konnte, auf deren Anschaffung sie sonst nicht einmal annähernd käme. &lt;br /&gt;Insgesamt lief es gut. Hilde wusste, dass ein großer Punkt für den Erfolg ihrer Unternehmung darin lag, sich Schwächen zu gönnen. Selbstverständlich ausschließlich kalorienfreie Schwächen. &lt;br /&gt;Sie besuchte mit Stefan das Kino und war erleichtert, dass der ohrenbetäubende Lärm des Actionkrachers, den sie sich ausgesucht hatten, das Knurren ihres Magens übertönte. &lt;br /&gt;Mit einer gleichgesinnten Freundin, die unter ähnlichen Frühlingsgefühlen wie Hilde selbst litt, ging sie joggen und ließ sich haarklein die Rezepte aufzählen, mit  denen diese sich über die Runden half und die allesamt aus rein biologisch angebautem und ohne Garmethode zubereitetem, ungesalzenem, ungewürztem Gemüse bestand. &lt;br /&gt;Hilde verkniff sich die abschätzigen Bemerkungen, die ihr durch den Kopf wanderten. Sie hielt sich ebenso mit den Geschichten, die ihrer eigenen Erfahrungswelt entstammten, zurück. Jeder musste, was Diäten anging, seine eigenen Erfahrungen machen, zu diesem Schluss war sie innerhalb der letzten Jahre eindeutig gelangt. &lt;br /&gt;Eine Woche hielt Hilde bereits durch und strich voller Stolz über ihren abgeflachten Bauch. Es stimmte doch, dass Abnehmen das Selbstbewusstsein steigerte. Wenn nur nicht das unangenehme Grummeln im Magen gewesen wäre, das sie bereits in der Früh weckte und unweigerlich wach hielt, obwohl sie ohne weiteres noch Zeit für einen ausgedehnten Schlummer gefunden hätte. &lt;br /&gt;Nichtsdestotrotz, eine Diät steigerte angeblich auch die Energie und so stand Hilde doch, trotz Wochenendes, trotz Erschöpfung in den Gliedern, kurz nach Sonnenaufgang auf und braute sich einen Kräutertee, von dem sie allerdings bereits wusste, dass er dem Magenknurren an sich kaum Einhalt gebieten konnte. &lt;br /&gt;Dennoch trank sie ihn hastig, gönnte sich eine Extra-Dosis Süßstoff, obwohl sie tief innerlich fest davon überzeugt war, dass diese chemischen Mittelchen den Appetit auf Süßes unweigerlich anregten. Aber in diesem Moment zählte das nicht, war Hilde sich doch sicher, dass ihr Appetit auf Süßes ohnehin kaum noch zu steigern wäre. Oder auf Salziges, Saures, Würziges … im Grunde auf alles. &lt;br /&gt;Stöhnend machte sie sich an den Frühjahrsputz und vermied es tunlichst, daran zu denken, dass der Samstagvormittag sich stets als perfekt geeignet für Wocheneinkäufe geeignet hatte. &lt;br /&gt;Doch sich den unüberschaubaren Versuchungen auszusetzen, die in jedem Supermarkt, jedem Schaufenster, jeder frisch aufgebrühten Kaffeebohne, die ihren Duft auf die Straße verströmte, auszusetzen, gliche grober Fahrlässigkeit. &lt;br /&gt;Also beschränkte Hilde sich darauf, Staub zu wischen, zu saugen, die Fenster zu putzen und sich den anderen Vergnügungen hinzugeben, für die das Wochenende Zeit bot. &lt;br /&gt;Sie hatte vor, sich in einen Zustand der Erschöpfung zu arbeiten, in dem selbst der bloße Gedanke an Nahrungsaufnahme zu anstrengend sei, als dass sie in Versuchung käme, ihrer Diät abtrünnig zu werden. &lt;br /&gt;Am späten Nachmittag war es Hilde tatsächlich gelungen, müde genug zu werden, um dem Wunsch nach Essen die Dringlichkeit und die bohrende Spitze zu nehmen. &lt;br /&gt;Auf wackligen Füßen schwankte sie in ihr blitzsauberes und nach Zitrone duftendes Badezimmer und brachte gerade noch die Energie auf, sich eine Wanne einzulassen und auf einen geruhsamen Abend vor dem Fernseher zu freuen. &lt;br /&gt;Eine Stunde später stieg sie, halbwegs erfrischt aus ihrer Wanne, stieg in ihre flauschigen Pantoffeln und wickelte sich in einen warmen Frotteemantel. Als es an der Tür klingelte. &lt;br /&gt;Hilde unterdrückte einen Fluch, seufzte mitleiderregend und begab sich dann doch zur Tür um durch das Guckloch zu spähen. &lt;br /&gt;Ein breit lächelnder Stefan baute sich im Gang des Hauses auf und Hilde seufzte erneut. &lt;br /&gt;Der einzige Effekt lag jedoch darin, dass Stefan sich vorbeugte. „Ich weiß, dass du da bist“, verkündete er durch die Tür hindurch. &lt;br /&gt;Hilde stöhnte leise. „Ich habe dir doch gesagt, dass ich mir einen ruhigen Abend wünsche“, sagte sie dann und zögerte immer noch, die Tür zu öffnen. &lt;br /&gt;„Das hast du“, gab Stefan zu, doch unternahm keine Anstalten von der Stelle zu weichen. „Und es liegt mir fern, deinen Wünschen zuwiderzuhandeln.“ &lt;br /&gt;„Und was willst du?“ &lt;br /&gt;Stefan blinzelte. „Du verwendest bereits die ganze Woche die Ausrede vom ruhigen Abend“, erklärte er schließlich. „Und ich dachte, dass ich dir heute dabei helfen könnte, dass der Abend auch wirklich ruhig wird.“ &lt;br /&gt;Hilde öffnete die Tür einen Spalt und zog die Augenbrauen hoch. „Ich wollte fernsehen“, sagte sie und ließ ihre Lippen den Schmollmund bilden, von dem sie wusste, dass er Stefan immer wieder zum Lächeln brachte. &lt;br /&gt;„Dann sehe ich mit dir fern“, verkündete der Mann und drängte sich an ihr vorbei in die Wohnung. &lt;br /&gt;Hilde sah an sich und an ihrem Bademantel herunter. „Ich bin überhaupt nicht auf Besuch eingerichtet.“ &lt;br /&gt;„Das macht nichts.“ Stefan beugte sich über sie und drückte ihr einen dicken Kuss auf den immer noch schmollenden Mund. &lt;br /&gt;Hilde schnupperte alarmiert. „Was ist das?“, fragte sie zweifelnd. „Ich rieche etwas.“ &lt;br /&gt;Stefan versteckte mit unschuldigem Gesichtsausdruck seine Hände hinter dem Rücken. „Was meinst du?“ &lt;br /&gt;„Das ist doch etwas zu essen“, warf Hilde ihm vor. „Du weißt doch, dass ich auf Diät bin.“ &lt;br /&gt;Unverkennbar wallte Ärger in ihr auf, gemischt mit der unmöglich zu ignorierenden Frage, was es sein konnte, das Stefan versuchte, in ihre Wohnung zu schmuggeln. &lt;br /&gt;Stefan stöhnte auf. „Du und dein Diätfimmel.“ Er wandte sich ab und setzte rasch eine kleine Tüte auf den Sofatisch. „Siehst du?“, drehte er sich zu ihr um. „Das ist nicht einmal richtiges Essen. In diese Tüte passt nichts.“ &lt;br /&gt;Hilde runzelte die Stirn und schüttelte dann den Kopf. „Ich weiß wirklich nicht, warum du mich immer sabotieren willst“, klagte sie laut. „Wenn ich sage, ich will nichts zu essen, dann will ich auch nichts. Kein Dinner, kein Ausgehen, keinen Cocktail. Kino und Sport ist okay. Aber abends will ich meine Ruhe haben.“ &lt;br /&gt;„Es ist Samstag“, gab Stefan zu bedenken. „Niemand will Samstag seine Ruhe haben.“ &lt;br /&gt;„Also ich schon“, seufzte Hilde. „Wenigstens bis ich wieder in meinen Minirock hineinpasse.“ &lt;br /&gt;Stefan verdrehte die Augen. „Du bist wunderschön, so wie du bist.“ &lt;br /&gt;Hilde ließ sich frustriert auf in ihr Sofa sinken. „Wunderschön, ach was. Was du für wunderschön hältst. Und dass es mich überall zwickt und kneift und ich dauernd neue Sachen brauche, ist dir egal.“ &lt;br /&gt;Stefan setzte sich neben sie und legte seinen Arm um ihre Schulter. „Solange du gesund und so zum Anbeißen bist, wie gerade jetzt, habe ich keine Einwände.“ Er versuchte sie auf den Hals zu küssen, aber Hilde entwand sich schmollend seinem Griff. „Ich bin überhaupt nicht zum Anbeißen. Ich kugele durch die Gegend und weiß wirklich nicht, warum du das nicht siehst.“ &lt;br /&gt;„Ich sehe es nicht, weil es nichts zu sehen gibt“, murmelte Stefan und küsste ihr Ohrläppchen. Es kitzelte und Hilde konnte nicht anders als zu lachen. „Du hast doch etwas vor“, vermutete sie und drohte ihm mit dem Zeigefinger. „Ich kenne dich, wenn du etwas im Schilde führst.“ Sie lehnte sich zurück und legte ihren Kopf schief. &lt;br /&gt;„Du trägst genau denselben Gesichtsausdruck, den du im letzten Jahr aufgesetzt hast, als du mich mit der Buttercremetorte überrascht hast. Das werde ich dir nie verzeihen.“ &lt;br /&gt;Stefan streckte ihr beide Handflächen entgegen. „Siehst du hier irgendwo eine Torte? Schon gar nicht eine mit Buttercreme.“ Er nickte eifrig. „Ich habe ja auch dazu gelernt und weiß inzwischen, was sich gehört.“ &lt;br /&gt;Er drehte seine Hände vor ihrer Nase. „Siehst du? Keine Torte, keine Eiscreme, keinen Braten oder Topf mit Nudeln. Ich bin vollkommen unschuldig.“ &lt;br /&gt;„Hm.“ Hilde rümpfte skeptisch die Nase und zeigte auf die Tüte. „Und was ist das?“ &lt;br /&gt;Stefan zuckte mit den Schultern. „Wie gesagt, das ist gar nichts.“ &lt;br /&gt;„Gar nichts“, wiederholte Hilde. „Und warum hast du dann ‚gar nichts‘ mitgebracht?“ &lt;br /&gt;Stefan beugte sich vor, griff nach der Tüte und zog aus ihrem Inneren eine zart gelbe Serviette hervor, in die etwas eingeschlagen war. &lt;br /&gt;Sorgfältig platzierte er das betreffende Objekt vor Hilde und begann damit langsam, Ecke für Ecke die Serviette zurückzuschlagen und ihren Inhalt zu enthüllen. &lt;br /&gt;„Und – was ist das jetzt?“, stieß Hilde hervor, während sie versuchte, noch ein Mindestmaß an Würde und Zurückhaltung zu bewahren.“ &lt;br /&gt;Stefan sah sie mit einem betretenen Dackelblick an. „Das ist eines der Appetithäppchen, die meine Schwester für ihren Geburtstag zubereitet hat. Ich wollte es dir wenigstens zeigen. Für eines dieser Teile benötigte sie eine halbe Stunde. Du kannst dir vorstellen, wann sie heute früh aufgestanden ist, um mit den Vorbereitungen anzufangen.“ &lt;br /&gt;„Deine Schwester ist Küchenchefin“, gab Hilde zu bedenken. „Ganz genau“, stimmte Stefan bedrückt zu. „Das heißt, sie weiß, wie es geht. Aber das bedeutet nicht, dass sie weniger Zeit und Mühe für ihr mehrgängiges Menü benötigt.“ &lt;br /&gt;„Das ist heute?“, fragte Hilde unnötig und auch ein wenig schuldbewusst. &lt;br /&gt;Stefan räusperte sich. „Du hast doch schon vor einer Weile abgesagt“, meinte er dann beinahe entschuldigend. „Was natürlich nicht bedeutet, dass sie sich nicht doch freute, wenn du es dir anders überlegst. Du weißt ja, dass sie immer für mindestens ein Dutzend Leute mehr kocht.“ &lt;br /&gt;Hilde beäugte das Appetithäppchen vor ihr, dass, wenn sie ehrlich war, nicht gerade besonders beeindruckend wirkte. Andererseits kannte sie die Kochkünste von Stefans Schwester nur zu gut und wusste, dass sich in den unscheinbarsten Gerichten, die höchsten Gaumenfreuden verbargen. &lt;br /&gt;Sie schüttelte den Kopf. „Ich kann nicht“, sagte sie mit betont fester Stimme und versuchte ihren Blick von dem Inhalt der Serviette zu wenden. „Und das hier werde ich auch nicht versuchen.“ Sie schüttelte erneut den Kopf. „Und wenn deine Schwester den ganzen Tag damit zugebracht hat, diese Blätterteigkringel zusammenzudrehen, dann solltest du sie ihr nicht wegnehmen und in der Gegend herumtragen.“ &lt;br /&gt;Stefan atmete aus. „Diese Festessen sind ein reiner Albtraum für mich“, gab er dann zu. „Und ohne dich werde ich auch nicht gehen. Das weiß sie.“ Er schluckte hörbar. &lt;br /&gt;„Aber das hier musste ich dir einfach zeigen.“ &lt;br /&gt;Vorsichtig schob er die Serviette näher an Hilde heran. „Die Füllung besteht aus einer Creme von Wachteleiern, Trüffeln, Sahne und der speziellen Würzmischung, deren Inhaltsstoffe nicht verraten wird.“ &lt;br /&gt;Hilde lief das Wasser im Munde zusammen. „Muskat, Ingwer und Chili?“, riet sie und beäugte das Blätterteiggebilde mit neu erwachtem Interesse. &lt;br /&gt;Jetzt bemerkte sie auch den Glanz, den an verschiedenen, delikaten Stellen angebrachtes Eigelb den Spitzen und Kanten des Gebäcks verliehen hatte. Sie sah die helle Creme, die durch die hauchdünne und an manchen Stellen sorgfältig durchbrochene Oberfläche hindurch schimmerte. Und sie konnte sich nur allzu gut vorstellen, welchen Mühen sich die Küchenfee unterzogen hatte. Den Anspruch an Perfektion, den diese an sich selbst stellte, bewunderte Hilde von jeher. Wenigstens was ihre Kunst im kulinarischen Bereich anging. &lt;br /&gt;Ihr äußeres Erscheinungsbild dagegen entsprach zumindest nicht dem aktuellen Schönheitsideal, auch wenn Hilde widerstrebend zugab, dass barocke Formen auch ihre Reize besaßen. &lt;br /&gt;„Ich weiß, woran du denkst“, flüsterte ihr Stefan so plötzlich ins Ohr, dass Hilde zusammenzuckte. &lt;br /&gt;„Was meinst du?“, gab sie irritiert zurück. &lt;br /&gt;Stefan lachte leise. „Mein Schwesterherz ist stolz auf ihre Figur. Sie sagt immer wieder, dass sie Werbung für ihre Kochkunst läuft.“ Er strich Hilde eine feuchte Strähne aus der Stirn und küsste sie leicht. „Man soll sehen, dass sie ihr Leben genießt.“ &lt;br /&gt;Hilde schluckte. „Ob stundenlanges Blätterteig-Formen ein Genuss ist, wage ich zu bezweifeln.“ &lt;br /&gt;Stefan lachte wieder und nahm das winzige Stück Gebäck zwischen Daumen und Zeigefinger. „Das Ergebnis ist es, was zählt“, bemerkte er dann. „Was für ein Mensch jemand ist, was er schafft, wie viel und wen er liebt.“ Er schüttelte den Kopf. „Purzelnde Pfunde bedeuten nichts. Nur dass sie früher oder später zurückkehren und noch mehr quälen, sinnlos Zeit und Kraft rauben, und schließlich nur eine leere Hülle zurücklassen, für die Nichts mit Ausnahme der eigenen Figur zählte.“ &lt;br /&gt;Er führte das Gebäck an Hildes Lippen und sie atmete tief das köstliche Aroma ein. &lt;br /&gt;„Wenn deine Schwester sich so viel Mühe gemacht hat“, murmelte sie zögernd. &lt;br /&gt;Stefan küsste sie auf die Wange. „Du bist perfekt, so wie du bist“, sagte er dann. „Ich möchte dir nur dabei helfen, dich auf das Wichtige im Leben zu konzentrieren.“ Er küsste sie wieder. &lt;br /&gt;„Und das wäre?“, fragte Hilde leise. &lt;br /&gt;„Freundschaft, Liebe, Gemeinsamkeit, um nur ein paar Dinge zu nennen“, antwortete Stefan und lächelte. „Die anderen lernst du kennen, sobald du es zulässt.“ &lt;br /&gt;Und Hilde ließ es zu. Sie öffnete den Mund und biss in das außen knusprige und innen göttlich zarte Appetithäppchen hinein, das ihr besser mundete, als sie sich erinnern konnte, jemals zuvor etwas gekostet zu haben. Hilde schluckte und leckte sich die Lippen. &lt;br /&gt;„Also gut“, flüsterte sie. „Lass uns gehen.“ &lt;br /&gt;Und der Frühling begann.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3263622768781598349-52990458853810767?l=callisto24.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://callisto24.blogspot.com/feeds/52990458853810767/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3263622768781598349&amp;postID=52990458853810767' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/52990458853810767'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/52990458853810767'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://callisto24.blogspot.com/2010/12/appetitlich.html' title='Appetitlich'/><author><name>callisto24</name><uri>http://www.blogger.com/profile/18191488055625225167</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/_Uzq-1PR2gcg/SNaEoxPltqI/AAAAAAAAAAM/7NujjFFZKlk/S220/peacesee.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3263622768781598349.post-4062686479177377801</id><published>2010-12-09T04:18:00.000-08:00</published><updated>2010-12-09T04:19:00.089-08:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='schreiben'/><title type='text'>Gift</title><content type='html'>Titel: Gift&lt;br /&gt;Autor: callisto24&lt;br /&gt;* * *&lt;br /&gt;Das Wasserglas&lt;br /&gt;Es stand auf dem Tisch, das Wasserglas. Sauber und klar. Durchscheinendes Glas und darin verlockend das Wasser. Erfrischend lockte sein Anblick jeden, der es erblickte. Obwohl jeder doch wusste, wie fatal es sein konnte, der Verlockung nachzugeben, mit dem Inhalt die Zunge zu benetzen, das brennende Verlangen in der Kehle zu stillen. Sie alle schlichen um den Tisch, auf dem es wie eine Trophäe aufgebaut war, herum. Sie alle wussten, welch ein grausames Schicksal die Prüfung von ihnen forderte. Denn die augenscheinliche Reinheit trog. Was sich wirklich in dem Glas befand war zu fein, zu winzig, als dass ihre bloßen Augen es erkennen konnten. Neben den Mineralstoffen, die zu erwarten waren, den kleinen Partikeln von Schmutz oder Staub, die sich mit der Bewegung der Luft um den Standpunkt des Gefäßes auf die Oberfläche der Flüssigkeit senkten, befand sich noch so vieles mehr in dem durchsichtigen Behälter. Schwammen Teile, Hüllen, Formen und Farben darin, die niemand jemals zu Gesicht bekam, die nur erahnt werden konnten und auch das nur mit dem äußersten Maß an Vorstellungskraft. &lt;br /&gt;Regenbogenfarbene Ovale, die sich mit Hilfe von Geißeln durch sanften Widerstand trieben, begegneten und begegneten nicht den kristallenen Gebilden, die nicht lebend und nicht tot ihre Existenz selbst bezweifelten. Und die dennoch eine fatalere Wirkung auf den Organismus ausübten, der sich ihnen näherte, als jener zu glauben wagte. Kleine Härchen schlugen, schwebten. Schnüre glitten, Perlen schwammen und seufzten, hingen nebeneinander wie Ketten. Das klare, reine Wasser füllte sich mit Wesen aus einer anderen Welt, mit Gestalten, die ohne den magischen Blick geschliffener Linsen, ohne die unglaubliche Bewegung noch winzigerer Elektronen niemals auch nur vermutet wurden. Nicht von ihnen, nicht von denen, die das Glas immer noch umrundeten. Denen ihr eigenes Wasser im Munde zusammenlief, deren Durst sich steigerte von Schritt zu Schritt. &lt;br /&gt;Oh ja, sie wussten es, wussten von dem schleichenden Tod, der in dem Glas lauerte. Doch wer von ihnen besaß den Mut oder die Verzweiflung ihm zu trotzen? Wer von ihnen erwies sich als irrwitzig genug, um den Schluck zu nehmen, das letzte Wagnis einzugehen? Keiner von ihnen hatte etwas zu verlieren und doch verloren sie mit jedem Schritt mehr. &lt;br /&gt;Der junge Mann blieb stehen. Ermunternde Blicke flogen ihm zu. Das Wasser lockte. Köstlich schwappte es von links nach rechts, floss gegen die Rundungen des kühlen Glases. Sie alle schmeckten es, fühlten seine Klarheit, das Stillen eines unstillbaren Durstes. Der Inhalt eines Glases reichte nicht, reichte nie, nicht für einen von ihnen. Und doch waren sie alle befreit, wenn der eine das Opfer brachte. Der junge Mann verneigte sich. Er berührte mit zitternden Fingern die glatte Oberfläche. Er versuchte, das Wasser, sein Wasser durch das Glas hindurch zu fühlen. Es prickelte auf der Zunge. Winzige Tropfen stiegen auf, gleich Wasserdampf drangen sie in seine Nase. Ein Zurück war unmöglich, ein Zögern keine Option. Er hob das Glas und trank. Der Jubel brandete hoch. Die Dankbarkeit umfloss ihn weich, so wie die Flüssigkeit seinen Hals benetzte. Es schmeckte bitter und mit dem ersten Schluck sah er die Seuche vor sich. Er sah sich auf dem armseligen Strohlager, das ihm blieb. Wie er dahinvegetierte, wie er sich um seinen letzten, röchelnden Atemzug quälte. &lt;br /&gt;Doch nicht einmal dies Elend war ihm vergönnt. Denn nun war es zu spät, er konnte den Fluss nicht mehr aufhalten, sah das Leben an sich vorüberziehen, sah wie seine Welt endete. &lt;br /&gt;Das Wasser rann, es gelangte in die falsche der Kehlen und er hustete, spuckte einen Teil wieder aus, schluckte wieder. Es gab kein Zurück. Bis auf den letzten Tropfen trank er, leerte den Becher, bis der aus seinen entkräfteten Fingern mit einem Klirren zu Boden stürzte. Und er neben ihm auf die Knie sank, den Kopf in die Hände stützte. Er wusste es, sie alle hatten es gewusst. Reinheit existierte nicht, sie war eine Lüge und er verdammt zu seinem letzten Gang. &lt;br /&gt;Er krümmte sich. Der Schmerz verzerrte sein Gesicht. Seine Muskeln zuckten in Krämpfen. Keine Zeit abzuwarten, keine Zeit der Inkubation. Die Dichte unsichtbarer Erreger inmitten der lockenden Klarheit riss ihn hinab. Zeit schnellte zusammen, schrumpfte und dehnte sich gleichermaßen, als er den Horizont erblickte, als seine Gelenke anschwollen, seine Eingeweide rissen und bluteten, während das verseuchte Wasser in ihm tobte, seine Zellen durchdrang, vergiftete und eine nach der anderen tötete. Keine Zeit für Reue, keine Zeit, seine Entscheidung in Frage zu stellen. Letzte Gedanken wirbelten durch den verwüsteten Verstand, letzte Erkenntnis öffnete ihm die Augen. &lt;br /&gt;Doch befreite sein Opfer die Gefangenen Die Wahl fiel auf ihn und als er starb, starb er als Held und in dem Wissen, dass sein Mut die Rettung für andere bedeutete, dass er allein die Lüge in der Reinheit offenbarte.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3263622768781598349-4062686479177377801?l=callisto24.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://callisto24.blogspot.com/feeds/4062686479177377801/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3263622768781598349&amp;postID=4062686479177377801' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/4062686479177377801'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/4062686479177377801'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://callisto24.blogspot.com/2010/12/gift.html' title='Gift'/><author><name>callisto24</name><uri>http://www.blogger.com/profile/18191488055625225167</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/_Uzq-1PR2gcg/SNaEoxPltqI/AAAAAAAAAAM/7NujjFFZKlk/S220/peacesee.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3263622768781598349.post-5610265898128283978</id><published>2010-12-09T04:15:00.001-08:00</published><updated>2010-12-09T04:15:56.131-08:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='schreiben'/><title type='text'>Planet</title><content type='html'>Titel: Planet&lt;br /&gt;Autor: callisto24&lt;br /&gt;* * *&lt;br /&gt;Ich habe immer geglaubt, dass es auf die Perspektive ankommt. &lt;br /&gt;Dass unsere Realität so leicht von dem abweicht, was wir vor uns sehen, gehört nur zu einem der vielen Hindernisse, die sich zwischen das denkende Wesen und seinen Versuch zu begreifen stellen. Denkende Wesen, das sind wir, das ist es, wozu uns die Evolution geschaffen hat. Erschaffen, um zu forschen, um den Blick zu schärfen, das endgültige Sein einzufangen. Ob in Worten, Taten oder abstrakten Gebilden, in Analysen, die den Anspruch auf Vollständigkeit erheben, spielt keine Rolle, denn darauf ziele ich letztendlich nicht ab. Nicht meine Aufgabe, nicht meine Leidenschaft. &lt;br /&gt;Ich bin ein Beobachter. Und ich beobachte die Welt um mich. Wie sie sich verzerrt, dehnt, ihre Konturen wachsen und wieder verschwimmen. All das während ich dahingleite in schwebender, ewiger Existenz. Mein Bericht wird geprägt sein von Farben und Formen, von der Bedeutung, die ich diesen verleihe. Ich gebe ihnen Namen, ich kategorisiere und ordne. &lt;br /&gt;Wenn ich mich um mich selbst drehe, dann verändert sich alles. Wenn ich einen Schritt vorwärtsschwebe, dann stoße ich an meine Grenzen. Glasklar sind sie und kalt. Doch kann ich sie dereinst passieren, dann fließe ich in neue Freiheit, ergieße mich in die Welt, über die Welt, an der ich bis zu diesem Moment nur als ein Zuschauer teilhabe. So bin ich gezwungen zu warten und zu lauschen. Auf die gedämpften Geräusche, die wie durch einen Filter an mein Gehör dringen. Mal gluckernd, mal kichernd, doch nie wirklich. &lt;br /&gt;Aber ich kann warten. Was ich um mich sehe, wird nicht auf ewig von mir getrennt bleiben. Ich kann in mir sehen, wie ich mich mit der Außenwelt vereine, in sie hineinfließe und mich darin auflöse. Wie sich Milliarden von Atomen miteinander vermischen, Moleküle zu Kunstwerken verknoten, deren Anfang und Ende ähnlich unbekannt bleiben wie ihr Daseinszweck. Alles wird eins. Ob ich aufsteige, die Schwere verliere und in winzigen Bläschen gen Himmel fliege, mich in lebensspendenden Funken verteile oder tiefer sinke an den Grund, um abzuwarten bis über mir Schicht nach Schicht verdampft, mich austrocknet und freilegt – es bleibt alles eins. Ich existiere, um es zu sehen und davon zu erzählen. &lt;br /&gt;Denn das Schiff wird kommen, mich aus meiner Position zu lösen und meiner endgültigen Bestimmung zuzuführen. Ich spüre, dass es sich nähert, als die Welt um mich herum erbebt. Fest wird frei und hart zu weich. Die fließenden Bewegungen um mich breiten sich aus, werfen mich in Schräglage, verändern meine Sicht. Ich sehe, dass sie kommen, die Wesen, die mich verstehen, zu denen ich gehöre, denen ich Rede und Antwort stehen werde und will. Aus dem anderen Universum, dem Raum um mich ziehen sie mit ihren unsichtbaren Fäden, reißen mein Gefäß, das Glas, das mich schützt in die Höhe. Ich wirble um mich selbst, verliere mich im Strudel, als sich alles seitwärts lehnt, als mich der Strom weiterhinauszieht, aus meiner illusorischen Sicherheit befreit. Ich schwebe, schwimme und werde vorwärts getrieben, paddele hilflos an der Oberfläche, suche nach Luft, nach Atem. Je länger ich nach ihm suche, desto weniger finde ich ihn, desto schwieriger erscheint mir meine Pflicht. Nicht so wie gedacht, nicht wie geplant nähere ich mich einem Ziel. Ich steige nicht hinauf in eine Unendlichkeit, die mich nach Hause führt. Ich fließe hinab. Die Schwerkraft, die mich losließ und in die Höhe wirbelte, zieht mich nun tiefer, zieht mich in eine warme Hölle. Die rote Höhle, die mir nun, da ich so kurz davor stehe, von ihr verschluckt zu werden, zum ersten Mal ohne die täuschende Verzerrung des Glases gegenübersteht, sich in ihrer ganzen Hässlichkeit und ihrem realen Schrecken offenbart. Welcher Illusion saß ich nur auf? Welch einer Verzerrung meiner Wirklichkeit? Nun, da ich mich aus der fließenden Substanz befreie, von Sauerstoffatomen durchpumpt werde, die heiße Hölle vor Augen mich von dem kühlen Nass verabschiede, weiß ich über das Ausmaß meines Irrtums. Niemals werde ich durch den Weltraum fliegen. Niemand kommt mich zu befreien, niemand interessiert sich für die Beobachtungen, die ich so sorgfältig gespeichert habe. Ich bin allein und war es immer. Ausgeliefert dem Hunger einer Welt aus Warmblütlern. Einer Welt, die fern der kalten Analyse, von ihrem Trieb beherrscht wird. Die mich verschluckt, verdaut, vernichtet. Und nur vielleicht entlässt, wenn ich in meine Einzelteile gespaltet, zu Staub und Schmutz mutiert, am äußersten Rand des Fegefeuers wieder zu mir komme und feststelle, dass ich nicht einmal hier das Ende finde. Dass sogar das Ende Illusion bleibt. Dass alles eine Frage der Perspektive ist und auf ewig sein wird.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3263622768781598349-5610265898128283978?l=callisto24.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://callisto24.blogspot.com/feeds/5610265898128283978/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3263622768781598349&amp;postID=5610265898128283978' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/5610265898128283978'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/5610265898128283978'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://callisto24.blogspot.com/2010/12/planet.html' title='Planet'/><author><name>callisto24</name><uri>http://www.blogger.com/profile/18191488055625225167</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/_Uzq-1PR2gcg/SNaEoxPltqI/AAAAAAAAAAM/7NujjFFZKlk/S220/peacesee.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3263622768781598349.post-7210846590820633541</id><published>2010-11-10T05:36:00.001-08:00</published><updated>2010-11-10T05:45:05.618-08:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='schreiben'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='buch'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bücher'/><title type='text'>Halloween ist vorbei ...</title><content type='html'>... doch das Grauen bleibt. &lt;br /&gt;Denn ich bin zurück und ich bringe Geschenke.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Na gut, ein Geschenk. Und auch nicht für alle. Nein, nur für einen kleinen, ausgewählten Kreis, nämlich für Erwachsene. Sollten Minderjährige hier herein stolpern – Finger weg, sofern ihr eure Gehirnzellen behalten wollt. &lt;br /&gt;&lt;center&gt;&lt;a href="http://www.club-der-sinne.de/gratis-eBooks:_:37.html"&gt;Gratis E-books&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;a target='_blank' title='ImageShack - Image And Video Hosting' href='http://img7.imageshack.us/i/vomniko.jpg/'&gt;&lt;img src='http://img7.imageshack.us/img7/5359/vomniko.jpg' border='0'/&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;/center&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Mit vielem, vielem Dank an meine liebe Verlegerin, die das Pech hatte, lektorieren zu dürfen, und somit auch dafür gesorgt hat, dass nicht mittendrin die Personen grundlos ihre Namen wechseln – was bei mir andauernd und sogar in einer derart kurzen Geschichte vorkommt.&lt;br /&gt;Aber, und was bedeutend wichtiger ist: auf der soeben verlinkten Seite findet sich weihnachtlicher Slash! Nicht verpassen, wie gesagt, ist gratis: &lt;br /&gt;Buon Natale von Inka Loreen Minden&lt;br /&gt;Eine homoerotische Liebesgeschichte von der Meisterin ihres Fachs!&lt;br /&gt;Für alle, denen schon sehr weihnachtlich ums Herz ist. &lt;br /&gt;Und wenn nicht, dann gibt es von derselben Autorin ein weiteres phänomenales Gratis-Ebook: &lt;br /&gt;&lt;a href="http://www.beam-ebooks.de/ebook/10259"&gt;Two Spirit&lt;/a&gt;.&lt;br /&gt;Hat alles, was das Herz begehrt. :)&lt;br /&gt;Und ich kann auch melden, dass es funktioniert, diese Ebook-Sache. In einem riskanten Selbstversuch erstellte ich mir ein Konto bei Beam Ebooks und lud mir die beiden fabelhaften Gratis-Exemplare runter. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zurück zum Thema: Ich musste nichts angeben, keine peinlichen Details, noch nicht einmal riskante Sachen wie Kontonummern, Paypal oder sonstiges. Pseudonym, Passwort – fertig das Konto – bereit zum kostenlosen Lesestoff laden. Wie es mit dem Stoff ist, der Geld kostet, werde ich sofort recherchieren, sobald welches habe. &lt;br /&gt;Ohne Konto und noch einfacher klappt es im Club der Sinne. Rechtsklick und speichern. Wer sich mit Computern auskennt, kann die Sache vielleicht auch online öffnen. &lt;br /&gt;Was mich zurückführt zu meinem verstörend triebhaften Nikolaus. Wenn ich ihn nicht geschrieben hätte, wäre ich empört. &lt;br /&gt;Vielleicht taucht er eines weihnachtlichen Tages &lt;a href="http://www.beam-ebooks.de/suchergebnis.php?Type=&amp;sw=Sigrid+Lenz&amp;x=0&amp;y=0"&gt;&lt;b&gt;hier&lt;/b&gt;&lt;/a&gt; auf, aber vielleicht schämt er sich zu sehr. So ist das eben mit hübschen Männern, die nichts tragen, mit Ausnahme roter Mützen. Man kann ihnen nicht vertrauen. Weshalb ich das hübsche Bild auch nicht vergrößern konnte. Der wollte einfach nicht. Nicht einmal auf Photobucket wagte er sich, der schüchterne Kleine. Aber genug von hübschen Männernm das bleibt ein Drama für sich. Habt ihr gesehen, was mit Milo.V. passiert ist? Bart und Kochmütze? Will er mich umbringen? Von Adrian.P. will ich gar nicht erst sprechen. Zur Ablenkung versuche ich Tim Roth auf mich aufmerksam zu machen, aber er merkt immer, wenn ich ihn anschwindele. Dabei würde ihm dunkle Haar wirklich stehen? Am besten werfe ich mich einfach Locke an den Hals, da verbietet sich das Haarproblem von vornherein. Und er ist so schön diabolisch. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ab hier können Minderjährige wieder mitlesen, denn, wenn alles glattgeht, kommt noch ein Weihnachtsgeschenk, nicht so freizügig, dafür mit ein bisschen Vampiren, wenig Werwolf und viel verbrutzeltem Gänsebraten. Außerdem frage ich mich immer noch, warum die Protagonistin permanent pichelt. Als ob Weihnachten in einem Menschen dieses Bedürfnis auslöste. Ich muss mich schon wieder über mich selbst empören. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das waren die Nachrichten aus dem Leben einer schonungslosen Schreiberin. Mehr, wenn ich noch tiefer gesunken bin. Und ich befinde mich schon am Grund. Zwar würde ich es niemals zugeben, aber mein neues Notebook trägt ein Supernatural-Wallpaper. Dabei mag ich Dean nicht einmal, oder Sam, oder Dean und Sam. Also nicht wirklich, nicht so richtig, nicht absolut … eben gleich gar und überhaupt nicht. (Auch wenn sie nett anzusehen sind – und düstere Raben sie umkreisen. Die Raben mag ich allerdings.) &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;center&gt;&lt;a target='_blank' title='ImageShack - Image And Video Hosting' href='http://img825.imageshack.us/i/kimsweihnacht.jpg/'&gt;&lt;img src='http://img825.imageshack.us/img825/4107/kimsweihnacht.jpg' border='0'/&gt;&lt;/a&gt;&lt;/center&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Uploaded with &lt;a target='_blank' href='http://imageshack.us'&gt;ImageShack.us&lt;/a&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3263622768781598349-7210846590820633541?l=callisto24.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://callisto24.blogspot.com/feeds/7210846590820633541/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3263622768781598349&amp;postID=7210846590820633541' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/7210846590820633541'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/7210846590820633541'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://callisto24.blogspot.com/2010/11/halloween-ist-vorbei.html' title='Halloween ist vorbei ...'/><author><name>callisto24</name><uri>http://www.blogger.com/profile/18191488055625225167</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/_Uzq-1PR2gcg/SNaEoxPltqI/AAAAAAAAAAM/7NujjFFZKlk/S220/peacesee.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3263622768781598349.post-1225579980421851286</id><published>2010-08-04T12:38:00.001-07:00</published><updated>2010-08-04T12:39:04.350-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='buch'/><title type='text'>Leseprobe - Spuren</title><content type='html'>Leseprobe aus 'Spuren'&lt;br /&gt;Sigrid Lenz&lt;br /&gt;AAVAA Verlag 2010&lt;br /&gt;*&lt;br /&gt;Leseprobe &lt;br /&gt;Spuren&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Leon wurde langsamer. Sein Atem ging pfeifend. Er hatte den ersten Weg genommen, der ihn von dem merkwürdigen Gebäude in den Wald führte. Überhaupt bestand, bis auf die Lichtung, in die sich das Haus wohl absichtlich idyllisch schmiegte, die gesamte Umgebung praktisch nur aus Wald. Er drehte sich um und fühlte Erleichterung, dass er das Dach nicht mehr sehen konnte. Nur noch dunkle Wipfel, die breite Schatten über den Weg warfen. Das Licht kam ihm fast rötlich vor, wie Blut, das an den Stellen, die es trotz der alles überschattenden Hindernisse erreichte, leuchtete und er wünschte, er hätte sich die Zeit genommen, auf die Uhr zu sehen. Nicht einmal, wie lange er geschlafen hatte, konnte er sagen. Ob er ein oder zwei oder sogar mehr Tage weggewesen war, blieb ein ebensolches Rätsel wie alles andere. Und er hatte weder Lust noch die Kraft, um ernsthaft nach einer Antwort zu suchen. &lt;br /&gt;Eigentlich reagierte er nur auf Instinkt. Wollte einfach weg, von Ismael, von den Fragen, die unvermeidlich kamen, von dem, was ihm bevorstand und dem, was hinter ihm lag. &lt;br /&gt;Er holte tief Luft und klopfte seine Taschen ab, bemerkte erst jetzt die seltsame Kleidung, die er trug. „Na super“, stieß er hervor, als ihm mitsamt des ungewohnt harten und grellen Stoffes das Krankenhaus wieder einfiel. „Na super“, wiederholte er etwas leiser, als die Gesichter von Schwestern, des Arztes und von zwei Polizisten an ihm vorbeizogen. Alle hatten sie ihn angesehen, als käme er von einem anderen Stern. Nicht nur das, sie hatten ihn betrachtet, als raubte er ihnen absichtlich ihre Lebenszeit. &lt;br /&gt;Durchbohrten ihn mit ihren Blicken, wollten Antworten um jeden Preis und konnten sich nicht mit dem zufrieden geben, was er hervorbrachte. Und keiner von ihnen wusste, wie sehr er sich quälte, um überhaupt etwas hervorzubringen. &lt;br /&gt;Eine Zigarette wäre jetzt wirklich fabelhaft. Aber andererseits war ihm auch immer noch ein wenig übel. Sein Magen verkrampfte sich in regelmäßigen Abständen und er hegte ernsthafte Zweifel, ob ihm das Rauchen wirklich gut täte. Andererseits, was sollte auch passieren? Bestenfalls fiele er um und verendete kläglich. Damit wären sowohl ihm, als auch allen anderen geholfen. Vor allem Angela. Besser und gründlicher konnte sie ihn nicht loswerden. Und dann war da noch Ismael, der sich offenkundig die allergrößte Mühe gab. Leon konnte nicht verstehen warum. Und warum diese merkwürdige Flucht? Warum waren sie nicht schon längst wieder in Ismaels Wohnung, gingen zum Alltag über? Es war einfach absurd. Vielleicht aber auch so eine Kleinstadtgeschichte. Manche Dinge passierten dort eben nicht. Man musste alle Rückstände beseitigen, bevor man in sein Leben zurückkehren konnte. Um nur keinen zu stören. &lt;br /&gt;Leons Knie fühlten sich an wie Pudding. Er ging zwei vorsichtige Schritte zum nächsten Baum und rutschte dann an ihm herunter auf den Boden. Die Erde war steinig und unangenehm hart, aber wenigstens trocken. &lt;br /&gt;Sein Kopf schmerzte, aber wenigstens blendete der Kopfschmerz die anderen Beschwerden aus, an die er noch weniger denken wollte. Im Denken lag überhaupt das größte Problem. Wenn er es abstellen könnte, wenn er einfach nur dasitzen und in das Geäst oder in den Himmel starren könnte, dann wäre es sicher einfacher. &lt;br /&gt;Leon blickte nach oben. Ein dunstiger Schleier zog sich bereits über die Baumwipfel, kündigte den bald hereinbrechenden Abend an. &lt;br /&gt;Vielleicht konnte er hier sitzenbleiben. Vielleicht einfach abwarten, bis die Nacht in verschlang. Mit etwas Glück erfror er oder wilde Tiere zerrissen ihn. &lt;br /&gt;Leon schloss die Augen. Aber soviel Glück hatte er nicht, nie gehabt. Er war wohl insgesamt ziemlich frei von Glück. Oder wie sonst ließe es sich erklären, dass Emil so mir nichts dir nichts auftauchen konnte, dass er ihn überhaupt gefunden hatte. &lt;br /&gt;Was hatte er gesagt: Wir gehören zusammen? &lt;br /&gt;Bittere Galle kroch Leons Speiseröhre hoch. Natürlich, wenn er sich an etwas erinnerte, dann an die verwirrten Äußerungen eines kranken Geistes. Denn krank war Emil mit Sicherheit. Soviel war Leon inzwischen durchaus klar. Ob Emil wirklich das geäußert hatte, woran er sich zu erinnern glaubte, das konnte Leon nicht beschwören. Und er wusste sehr gut, dass er dazu in der Lage sein müsste. Zu irgendeinem überzeugenden Gedanken in der Lage sein müsste. &lt;br /&gt;Aber das war er nicht. Nur diese blitzartig auftauchenden Bilder, die ebenso gut aus seinen Albträumen oder aus einer abartigen Fantasie stammen konnten. Einen Sinn ergab das Ganze auch nicht. Warum sollte Emil so einen Quatsch von sich geben? Und warum sollte er überhaupt hier auftauchen? &lt;br /&gt;Vielleicht war er es auch gar nicht gewesen? Vielleicht hatte Leon sich auch das nur eingebildet. Seine Finger rieben nervöse Kreise gegen die Schläfen und Leon merkte es nicht. Vielleicht hatte ihn irgendein beliebiger, zufällig vorbeikommende Einbrecher niedergeschlagen und Ismael hatte einen mordsmäßigen Schreck bekommen und war deshalb verschwunden? Der Mutigste war er sicher nicht. Eher der Typ, der sich unterbuttern ließ und dem Ärger aus dem Weg ging. So wie er selbst. &lt;br /&gt;Leon atmete langsam aus. &lt;br /&gt;Er wünschte, dass der Druck in seinem Kopf nachließe, aber wusste zugleich, dass dies nicht geschähe. Sein Schädel fühlte sich an, als könne er jeden Augenblick auseinanderplatzen, eine blutige Masse Gehirn auf dem Waldweg verteilen. Leon lächelte fast bei der Vorstellung. Was wohl die braven Leute hier dazu sagten? Was Ismael wohl zu einem solchen Anblick sagte? &lt;br /&gt;Er rieb sich die Stirn. Lauter feine Messerklingen malträtierten ihn, stachen wieder und wieder in sein Gehirn. Fast als bezweckten sie damit, etwas herauszuholen. Als wollten sie ihn aufschneiden und seine Geheimnisse ans Licht befördern. Geheimnisse, die er selbst nicht mehr kannte. &lt;br /&gt;Sein Magen drehte sich um und jetzt war Leon froh, dass dieser leer war. Er würgte ein paar Mal erfolglos und sank dann erschöpft gegen den Stamm zurück. Es wurde immer dunkler. Wenn er ein netter, pflichtbewusster Junge wäre, dann würde er jetzt aufstehen. Vielleicht sich bei Ismael bedanken. Wofür auch immer. In das Bett kriechen und schlafen, bis die ganze leidige Geschichte vergessen war. &lt;br /&gt;Nur, dass er nicht aufstehen konnte. Noch nicht. &lt;br /&gt;Die spitzen Messer stachen tiefer. Sie kratzten an nicht verheilten Narben, bohrten sich in den verschlossenen Klumpen, der in seinem Kopf tanzte, trieben ihn dazu, sich heftiger, wilder zu bewegen, von innen gegen seinen Schädel zu pochen, bis er glaubte, die Knochen knacken zu hören. &lt;br /&gt;Er umfasste seinen Kopf mit beiden Händen und stöhnte. Obwohl der Klumpen sich fest verpackt in einer unzerstörbaren Hülle befand, pulsierte er, vermittelte gelegentliche, überraschende Anzeichen der Kräfte, die in ihm tobten. Einer Bombe gleich lauerte er auf eine Explosion, die niemals kommen dürfte. &lt;br /&gt;Leon wusste nicht, was schlimmer war, die Übelkeit oder der Kopfschmerz. Aber er wusste, dass er beides nicht mehr lange aushielt. Er brauchte einen Ausweg, einen Gedanken, an den er sich halten konnte. &lt;br /&gt;Wie hatte er es damals geschafft? Jeder Nerv in ihm warnte ihn davor, sich in der Zeit zurückzubegeben. Die Zeiten waren vorüber, vorbei, vergessen und unbedeutend. Und doch war es ihm gelungen, seine Kindheit zu überstehen, dieses Jahr zu überstehen. Denn ein Jahr war es doch nur gewesen, ein halbes eigentlich, wenn überhaupt, das er seither erfolgreich aus seinem Gedächtnis verbannte. &lt;br /&gt;Ein lächerliches Jahr, das vielleicht ein wenig schwierig gewesen war. Wenn auch nur geringfügig schwieriger als die anderen. Kein Grund, sich über alle Maßen aufzuregen, kein Grund für Übertreibungen oder dafür zurückzuschrecken, wenn nur eine Windhauch aus jenen vergangenen Zeiten zu ihm unter die Nase wehte. &lt;br /&gt;Davon abgesehen, dass es ohnehin bereits zu spät war. Der Windhauch zog doch längst über ihn hinweg. Besser gesagt, der Sturm hatte ihn erneut umgeworfen. &lt;br /&gt;Leon verschlang seine Arme vor der Brust. Auf einmal war ihm kalt. Zugleich schwitzte er, fühlte die Schweißtropfen von seiner Stirn perlen. &lt;br /&gt;So schwer war es nicht gewesen, konnte es nicht gewesen sein. Umstellungen gehörten immer zu seinem Leben, ebenso wie der Wohnungswechsel. Und auch wenn es sich noch so erbärmlich angefühlt hatte, wie ein fünftes Rad am Wagen in der ohnehin bereits überfüllten Bruchbude einer von Angelas wenigen, weiblichen Bekannten Unterschlupf zu finden, so hatte er zumindest seine Ruhe. Oder konnte sie finden, wenn er sich in den übelriechenden Keller des Hauses zurückzog, dorthin wo er nicht hören musste, wie Angela sich bei irgendjemandem der zufällig Anwesenden ausheulte. Wo er den Blicken der anderen Bewohner entging, die ihm vorwarfen, dass er an dem Scheitern der letzten Chance seiner Mutter auf ein glückliches Leben die Schuld trug. &lt;br /&gt;Dort konnte er sich verstecken und die Übelkeit bekämpfen, das schwelende Feuer in seinem Kopf und seinem Herzen in Schach halten. &lt;br /&gt;Leon presste beide Hände gegen seinen Unterleib. Ein dunkles Feuer, eingeschlossen in heißes Metall, wanderte durch seinen Körper, unantastbar und gefährlich. Der einzige Weg damit umzugehen, bestand darin, es tief genug in sich selbst zu verbannen, so tief, dass er es vergessen konnte. Und früher oder später auch vergaß. &lt;br /&gt;Nur dass es nicht das Einzige blieb, das er vergaß. &lt;br /&gt;Leon atmete zitternd ein und blinzelte. Es war noch dunkler geworden und richtig kalt. Die Jacke war zu dünn, Hose und Hemd erst recht. Und seine Füße fühlten sich bereits an wie Eisklumpen. Und er wusste nicht, ob er nicht aufstehen konnte oder es einfach nicht wollte. &lt;br /&gt;*&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3263622768781598349-1225579980421851286?l=callisto24.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://callisto24.blogspot.com/feeds/1225579980421851286/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3263622768781598349&amp;postID=1225579980421851286' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/1225579980421851286'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/1225579980421851286'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://callisto24.blogspot.com/2010/08/leseprobe-spuren.html' title='Leseprobe - Spuren'/><author><name>callisto24</name><uri>http://www.blogger.com/profile/18191488055625225167</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/_Uzq-1PR2gcg/SNaEoxPltqI/AAAAAAAAAAM/7NujjFFZKlk/S220/peacesee.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3263622768781598349.post-1120203008644863151</id><published>2010-07-16T12:39:00.000-07:00</published><updated>2010-07-16T12:41:29.015-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Slash'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='schreiben'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='buch'/><title type='text'>Der Slash in der Geschichte einer Slasherin</title><content type='html'>Leseprobe aus 'Maja - Geschichte einer Slasherin'&lt;br /&gt;Autor: Sigrid Lenz/callisto24&lt;br /&gt;Copyright: AAVAA Verlag 2010&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;*&lt;br /&gt;„Wir sollen was?“ Finn Cackleford sah seinen Co-Star entgeistert an. Angelo Multobene zuckte nur verständnislos mit den Schultern. Auch ihm kam dieser Vorschlag ausgesprochen merkwürdig vor. &lt;br /&gt;Frances Stumblehead von NERD–TV–Productions rückte seine Brille gerade. Er war nicht umsonst zum Produzentenwunder von Hollywood aufgestiegen. Sein Weitblick und seine Intuition hatten ihm, seiner Ansicht nach, noch weiter geholfen, als seine Fachkenntnisse und seine nicht unbeträchtliche Erbschaft. &lt;br /&gt;Sein Lieblingskind, der Quotenrenner der letzten Jahre, seine Serie ‚Agents on Fire‘, befand sich in erheblicher Gefahr und er, Frances Stumblehead, war es gewohnt zu kämpfen, wenn die Lage eng wurde. &lt;br /&gt;Natürlich war Stumblehead in seinem eigenen Jet gekommen, begleitet von den treuesten seiner Leibwächter, ohne die er keinen Schritt tat. Doch seine Beziehungen hatten ihm wie üblich beigestanden und seine kleine Privatarmee mit noch einigen zusätzlichen Kräften ergänzt. Und so zählten nun die besten Männer der größten, berüchtigten Drei-Buchstaben Organisationen Amerikas zu seinen Schergen, bereit für Anstand, Moral und das gelobte Land der Freiheit im internationalen Einsatz mit den Unsitten, die drohten, aufzuräumen. &lt;br /&gt;Doch als er dem ungläubigen, um nicht zu sagen verständnislosen Blick seines Stars begegnete, rollte Stumblehead genervt mit den Augen. Angelo Multobene, von dem Stumblehead etwas mehr Verständnis, beziehungsweise Intelligenz und Einsicht erwartet hatte, sah nur ähnlich irritiert in die Gegend. Mehr noch, er wich Stumbleheads Blick absichtlich aus, fast als erschiene ihm dessen Vorschlag als abwegig oder an den Haaren herbeigezogen. Dabei müsste er von allen anderen doch am besten verstehen, wie wichtig es war, den guten Ruf der Serie zu erhalten. Vor ‚Agents on Fire‘ war Angelo ein Niemand gewesen, ein unbeschriebenes Blatt, einer der zahllosen Schauspieler, die sich mit Gelegenheitsjobs und zufälligen, unsäglichen Rollen im Werbefernsehen oder auf Verkaufskanälen über Wasser hielten. Mit 45 Jahren war der Zug für ihn eigentlich schon längst abgefahren. Niemand hatte vermutet, dass er es noch zu etwas bringen würde. &lt;br /&gt;Finn Cackleford besaß zumindest schon vor Drehbeginn einen Namen. Seine Karriere war nach dem jugendlichen Höhenflug zwar stetig bergab gegangen, aber zumindest war er kein vollkommen Unbekannter. Ein Umstand, von dem Stumbleheads Show durchaus profitiert hatte. Es kam immer gut in der Presse, von Comeback zu reden, ganz zu schweigen von der Erfahrung, die ein Profi-Schauspieler mitbrachte. Um so mehr verwunderte Stumblehead Cacklefords Reaktion auf seinen Ausbruch. Gut, die Pferde waren eventuell mit Stumblehead ein wenig durchgegangen. Was ein unbeachteter Routine-Empfang mit ein wenig Presse  werden sollte, entwickelte sich zu einem flammenden Plädoyer für die unangreifbaren Urheberrechte der Fernsehschaffenden. Finns Gesicht war während seines Vortrags länger und länger geworden, und wo Stumblehead stehende Ovationen erwartete, reagierte dieser lediglich mit großen Augen, ähnlich dem seelenvollen Blick, der er gewohnt war, in den emotionalsten Szenen der Serie seinen weiblichen Partnerinnen zuzuwerfen, bevor, während oder nachdem er sie vor unbeschreiblichen Gefahren errettet hatte. &lt;br /&gt;Offenbar, und zu Stumbleheads komplettem Unverständnis, schockierte Cackleford die Tatsache nicht im Geringsten, dass wildfremde Leute aus Übersee ihm seine Geschichte und seinen Charakter stahlen, um damit die unbeschreiblichsten und abstoßenden Sachen anzustellen. &lt;br /&gt;Heiß fiel Stumblehead ein, dass Cackleford ursprünglich vom Theater kam, eine Tatsache, die er bisher erfolgreich verdrängt hatte. War Theater doch gleichbedeutend mit Provinz und Misserfolg. Auf der anderen Seite hielten Theater Schauspieler sich manchmal trotz allem für Künstler und beharrten darauf, einen gewissen Freigeist zu vertreten, den sich im heutigen TV-Geschäft niemand erlauben durfte. Schon gar kein Schauspieler. &lt;br /&gt;Doch auch Angelo Multobene, dessen Unterstützung ihm doch eigentlich sicher sein sollte, zeigte seltsame Merkmale akuten Unverständnisses. Gerade auf Stumbleheads Tirade gegen die Verunglimpfung vorbildhafter Charaktere durch Unterstellung sexueller Perversionen, reagierte Angelo mit kritisch schief gelegtem Kopf und verschränkten Armen. &lt;br /&gt;Überhaupt fehlte es, Frances Stumbleheads Ansicht nach, enorm an Applaus. Aber er tröstete sich mit der Vermutung, es liege wohl an der mangelhaften Übersetzung seiner Worte, dass nicht die komplette Anzahl der geladenen Gäste ohne zu zögern alles stehen und liegen ließ, um umgehend loszustürmen und Rache zu suchen. &lt;br /&gt;Nun, eigentlich war es kein Wunder, dass es wieder an ihm lag, den Tag und jedermanns guten Ruf zu retten. Seine Entschlusskraft hatte ihm seinen Ruhm gesichert, und seinen Eingebungen würde er stets folgen, um jeden Preis. &lt;br /&gt;Stumblehead trat vom Podium und winkte seinen Leibwächter, Nummer 1 zu sich. Der Mann rückte den Knopf im Ohr gerade und kam stechenden Blickes näher. Ohne auf eine Frage zu warten, berichtete er über die Erfolge, sprich Misserfolge der deutschen Polizei. Weder ihr, noch dem ansässigen Geheimdienst war es bis jetzt gelungen, die verdächtige Person aufzuspüren und gefangen zu setzten. &lt;br /&gt;Stumblehead lobte sich diesen Enthusiasmus, wenngleich ihm die Neuigkeiten weniger gut gefielen. Nun, was hatte er auch von den deutschen Behörden erwarten können. Wenn man etwas erreichen wollte, musste man heutzutage investieren. In diesem Fall in seine kleine Privatarmee, welche den mit ihm eingeflogenen staatlich subventionierten Agenten hilfreich unter die Arme greifen sollten. &lt;br /&gt;„Hat er das ernst gemeint? Das mit dem ‚tot oder lebendig‘?“, fragte Finn schließlich und lehnte sich zu Angelo hinüber, als er für seine vorherige Frage noch keine Antwort erhalten hatte. Der Dunkelhaarige zuckte nur wieder mit den Achseln. „Was weiß ich“, murmelte er schließlich mit dem Unterton der Verdrossenheit. &lt;br /&gt;Finn raufte sich die Haare. „Ich hab, ehrlich gesagt, nicht vor, Aushängeschild für eine derartige Aktion zu spielen.“ &lt;br /&gt;Angelo kratzte sich an der Nase und blinzelte zu Stumblehead herüber, der sich mittlerweile umringt von schwarzen Anzügen im gewohnten Befehlsmodus befand. „Ich bin nicht sicher, ob wir da wirklich ein Mitspracherecht haben. Ich meine, die Serie läuft gut, und Stumblehead trägt die Verantwortung, beziehungsweise, er liefert die Moneten. Ohne ihn geht wohl nichts.“ &lt;br /&gt;Finn schüttelte den Kopf. „Na großartig. Das hat mir gerade noch gefehlt. Kann es eigentlich sein, dass die Zuschauer noch verrückter werden? Ich dachte wirklich, ich hätte schon alles gesehen. Vor allem nach meiner ersten Filmrolle als blutgieriger Vampir.“ Angelo grinste. „Bleichgeschminkte Fans mit künstlichen Zähnen?“ Finn runzelte die Stirn. „Wenn es das nur gewesen wäre.“ &lt;br /&gt;„Es gibt eine Spur“, dröhnte Stumbleheads Stimme durch den Raum. „Wo sind meine Stars? Ich brauche sie vor Ort. Der Sache muss ein für alle Mal Einhalt geboten werden.“ &lt;br /&gt;„Oh Mann“, stöhnte Finn. „Ich glaube, ich kündige.“ &lt;br /&gt;„Mach das bloß nicht!“ Angelo zog erschrocken die Augenbrauen in die Höhe. „Ich meine, ganz im Ernst… tu das nicht.“ &lt;br /&gt;„Wieso denn nicht?“ Finn sah seinen Kollegen erstaunt an. „Irgendwann wird die Show ohnehin enden müssen. Besser man geht rechtzeitig, bevor sich alle über einen kaputt lachen.“ &lt;br /&gt;Angelo biss sich auf die Unterlippe. „Meinst du wirklich, dass es so sein muss. Und selbst wenn, es wäre doch schade, wenn wir nicht mehr zusammen… zusammen vor der Kamera ständen.“ &lt;br /&gt;Finn blinzelte. Und zum zweiten Mal an diesem Tag war es ihm, als hätte er sich verhört. Konnte es sein, dass er die Untertöne falsch interpretierte? Konnte es sein…? &lt;br /&gt;In diesem Moment fühlte er eine schwere Hand auf seiner Schulter. „Mein Lieblingsstar“, dröhnte Stumblehead. „Los geht es. Wir werden ein Zeichen setzen. Ein für alle Mal klar machen, dass so etwas mit uns nicht funktioniert. Als eine vereinte Front gibt es nichts, dass sich unserer Entschlusskraft entgegen setzen kann.“ &lt;br /&gt;Und er führte Finn aus dem Empfangssaal in die Halle, durch deren weitreichende Glaswände bereits die Kolonne glänzender, deutscher Wägen zu erkennen war, welche die Versammlung an einen anderen Ort bringen sollte. &lt;br /&gt;*&lt;br /&gt;zu finden &lt;br /&gt;&lt;a href="http://www.amazon.de/gp/product/3862540634/sr=1-21/qid=1279303843/ref=olp_product_details?ie=UTF8&amp;me=&amp;qid=1279303843&amp;sr=1-21&amp;seller="&gt;hier&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;oder direkt im &lt;a href="http://www.aavaa.de"&gt;Verlag&lt;/a&gt;.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3263622768781598349-1120203008644863151?l=callisto24.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://callisto24.blogspot.com/feeds/1120203008644863151/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3263622768781598349&amp;postID=1120203008644863151' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/1120203008644863151'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/1120203008644863151'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://callisto24.blogspot.com/2010/07/der-slash-in-der-geschichte-einer.html' title='Der Slash in der Geschichte einer Slasherin'/><author><name>callisto24</name><uri>http://www.blogger.com/profile/18191488055625225167</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/_Uzq-1PR2gcg/SNaEoxPltqI/AAAAAAAAAAM/7NujjFFZKlk/S220/peacesee.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3263622768781598349.post-4061724364794952903</id><published>2010-06-30T02:51:00.000-07:00</published><updated>2010-06-30T02:52:20.032-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Geschichte'/><title type='text'>Hagel</title><content type='html'>Titel: Hagel&lt;br /&gt;Autor: callisto24&lt;br /&gt;* * *&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Winzige, scharfe Eisstücke prasselten nieder. Sie hämmerten schonungslos gegen jede Oberfläche, die wagte, ihnen Widerstand zu bieten. So klein die Körner auch waren, ihre geballte Kraft entfaltete eine zerstörerische Wirkung, der sich die wenigsten Elemente entziehen konnten. &lt;br /&gt;Der Junge saß in seinem Bett und lauschte auf die Geräusche. Sie überkamen ihn in Wellen, schwollen an bis zu einem ohrenbetäubenden Lärm, der ihm Bilder einstürzender Häuser und durchbrochener Dächer suggerierten. Sie dehnten sich so stark in seinem Kopf aus, dass er die Decke über den Kopf zog und die Augen fest zusammenpresste. Er schämte sich, wusste er doch im tiefsten Inneren, dass er für ein solches Verhalten bereits viel zu alt war. Wenn ihn jemand so sähe oder schlimmer noch, die Vorstellung von seiner Feigheit verbreitete, dann sänke er in Grund und Boden. Und das freiwillig und ohne zu zögern. &lt;br /&gt;Doch in diesem Augenblick, in dieser dunklen Nacht zählte nichts anderes, als der Hagel, der das Zimmer, in dem er sich vergeblich versteckte, von allen Seiten angriff. Denn wie ein Angriff fühlte es sich für ihn an. Als kämen Millionen der unbarmherzigen Eisstücke aus dem Himmel herab, um sich gewaltsam ihren Weg zu ihm zu verschaffen. Unablässig trommelten sie gegen die Dächer und Wände, schwächten deren Widerstand und bohrten sich gnadenlos und vor allem unablässig den Zugang, den sie benötigten. &lt;br /&gt;Der Junge lauschte und er glaubte nicht zum ersten Mal, dass das Geräusch schwächer werde. Er hoffte auf Erleichterung, hoffte, dass es sich nur um eines dieser Gewitter, einen durchschnittlichen Sturm handelte, der abklänge und bei Tageslicht vergessen sei. &lt;br /&gt;Er horchte auf die Wellen und bebte, wenn die Wucht der Schläge zunahm, verschränkte seine Arme fester um den schmalen Körper. &lt;br /&gt;Doch auch wenn die grimmige Kraft abnahm, fühlte er keine Erleichterung, verspannte sich nur noch mehr mit der unheilvollen Ahnung, dass es sich doch lediglich um eine Atempause handelte, um einen Moment der Stille, der umso furchterregender erschien mit dem sicheren Wissen, dass er wieder verginge und dem Chaos von neuem Platz einräumte. &lt;br /&gt;Obwohl der Junge wusste, dass die Nacht ihr Ende fände, wusste er doch mit eben solcher Sicherheit auch, dass der Schrecken ihrem Beispiel nicht folgen werde. &lt;br /&gt;Die Angst blieb, die Vorahnung gehörte zu seinem Leben, zu der Dunkelheit, die ihn umschloss. Und auch wenn er vermutete, dass ihn das Unwetter, der Hagel, der doch Auslöser seiner Furcht sein sollte, ihn vor dem anderen, dem wahren Schrecken bewahrte, so war er sich nicht sicher, ob er der einen oder der anderen Alternative den Vorzug geben sollte. &lt;br /&gt;In einer Nacht wie dieser, in der das Haus in der Gewalt der Natur zitterte, hatte er – der Mann – alle Hände voll zu tun. Dass er zu dem Jungen käme, schien unlogisch. Er hatte eine Frau und der Junge hörte sie manchmal weinen. Sie war eine zarte, schwache Frau. Sie weinte viel. Und wenn sie sich fürchtete, dann war der Mann gezwungen, bei ihr zu bleiben. Er musste sie halten und trösten, denn letztlich war es das, was er einst vor Kirche und Welt geschworen hatte. &lt;br /&gt;Der Junge konnte sich beinahe sicher sein, dass die großen Hände des Mannes in einer solchen Nacht beschäftigt waren. Und er wollte nicht darüber nachdenken, womit sie sich beschäftigten, über wessen Haut sie glitten, wessen Beine sie gewaltsam spreizten und wessen Körper sie beschmutzten, bis keine Seife mehr die Schande abwaschen konnte. &lt;br /&gt;Der Junge wusste, dass die Frau wusste. Und er wusste, dass sie insgeheim froh darüber war, wenn ihr die Schande erspart blieb, wenn der Mann sich in einen anderen Raum des Hauses aufmachte, um zu finden, was er suchte. &lt;br /&gt;Und ein Teil von ihm konnte es ihr nicht einmal übel nehmen. Ein Teil von ihm verstand, warum sie wegsah, warum sie stillschweigend akzeptierte. Auch wenn ein anderer Teil von ihm sich gegen das Verstehen aufbäumte, ihr stumm, mit Blicken nur, die Vorwürfe entgegen schleuderte, die er nie wagte, dem Mann gegenüber zu äußern. &lt;br /&gt;Der Junge kauerte sich zusammen. Er fürchtete sich vor dem Hagel. Und er fürchtete sich vor den Schritten, die den ohrenbetäubenden Lärm in seinem Kopf übertönten. &lt;br /&gt;Vielleicht gelang es dem Mann doch. Vielleicht brachte er seine Frau dazu einzuschlafen und stahl sich fort. Wie er es in so vielen Nächten tat. Vielleicht betäubte er sie, vielleicht schlug er sie nieder. Es gab nichts, was der Junge dem Mann nicht zutraute. Er ließ sich nicht aufhalten, gebärdete sich selbst als eine Naturgewalt, der sich niemand zu widersetzten wagte. Es half nicht, sich unter einem Dach zu verstecken. Das Dach erhielt im Laufe der Zeit Risse und Schrammen. Es brach auf und ließ es zu, von innen zerstört zu werden. &lt;br /&gt;Es halb nicht, sich unter einer Decke zu verstecken. Der Mann riss sie einfach fort, warf sie zu Boden, zeigte dem Jungen, dass es keinen Schutz gab. Dass nichts und niemand ihn schützen konnten. Und dass es keinen anderen Weg gab, als den, stumm zu erdulden.&lt;br /&gt;Auf Hoffnung, auf Rettung zu warten, bedeutete die sinnlose Verschwendung kostbarer, letzter Reserven. Bänder, an denen er sich festzuhalten suchte, wenn alles unter ihm zusammenfiel und er nur zusehen konnte, wie er tiefer und tiefer stürzte, auf den Aufprall wartete und zugleich wusste, dass er ihn nie erlebte. Sein Leben war nur ein endloser Fall, der keinen Anfang und kein Ende kannte. Manchmal fiel er schneller, manchmal sank er unerträglich langsam. Und immer wartete er, immer wartete er auf etwas Schlimmeres. Etwas, das er sich nicht auszumalen wagte. &lt;br /&gt;Diese Furcht erstickte ihn, wenn er darauf lauschte, wie die Tür langsam aufgeschoben wurde, wie das Holz über den Boden schabte und wie große Füße sich vergeblich darum bemühten, leise zu bleiben. Es gelang ihnen nie. Ebenso wenig wie es dem Mann gelang, die Geräusche zu unterdrücken, die sich aus seiner Kehle empor quälten. Und ebenso wenig wie es dem Jungen gelang den Schmerz beiseite zu schieben und sich das Wimmern zu verbeißen, das trotz der Hand auf seinem Mund den Weg in die Welt suchte. &lt;br /&gt;Der Junge saß im Bett und bebte und lauschte. Der Hagel hörte nicht auf damit, seine Stärke zu beweisen, seine Ausdauer und seine Kraft. Und der Junge fürchtete sich, obgleich er sich in dieser Nacht nicht fürchten wollte. Doch seine Furcht trug zu viele Gesichter. Er konnte ihr nicht Herr werden, konnte nie über sie triumphieren. Er war schwach und klein. Und schuldig. Der Junge weinte.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3263622768781598349-4061724364794952903?l=callisto24.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://callisto24.blogspot.com/feeds/4061724364794952903/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3263622768781598349&amp;postID=4061724364794952903' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/4061724364794952903'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/4061724364794952903'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://callisto24.blogspot.com/2010/06/hagel.html' title='Hagel'/><author><name>callisto24</name><uri>http://www.blogger.com/profile/18191488055625225167</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/_Uzq-1PR2gcg/SNaEoxPltqI/AAAAAAAAAAM/7NujjFFZKlk/S220/peacesee.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3263622768781598349.post-5689818668291197663</id><published>2010-06-27T06:15:00.001-07:00</published><updated>2010-06-27T06:15:43.756-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Geschichte'/><title type='text'>Bann</title><content type='html'>Titel: Bann&lt;br /&gt;Autor: callisto24&lt;br /&gt;* * *&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Niemand sagte jemals, dass es einfach sei. Niemand käme jemals auf die Idee, eine derart absurde Behauptung aufzustellen. &lt;br /&gt;Manchmal fragte sich Flora, wer daran die Schuld trug, dass Behauptungen wie diese überhaupt im allgemeinen Bewusstsein vorhanden waren. &lt;br /&gt;Das Leben war nie einfach. Es lang nicht in der Natur der Sache. Aber dass es für sie so besonders schwierig sein musste, beinhaltete doch ein Höchstmaß an Ungerechtigkeit. Niemand bestritt das, niemand sollte es jemals wagen, das zu bestreiten. &lt;br /&gt;Sicher, es gab Schlimmeres. Flora war die Letzte, die bestritt, wie viel Elend auf der Welt existierte und in welch einer glücklichen Lage sie selbst sich befand. &lt;br /&gt;Nichtsdestotrotz wagte sie es manchmal auch, an eine ausgleichende Gerechtigkeit zu glauben. So schräg und seltsam die Möglichkeit im Angesicht der unterschiedlichen Gesichter, die der Schrecken trug, erscheinen mochte. &lt;br /&gt;Flora dachte sich dann insgeheim, dass die Auswüchse, mit der die Gesellschaft zu kämpfen hatte, nur ein Gegengewicht boten zu dem überdimensionalen Glück, das eigentlich jeder zu empfinden, die Pflicht hätte. In einem Leben, das keinen Hunger kannte, in dem ärztliche Versorgung dafür sorgte, dass Schmerzen erträglich, Krankheiten behandelbar bleiben sollten, bestand kein Recht zur Klage. Natürlich beklagten sich die Menschen trotzdem, es lag in ihrem Wesen. Und vielleicht, wenn man Gerüchten Glauben schenken wollte, beklagten sie sich sogar mehr als Menschen, die eigentlich jeden Grund zur Beschwerde hätten. &lt;br /&gt;Denn in anderen Teilen der Welt stellte sich das Leben nicht so leicht dar, glich eher einem harten Kampf, körperlicher Arbeit und der täglichen Konfrontation mit Katastrophen. In jedem Fall erheblich miserabler als ihre eigenen Aussichten. Bedachte sie zudem noch die Gefahren, die Krankheiten mit sich zogen, Kriege oder Gewalt durch Waffen und Hass verstärkt. &lt;br /&gt;Was sollte sie demnach anderes denken, als dass die unerträglichen Qualen, die sie selbst gelegentlich heimsuchten nur Konsequenz und ein geringer Preis für den Luxus war, in dem sie schwelgen durfte. &lt;br /&gt;Qualen, von denen sie zudem den Verdacht hegte, dass sie sich ihnen mehr oder weniger freiwillig aussetzte. Es musste doch möglich sein, den Ärger in den Griff zu bekommen. Jeder sagte das, immer wieder. &lt;br /&gt;Nun, jeder hatte das gesagt, bevor einer nach dem anderen die Hoffnung aufgegeben hatte, sich von ihr abwandte und sie letztlich alleine in ihrem Elend weiterschwelgen ließ. &lt;br /&gt;Zugegeben, mit Neurosen zu leben, war schwer genug. Mit jemandem zu leben, der unter Neurosen litt oder sich spaßeshalber damit herum schlug, dürfte noch erheblich schwerer sein. &lt;br /&gt;Das hatte sich Flora mehr als einmal sagen lassen. Nicht unbedingt freiwillig, und nicht, dass es etwas geholfen hatte. Aber die Meinungen darüber, was ihr helfen konnte, gingen doch weit auseinander. &lt;br /&gt;Da gab es die Hilfsangebote. Hilfsangebote halfen natürlich nicht, weil sie die Neurosen zu leicht unterstützten, wenn nicht gar verstärkten. Andererseits halfen sie in dem Moment der Qual außerordentlich. Nichts half mehr, als die Möglichkeit, der Furcht fliehen zu können. Und so nahm Flora auch jedes Angebot und jede Möglichkeit wahr. Selbst in dem Wissen, dadurch noch tiefer in den Abgrund zu rutschen, der sich so düster und neblig vor ihr auftat. &lt;br /&gt;Aussprachen waren unmöglich. Zu unangenehm, zu peinlich, zu persönlich kamen ihr ihre Schwierigkeiten vor, als dass sie in der Lage wäre, darüber sprechen zu können. &lt;br /&gt;Sich den eigenen Weg zu bahnen, auf eingefahrenen Pfaden die Routinen anzugewöhnen und in ihnen die Sicherheit zu gewinnen, die für ihr Überleben notwendig zeigten, stellte sich nicht nur als notwendig sondern auch als alternativlos dar. &lt;br /&gt;Natürlich wusste sie sehr gut, dass die Routine keine war. Dass sich die Situation verschlimmerte, je weiter sie ging, dass sie wie ein Drogensüchtiger tiefer und tiefer rutschte, mehr Stoff brauchte, mehr Wahnsinn, mehr verrückte Angewohnheiten. Verrückt, das sah sie selbst deutlich. Und doch, oder gerade aus diesem Grund konnte sie die Angewohnheiten nicht stoppen, keiner von ihnen Einhalt gebieten. Im Gegenteil, je mehr sie es sich wünschte, desto schwieriger wurde es. Desto unmöglicher dem Drill zu entkommen. &lt;br /&gt;Fing der Zwang als eine leichte, neckische Geste an, so bestand jederzeit die Möglichkeit, dass sie sich in absoluten Wahnsinn umkehrte, in vollkommen verrückte Rituale, Bewegungen oder gar Äußerungen, über die ihr jede Kontrolle abgingen. &lt;br /&gt;Irgendwann entbehrte das Ganze jeden Sinns und sie wusste sehr gut, dass sie selbst sich in das Dilemma hineinmanövriert hatte, dass ihre Schwäche den Weg geebnet hatte für den Kontrollverlust. &lt;br /&gt;Und egal wie sehr sie sich auch vornahm, dieser Schwäche Herr zu werden, das Ziel war von Anfang an unerreichbar. &lt;br /&gt;Es war ihr Wahnsinn und sie musste damit zurechtkommen. Und der Wahnsinn in sich besaß Methode. Eine ganz eigene, die niemand außer ihr verstehen konnte. Und manchmal verstand sie selbst dieselbe auch nicht. &lt;br /&gt;Beinahe komisch, wenn jemand sie darauf ansprach, wenn ihre Mutter, in dem Bestreben, ihr behilflich zu sein, den einen oder anderen Vorschlag unterbreitete, der soweit von allem abwich, was sie sich ausmalte, dass sie eigentlich lachen müsste, wäre alles nicht gar so traurig gewesen. &lt;br /&gt;Oder ein Vorschlag traf so nahe an die Problematik, dass sie fast in Versuchung kam, das Angebot zu akzeptieren. Doch auch, wenn sie es nicht schaffte, wenn sie stark genug war, abzulehnen, der zwanghaften Handlung, die ihr auf dem Silbertablett präsentiert wurde, nach der sie nur die Hand auszustrecken bräuchte, das Nein entgegen zu schleudern, blieb der Gedanke in ihrem Kopf bestehen. Und der Gedanke war es, der zählte. Er war das Übel, um ihn ging es und letztendlich darum, ihn aus dem Kopf zu verbannen. &lt;br /&gt;Oder den Verstand einzusetzen, der versuchte, sie davon zu überzeugen, wie wichtig, geradezu lebenswichtig es sei, ausgerechnet diese Handlung, diese absurde Tat auszuführen. &lt;br /&gt;Der Verstand half nicht, er war die Ursache. Die Gedanken, die im Kopf kreisten und wirbelten, spielten verrückt. Und mit jedem Tag wuchs der Irrsinn an. Mit jedem Mal, an dem sie sich den Gedanken unterwarf, sank sie tiefer in Richtung der Hölle. &lt;br /&gt;Auch wenn der Verstand ihr einzutrichtern versuchte, dass die Hölle sie ereile, sobald sie ihren Gedanken, ihren inneren, absurden Kommandos nicht mehr gehorchte. Die Angst wuchs mit dem Irrsinn. Und die Hölle näherte sich. Längst schwamm sie im Abgrund, näherte sich dem Boden, zappelte wild, während Schlingpflanzen sie umfingen und tiefer zogen. Immer tiefer hinab in das grausige, trübe Wasser. &lt;br /&gt;Flora versuchte zu atmen, doch sie konnte es nicht. Ihre Lungen füllten sich mit Wasser, ihre Glieder wurden schwer mit der Anstrengung, dem nicht enden wollenden, vergeblichen Versuch, sich zu befreien. &lt;br /&gt;Und doch spürte sie selbst, dass der Versuch sich als halbherzig entpuppte. Sie zappelte, aber es lag nicht die Kraft darin, die nötig war, um auch nur dem schwachen Versuch zu entsprechen, der sie tatsächlich befreien könnte. &lt;br /&gt;Vielleicht wollte sie tiefer sinken, sehnte sich danach aufzugeben, Ruhe zu finden, ihren Kopf auf den kühlen Grund des Sees zu betten und einfach abzuwarten, bis alles zu Ende war. &lt;br /&gt;Und doch spürte sie den Funken in sich, der ihr verbot loszulassen, der ihr verbot, die Anstrengung schleifen zu lassen. Es war noch nicht an der Zeit, dem endlosen Schlaf zu begegnen, nicht an der Zeit, das Ruder herumzureißen oder den Fall zu beenden. &lt;br /&gt;Sie sank tiefer und konnte es nicht aufhalten. Ihre Versuche erstarben im schwachen Zucken der Füße und Hände. Doch auch dafür fehlten ihr Kraft und Energie. Oder auch nur der Antrieb. Der letzte Schub, den sie lange genug nicht mehr gefühlt hatte, um zu glauben, dass er längst in ihr zerbröckelt war. &lt;br /&gt;Die Erschöpfung war stärker, stärker als jeder Wunsch, jede Sehnsucht, jedes andere ihrer verkümmerten Gefühle. Der schwache Funke kämpfte dagegen an. Das instinktive Bedürfnis zu überleben, den Schrecken zu überwinden, dem Horror die Stirn zu bieten und die Hoffnung zu nähren mit dem vagen Glauben, als könne die Zukunft eines Tages anders aussehen, erlaubte Flora nicht aufzugeben. &lt;br /&gt;Er blitzte und blinkte gegen die Dunkelheit an, stach sie von innen, stachelte sie an, dem Verlangen nach Luft Nahrung zu geben. &lt;br /&gt;Und nicht zuletzt scheute sie das ungeklärte Rätsel, das mit der letzten Aufgabe verbunden war. Sie fürchtete die unvermeidlichen Folgen, den Schritt in das Nichts. Aber noch viel mehr widerstrebte ihr der Akt an sich, die letzte Mühe, die sie schlichtweg als Zumutung empfand. Warum musste alles so schwer für sie sein? Sie war der Anstrengungen so furchtbar müde. Jede Bewegung schmerzte, vollkommen egal in welche Richtung sie ging. &lt;br /&gt;Sogar das Aufgeben war ihr versagt. Und die Energie, mit ihrem Schicksal zu hadern, fehlte ihr ebenso. &lt;br /&gt;Flora sank tiefer, wurde gezogen und glitt aus freiem Willen. Die Unterschiede verschwammen, so wie ihr Leben vor ihren Augen verschwamm. Sie sah nur noch Grün vor sich, Blätter und Halme, die in der kühlen Flüssigkeit schwebten. Vor ihren Augen verschlangen sie ineinander, bildeten Formen, die ihr bislang unbekannt waren. Farben flossen ineinander. Neuartige Geschöpfe schufen sich selbst aus dem Grün, aus dem Wasser und den schillernden Strömen, die es verfärbten, wie Regenbögen durchfuhren und eine Spur des Lebens zurückließen. Es bewegte sich, strebte nach oben, suchte einen Ausweg. Und Britta konnte nicht anders, als es zu betrachten, mit offenem Mund den Weg zu verfolgen, den es zurücklegte. &lt;br /&gt;Wasser füllte ihre Mundhöhle, ihre Lungen und das Zappeln, die vergeblichen Versuche, sich zu befreien, waren wie ohne ihr Zutun zum Stillstand gekommen. Ruhig trieb sie dahin, ihre Zehen berührten den schlammigen Grund, während ihre Augen den Gestalten folgten, die sich entfalteten, aufleuchteten, bevor sie in die Höhe entschwebten. Perfektion und Fragilität in einem. Filigran genug, dass sie sich sorgte, ob sie den Übertritt in eine andere Welt, in die außerhalb der flüssigen Existenz überstünden. Und doch wunderschön und fesselnd. Flora konnte ihre Augen nicht schließen. Der Schlamm floss um ihre Füße, griff nach ihren Knien und sie spürte den Sog in die Tiefe. Fast dankbar senkte sie den Kopf. Dankbar, dass sie noch einen Blick auf ein Wunder zu werfen vermocht hatte, bevor ihr die Entscheidung abgenommen wurde. Dankbar, dass sie fühlte wie der letzte Tropfen eines einst vorhandenen Selbsterhaltungstriebs im dunklen Grund versickerte. Dankbar für die Kraftlosigkeit, die es ihr erlaubte, die Wellen über sich zusammenschlagen zu sehen, ohne dass sich ein anderes Gefühl in ihr aufbäumte, als das endloser Erleichterung. Kein Zweifel mehr, keine Reue, kein Leid. Flora schloss die Augen und versank. Weicher Schlamm streichelte ihre Haut, drang in ihre Nase, in ihre Ohren, bedeckte ihren Kopf und ihr Haar. Sie streckte ihre Arme aus und begann damit, sich aufzulösen, sich in der Substanz zu verlieren. &lt;br /&gt;Doch in diesem Augenblick berührten warme Fingerspitzen ihre eigenen erkalteten, sandten Schockwellen durch den Körper, der sich lose zusammenzuhalten suchte. &lt;br /&gt;Flora riss ihre Augen auf. Olivfarbener Samt streifte ihre Augäpfel, verbot ihr die Sicht und kitzelte sachte ihre Wimpern. Und dann wurden die Fingerspitzen zu Händen, die ihre Gelenke packten, die sie hochzogen, höher als sie erwartet oder gewünscht hätte. Ihre Haut streifte den Schlamm ab, als sei er nur eine Illusion gewesen, als ihr Körper höher stieg, das Wasser zerteilte, der Luft und dem Licht entgegen strebte. &lt;br /&gt;Und noch während Flora sich sträubte, wuchs in ihr ein zarter Keim heran, der von den Möglichkeiten sprach, die immer noch für sie existierten. Die nie aufgehört hatten zu existieren, die sie lediglich nicht sehen konnte oder wollte. Nicht bis zu diesem Moment, in dem sie jemand ergriff und aus der Dunkelheit hob. Hoch genug erhob, dass die Flüssigkeiten zusammen mit dem mörderischen Gewicht ihren Körper verließen, dass sie die Wirklichkeit sehen konnte, als erblicke sie zum ersten Mal eine Wahrheit, die sie sich bislang geweigert hatte zu erkennen. &lt;br /&gt;Und die Schwere wich von ihr. &lt;br /&gt;Niemand hatte gesagt, dass es einfach sei. Niemand ihr gesagt, in welche Tiefen sie hinabsteigen müsse, um sich selbst in den Abgründen ihrer Seele wiederzufinden. Niemand hatte ihr gesagt, dass sie es lernen würde, damit zu leben, das Gewicht zu tragen und weiter zu tragen, bis zu ihrem Tod und darüber hinaus.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3263622768781598349-5689818668291197663?l=callisto24.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://callisto24.blogspot.com/feeds/5689818668291197663/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3263622768781598349&amp;postID=5689818668291197663' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/5689818668291197663'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/5689818668291197663'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://callisto24.blogspot.com/2010/06/bann.html' title='Bann'/><author><name>callisto24</name><uri>http://www.blogger.com/profile/18191488055625225167</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/_Uzq-1PR2gcg/SNaEoxPltqI/AAAAAAAAAAM/7NujjFFZKlk/S220/peacesee.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3263622768781598349.post-4482848123225835396</id><published>2010-06-27T06:03:00.000-07:00</published><updated>2010-06-27T06:04:03.518-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Geschichte'/><title type='text'>Schuld</title><content type='html'>Titel: Schuld&lt;br /&gt;Autor: callisto24&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;* * * &lt;br /&gt;Er war einfach so verdammt hübsch. Sie konnte nicht anders, als ununterbrochen an ihn zu denken. Nicht weil sie ihn besonders mochte. Himmel, sie kannte ihn ja kaum. Aber seine Augen übten eine derart magnetische Wirkung auf sie aus, dass sie sich immer wieder dabei ertappte, wie sie ihn anstarrte. Es war fatal und ärgerlich. &lt;br /&gt;Sie hatte schließlich einen Freund. Einen guten Freund, einen netten Freund. Auch wenn er manchmal ein wenig unbeherrscht schien. Aber er behielt ja auch jedes Mal Recht, wenn er aus der Haut fuhr. Immerhin war es ihre Schuld. Ihre Schuld, dass sie sich nicht beherrschen konnte und immer wieder zu dem anderen sah. Im Klassenzimmer, wo er in einem solch ungünstigen Winkel schräg vor ihr seinen Platz hatte, dass sie gar nicht anders konnte, als ihn zu betrachten. Oder in der Pause, wenn sie mit ihren Freundinnen an der Seite tuschelte und er sich so unglaublich lässig in eine Ecke drapierte, dass sie überhaupt nicht verstand, wie wenig Aufmerksamkeit die anderen ihm schenkten. &lt;br /&gt;Seine Jeans hingen immer zu tief um die schmalen Hüften. Jedoch nie tief genug, als dass es ordinär wirkte. Sie konnten noch so ausgebeult, noch so alt, ausgewaschen und zerlöchert wirken, an ihm sahen sie besser aus, als jeder maßgeschneiderte Anzug an einem hochbezahlten Supermodel es je könnte. &lt;br /&gt;Er war fast ein wenig zu schlank, ein wenig zu klein, ein bisschen zu blass. Wenigstens wenn sie ihn mit ihrem Freund verglich. &lt;br /&gt;Auch ihre Freundinnen waren sich allesamt einig, dass sie ein Riesenglück mit Simon hatte. Er war groß, breitschultrig und besaß genau die richtige Menge an Muskeln, dass man sich als Frau sicher bei ihm fühlen konnte. Wenn er sich aufrichtete, wirkte er geradezu einschüchternd. Wenigstens auf die meisten, zumindest auf die Gleichaltrigen. &lt;br /&gt;Allerdings nicht auf ihn. Und wenn, dann gelang es Michael, die Einschüchterung durch gewohnte Großspurigkeit zu überspielen. &lt;br /&gt;Überhaupt war es diese Großspurigkeit, die sie ganz besonders an ihm störte. Alina hatte nichts übrig für Angeberei, für Jungen, die sich überall hervortaten und gleichzeitig vorgaben, es sei ihnen alles und jeder egal. &lt;br /&gt;Sie war ziemlich sicher, einen Blick hinter die Fassade zu erhaschen, wenn sie ihn ansah. Vielleicht nur für eine Sekunde, denn sie gestand ihm zu, dass er seine Schutzwälle stets sorgsam errichtet hielt. Nur wer ihn besonders lange und gründlich beobachtete, erhielt eine Chance, die Maske fallen zu sehen. &lt;br /&gt;Wenn dem so war, denn so ganz sicher war Alina sich eigentlich nie. Es mochte durchaus sein, dass sie sich nur einbildete, hinter der ganzen Großspurigkeit etwas anderes wahrzunehmen. Vielleicht war ein Wunsch der Vater des Gedankens, die naive Überzeugung, dass hinter einem derart hübschen Gesicht auch ein sensibler Geist stecken musste. &lt;br /&gt;Und damit war sie bereits wieder bei ihrem Wunschtraum, der Vorstellung von ihm, die jeder Grundlage entbehrte. Und nicht zum ersten Mal fragte sie sich, warum sie überhaupt ihre Zeit und Energie damit verschwendete, über ihn nachzudenken. Zumal sie den besten aller möglichen Freunde doch treu und fürsorglich an ihrer Seite wusste. &lt;br /&gt;Simon tat alles für sie. Er trug sie auf Händen. Und wenn nicht seine gelegentlichen Ausraster wären, an denen tatsächlich sie allein die Schuld trug, dann wäre ihr Leben mit Sicherheit zu perfekt um wahr zu sein. &lt;br /&gt;Es gab Momente und diese häuften sich in der letzten Zeit, während derer sie sich ernsthaft fragte, ob sie noch all ihre Sinne beisammen hatte. Wieso tat sie Simon das an? Er merkte sehr wohl, wohin ihre Augen wanderten. Sie konnte es nicht vermeiden, nicht einmal in seiner Gegenwart. Nicht einmal, wenn sie an seinem Arm durch die Aula schlenderte. &lt;br /&gt;Kaum geriet Michael in ihr Blickfeld, so vernebelten sich alle zuvor noch so klaren Gedanken. Sie lösten sich in Nichts auf und viel zu spät bemerkte sie, wie peinlich offensichtlich ihr Blick an Michaels Gestalt hing. Wie sie sein Haar beobachtete, das sich in die Stirn ringelte. Das im elektrischen Licht des Schulgebäudes dunkel glänzte oder in der Sonne bläulich schimmerte. &lt;br /&gt;Wie sie seinen Gang verfolgte, die leichten O-Beine bemerkte, die in ihrer Unvollkommenheit einfach vollkommen wirkten. &lt;br /&gt;Aber all das bedeutete nichts im Vergleich zu der Wirkung, die seine Augen auf sie ausübten. Groß waren sie, größer als ihre. Größer als eigentlich zu einem Jungen passte. Oder vielleicht wirkten sie auch nur so groß, weil sie dunkelbraun in die Welt sahen. Mit gerade dem Anteil an Hochmut, der durch ein Blinzeln im Schatten der langen, geschwungenen Wimpern verschwand. &lt;br /&gt;Oh ja, sie erkannte den Schutzwall, den er um sich aufbaute, als das, was er war. Reine Selbstverteidigung. &lt;br /&gt;Und hin und wieder schwor sie jeden Eid, dass sich unter der ganzen rauen, ungehobelten Schale ein unendlich kostbarer Kern befand. Anders war es kaum zu erklären, dass er ihn derart sorgsam beschützte. &lt;br /&gt;Manches Mal spitzte dieser zarte Kern, ein zerbrechlicher Anflug von Liebenswürdigkeit, hervor und sie wusste nicht, ob Michael darin versagte, ihn rechtzeitig zurückzustoßen oder ob er sich mit seiner Duldung vor den Augen der Welt zeigte. &lt;br /&gt;So war es vor nicht allzu vielen Tagen geschehen. Als es so plötzlich und unerwartet zu regnen begonnen hatte. Wobei Regen noch viel zu milde ausgedrückt schien für den Wolkenbruch, der sich aus eben noch strahlend blauem Himmel ergoss. &lt;br /&gt;Er musste sie von seinem Fenster aus gesehen haben. Wie sie die plötzlich leer gefegte Straße entlang trabte. Auf dem Rücken ihre mal wieder viel zu schwere Schultasche und dafür ohne die Regenjacke, die sie natürlich just an diesem Tag zuhause gelassen hatte. Das kam von den Zusatzkursen, die sie sich selbstverständlich jedes Jahr wieder verpflichtet fühlte zu belegen. Jeder vernünftige Mensch war bereits seit Stunden zufrieden in sein Wochenende gegangen. Ebenso wie Michael, dem es selbstverständlich nicht einfiele, sich auch nur eine Sekunde länger als unbedingt vorgeschrieben im Schulgebäude herumzudrücken. &lt;br /&gt;Umso erschrockener war Alina, als sie sich blind durch den Vorhang aus Wasser kämpfte, der kein Anfang und kein Ende zu finden schien, und plötzlich auf einen warmen Körper prallte, der wie aus dem Erdboden vor ihr in die Höhe schoss. Zu gleicher Zeit wölbte sich ein dunkles Dach über ihren Kopf und hielt den steten Wasserstrahl, der sie wie einen begossenen Pudel durch die Gassen laufen ließ, überraschend zurück. &lt;br /&gt;Stattdessen vernahm sie nur das dumpfe Prasseln, das sich allzu schnell in einen regelmäßigen Rhythmus verwandelte. Und als sie das Haar, das ihr in der Stirn klebte zurückstrich und die nassen Wimpern endlich ihre Sicht freigaben, da blickte sie ein breites, geradezu selbstzufriedenes Lächeln. &lt;br /&gt;Und konnte nicht anders, als zurückzulächeln. So hochtrabend und amüsiert Michael sich auch gab, Alina bemerkte doch durchaus, dass sein Haar beinahe wie ihres tropfend ins Gesicht hing, dass sein Pullover durchweicht war. Offenkundig hatte er es nicht für notwendig gehalten, nachzudenken, bevor er aus der Tür gestürmt und erst dann darum gekämpft hatte, den Schirm zu öffnen. &lt;br /&gt;Doch Michael wäre nicht Michael, wenn ihn der Regen davon abhielte, sich unendlich dreist und überlegen aufzuspielen. &lt;br /&gt;Alina hatte versucht, sich über ihn zu ärgern, seine Hilfe als unnötig und aufgesetzt herunterzuspielen, aber Tatsache blieb, dass sie ungeheuer froh darüber war, wenigstens dem schlimmsten Ansturm der Wassermassen entronnen zu sein. Wenn auch nicht vollkommen entronnen. Der feine Nebel, der von dem wilden Regen aufstieg, sie trotz des Schirmes an der feuchten Haut und der wie Pech klebenden Kleidung traf, sie im Zusammenspiel mit den unregelmäßigen Windstößen erschauern ließ, drang unvermindert auf sie ein. Und der nasse Stoff, der an ihr haftete, der Rucksack, der sich inzwischen anfühlte, als sammelte sich in ihm ein halber Ozean, trug nicht zu ihrem Wohlbefinden bei. &lt;br /&gt;So fühlte Alina nichts anderes als ein gehöriges Maß an Erleichterung, als Michael ihren Arm nahm, den Schirm schräg genug hielt, dass der sie weitaus besser schützte als ihn selbst und mit raschen, wenn auch nicht zu hastigen Schritten den restlichen Weg nach Hause begleitete. Dass er wie selbstverständlich nach ihrer Schultasche gegriffen und diese geschultert hatte, bemerkte sie erst, als sie die Last wieder spürte. Und auch die Wucht des Regens kam Alina nur zu Bewusstsein, als er sie losließ, so dass sie die letzten Schritte alleine lief. Erst als sich ihre Tür öffnete und nicht ihre Mutter sondern auch Simon ihr erleichtert entgegen kamen, bemerkte sie auch das Auto ihres Freundes in der Einfahrt und fühlte, wie sie eine erneute Woge Dankbarkeit überrollte. Denn ganz sicher hätte sie in diesem Augenblick keinen Vorwürfen oder auch nur Fragen, nicht einmal einem strengen Blick mehr standgehalten. &lt;br /&gt;Dennoch war der Vorfall schneller vergessen als er sich zugetragen hatte und als sie sich am Tag darauf begegneten, reagierten weder Alina noch Michael als könnten sie sich erinnern. &lt;br /&gt;Was sicher auch besser war, da Simon darauf bestand mit ihr händchenhaltend das Sommerfest zu besuchen, während Michael das Mädchen, mit dem er zur Zeit herumhing, im Schlepptau hatte. &lt;br /&gt;Ein weiterer Grund, weshalb Alina heilfroh sein konnte, dass sie in Simon einen guten und aufrichtigen Freund gefunden hatte. Jemanden, dem sie unter allen Umständen vertrauen konnte, der sie niemals hinterginge. Und der sie vor allem auch nie so behandelte, wie Michael mit seinen Freundinnen umsprang. Wenn man sie denn so nennen wollte, denn meistens folgten sie ihm lediglich in einigen Schritten Entfernung, starrten gelangweilt in die Gegend, wenn sie ihn nicht mit einer abfälligen Bemerkung herunterputzen, ihm ein Kommando entgegen schleuderten, auf das er nach Belieben mal mehr und mal weniger reagierte, oder ihn schlichtweg kommentarlos stehen ließen. Selbst das schien ihm jedoch nichts auszumachen und wenn Alina sich nicht ständig dafür genierte, dass sie zumindest in ihrem Kopf beständig Buch über Michaels Vorgehen und seine Reaktionen führte, dann gäbe sie wohl zu, dass Michael seine Freundinnen offensichtlich nicht schlechter behandelte als sie ihn. &lt;br /&gt;Doch natürlich ließen ihr Gerechtigkeitssinn und ihre natürliche Solidarität dem weiblichen Geschlecht gegenüber keinerlei Gedanken in einer entsprechenden Richtung zu. &lt;br /&gt;Nein, es blieb offensichtlich, dass sie mit Simon das große Los gezogen hatte. Dass nur ein Mädchen ohne jedes Selbstbewusstsein, ohne Stolz und Achtung vor sich selbst, mit einem Typ wie Michael herumhängen könnte. &lt;br /&gt;Manchmal äußerte sie ihre Meinung Simon gegenüber, wenn sie ihr gerade zu unangenehm aufstieß. Nicht zuletzt, weil ihr eine kleine Stimme immer wieder einredete, dass Simon froh über jede Art ablehnender Haltung gegenüber Michael sei. Hatte er das nicht oft genug bestätigt. Und doch schien er selbst dann nicht glücklich über ihre Ausführungen, begann sogar unausweichlich wieder mit den haltlosen Vorwürfen, in die er sich so problemlos herein steigerte. Vorwürfe, die immer wieder nur ein Thema enthielten. Oder auch die eine Frage, welche Alina sich doch immer wieder selbst stellte. Warum nur sie ihre Gedanken nicht von Michael losreißen konnte. So weit sie ihn auch umkreisten, letztendlich blieben sie durch einen oder mehrere Drähte mit ihm verbunden. &lt;br /&gt;Klara hieß Michaels derzeitige Bekanntschaft. Alina brache es nicht über sich, das Mädchen als mehr als das zu betrachten. Und als sie aneinander vorbeigingen ohne sich anzusehen, Michael und sie, Alina an der Hand Simons, Michael dicht gefolgt von Klara, da wünschte sie, dass Simon ihren stummen Wunsch verstand und ihre Hand fester drückte. Dass er sie an sich zog und in den Arm nahm. Dass er ihr demonstrierte und auch Michael, dass es keinen Grund dafür gab, unnötige Spekulationen anzustellen. &lt;br /&gt;Und irgendwo wurmte es sie, dass Michael so gar nicht zu reagieren schien, dass er nicht das geringste Interesse an ihr aufwies, dass er so kühl, distanziert und neutral ihr gegenüber blieb, als hätte er ihr nie mit diesem Blick in die Augen gesehen. Mit diesem großen, verwundbaren Blick, der alles beinhaltete. Der von seinem Leid sprach, von seinem Leben, von seiner Vergangenheit. Von all den Gründen, aus denen er der geworden war, als der er nun auftrat. Warum er sich diese harte Schale zugelegt, den forschen Blick aufgesetzt und strikt das misstrauische und vorerst ablehnende Wesen beibehielt, von dem sie doch so gut wusste, dass es nur eine Täuschung war. &lt;br /&gt;Alina schluckte trocken. Sie schüttelte den Kopf über sich selbst. Es war lächerlich, sich diesen Ideen hinzugeben. Ebenso lächerlich wie zu glauben, dass sie jemals auf Simon verzichten wollte. Er war der Mann ihres Lebens, sie liebte ihn über alles und hatte nicht vor, daran jemals etwas zu ändern. Schon gar nicht, weil ihr ein dummer, unreifer und durch und durch verdorbener Charakter einfach nicht aus dem Sinn gehen wollte. Es war einfach eine Frage der Konzentration und der Selbstbeherrschung. &lt;br /&gt;Hübsche Augen waren nicht alles. Nicht für sie. Auf keinen Fall.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3263622768781598349-4482848123225835396?l=callisto24.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://callisto24.blogspot.com/feeds/4482848123225835396/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3263622768781598349&amp;postID=4482848123225835396' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/4482848123225835396'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/4482848123225835396'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://callisto24.blogspot.com/2010/06/schuld.html' title='Schuld'/><author><name>callisto24</name><uri>http://www.blogger.com/profile/18191488055625225167</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/_Uzq-1PR2gcg/SNaEoxPltqI/AAAAAAAAAAM/7NujjFFZKlk/S220/peacesee.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3263622768781598349.post-5861923314633610783</id><published>2010-06-18T04:13:00.001-07:00</published><updated>2010-06-18T04:13:49.306-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Slash'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='buch'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bücher'/><title type='text'>Der kontroverse Enthüllungsroman: Maja - Geschichte einer Slasherin</title><content type='html'>Nein, nicht so eine mit Messern, Blut und Gemetzel, sondern die 'anständige' Variante. Ab heute als ebook erhältlich und demnächst in Amazon und im Buchhandel. (Mein Verleger zwingt mich, das zu sagen.:)) &lt;br /&gt;&lt;center&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://www.beam-ebooks.de/ebook/12089"&gt;&lt;b&gt;Maja - Geschichte einer Slasherin&lt;/b&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://www.beam-ebooks.de/ebook/12089" target="_blank"&gt;&lt;img src="http://i63.photobucket.com/albums/h128/cal_listo24/cover%20und%20photos/Maja.jpg" border="0" alt="Maja - Geschichte einer Slasherin"&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;/center&gt;&lt;br /&gt;Für den unwahrscheinlichen Fall, dass jemand das Buch als Taschenbuch haben möchte, Probeexemplare werden vorabgedruckt und jemand mit Beziehungen, der sozusagen die Autorin kennt, könnte sie günstiger erhalten. ;) Und jetzt schreibe ich weiter an der bahnbrechenden Geschichte, in derem Verlauf ich Adrian Pasdar dazu zwinge, mich ewig zu lieben... oder Milo Ventimiglia ... immer diese Entscheidungen ...&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3263622768781598349-5861923314633610783?l=callisto24.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://callisto24.blogspot.com/feeds/5861923314633610783/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3263622768781598349&amp;postID=5861923314633610783' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/5861923314633610783'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/5861923314633610783'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://callisto24.blogspot.com/2010/06/der-kontroverse-enthullungsroman-maja.html' title='Der kontroverse Enthüllungsroman: Maja - Geschichte einer Slasherin'/><author><name>callisto24</name><uri>http://www.blogger.com/profile/18191488055625225167</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/_Uzq-1PR2gcg/SNaEoxPltqI/AAAAAAAAAAM/7NujjFFZKlk/S220/peacesee.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://i63.photobucket.com/albums/h128/cal_listo24/cover%20und%20photos/th_Maja.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3263622768781598349.post-1925117251627031475</id><published>2010-06-08T13:17:00.000-07:00</published><updated>2010-06-08T13:18:43.512-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='fandom'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='blog'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='TV-Blog'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='TV'/><title type='text'>MTV Movie Awards vs. Boston Legal</title><content type='html'>Die Ereignisse überschlagen sich fraglos. Und ich befinde mich ausnahmsweise direkt am Ball. &lt;br /&gt;Im Klartext: Ich hab mir nicht nur die MTV Awards angesehen, sondern auch Boston Legal und die Hochzeit des Jahres. &lt;br /&gt;Nein, Bella und Edward sind noch nicht vor den Altar getreten, zum Glück. Aber es wird nicht mehr lange dauern. Das Grauen kennt kein Erbarmen. &lt;br /&gt;Aber eins nach dem anderen: &lt;br /&gt;Ja, ich habe eine Entschuldigung. Ich darf mir die MTV Awards ansehen und es sogar zugeben. Immerhin muss man auf dem Laufenden bleiben. &lt;br /&gt;Zwar führte ich immer wieder gerne meinen Sohnemann als Ausrede an, der sich zumindest im akzeptablen Alter befindet, aber das lässt er sich wohl nicht mehr gefallen. Zu meiner Schande gestehe ich, dass die Frucht meiner Lenden so gar nichts von meinem guten Geschmack geerbt hat. Interessiert sich weder für Vampire, noch für Werwölfe und schon gar nicht für Award Shows. Schon gar kein Verständnis bringt er für die zarten Bande auf, die so manche Brüderpaare oder Agentenkollegen verbinden. Aber keine Sorge – ich werde ihn schon noch traumatisieren. &lt;br /&gt;Zum Glück hab ich eine kleine Nichte und sehe es als meine heilige Pflicht an, zu ihrem Wohl auf dem Laufenden zu bleiben und mir Namen wie Taylor Lautner halbwegs vertraut zu machen. Womit ich mich schon einmal für alle Namen entschuldige, die ich in Zukunft falsch schreibe. Ein großer Geist hat einfach keine Zeit, sich um korrekte Orthographie zu kümmern. Und Robert Patterson/Pattinson/Patterwas steht wahrscheinlich auch drüber. &lt;br /&gt;Zurück zu meiner Nichte. Auch wenn sie noch in Windeln steckt, kann es sich doch nur noch um Jahrzehnte handeln bis ich mich der Verantwortung stellen und sie in die Welt der Teenager-Fantasien einführen werde. Unumgänglich, dass ich die aktuelle Szene beobachte und fachgerecht analysiere. &lt;br /&gt;Es hat auch nichts damit zu tun, dass die MTV Awards wirklich komisch sind. Und dass reihenweise hübsche junge Männer als Sexobjekte degradiert werden. Nur eine Frage der Zeit, bis sich die Darstellerjugend freiwillig verslasht und der Frau von heute was fürs Auge bietet. &lt;br /&gt;Nicht dass ich Sandra Bullock im Clinch mit der niedlichen Blonden nicht schätzte, im Gegenteil. Aber ich gebe Robert Pattinson und Taylor eigentlich nicht mehr viel Spielraum. Und vielleicht kommt ihnen Zac Efron zuvor. Oder der, auf den meine Nichte dann abfahren wird. Bestimmt kommt etwas viel Furchtbareres nach, ein Subjekt, das wir uns noch nicht einmal in unseren schlimmsten Albträumen vorzustellen vermögen. &lt;br /&gt;Was waren das für Zeiten, als man sich noch über Harry Potter lustig machen konnte, und nicht wusste, dass um die Ecke betörende Vampire und blaue Aliens lauern. Wie gesagt, das Grauen kennt kein Ende. Und zu den blauen Aliens: WTF.&lt;br /&gt;Zurück zum Thema: &lt;br /&gt;Eröffnet von dem Typ, der in Scrubs von Dr. Cox gefeuert wurde – und das nur weil er seine Hausaufgaben nicht machen wollte - , und der eine treffende Zusammenfassung für Avatar und Twilight, sowie den 3D Schwachsinn pauschal ablieferte, setzte zumindest halbwegs rasch der Wiedererkennungswert ein. Auch wenn ich viele Leute nicht so direkt zuordnen konnte. &lt;br /&gt;Betty White natürlich, niemand kommt an ihr vorbei. Dann tauchte dieser Journalist aus Alias auf, der offensichtlich Bradley Cooper heißt. Übrigens war dieser Journalist auch tatsächlich die einzige Figur in der Serie, die mir so richtig gut gefallen hat. &lt;br /&gt;Einer Serie, die, wenn ich mich recht erinnere, auch eine Kreation Tim Krings sein könnte, was mich umgehend in den weltweiten Ausruf einstimmen lässt: #Fuck Tim Kring. Entschuldigt die Ausdrucksweise, aber der Mann hat mein seelisches Gleichgewicht und mehr auf dem Gewissen. &lt;br /&gt;Ihr wisst schon: Das Heroes-Drama, Nathan … muss ich mehr sagen? Nein, will keiner hören, ich auch nicht. &lt;br /&gt;Gut, dieser Alias-Typ dreht offenbar Filme. Zusammen mit anderen Leuten, die ich nicht kenne. Wenn ich mir das so überlege, dann kann sich meine Nichte offensichtlich nicht besonders auf mich verlassen. Es ist eindeutig an der Zeit, härter an mir zu arbeiten. &lt;br /&gt;Auch wenn es nicht leicht ist, jemand muss sich diese Teenager Filme ja ansehen. Was mich zu der traurigen Tatsache führt, dass ich zwar immer noch keinen der Twilight Filme gesehen habe. Dennoch hält mich das nicht davon ab, zu bezeugen, dass laut der Ausschnitte, die gezeigt wurden, es sich vermutlich nicht unbedingt um filmische Kunstwerke handelt. Wenn ich das mal so sagen darf. Nichtsdestotrotz, ich bin ja auch nicht anspruchsvoll und die Werwölfe machen sowieso diverse kleine Unebenheiten wieder wett. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Allerdings erkannte ich umgehend ein gigantisches Problem. &lt;br /&gt;Als Bella, Edward und Jacob auf die Bühne traten, um ihren Ausschnitt anzukündigen, was musste ich da feststellen: &lt;br /&gt;Jacob ist kleiner als Edward! &lt;br /&gt;Also bitte, was soll denn das? Ich meine, ich hab das Buch gelesen, in welchem Jacob als ungefähr dreimal so groß wie alle anderen beschrieben wird, zehnmal so groß wie Bella und überhaupt. &lt;br /&gt;Und dann das? Wie machen die das? Trägt Jacob im Film hohe Absätze? Wird er ständig von unten gefilmt? &lt;br /&gt;Aber vielleicht achtet auch der Rest der Welt nicht so auf Größe oder Haare. &lt;br /&gt;Was hab ich mich darauf gefreut, Jacob mit langen Haaren zu sehen. Und dann diese Perücke! &lt;br /&gt;Tja, das Leben ist hart. Dafür ist Edward weiß gepudert, was mich wieder von der Idee abbringt, als könne er theoretisch mit Jacob ein hübsches Paar abgeben. Im Ernst – der arme Werwolf, dauernd Puder und Schminke im Mund? Eher nicht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Außerdem hab ich auch gelernt, dass die Welt sich in zwei Lager spaltet: Team Jacob und Team Edward. Und so benutze ich diese Gelegenheit öffentlich bekanntzugeben, dass ich absolut und hundertprozentig zum Team Jacob gehöre. Als ob es jemanden interessierte oder wunderte. Nichtsdestotrotz, Jacob hat sich wenigstens amüsiert. Auch wenn er zu klein ist. Und schmächtig. Und gar nicht der Jacob aus dem Buch. Allerdings nehme ich ihm eher ab, dass er sich mit einem Baby einlässt, prägt, ürgh. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie auch immer, zwei Typen, die ich nicht kenne, offenbarten mir diese Team-Geschichte und knutschten sich dann öffentlich ab. Was mir auch wieder gefiel. Ich hab ja sonst nicht so viel Freude und wie gesagt, bis Jacob und Edward sich abschminken und dann auf der Bühne miteinander fummeln, muss ich mich damit zufrieden geben, was das Publikum bietet. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zumindest ein Schritt in die richtige Richtung. Zusammen mit den zahllosen Scherzen, die davon handeln, dass sich irgendjemand irgendetwas in eine bestimmte Körperöffnung schiebt. MTV hat eben Klasse und weist in die Zukunft. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was mich zu jemandem bringt, den ich tatsächlich auch erkannt habe und immer wieder gerne sehe. Unvergessen, wie er dem verstörten Jim Caviezel vorschlug, über das Schwimmbecken zu wandeln. &lt;br /&gt;Auf jeden Fall hing Will Ferrell an Strapsen über der Bühne, was ziemlich komisch war. Den Kerl neben ihm konnte ich nicht ganz einordnen. War das Mark Wahlberg? Sie gönnten mir keine Nahaufnahme und die Generation, die Marks Anfänge miterlebt hat, also selbstverständlich nicht die Meine, denn die ist viel jünger, sieht auf Entfernung nicht mehr so gut. &lt;br /&gt;Samuel L. Jackson souverän, P.Diddy, Puff Daddy oder wie er momentan auch heißt hervorragend in seinem Unverständnis gegenüber den zwei Typen, die wirklich wussten, was Sache war. Womit ich schon wieder bei Team Jacob bin. &lt;br /&gt;Vielfach bestätigt wurde zwar, dass es sich bei der Veranstaltung um eine Twilight – Show handelte, aber nichtsdestotrotz hatte mein Team arges Nachsehen. &lt;br /&gt;Daran liegt es bestimmt auch, dass Bella und Edward ein wenig genervt wirkten. Und daran, dass sie vermutlich täglich zu irgendwelchen Veranstaltungen geschleppt werden, in deren Verlauf sie strahlen und danken müssen. Und dann neideten sie Jacob sicher, dass ihm die blöden Dankesreden erspart blieben, was wiederum sein breites Grinsen erklärte. &lt;br /&gt;Hin und wieder tauchten auch Leute aus anderen Filmen auf. Der Kleine aus Harry Potter dankte seiner Mutter, was gleichzeitig niedlich und eigenartig ist. Noch eigenartiger allerdings, dass über ihm hängende Action-Helden ihn zusätzlich ärgern mussten. Jetzt kriegt er es nicht nur mit Voldemort zu tun, sondern auch mit der armen, öffentlich gedemütigten Mutter, von der jetzt alle Welt weiß, dass sie alleine am Computer sitzt und ihrem Sohn zusieht, wie er Popcorn-Becher empfängt. &lt;br /&gt;Anderen Eltern erging es auch nicht besser, ihnen wurde für die Zeugung gedankt. Andererseits ist heutzutage nichts mehr selbstverständlich, insofern alles auch irgendwo bedankenswert. &lt;br /&gt;Christine Aguilera beendete ihre Interpretation von Nichts mit einem Blick auf ein blinkendes Herz im Intimbereich. &lt;br /&gt;Was will uns die Künstlerin damit sagen? Und dürfen wir froh sein, dass sie dafür sorgt, dass auch Frauen auf ihre natürliche Rolle als Sexobjekt reduziert werden? Ich denke schon, ansonsten fühlten wir uns wohl überfordert. &lt;br /&gt;Da lob ich mir doch Erscheinungen wie den mir bislang auch unbekannten Rain, welcher den Preis für den besten, schlechten Hintern abräumte. Worauf er sich auf selbigen klopfte. Wofür ich vollstes Verständnis habe, den Preis kapier ich auch nicht. Aber der Typ ist hinreißend, wie eine verwandte Seele aus Little Britain in ähnlichen Fällen anzumerken pflegt. Absolut hinreißend. Extrem attraktiv. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hey – ich darf das sagen. Als neutrale Beobachterin. Und überhaupt. &lt;br /&gt;Soll nur mal jemand versuchen, mir vorzuwerfen, dass ich nach jüngeren Männern umsehe. Der soll bloß kommen. &lt;br /&gt;Ich meine … das hab ich mir doch verdient, oder? Nachdem mich Jack, Nathan und Don schnöde verlassen haben. Und ich auch sonst kein Glück in der Liebe habe. Nicht einmal im Spiel. Obwohl ich als Kind mal eine Vase gewonnen habe. Vermutlich zählt das. &lt;br /&gt;Und so muss eine Frau eben sehen wo sie bleibt. Sind nur noch hübsche, junge Männer zu sehen, dann heißt es eben, in den sauren Apfel beißen. Knallhart. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und wenn die oben genannten Jacks und Dons so gemein zu mir sind, dann bleibt mir doch gar nichts anderes übrig, als mich an Frischfleisch zu orientieren. Also … will sagen an jüngerem Blut … also an neuen Talenten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Ernst, nachdem ich diese Show gesehen habe, fühle ich mich beinahe, als bräuchte ich mich gar nicht mehr für meine Milo-Ventimiglia-Anbetung zu genieren. Der hat wenigstens schon mal Erwachsene gespielt, da bin ich fast sicher. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Definitiv, diese Sendung macht einen alt. Wer zum Henker ist Justin Bieber? Was will er von mir? Und warum sind das alles Kinder? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Andererseits, die Erwachsenen von der Oskar—Golden Globe – Emmy - Bühne locken letztlich auch niemanden mehr hinterm Ofen hervor. Zum einen werden dort praktisch nur die Frauen objektifiziert, zum anderen fehlt die ausreichende Dosis an anzüglichen Witzen, um einen wach zu halten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schließlich glaubte ich irgendwann zwischendurch einen Erwachsenen entdeckt zu haben. &lt;br /&gt;Man kann sagen was man will, aber Tom Cruise hat sich verdammt gut gehalten. Im Ernst, man serviere ihn mir neben Taylor Lautner … &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und dann – was war der Mann für ein Vampir! &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Da stimmte alles: die Kontaktlinsen, die Perücke, die Rüschenhemden. Kein Wunder, dass Edward Komplexe bekommt. &lt;br /&gt;Sicher, Tom musste jeden verklagen, der ihn nach seiner Lestat-Interpretation für schwul hielt, aber irgendwas muss man ja für die Werbung tun. &lt;br /&gt;Im Gegensatz zu ihm wirkten die Damen seines Alters … alt. Mag daran liegen, dass sie durchweg unter dem extremen Untergewicht leiden, das die Profession vorschreibt. Oder daran, dass Frauen insgesamt weniger Spaß und mehr Stress haben. &lt;br /&gt;Außer Paris Hilton natürlich. Warum um alles in der Welt war die dauernd im Bild? Wahrscheinlich hat sie gut gezahlt dafür. &lt;br /&gt;Christoph Waltz war da. In Vertretung Österreichs, der Schauspieler, die so alt sind, wie sie sich fühlen, von Darstellern, die Dankesreden halten können, ohne für ihre Empfängnis zu danken? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie dem auch sei. Ich habe wichtige Dinge gelernt: Dass Jacob tatsächlich erheblich besser aussieht als Edward. Aber dass ihre gemeinsame Verschlafenheit Bella mit Edward einigt. &lt;br /&gt;Dass Award Shows Zeitverschwendung sind und dass ich 3D definitiv verabscheue. Kein Wunder, dass Johnny Depp sich nicht hingetraut hat. Warum konnten Tim Burton und er nicht beim guten alten Kino bleiben? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gelernt habe ich auch, dass offenbar interessante Gruselfilme existieren, die ich vermutlich auch nie zu Gesicht bekommen werde, und die – und ich lehne mich da mal weit aus dem Fenster – vielleicht doch nicht so spannend sind, wie die Vorschau es vermuten lässt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und damit verlasse ich den Teil, von dem ich nichts verstehe und nähere mich dem Teil, von dem ich auch nichts verstehe. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aus dem einfachen Grund, dass ich Boston Legal nicht einmal sporadisch gesehen habe. Erst während der letzten Staffel kam ich auf den Geschmack, eine dieser Heroes-bedingten Verzweiflungstaten, wie das Lesen von Büchern oder die Beschäftigung mit betörenden Vampiren. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir verlassen an diesem Punkt die Kindergruppe und bewegen uns auf ein Publikum zu, dem James Spader noch aus einer Zeit bekannt ist, als er mit Susan Sarandon Diner-Tische zweckentfremdete. &lt;br /&gt;Diese Zeiten sind lange vorbei, aber mit Captain Kirk gibt er auch ein hübsches Paar ab. &lt;br /&gt;Ganz zu schweigen von den anderen, vertrauten Gesichtern. Murphy Brown, John Larroquette. Bin ich die Einzige, die John Larroquette bereits mit schwarzer Mähne und in Harrys wundersamem Strafgericht genossen hat? Oder mit Kirstie Alley während des vergeblichen Versuchs, ein Haus zu erstehen und zu bewohnen? &lt;br /&gt;Aber so ist das Leben. &lt;br /&gt;Niemand weiß mehr, wovon ich spreche. Niemand versteht, warum ich Robert Petterson für un-betörend halte. Bis auf sein Haar. Ich gebe zu, das Haar hat was, vor allem seit ich weiß, dass er es mit Schmutz wäscht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zurück in die Vergangenheit. Alan und Danny heiraten und mir gefällt’s, obwohl sich beide sicher zu sein scheinen, dass sie eingeschworene Heteros sind und ihre Liebe einer anderen Ebene angehört. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Geben wir ihnen ein wenig Zeit. Was mich daran erinnert, dass eine Fortsetzung erwähnt wurde, was selbige zwar wohlweislich ausschließen dürfte, aber trotzdem ein hübscher Gedanke wäre. &lt;br /&gt;Wer möchte nicht wissen, wie es mit Dannys Alzheimer weitergeht. Noch dazu, da ich dank umfangreicher Recherchen festgestellt habe, dass Alan Shore, bevor er in Boston Legal anheuerte, bereits erfolgreicher Anwalt war. &lt;br /&gt;Na gut, ich schaltete zufällig mitten in der Nacht auf Kabel 1 und da lief eine Anwaltserie mit James Spader. In welcher er wirklich Alan Shore hieß. Ganz ehrlich, ich habe genau hingehört. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was steht also einem weiteren Alan-Shore-Ableger im Wege? William Shatner macht’s sicher umsonst. Er sieht aus, als amüsiert er sich phänomenal, egal was er anpackt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch völlig schnuppe. Denn eigentlich wollte ich nur darauf hinaus, dass Boston Legal komplett wiederholt wird. Ab kommende Woche. Und da die beiden Helden zum guten Ende sogar heiraten, und zwar sich gegenseitig – nicht wie gewisse Eppes-Brüder, die aus lauter Verzweiflung irgendwelche dahergelaufenen Frauenzimmer ehelichen müssen, nur damit die Serie harmonisch ausklingt – sollte die Tatsache nicht unerwähnt bleiben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Selbstverständlich tröstet eine Anwaltsserie keineswegs darüber hinweg, dass gleichzeitig das Finale von Supernatural läuft. Und das gerade jetzt, mit meinem festen Entschluss, mir die Winchesters anzugewöhnen. Andererseits wäre mir das ohnehin kaum gelungen. Auch wenn beide wirklich ein hinreißend komisches Talent besitzen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unterm Strich bleibt alles traurig und aussichtslos. Drohungen von einer sogenannten Sommerpause schweben in der Luft. Sommerpause? Wie wollen die Köpfe des Geschehens denn noch mehr Wiederholungen unterbringen? &lt;br /&gt;Ach so nein, keine Wiederholungen. Wir bekommen ja rund um die Uhr Fußball, Stephan Raab und dieses Mädchen serviert. &lt;br /&gt;Ich glaube, das Grauen hatte ich schon erwähnt. Das muss es sein.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3263622768781598349-1925117251627031475?l=callisto24.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://callisto24.blogspot.com/feeds/1925117251627031475/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3263622768781598349&amp;postID=1925117251627031475' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/1925117251627031475'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/1925117251627031475'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://callisto24.blogspot.com/2010/06/mtv-movie-awards-vs-boston-legal.html' title='MTV Movie Awards vs. Boston Legal'/><author><name>callisto24</name><uri>http://www.blogger.com/profile/18191488055625225167</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/_Uzq-1PR2gcg/SNaEoxPltqI/AAAAAAAAAAM/7NujjFFZKlk/S220/peacesee.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3263622768781598349.post-6523672530754522315</id><published>2010-06-05T11:31:00.000-07:00</published><updated>2010-06-05T11:51:16.314-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='schreiben'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bücher'/><title type='text'>Eine Webseite</title><content type='html'>&lt;center&gt;Mit endlosem Dank an &lt;a href="http://www.srmd.de/"&gt;&lt;b&gt;SRMD&lt;/b&gt;&lt;/a&gt;, dem Webdesigner Ihres Vertrauens, präsentiere ich: &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://www.sigridlenz.de"&gt;&lt;b&gt;Eine Webseite&lt;/b&gt;&lt;/a&gt;.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Falls Ihr jemals einen brillianten, einfühlsamen, geduldigen Webdesigner benötigt, dann wendet Euch an den einen und einzigen &lt;br /&gt;&lt;a href="http://www.srmd.de/"&gt;&lt;b&gt;SRMD&lt;/b&gt;&lt;/a&gt;. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Selbst wenn er dem Versuch mich anzulernen einige weiße Strähnen und ein verdächtiges Zucken um die Mundwinkel zu verdanken haben sollte, so hält das einen Profi nie davon ab, charmant, brillant und effizient zu bleiben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Keine Scheu, klickt ihn an.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Natürlich darf  &lt;a href="http://www.srmd.de/"&gt;&lt;b&gt;Chiara Varus&lt;/b&gt;&lt;/a&gt;  auf gar keinen Fall unerwähnt bleiben. Design, Art und Schöpferin der fantastischsten Cover, welche je das Licht der Welt erblickten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich danke euch beiden von ganzem Herzen für die phantastische Arbeit! :)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/center&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3263622768781598349-6523672530754522315?l=callisto24.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://callisto24.blogspot.com/feeds/6523672530754522315/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3263622768781598349&amp;postID=6523672530754522315' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/6523672530754522315'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/6523672530754522315'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://callisto24.blogspot.com/2010/06/eine-webseite.html' title='Eine Webseite'/><author><name>callisto24</name><uri>http://www.blogger.com/profile/18191488055625225167</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/_Uzq-1PR2gcg/SNaEoxPltqI/AAAAAAAAAAM/7NujjFFZKlk/S220/peacesee.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3263622768781598349.post-8497352802705373225</id><published>2010-05-30T14:50:00.001-07:00</published><updated>2010-05-30T14:50:39.195-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='schreiben'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='buch'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bücher'/><title type='text'>Ein Hoch auf die Weiblichkeit</title><content type='html'>&lt;center&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://www.beam-ebooks.de/ebook/11974" target="_blank"&gt;&lt;img src="http://i63.photobucket.com/albums/h128/cal_listo24/cover%20und%20photos/HochaufdieWeiblichkeit.jpg" border="0" alt="Ein Hoch auf die Weiblichkeit"&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://www.beam-ebooks.de/ebook/11974"&gt;&lt;b&gt;Ein Hoch auf die Weiblichkeit&lt;/b&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://www.beam-ebooks.de/suchergebnis.php?Type=&amp;sw=Sigrid+Lenz&amp;x=8&amp;y=10"&gt;&lt;b&gt;Beam ebooks:&lt;/b&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;/center&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3263622768781598349-8497352802705373225?l=callisto24.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://callisto24.blogspot.com/feeds/8497352802705373225/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3263622768781598349&amp;postID=8497352802705373225' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/8497352802705373225'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/8497352802705373225'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://callisto24.blogspot.com/2010/05/ein-hoch-auf-die-weiblichkeit.html' title='Ein Hoch auf die Weiblichkeit'/><author><name>callisto24</name><uri>http://www.blogger.com/profile/18191488055625225167</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/_Uzq-1PR2gcg/SNaEoxPltqI/AAAAAAAAAAM/7NujjFFZKlk/S220/peacesee.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://i63.photobucket.com/albums/h128/cal_listo24/cover%20und%20photos/th_HochaufdieWeiblichkeit.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3263622768781598349.post-3803204021422327277</id><published>2010-05-23T13:29:00.000-07:00</published><updated>2010-05-23T13:30:04.261-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Geschichte'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='schreiben'/><title type='text'>Bann</title><content type='html'>Titel: Weihnachten - Bann&lt;br /&gt;Autor: callisto24&lt;br /&gt;* * *&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weihnachten - Bann&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie liebte Weihnachten. Sie hatte Weihnachten schon immer von ganzem Herzen geliebt. Daran änderte sich auch nichts, als sie älter wurde, der Kindheit entwuchs und mit einer Welt konfrontiert wurde, die von ihr verlangte erwachsen zu sein und Verantwortung zu übernehmen. &lt;br /&gt;Weihnachten behielt sie dennoch in seinem Bann. Und dieser hatte nicht vor, sie aus seinem festen Griff zu entlassen. &lt;br /&gt;Für Inga bedeutete Weihnachten mehr als die drei Feiertage, mehr als der Dezember mit seinen Vorweihnachtsaktionen, mehr als die offizielle oder inoffizielle Weihnachtszeit, die mit den ersten Lebkuchen im Supermarkt begann und sich bis Maria Lichtmess hinzog. &lt;br /&gt;Seit ihre Eltern Inga in einen Betrieb mitgenommen hatten, in dem das ganze Jahr Weihnachten herrschte, und sei es nur, damit die Mitarbeiter während ihrer unermüdlichen Herstellung und Produktion von Weihnachtsschmuck in Stimmung blieben, wusste sie im Grunde ihres Herzens, wo ihre Bestimmung lag. &lt;br /&gt;Sie traute sich allerdings nie getraut, diese Bestimmung auch nur irgendjemandem gegenüber zu offenbaren. Die meisten Menschen, die sie kannte, hatten hauptsächlich verächtliche Blicke und Bemerkungen auf Lager, wenn es um das Drumherum ging, das die Weihnachtszeit mit sich brachte. Von Konsumterror und Geldverschwendung war die Rede. Von erzwungener Fröhlichkeit und gespieltem Familienglück. Von falscher Idylle und verlogener Festtagsstimmung. Ganz zu schweigen von ungesunden Kalorien und Zucker-Bomben, die sich noch Wochen nach den Festtagen negativ auf Körper und Geist auswirkten. &lt;br /&gt;Und so fühlte Inga sich verpflichtet, ihre Vorliebe für sich zu behalten, aus ihrer übermäßigen Liebe zum Weihnachtsfest ein Geheimnis zu machen. &lt;br /&gt;Sie wartete ab, durch litt mehr oder weniger den Rest des Jahres, bis sich die frohen Tage näherten, bis es ihr erlaubt war, ohne schiefe Blicke zu ernten, von Weihnachten zu sprechen, in Vorbereitungen zu schwelgen und schamlos die leuchtenden Dekorationen an Wänden und Fenstern zu bewundern. &lt;br /&gt;Denn soviel gönnte sie sich. Auch wenn in ihrer Umgebung und Familie, das Weihnachtsbrimborium als solches weitgehend abgelehnt wurde. Auch wenn ihre Eltern sich noch heute über das seltsame Geschäft kaputtlachten, in dem merkwürdige, als Elfen verkleidete und mit grünen Filzmützen bewaffnete Menschen auch im Hochsommer so taten, als ließen Festtagsstimmung und Vorfreude ihre Herzen höher schlagen, nahm Inga sich heraus, ihre Freude an dem Fest, wenn es dann wirklich bevorstand, zu zeigen. Selbst wenn sie schiefe Blicke erntete. Selbst wenn sie mit ernsten Worten zur Vernunft gebracht werden sollte. &lt;br /&gt;Es half alles nichts. Inga begann bereits kurz nach Sylvester, sich Gedanken über das nächste Fest zu machen. Gerade, wenn die Erinnerung noch frisch war, schien es ihr umso wichtiger, die gerade stattgefundenen Vorgänge zu analysieren und mögliche Scharten ein für allemal auszubügeln. &lt;br /&gt;Sie führte Listen darüber, inwiefern ihre Gaben Anklang gefunden hatten. Sie beobachtete genau und deutete aufgrund von Kenntnis und Wissen um die beschenkten Personen. Ob jemand überhaupt imstande war, seine Freude zu zeigen, ob er zu schüchtern oder zu zurückhaltend war, wurde ebenso einkalkuliert, wie die Möglichkeit, dass Inga in der Wahl der Geschenke tatsächlich danebengegriffen hatte. &lt;br /&gt;Natürlich spielte auch die Dekoration eine große Rolle. Und Inga sorgte stets dafür, dass nicht nur sie, sondern auch die anderen Mitglieder ihrer Familie oder ihres begrenzten Freundeskreises sich der Jahreszeit gemäß verhielten. Wenn sich jemand von ihnen nicht der Mühe unterzog, eine Lichterkette ins Fenster zu hängen, dann bastelte Inga großzügig einen Stern aus Goldpapier, wenn sie nicht selbst und höchstpersönlich für die Unterbringung der notwendigen Lichterkette sorgte. Weihnachten war schließlich die Zeit des Gebens und es kam nicht von ungefähr, dass Inga das neue Jahr stets ohne einen übriggebliebenen Cent begann. &lt;br /&gt;Auch wenn sie sich noch so sehr vornahm, es in diesem Jahr nicht zu übertreiben, so konnte sie sich doch, wenn die Zeit gekommen war, nicht mehr zurückhalten. Aber die Möglichkeiten waren einfach zu verlockend, und die Dürreperiode zu lang gewesen. Wie schwer fiel es ihr, sich über die nicht geschmückte Zeit hinwegzutrösten, über die Tage, die ohne Kerzenschein, ohne Zimt- und Nelkenduft qualvoll langsam vergingen. &lt;br /&gt;Sonnenschein, grüne Wiesen, blauer Himmel bedeuteten Inga nichts. Sie sehnte sich nach Kälte, nach Schnee, grauen Wolken und ungemütlichem Nieselregen. Nach kühlem Wind, der es notwendig machte, den Kragen hochzuschlagen, der danach schrie, sich an einem Stand auf dem Weihnachtsmarkt zusammenzudrängen und ein dampfendes, duftendes Getränk zu sich zu nehmen. Untermalt von immer wieder denselben Weisen, den altbekannten und vertrauten Melodien, denen es immer wieder gelang, Inges Herz höher schlagen zu lassen, ihre Gedanken mit Freude und Glück zu erfüllen. &lt;br /&gt;Doch noch verlockender als Lebkuchen und Punsch war jeder Funke Goldes, der aufglänzte, der seinen milden Schein in Inges Gemüt warf und es aufstrahlen ließ, bis sie ein automatisches Lächeln fühlte, das sich ohne ihr Zutun auf ihrem Gesicht ausbreitete. &lt;br /&gt;Ob es sich um Glitter, Flimmer, Lametta oder Goldlack handelte, spielte keine Rolle. Ja, sie akzeptierte sogar Silber oder Kupfertöne, denn wichtig waren ihr der Glanz und der Glimmer. Eine spiegelglatte Oberfläche, die Kerzenlicht zurückwarf, vervielfachte und durch den Raum schickte, bis jede Wand mit verhaltenem Zauber erglühte. &lt;br /&gt;Duftendes Tannengrün spielte perfekt in die Mischung, unterstrich und ergänzte den edlen Schimmer des falschen Metalls. Denn es spielte für Inge beileibe keine Rolle, ob der Glanz echt oder getürkt war, woher er stammte oder wie viel er wert war. Ganz im Gegenteil, für Inge war es nichts als der schöne Schein, der zählte. Nichts als der Eindruck, der Gesamteindruck, der mit dem Anblick einer Kombination aus Licht und Schatten, aus Glanz und Dunkelheit entstand. Vanille und Zimt, feine Düfte im Hintergrund spielten ebenso eine Rolle wie leise Musik, knisternde Wärme, die ein Kamin oder auch nur eine einzige brennende Kerze hervorriefen. &lt;br /&gt;Die Stimmung war alles. Die Stimmung bedeutete Weihnachten. Und wenn Weihnachtsstimmung vorherrschte, so war die Welt in Ordnung, ihre Welt. Inge verstand nicht, wie Menschen sich inmitten der schönsten Zeit des Jahres nach Frühling oder gar Sommer sehnen konnten, nach Hitze und Insekten, nach ausgetrocknetem Asphalt und dem Geruch geschmolzenen Gummis auf den Straßen. Der Winter war sauberer, reiner, ehrlicher. Und die Krönung des Winters lag im Lichterfest verborgen, das Glück und Wärme in jedes Herz brachte. &lt;br /&gt;Wenn jemand, ob er aus Inges Familie oder aus ihrem Freundeskreis stammte, nicht so empfand, so legte Inge alles daran, dessen Meinung zu ändern. Und sie bewies ein außerordentliches Durchhaltevermögen in diesen Bemühungen. Ein weitaus größeres, als sie es in jedem anderen Bereich ihres Lebens aufwies. Vielleicht weil es ihr so große Freude bereitete, weitaus mehr Freude als jede andere Tätigkeit oder Bemühung. Vielleicht, weil sie es für die einzige Tätigkeit hielt, die einen wahren Sinn enthielt. Vielleicht weil Inga glaubte, dass die Bewahrung des Weihnachtsfestes der Bewahrung der Liebe gleichkam. Und dass diese gerade in der aktuellen Zeit weitaus nötiger und wichtiger war, als alles andere. Sie war es wert sich für sie einzusetzen, wert sich ein Bein nach dem anderen auszureißen. Denn das tat Inge bereitwillig. Und nicht weniger als das. Manche mochten es Besessenheit nennen, doch Inge hatte im Laufe der Zeit gelernt die allzu deutlichen Spuren des wahren Ausmaßes ihrer Leidenschaft zu verbergen. &lt;br /&gt;Sie wollte beileibe niemanden erschrecken oder irritieren. Schon gar nicht jemanden, den sie insgeheim plante auf ihre Seite zu ziehen und an ihrer haltlosen Begeisterung teilhaben zu lassen. &lt;br /&gt;So wie sie es mit jedem plante, der nicht schon längst von dem Weihnachts-Virus befallen war oder wenigstens so tat, als wäre er befallen. &lt;br /&gt;Denn was ihre Freunde und Verwandten anging – sie alle hatten einen Weg entdeckt, sich vor Inges Nachstellungen in Sicherheit zu bringen. &lt;br /&gt;Kurz gesagt, bemühten sie sich, solange Inge in der Nähe war, ihr zu Willen zu sein, nach jedweder Möglichkeit zumindest. Sie spielten ihr also etwas vor, taten so, als fühlten sie eine ähnlich starke Liebe und Begeisterung für das Weihnachtsfest, wie Inge sie in ihrem Herzen trug und sich bemühte, zu verbreiten. &lt;br /&gt;So konnten sie zumindest halbwegs sicher sein, dass Inge ihre Aufgabe für erfolgreich beendet ansah und sich anderen Ufern zuwandte. Sprich anderen Personen, die sie verfolgte, um deren Vorlieben und Charakterzüge zu erforschen. Natürlich ausschließlich zu dem Sinn und Zweck, um mögliche Schwächen oder auch Zwänge zu ihren Zwecken zu nutzen. Sprich, um den Verfolgten das Weihnachtsfest in ähnlicher Pracht und Verzückung nahezubringen, wie sie selbst es Jahr für Jahr erlebte. &lt;br /&gt;Nichts glich dem Rausch dieses Festes, die Sinne wurden ausnahmslos und von allen Seiten bombardiert, angeheizt und in eine Ekstase geführt, die der nächsten folgte. &lt;br /&gt;Ein endloses Hochgefühl war die Folge und Inge zeigte keinerlei Verständnis dafür, dass sich jemand diesem Hochgefühl entziehen wollte. Der Zweck heiligte die Mittel und wenn sich jemand gegen sein Glück sträubte, so lag es an ihr, diesem auf die Sprünge zu helfen. Sei es mit unlauteren oder vielleicht sogar moralisch nicht vollkommen einwandfreien Mitteln, es spielte keine Rolle. &lt;br /&gt;Und zudem war Inge sich durchaus bewusst, dass sie sich selbst einen engeren Moralkodex auferlegte, als ihn andere Menschen zu befolgen pflegten. Wenn sie Zeit für Zeit gezwungen war, von ihrem rechten Pfad zur Glückseligkeit abzuweichen, so zählte im Endeffekt doch nur der Erfolg, und in diesem speziellen Fall, die Umkehr einer verlorenen Seele. Einen Menschen zum Zauber des Weihnachtsfestes zu führen, sollte jedes Opfer und jede zugegeben geringe Verfehlung wert sein. Davon war Inge stets überzeugt und danach handelte sie. Inge genierte sich nicht, zu Mitteln zu greifen, die auch einmal unterhalb der sprichwörtlichen Gürtellinie lagen. &lt;br /&gt;Und ihr Erfolgsquotient lag bei 100 Prozent. &lt;br /&gt;Sicher, Inge besaß das Gespür und den richtigen Riecher. Neben der allumfassenden Liebe und der dazugehörigen Kenntnis betreffend jeder Kleinigkeit des Weihnachtsfestes und all seiner Verwandten. &lt;br /&gt;Meistens fühlte sie instinktiv und ziemlich rasch, wo der Hebel angesetzt werden konnte. &lt;br /&gt;Beispielsweise im Hinblick auf alleinstehende Frauen, mit denen sie vertrauter wurde und an denen sie eine undefinierte Abscheu gegenüber den Festtagen bemerkte. Es war nicht schwer, die Leere, die sich in deren Leben ausdehnte, und die nur durch Arbeit und trendige Aktivitäten verdeckt wurde, zu erkennen und mit den richtigen Werten zu füllen. &lt;br /&gt;Manches Mal gehörte das Durchbrechen einer mühsamen, über Jahre hinweg praktizierten Diät hinzu. Doch auch diese Herausforderung meisterte Inge mit Leichtigkeit. Unabhängig davon, in welche exotischen Länder die besagten Damen ihre Prestige-Reisen unternahmen, die sie dem veralteten und unangenehm proletenhaften Weihnachtsfest vorzogen, sprich, über die sie besonders gerne im Angesicht eines altmodischen Adventskranzes oder eines Tannengestecks herzogen, Inge schaffte es beeindruckend rasch ein Rezept und somit auch ein Beispielexemplar des passenden, regionalen Gerichtes aus dem Ärmel zu zaubern, das im verhärmten und frustrierten Gesicht der jeweiligen modernen Frau von Heute, zuerst ein Erstaunen und dann ein Aufflackern der Wärme aufwies, die zu lange unterdrückt gewesen war. &lt;br /&gt;Das Weihnachtswunder fand weltweit statt. In jeder Hütte und in jedem Palast ließen sich die Anzeichen entdecken. Und Inge ging gerne auf Entdeckungstour. &lt;br /&gt;Und ebenso gerne beobachtete sie, wie die Fassade eines mit beiden Beinen fest in der Realität verankerten Menschen bröckelte, wenn er zu erkennen begann, dass es mehr gab, als das Offensichtliche. Dass alles zusammenhing, jedes Lebewesen mit dem anderen verbunden war. Auch wenn sich das erst zeigte, sobald ein Weihnachtsrezept seinen Weg über Ozeane zurückgelegt hatte und jemanden daran erinnerte, dass Weihnachten mehr war als Konsum. &lt;br /&gt;Wurde dann erst ein Bissen genossen, stellten sich positive Gefühle ein, so war der Sieg bereits errungen. Es reichte oft aus, nur einen einzigen der Sinne zu erreichen, zu betäuben, um das gesamte Ziel offensichtlich zu machen. &lt;br /&gt;Männer stellten im Großen und Ganzen eine geringere Herausforderung dar. Selbst die überzeugten Weihnachtshasser trugen ihre Schwächen vor sich her. Ob diese in der richtigen Menge eingeflößtem Alkohol bestanden oder in einem Blick auf ein neuartig blitzendes, hochentwickeltes, technologisch vollkommen unnötiges Spielzeug, spielte den Erfolg betreffend keine Rolle. &lt;br /&gt;Manche benötigten nur ein winziges Stupsen, um sich daran zu erinnern, was ihrem Leben fehlte. Ob es denn die Zusammengehörigkeit in der Familie, reine Mutterliebe, die notwendige Achtung einer Vaterfigur war, all diese Punkte ließen sich am Weihnachtsabend in einer harmonischen Atmosphäre wiedererwecken oder zum ersten Mal entdecken und fühlen. Um demjenigen Tränen der Rührung in die Augen zu treiben, musste es nicht einmal heiliger Abend sein. Inge hatte ihre Kunst soweit verfeinert, dass sie in der Lage war, die gesamte Vorweihnachtszeit mit Momenten, Augenblicken und Stunden zu füllen, die der Harmonie und dem Frieden untereinander gewidmet waren und auf jeden, der daran teilhatte, unvergesslich magisch wirkte. &lt;br /&gt;Sie konnte die Hektik des Alltags vergessen lassen. Sie konnte eine Insel schaffen in der Zeit, die notwendige Ruhe, die andere Menschen gerade in der Weihnachtszeit außer Acht ließen. &lt;br /&gt;Was bedeutete eine unterbrochene Diät, ein exzessiv genossenes Festmahl oder das rapide Einschmelzen des Betrags, der auf dem Konto ruhte, im Hinblick auf diesen Erfolg? &lt;br /&gt;Nichts, jedenfalls nichts für Inge. &lt;br /&gt;Sie trug die Fackel weiter, verkündete die Botschaft, die verkündet werden musste. &lt;br /&gt;Und das ohne Rücksicht auf Verluste. &lt;br /&gt;Wie froh war sie schließlich, als sich all ihre Mühe bezahlt machte. Wie froh war sie, als sich einige der besonders schwarzen Schafe, die zu überzeugen sie ganz besondere Mühe gekostet hatte, zusammenrotteten und sie aus überschäumender Dankbarkeit heraus zu einem weihnachtlichen Festmahl einluden. &lt;br /&gt;Inge hatte Tränen in den Augen. Es sollte die Krönung ihrer Bemühungen werden. Wie oft hatte Inge davon geträumt, dass es ihr gelänge, nicht nur einzelne Abtrünnige zu bekehren, sondern dass diese Bekehrten sich auch noch zusammenschlossen und die Botschaft weiter in die Welt trugen. &lt;br /&gt;Mitglieder ihrer Familie waren ebenso anwesend, wie erst kürzlich, in den letzten Jahren überzeugte Freunde und Bekannte. Und sie alle versprachen, diesen Heiligabend ihr zu Ehren auszurichten. Noch nie zuvor war Inge so glücklich gewesen. &lt;br /&gt;Sie schwelgte in Träumen und Vorstellungen, wohnte den Vorbereitungen bei, wann immer sie durfte, beobachtete das Entzünden von Kerzen, das Ausrollen von Teig und das Aufstellen feiner Porzellanengel. Sie half beim Tragen duftender Tannenzweigen und dem Herbeischaffen genau aufeinander abgestimmten Geschirrs. &lt;br /&gt;Lachende Gesichter, wohin sie auch sah. Augen und Münder strahlten in reinster Vorfreude und als das Glöckchen ertönte, das sie in das Wohnzimmer rief, glaubte Inge vor Glück zu platzen. &lt;br /&gt;Der Baum war kostbar geschmückt, die Weihnachtsmusik erklang sanft im Hintergrund und der feine Duft nach Braten und Kartoffeln drang aus der Küche und umschmeichelte die Nase. &lt;br /&gt;Ein Sektkorken knallte und Inge konnte nicht anders, als begeistert in die Hände zu klatschen, als die sorgfältig auf einem Tablett aufgereihten Gläser Stück für Stück gefüllt wurden. &lt;br /&gt;Feierlich reichte man ihr eines davon. Feierlich wurde angestoßen und gute Wünsche geäußert. Alle warteten darauf, dass Inge als Erste einen Schluck nahm, sollte es doch ihr Ehrentag sein. &lt;br /&gt;Sie nahm dankbar einen tiefen Zug, fühlte das perlende Getränk auf ihrer Zunge, schluckte hastig und wartete auf das angenehme Kribbeln, den leichten Schwindel, der diesem Abend den allerletzten Schliff verleihen sollte. &lt;br /&gt;Nur dass dieser sich nicht einstellte. Obwohl sie wusste, welch großen Teil an den im ersten Augenblick durch den Genuss von Alkohol ausgelösten Emotionen die eigene Fantasie behielt, irritierte Inge doch vor allem der leicht bittere und ihr unbekannt erscheinende Nachgeschmack. &lt;br /&gt;Sicher, sie trank Alkohol wirklich nur zu besonderen Gelegenheiten und nur zu Festtagen. Und doch war sie sich fast sicher, einen Beigeschmack wie diesen noch nie zuvor erfahren zu haben. &lt;br /&gt;Inge zog die Nase kraus und sah sich um. Überall lachten ihr erwartungsvolle Gesichter entgegen. Breit grinsende Münder und leuchtende Augen bedeuteten ihr, das Glas zu leeren und obwohl Inge auffiel, dass sie die Einzige war, die an ihrem Sekt wirklich nippte, erfüllte sie den Wunsch gehorsam. &lt;br /&gt;Die anderen sahen sie fröhlich an und nickten erst ihr und dann sich untereinander zu, bevor sie ihre Gläser fast auf ein Kommando hin, abstellten und sich Inge zuwandten. Die stellte zu ihrem Erschrecken fest, dass ihr eigenes Glas unendlich langsam aus ihrer Hand rutschte. Sie wollte den Mund öffnen, wollte einen warnenden Laut ausstoßen, doch auf einmal wich die Welt von ihr. Es war, als senkte sich ein Schleier zwischen sie und die anderen im Raum. Und dann fühlte sie wie aus großer Entfernung, dass sie stürzte. Inge stürzte und fiel. Die Welt begann sich um sie herum zu drehen, lachende Gesichter umkreisten ihren fallenden Körper. Hände streckten sich aus, jedoch nicht um sie zu halten, sondern um sie tiefer herab zu zerren in ein Dunkel, das sie instinktiv fürchtete. &lt;br /&gt;Doch als sie aufschlug war das Dunkel alles andere als bedrückend. Das Dunkel beinhaltete in sich ein Licht. Und als Inge wieder zu sich kam, als sie blinzelte und versuchte aus dem, was sie umgab einen Sinn zu erschaffen, da vermehrten sich die Lichter. Da begann es um sie herum zu glitzern und zu funkeln. Und wohin sie auch sah, sie erkannte Gold und Silber, Schmuck und Leuchten, eingebettet in dunkles Rot und in sanftes Grün. Sie erkannte einen Weihnachtstraum. Eine Welt, in der sich glänzende Kugeln stapelten, in der Lametta flirrte und tausend Funken versprühte. Eine Welt, in der kristallene Schneeflocken wirbelten und in der, nachdem Inga wieder zu Atem kam, kleine Menschen mit grünen Filzmützen geschäftig an ihr vorbeihuschten. &lt;br /&gt;„Was ist hier los?“, flüsterte sie und versuchte sich aufzurichten, als eines der Wesen stehen blieb und sie freundlich anlächelte. „Du bist angekommen“, sagte es. „Wir arbeiten das ganze Jahr auf das Fest hin. Und sei dir gewiss, dass wir eine helfende Hand besser als alles andere brauchen können.“ &lt;br /&gt;„Das Weihnachtsgeschäft“, seufzte Inge glücklich. „Habe ich es endlich gefunden? Und das nach all den Jahren.“ &lt;br /&gt;Der grünbemützte Elf lächelte. &lt;br /&gt;„Und bei euch ist auch im Sommer Weihnachten?“ &lt;br /&gt;„Immer“, bestätigte der Elf ihr. „Keine Sorge. Von jetzt an musst du nie wieder ohne die Dinge sein, die dir so viel bedeuten.“ &lt;br /&gt;Und so war es auch. Inge hatte ihre Bestimmung gefunden. Ob in dieser oder einer anderen Welt, darüber mochte sie nicht nachdenken. Darüber musste sie auch nicht nachdenken. Es war vollbracht.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3263622768781598349-3803204021422327277?l=callisto24.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://callisto24.blogspot.com/feeds/3803204021422327277/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3263622768781598349&amp;postID=3803204021422327277' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/3803204021422327277'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/3803204021422327277'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://callisto24.blogspot.com/2010/05/bann.html' title='Bann'/><author><name>callisto24</name><uri>http://www.blogger.com/profile/18191488055625225167</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/_Uzq-1PR2gcg/SNaEoxPltqI/AAAAAAAAAAM/7NujjFFZKlk/S220/peacesee.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3263622768781598349.post-621690201184061992</id><published>2010-05-23T04:01:00.000-07:00</published><updated>2010-05-23T04:02:25.843-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='schreiben'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bücher'/><title type='text'>Was Sie noch niemals über Slasherinnen wissen wollten ...</title><content type='html'>Was Sie noch niemals über Slasherinnen wissen wollten und auch jetzt nicht zu fragen wagen&lt;br /&gt;Aus dem schonungslosen Offenbarungsbericht 'Maja - Geschichte einer Slasherin' die erste und absolut authentische Leseprobe: &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Achtung - unsterbliches Werk - ich hab doch deutlich gewarnt - copyright: aavaa verlag (aber ich bin mir ziemlich sicher, Auszüge posten zu dürfen ... und wenn nicht - verklagt mich doch ...) &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;*&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Diese Beleidigung meiner Lieblings-TV-Serie konnte ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen und holte bereits Luft zum Gegenschlag, als sich Xavers Stirn auf einmal in Falten verzog. Sein Gesicht nahm den Ausdruck an, den ich nur aus Momenten kannte, in denen er über seinen Textaufgaben brütete. &lt;br /&gt;„Also“, sagte er langsam und betont. „Du hast nicht nur Menschen aus fremden Ländern gesehen, sondern auch noch geheimnisvolle Sicherheitskräfte. Und du fürchtest, sie könnten etwas mit dir zu tun haben.“ &lt;br /&gt;„Es tut mir leid“, murmelte ich kleinlaut. &lt;br /&gt;„Das sollte es auch. „Sein strafender Blick traf mich erbarmungslos. “Entweder dreht deine Phantasie völlig mit dir durch und du siehst Gespenster…“ Er stockte. „Mehr Gespenster als gewöhnlich.“ Eine seiner Augenbrauen wanderte in die Höhe. „Oder finstere Mächte suchen dich heim, um Rache zu nehmen für deine Internet-Untaten.“ &lt;br /&gt;Ich schluckte, doch wehrte ich mich. „Das sind keine Untaten. Das ist Befreiung und… und Befreiung eben…“ &lt;br /&gt;„Wehe, wenn sie losgelassen…“, stöhnte Xaver wieder. „Ehrlich. Ich hab keine Ahnung, was du meinst, aber offensichtlich musst du schleunigst damit aufhören.“ Hoffnung flackerte in seinem Blick. „Und etwas Vernünftiges tun. Etwas Sinnvolles. Etwas, das ich auch in der Schule erzählen kann.“ Er schob die Unterlippe vor, und ein hysterisches Kichern brach sich aus mir Bahn. &lt;br /&gt;„Es tut mir leid“, wiederholte ich und knuffte ihn in die Seite. „Ich reiß mich zusammen.“ Ich überlegte. „Das bedeutet, ich werde erst einmal darüber schreiben.“ Erleichtert atmete ich auf, froh eine momentane Lösung entdeckt zu haben. &lt;br /&gt;„Na doll“, grummelte der Junge in sich hinein und wühlte in seiner Schultasche. Doch kaum hatte er seinen Gameboy in den Fingern, ließ ihn ein Aufschrei seiner Mutter zusammenzucken. &lt;br /&gt;„Verdammt.“ Der Bildschirm flackerte, doch das war nicht die Ursache meines Unmutes. Obwohl mein Sorgenkind, der Computer sich wie üblich mühsam und lautstark aus seinem Schönheitsschlaf aufrappelte, sich stotternd einige Momente weigerte und zierte, so ließ er sich doch eigentlich rasch und problemlos hochfahren und ermöglichte mir den Zugang zu der Welt, die mein ein und alles war. Doch mein Fluch hatte einen Grund und der lag nicht nur in der überquellenden Mailbox. &lt;br /&gt;Ein schlechtes Zeichen, fürwahr. Ließ ich doch die zahlreichen Kommentare zu meinen Werken nicht mehr direkt in meinen Briefkasten senden, sondern bemühte mich, die Korrespondenzen auf ein Mindestmaß zu beschränken. Ein Zugeständnis, das dem kreativen Genius erlaubt werden sollte. Ein Zugeständnis, das vielleicht mein Ego weniger streichelte, da ich weniger Feedback, weniger Lob und Ermunterung seitens abhängiger Leser erhielt. Aber das Opfer war eine Notwendigkeit, hemmte doch jede Zeitverschwendung den Fluss des Schaffens. Ergo war es kein Wunder, dass ich beim ungewohnten Anblick der Anzahl von Nachrichten erschrak. Noch weniger verwunderlich war es, dass ich in regelrechte Panik geriet, als sich mir die Absender jener Nachrichten offenbarten. Das Unheil ließ sich zwar nicht auf eine Person zurückführen, jedoch auf die Bewegung, deren Wort- und Rädelsführer diese Person war. Wie um alles in der Welt war sie an meine E-Mail Adresse geraten? Womit in aller Welt hatte ich das verdient. &lt;br /&gt;Schon seit geraumer Zeit machte sie mir das Leben schwer, verwässerten ihre penibel ausgedrückten, vernichtend konservativen Kommentare meinen Lesern den Kunstgenuss. Schon seit geraumer Zeit kämpften meine Online Anhänger auf virtuellem Grunde gegen die giftigen Säuren, die sich den Weg durch ihren Netzanschluss in die unschuldige Gemeinschaft der Freunde romantischer Literatur bahnten. &lt;br /&gt;Natürlich war es eben diese Romantik, die dieser Dame ein Dorn im Auge war. Diese Romantik, die ihrem verknöcherten Gemüt den Brechreiz entlockte, dem sie verbalen Ausdruck verlieh. &lt;br /&gt;Doris van Karnten, extremistisches Fangirl der Jahrtausendserie ‚Agents on Fire‘. Sie leitete nicht nur einen Fanclub, sondern gleich mehrere. Sie organisierte Foren, Conventions, Petitionen und Aktionen verschiedenster Färbungen und Ziele. Sie betrieb einen Fanshop, produzierte Briefpapier, Ansichtskarten, Wallpaper und Banner mit den Helden des kleinen Bildschirms. &lt;br /&gt;Mit meinem Helden, dem blonden Star der Serie: Finn Cackleford. Ich will nicht behaupten, dass ich ihn mehr liebte, als sie es tat. Ich will auch nicht behaupten, dass ich das einzig wahre Recht auf die Auffassung des Charakters besaß, den er so gekonnt und genial verkörperte. Ich behaupte allerdings, dass mir das Recht zusteht, meine Auffassung der Dinge zu veröffentlichen, gleichgesinnten Seelen so die Möglichkeit zu verschaffen, ein Forum für ihre einsamen Fantasien zu entdecken, sich nicht alleine zu fühlen mit dem, was sich im tiefsten Inneren ihrer Seele, in den verbotenen, verschlossenen Kerkern versteckte. &lt;br /&gt;War es denn falsch zu träumen? War es falsch von Romantik zu träumen in einer Welt, die so vollkommen frei von Romantik ist? Und diese Welt war frei von Romantik. Es war die harte Welt der Geheimdienste. Eine knallharte Welt, dominiert von Gewalt und Hass. War es nicht umso entzückender, ausgerechnet in dieser Welt die zarte Pflanze der Liebe erblühen zu lassen, zwei Seelen zu vereinen, die so verschieden, so weit voneinander entfernt und doch so nah waren. &lt;br /&gt;Natürlich, sie waren beide Kollegen, meine Agenten. Ein Job, eine Berufung, ein Ideal. Und sie beide waren Männer. Zwei Männer, die sich liebten. &lt;br /&gt;Natürlich nicht in der Serie. Nicht auszudenken in einer amerikanischen Mainstream Produktion. Nicht auszudenken, eine Idee wie diese der texanischen Landbevölkerung zuzumuten. &lt;br /&gt;Aber hier, im freien Europa, in einem freien Land, in der freien Phantasiewelt einer Frau? Nein, nicht einer Frau alleine. Tausende teilten meine Vision. Tausende sahen in dem wöchentlichen Geplänkel, den Macho-artigen Streitereien unter tapferen Kriegern gegen das Böse, nur ein Vorspiel für etwas Größeres, etwas Wahrhaftiges, für die echte Liebe, wie sie es nur zwischen zwei gleichgestellten Kerlen geben kann. Kämpfend um Dominanz, kämpfend um die Macht, kämpfend für ein abstraktes Ziel, das sensible Gemüter kaum interessierte. Der Kampf dagegen, erschwert durch persönliche Schicksalsschläge, Dramen und Seelenqualen – er konnte nur zu einer Lösung, zu einem Höhepunkt führen. Zu der absoluten Hingabe an den einzigen Menschen, der Halt und Stütze gewährleisten konnte. Und in Finn Cacklefords Welt, besser gesagt, in der seines Charakters, konnte es das Ersehnte nur in einem Menschen geben. In dem großen, dunkel gelockten Angelo Multobene, seinen Partner, seinen Mitstreiter, seiner Deckung. &lt;br /&gt;Und in den Gefilden der Slash-Literatur, seines Geliebten. &lt;br /&gt;Heimlich lasen sie es; heimliche Leidenschaften flammten auf bei der Vorstellung der beiden ach so männlichen Figuren, im immerwährenden Clinch. Ungebrochen seelisch und körperlich verstrickt in immerwährender Umschlingung der heißen Leiber, vereint in dem ewigen Tanz, suchend nach Ekstase, verlangend nach Erfüllung, wissend um die Unmöglichkeit ihres Begehrens. &lt;br /&gt;Slash macht frei. Der Slash verschönert den grauen Alltag, Slash hält Existenzen wie die meine am Leben. Slash vertreibt die Langeweile und die Enttäuschung. Er öffnet Pforten, enthüllt Geheimnisse, erlaubt Entdeckungen. Der Slash ist die Krone der Fanliteratur. &lt;br /&gt;Doch dann gab es sie. Menschen, anonyme Gesichter, die es nicht ertragen konnten, wenn ihre Helden anders handelten, anders liebten, als es in ihrer verklemmten Gemütswelt möglich sein durfte. Selbst wenn es nur in der Phantasie einer einzelnen Person geschah. Und all diese gesichtslosen Menschen kumulierten in einer Figur, Doris van Karnten. Doris, weizenblond gefärbt, hager von Gestalt, besessen von der Reinheit des heldenhaften Agenten. Besessen von der selbstgewählten Aufgabe, die Beschmutzer jener Reinheit bloßzustellen, sich an ihnen zu rächen, sie zu vernichten. &lt;br /&gt;Und vor allen anderen, die die Welt anders sahen als sie selbst, hatte sie mich auf ihrem Kieker. Vielleicht, weil ich deutsch schrieb und sie daher wohl eher zufällig auf meine beleidigenden Geschichten gestoßen war. Vielleicht, weil ich die Einzige war, die es wagte, auch in unserer so kalten, harten Muttersprache die Charaktere der Serie auszuleihen, um sie unmenschlichen Torturen zu unterziehen. Vielleicht auch nur, weil ich es war, weil ich für sie erreichbar war, weil sie mich gefunden hatte. Weil sie mich jetzt gefunden hatte. Es musste etwas zu tun haben mit dieser ID, IP Nummer, die hin und wieder und vollkommen unverständlich für technisch und logisch unbegabte Geister wie mich erwähnt wird. Ich wusste, dass ich mehr Vorsicht hätte walten lassen sollen, dass eine erfundene Identität, ein abgedrehter Künstlername einfach nicht ausreichte. Grob fahrlässig, so hatte ich gehandelt, anders ließ es sich nicht erklären. &lt;br /&gt;Ich starrte auf die Absender. Sie war es. Unverkennbar ihre Mailadresse. Unverkennbar der Account ihrer Fangemeinschaft. Es war… all diese Hasstiraden trugen ihre Handschrift. Es reichte aus, die Betreffzeilen zu lesen, um sich dessen klar zu werden. Es reichte, sich ein wenig in den Gebieten, in den Räumen der Fangemeinschaften herumgetrieben zu haben. Und ihre Anhänger hatten es ihr gleichgetan. Mein Briefkasten quoll über. Mein Geheimnis war gelüftet. &lt;br /&gt;Trotz des Pseudonyms, unter dem ich schrieb, trotz der Vorsichtsmaßnahmen, die ich so gewissenhaft getroffen hatte, war meine Anschrift durchgesickert. &lt;br /&gt;Ein beängstigender Verdacht breitete sich in mir aus. Mein Kopf fuhr herum, und ich starrte Xaver erschrocken an. Er blickte zurück, mindestens ebenso verwirrt, doch glücklicherweise noch ohne den Ernst der Lage zu erkennen. Glückliches Kind. &lt;br /&gt;Ich stürmte an ihm vorbei. Ich riss die Tür auf. Zu spät kam mir die Unvorsichtigkeit dieser Handlung zu Bewusstsein. Doch noch spielte diese keine Rolle. Niemand bedrohte mich. Noch nicht. Niemand mit Ausnahme der Papiere, der Massen von Papieren, die aus dem Briefkasten neben der Tür quollen. Niemand außer den zahllosen Briefen, die verziert mit Totenköpfen und gestempelt mit Galgenmännchen und abstrakten Zeichnungen von tödlichen Waffen, eine eindeutige Botschaft des Inhalts lieferten, den anzusehen, ich nicht mehr den Nerv hatte. &lt;br /&gt;Automatisch, als könnte ich mich nicht zurückhalten, als wollte ich mich selbst quälen, griff ich mit beiden Händen in die weiße Flut, packte, wessen ich habhaft werden konnte, und zog mich mit dem letzten Aufflackern der einstigen Selbstkontrolle wieder zurück in den Schutz der Wohnung. &lt;br /&gt;Xaver starrte mich mit großen Augen an, und ich konnte es ihm nicht verdenken. &lt;br /&gt;„Was… was ist denn los?“, stammelte er, auf einmal nicht mehr der junge Mann, der er so gerne wäre, sondern das unsichere Kind, das dem in mir verborgenen so ähnlich war. &lt;br /&gt;Erst jetzt merkte ich, dass ich zitterte. „N… nichts…“, stotterte ich und versteckte die Briefe hinter meinem Rücken. &lt;br /&gt;Doch Xaver war nicht umsonst in diversen für mich unverständlichen Ballsportarten zuhause. Obwohl ich alles getan hatte, um ihm beizubringen, dass Sport Mord sei und jede Bewegung unweigerlich zum Ende aller Lebenskraft führte, war es ihm doch gelungen, sich die Tricks der Sportler zu eigen zu machen, die ihren Ball aus der Hand des Gegners zaubern konnten, ohne, dass es besondere Anstrengung kostete. Natürlich konnte ich mich selbst auch nicht als ernsthaften Gegner bezeichnen. Demnach war es eigentlich kein Wunder, dass er mir die Handvoll Papiere entwinden konnte, bevor ich überhaupt etwas davon bemerkte. Jedoch seinen Gesichtsausdruck bemerkte ich sehr wohl. &lt;br /&gt;„Was zum Teufel…?“ &lt;br /&gt;Er sah mich an. „Stirb du Schlampe!“ &lt;br /&gt;„Wie bitte?“ Ich merkte, wie ich rot anlief. &lt;br /&gt;„Na… steht da.“ Er wies mit ausgestrecktem Zeigefinger auf einen Umschlag, dessen rote Flecken bei genauerem Hinsehen, als kunstvoll verschnörkelte Blutstropfen zu erkennen waren. &lt;br /&gt;Die Farbe wich wieder aus meinem Gesicht und ich spürte, wie meine Knie schwach wurden. &lt;br /&gt;„Das… das ist bestimmt nur ein Scherz.“ &lt;br /&gt;„Ach ja?“ Xaver hielt mir einen grimmigen Totenkopf entgegen. &lt;br /&gt;„Der hier auch?“ Er schüttelte den Kopf. &lt;br /&gt;„Mensch, Mama. Diesmal hast du dir aber wirklich Feinde gemacht.“ &lt;br /&gt;„Ich weiß doch auch nicht, wie die an meine Adresse gekommen sind… ich… ich kann nichts dafür.“ &lt;br /&gt;Der kühl wissende Gesichtsausdruck Xavers belehrte mich eines Besseren. &lt;br /&gt;„Und mir sagen, ich solle die Verantwortung für meine Fehler übernehmen. Pah!“ &lt;br /&gt;„Das… ich hab keine Fehler gemacht“, versuchte ich meine angekratzte Autorität wieder aufzurichten. &lt;br /&gt;Xander lachte blechern. „Nein, nur Millionen anständiger, harmloser Krimifans so gekonnt vor den Kopf gestoßen, dass ihnen nichts Besseres einfällt, als dein Leben zu bedrohen.“ &lt;br /&gt;„Die… die bedrohen mich doch nicht… das können die doch nicht.“ &lt;br /&gt;„Also ich bezweifle das.“ Xaver ließ die Umschläge zu Boden flattern und durchquerte rasch den Raum, um sich über den Monitor zu beugen. &lt;br /&gt;Ein Klick. „Und was ist das?“, schnappte er und begann zu buchstabieren, stoppte jedoch abrupt, als ihm die Bedeutung des Wortes aufging. Er lief rot an und das sollte wahrhaftig etwas bedeuten. War mein Söhnchen doch kein unbeschriebenes Blatt, wenn es darum ging, die Tiefen des Wortschatzes auszuloten. Ich selbst zog es vor, meinen Blick vom Monitor abzulenken und geflissentlich auf das Finn Cackleford Poster zu starren, das ich über dem Fernseher befestigt hatte. Es war das, auf dem er in lässig cooler Pose gegen einen Pferdezaun lehnte, im Einklang mit Natur und Weite der Landschaft. Ein Bild, das ich als gute Mutter also auch meinem Sohn zumuten konnte, ohne ihn fürs Leben zu schädigen. &lt;br /&gt;Die Promo-Poster, auf denen Finn mit gezogener Pistole über Häuserdächer sprang, oder in schusssichere Weste gekleidet mit einem Messer zwischen den Zähnen und einer blutenden Wunde auf der Stirn, sich heldenhaft vor seinen bedrohten Partner warf, hatte ich wohlweislich in den Schrankinnentüren angebracht. Kam ja gar nicht in Frage, dass meine Begeisterung irgendwelche seltsam erscheinenden Züge annahm. Davon, einen Altar aus Zeitungsschnipseln zu basteln, war ich noch weit entfernt. So hoffte ich zumindest. &lt;br /&gt;„Mama… hey!“ Xavers Finger schnippten knapp vor meinem Gesicht und weckten mich aus meiner Trance. &lt;br /&gt;„Was… was ist denn los?“ &lt;br /&gt;„Was los ist?“ Xaver raufte sich die ohnehin schon struppigen Haare. „Was los ist?“, wiederholte er schrill. „Los ist, dass Wahnsinnige aus der Anstalt ausgebrochen sind und dir nun auflauern. Du hast nicht nur Indianer beleidigt, sondern auch noch ‚Agents on Fire‘–Fans.“ &lt;br /&gt;Ich verzieh ihm die aus einem momentanen Schock heraus geborene politische Unkorrektheit. „Was für eine Anstalt?“ Immerhin fand ich mich langsam wieder zurecht und verschränkte die Arme vor der Brust. „Hier gilt immer noch die Meinungsfreiheit… gerade im Internet.“ &lt;br /&gt;„Das denkst du vielleicht“, protestierte Xaver. „Aber du bist auch die Einzige, die es wagt, die Grenzen des guten Geschmackes wieder und wieder zu überschreiten und die Empfindsamkeit fremder Kulturen mit Füßen zu treten.“ &lt;br /&gt;„Amerikanische Ureinwohner hatten keine Angst vor Homosexualität“, warf ich ein und bereute mal wieder, dass ich meinem Sohn von Anfang an beigebracht hatte, auch rhetorisch seinen Mann zu stehen. Eigentlich hatte ich ihn schon in der Wiege ohne Punkt und Komma zugetextet. Er hatte keine andere Wahl, als sich so schnell wie möglich mit den Waffen, die ich ihm in die Hand gegeben hatte, zur Wehr zu setzen. &lt;br /&gt;„Ganz im Gegenteil.“ Ich setzte zu einem Vortrag an. „Krieger zogen Stärke daraus, in der Nacht vor der Schlacht bei einem Mann zu liegen, der…“ &lt;br /&gt;Xaver hielt sich verzweifelt die Ohren zu. „Ich weiß, ich weiß. Und ich will es gar nicht wissen“, jammerte er gequält. &lt;br /&gt;„Aber das ist doch das Schlimme“, fuhr ich enthusiastisch fort. Was sonst sollte ich auch tun, als mich auf vertrautem Gelände von der aktuellen Bedrohung fortzubewegen. „Das Schlimme, wenn sogar ihr jungen Leute eine solche Angst und Scham empfindet, wenn ihr nur das Wort schwul…“ &lt;br /&gt;„Lalalala…“ Xaver presste seine Hände nur noch fester gegen seinen Kopf und verdrehte die Augen. „Hab doch Erbarmen, Mama. Nicht jeder will von morgens bis abends nur über Das Eine sprechen.“ &lt;br /&gt;„Aber…“ &lt;br /&gt;Ein flehender Blick brachte meine Überzeugung ins Wanken, und ich beschloss, den Aufklärungsunterricht auf einen anderen Tag zu verschieben. Am Besten auf einen Tag, an dem ich nicht das Gefühl haben musste, eingekesselt von meinen Feinden im Inneren einer abgeschotteten Schlucht auf den Einmarsch der Armee zu warten. Einer Armee, die ausgezogen war, meine Person und alle Spuren ihrer Existenz von der Bildfläche zu wischen. &lt;br /&gt;„Ist ja gut.“ Ich tätschelte ungelenk sein wirres Haar. „Ich bin schon still.“ &lt;br /&gt;Xaver ließ die Hände herabsinken und grinste schief. „Noch mal davon gekommen“, murmelte er und machte eine ungenaue Handbewegung, die sowohl die Briefe, als auch den Computer, sowie alles, was sich vor der Wohnungstür befand, einschloss. „Und was machen mir damit?“ &lt;br /&gt;Ich presste die Lippen zusammen und senkte den Kopf. &lt;br /&gt;Rational denken, das war jetzt wichtig. Gut, Doris war eine Verrückte, doch wie weit würde sie wirklich gehen. Und wie viel von all dem ging letztendlich auf ihr Konto? Schließlich waren da noch die Indianer, die amerikanischen Ureinwohner, verbesserte ich mich im Stillen. Es war einfach traurig, dass sich alte Gewohnheiten und Ausdrücke so schwer abgewöhnen ließen. &lt;br /&gt;Wie groß war die Gefahr wirklich? Und inwieweit war Xaver betroffen? Der Gedanke bohrte sich heiß in meine Eingeweide. Dass ich daran nicht früher gedacht hatte. Egal welchen Gefahren ich mich für meine Ideale aussetzen würde, es war alles andere als fair, meinen Jungen mit hinein zu ziehen. &lt;br /&gt;Xavers Augenbrauen hatten sich prüfend zusammengezogen. Seine braunen Augen musterten mich aufmerksam. &lt;br /&gt;„Mama? Was brütest du jetzt schon wieder aus“, fragte er argwöhnisch. &lt;br /&gt;„Nichts, nichts“, beeilte ich mich zu versichern. „Ich brüte nichts aus, das würde ich nie.“ &lt;br /&gt;„Natürlich.“ Xaver rieb sich die Stirn. „Also was… von nun an immer auf der Flucht?“ Er sah sich um. „Ich meine, wir können nicht leugnen, dass das Ganze etwas unschön Bedrohliches annimmt.“ &lt;br /&gt;„Auf der Flucht? Wie meinst du das?“, erkundigte ich mich, das Schlimmste befürchtend. &lt;br /&gt;„Na der Film“, stöhnte Xaver auf. „Immer auf der Flucht vor der Fangemeinde deiner Serie?“ &lt;br /&gt;„Ha!“ Ich versuchte spöttisch zu klingen, doch heraus kam lediglich ein erbärmlich weinerlicher Laut, der zudem noch halb in meinem Halse stecken blieb. Es würde doch nicht das erforderlich sein, wovor ich mich am meisten fürchtete? Es würde doch nicht…&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;*&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3263622768781598349-621690201184061992?l=callisto24.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://callisto24.blogspot.com/feeds/621690201184061992/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3263622768781598349&amp;postID=621690201184061992' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/621690201184061992'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/621690201184061992'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://callisto24.blogspot.com/2010/05/was-sie-noch-niemals-uber-slasherinnen.html' title='Was Sie noch niemals über Slasherinnen wissen wollten ...'/><author><name>callisto24</name><uri>http://www.blogger.com/profile/18191488055625225167</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/_Uzq-1PR2gcg/SNaEoxPltqI/AAAAAAAAAAM/7NujjFFZKlk/S220/peacesee.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3263622768781598349.post-6895384801192372251</id><published>2010-04-02T04:33:00.000-07:00</published><updated>2010-04-02T04:34:08.902-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Geschichte'/><title type='text'>Shangri-La</title><content type='html'>Titel: Shangri-La&lt;br /&gt;Autor: callisto24&lt;br /&gt;* * * &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Susanne&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nicht zum ersten Mal hörte sie von der Lage, in der sie sich befand. Wenngleich es sich kaum um eine Lage, sondern eher um einen Lebensabschnitt handelte. Den vergessenen Lebensabschnitt, wie man ihr sagte. Und doch wusste Susanne, dass sie sich nicht allein in dem Zwischenbereich befand, der offenkundig von der Mehrzahl ihrer Altersgenossinnen verleugnet wurde. &lt;br /&gt;Die große Vierzig hatte sie hinter sich gelassen, aber sie fühlte sich nicht alt. Gut, die Zipperlein, die sie hin und wieder plagten, nahmen zu. Das zu leugnen half nicht weiter. Ihr Körper nutzte sich wie jeder andere nach der offiziell überschrittenen Lebensmitte ab, kleine Fältchen ließen sich nicht mehr übertünchen, Gelenke knackten unangenehm und die Vorsorgeuntersuchungen, zu denen der Arzt ihr riet, gingen mehr und mehr ins Detail. &lt;br /&gt;Dennoch gehörte es sich nicht, davon zu sprechen. Es gehörte sich nicht einmal, es zuzugeben. &lt;br /&gt;Und dass es überraschend kam, konnte nun wirklich niemand behaupten. &lt;br /&gt;Ihre ersten weißen Haare entdeckte Susanne bereits mit Anfang zwanzig. Das stete Färben war ihr somit bereits seit zwei Jahrzehnten in Fleisch und Blut übergegangen, auch wenn sie von Jahr zu Jahr mehr darauf achten musste, dass der verräterische, weiße Ansatz nicht zu auffallend hervortrat. &lt;br /&gt;Immerhin existierten ausreichend Industrien in diesem Lande, die es auch zu einem bezahlbaren Preis ermöglichten, die Illusion von Jugend aufrecht zu erhalten. &lt;br /&gt;Eine Illusion, die Pflicht geworden war in einer Gesellschaft wie ihrer. Eine Frau wurde nicht alt. Nicht einmal reif. Und wen interessierte die Entwicklung des Geistes oder der Seele? Das waren Luxusartikel, mit denen sich Männer schmückten, die nicht ihre Lebenszeit damit zubrachten zu zupfen, zu peelen, zu färben und stetig, mit vollem Einsatz an der äußeren Erscheinung zu arbeiten. &lt;br /&gt;Dabei war Susanne nicht einmal eitel. Nicht besonders. Und zudem auch nicht sonderlich erfolgreich in ihren Bemühungen. &lt;br /&gt;Wie sollte es auch anders sein, fühlte sie sich doch in den anderen Bereichen ihres Lebens als ebensolcher Versager. &lt;br /&gt;Worauf konnte sie zurückblicken? Susanne stellte sich diese Frage mit den Jahren immer häufiger. &lt;br /&gt;Sie war verheiratet, mehr oder weniger glücklich. Zwei Söhne, die sich unweigerlich auf die Schwierigkeiten zubewegten, die in der Pubertät lauerten, zog sie mehr oder weniger alleine groß. &lt;br /&gt;Nicht dass es leicht war. Zu einer Frau dieser Zeit, auch wenn sie sich zu der verlorenen Generation zählte, zu jener, die weder alterte, noch jung sein durfte, gehörten Kinder, die allgegenwärtige Probleme spiegelten. &lt;br /&gt;Und so befand sie sich auf dem Weg von Berater zu Therapeuten zu Psychologen, seit ihre Söhne das Laufen lernten und eine eigene Persönlichkeit entwickelten. Mit Schlagworten wurde sie beworfen, von ADHS bis Legasthenie, von Test zu Test geschickt, ohne dass konkrete Anhaltspunkte das einzig wichtige Rätsel lösten: Die Frage, was sie zu tun hatte, in welche Richtung sie sich bewegen sollte. &lt;br /&gt;Fast war sie froh über kleine und allgemein verbreitete Probleme wie Allergien oder die üblichen Kinderkrankheiten. Themen über die sie sich gepflegt mit anderen Müttern austauschen konnte, die wussten, wovon sie sprach und nicht erst einer Einführung in das Wesen und Unwesen noch ungeklärter Unstimmigkeiten im Gehirnstoffwechsel bedurften. &lt;br /&gt;Wie schwierig es auch war, die Zeit verging und die Kinder wurden größer. Und Jahre wie diese, Monate die in Erwartung eines Ergebnisses oder eines Attestes verbracht wurden, das letztendlich doch nicht weiterhalf, beschleunigten rapide den Alterungsprozess. &lt;br /&gt;Ganz zu schweigen von Notwendigkeiten und Umständen finanzieller und beruflicher Art. &lt;br /&gt;Gerne hätte sie wieder gearbeitet. Sie freute sich darauf, ihren Mutterschaftsurlaub zu beenden und sah der Rückkehr in ihr Büro, zu der lieb gewordenen Tätigkeit hoffnungsvoll entgegen. &lt;br /&gt;Nur, dass es nicht funktionierte. Unterm Strich fand sie keine Betreuung für ihre Kinder. Das Büro forderte ihre Rückkehr in die Vollzeittätigkeit, Schule und Kindergarten boten nur begrenzte und auch dann notdürftige Sicherheit. Lange Phasen wie Ferien, Krankheiten, wurden ebenso wenig berücksichtigt wie das Auftreten von Freistunden oder Ausfällen. Ihr Mann war von früh bis spät in seiner Arbeit, die ihre Familie zwar über die Runden brachte, ihnen allerdings auch keinen Luxus erlaubte, der über die Wohnung im obersten Stock eines Blocks und das Auto hinausging. Mit ihren Eltern und insbesondere mit ihrem Vater lag sie seit jeher im Clinch. Sie hatten es ihr nie leicht gemacht und sie legten Susanne offen und ehrlich dar, dass sie nicht bereit waren, sich auf eine regelmäßige Abmachung, die das Hüten der, zugegeben, recht lebhaften Enkel beinhaltete, einzulassen. &lt;br /&gt;Das war die Ironie ihrer Lage. Beide Großelternpaare befanden sich am Ort. Und beide Großelternpaare weigerten sich, Susannes Kinder für die Zeit zwischen Schule oder Kindergarten und ihrer eigenen Rückkehr von einer möglichen, beruflichen Tätigkeit aufzunehmen. &lt;br /&gt;Großeltern alterten auch nicht mehr. Sie bestanden auf ihren Rechten und Freiheiten. Und zudem waren gerade Susannes Kinder besonders anstrengend. Sie sagten es ihr nicht direkt, aber Susanne spürte von allen Seiten, dass Begriffe wie ADHS, Legasthenie oder motorische Störungen für Ihre Eltern und für die Eltern ihres Mannes sich übersetzten in das Bild der schlechten Mutter. &lt;br /&gt;Es half nicht. Es half auch nicht, dass sie die Abfindung kassierte, als sie auf ihre Stelle verzichten musste. Es half auch nicht, dass sie sich sagte, immer wieder sagte, ihre Kinder seien das Wichtigste und dass es keine Schande sei, ihnen ihre Zeit und Kraft zu schenken, so lange sie diese eben benötigten. &lt;br /&gt;Es half nicht, wenn sie ihren Kindern dabei zusah, wie sie größer wurden, wenn sie ihre Ohren vor den Tobsuchtsanfällen zu verschließen suchte, wenn sie die Hausaufgaben kontrollierte, die kaum zu entziffern auf zerrissenen Heftseiten prangten. &lt;br /&gt;Es half nicht, wenn sie vormittags in ihrer Wohnung saß und fühlte, wie die Decke immer tiefer auf sie zu sank, drohte, Susanne zu ersticken. &lt;br /&gt;Sie versuchte alles. Sie renovierte. Sie putzte, sie wusch und bügelte. Es war nicht so, als gäbe es nichts zu tun. &lt;br /&gt;Und sie erhielt ihre Jugend. Denn Susanne war nicht alt. Sie hing nur fest. &lt;br /&gt;Susanne gab ihr spärliches Geld für Weight Watchers aus. Sie lernte Kalorien zählen und studierte das Punktesystem. Sie färbte ihre Haare und schminkte sich. Sie kaufte Kleider, nähte sie um, bis sie ihr passten. &lt;br /&gt;Susanne tat viel. Und sie tat es für ihre Kinder. Kaum ein Tag, an dem sie ihnen kein Angebot machte, das ihnen weiterhelfen sollte. Ausflüge und Wanderungen wechselten mit Museen und Bibliotheken. &lt;br /&gt;Susanne tat, was sie konnte. &lt;br /&gt;Es half nur nichts. &lt;br /&gt;Sie war eine Frau ihrer Zeit mit den Möglichkeiten, die ihre Zeit ihr bot. Und es gab Möglichkeiten. &lt;br /&gt;Sobald ihre Söhne begannen, auf eigenen Füßen zu stehen. Sobald sie sich darauf verlassen konnte, dass ihre Aufsicht nicht mehr um jeden Preis vonnöten sei, begann sie damit, sich beraten zu lassen. &lt;br /&gt;Sie nutzte die Schulungen, die ihr das Arbeitsamt bot. Sie kniete sich begeistert in die Tätigkeit, sie lernte mit Freude. Und sie schloss die Schulung mit großem Erfolg ab. Nur um danach wieder in ihrer Wohnung zu sitzen und die Decke anzustarren. Nachdem sie aufgehört hatte, die Bewerbungen zu zählen, die sie verschickte. Nachdem sie die Hoffnung aufgegeben hatte. &lt;br /&gt;Also nahm sie eine Stelle als Reinigungskraft an. Es war gutes Geld und sie bekam etwas zu tun, eine Arbeit, die verrichtet werden musste. Aber keine Arbeit, auf die sie stolz war. &lt;br /&gt;Es war dumm, das wusste sie sehr gut. Was man tat, spielte keine Rolle. Wichtig war, dass man es tat und dass man es gut tat. &lt;br /&gt;Und dennoch wünschte sie sich eine Tätigkeit, von der zu berichten den Stolz in ihr hervorrief, den ihre Arbeit früher in ihr geweckt hatte. Sie wünschte sich eine Perspektive, eine Hoffnung. &lt;br /&gt;Sie war nicht alt. Susanne sah an sich herab. Sie strich den engen Rock glatt, begutachtete die leichte Wölbung ihres Bauches. Gut, sie hatte die Lehren der Weight Watchers schon seit geraumer Zeit in den Wind geschlagen. Ihre alte Fülle war bald wieder erreicht. &lt;br /&gt;Sie betrachtete das Weiß, das ihren Haaransatz zierte, nur um dann abrupt in ein leuchtendes Henna überzugehen. &lt;br /&gt;Susanne spitzte die Lippen, an denen der Lippenstift bereits im Abblättern begriffen war. Sie legte ihre Hände neben die Augen und zog die Haut ein wenig straffer. &lt;br /&gt;Lachfältchen, wollte sie denken. Krähenfüße dachte sie wirklich. &lt;br /&gt;War das ihr Leben? War das alles? Und wenn es das war, wozu? &lt;br /&gt;Susannah dachte an den Sommer, sie dachte an den Badeanzug, der weder ihre Cellulitis noch die Besenreißer verdecken konnte, die ihre Beine verunstalteten. Sie dachte an ihre Oberarme und wie sie sorgsam das Handtuch um die Schultern schlang, um sie ebenso wie ihre Ellbogen zu verbergen. &lt;br /&gt;Sie dachte an das Klassentreffen, zu dem sie letzte Woche gegangen war, und zu dem sie nicht hätte gehen sollen. &lt;br /&gt;Dabei hatte sie sich darauf gefreut, die alten Freunde wiederzusehen. Susanne war immer ein herzlicher, kontaktfreudiger Mensch gewesen. Manchmal vermisste sie die Kameradschaft aus diesen Tagen, den Klassenverband, die Art, wie man gemeinsam einem Ziel entgegen steuerte. Ob Schule heute noch das war, was sie in Erinnerung hatte oder ob diese sogar verklärt und im Laufe der Jahre nichts mehr mit der Realität gemein hatte, die sie wirklich erlebt, darüber dachte sie lieber nicht nach. &lt;br /&gt;Und ebenso gerne wünschte sie das Zusammentreffen mit ihren ehemaligen Klassenkameraden verdrängen zu können. &lt;br /&gt;Erwachsen waren sie geworden. Elegant. Erfolgreich. &lt;br /&gt;Sie zählten auf, was sie erreicht hatten. Sprachen von ihren Kindern, die offenkundig wahre Engel waren. Von ihren Häusern mit Garten und Terrasse. Von dem Stress und den Anforderungen in dem hochgeachteten Beruf, den sie ausübten. Kurzum, sie alle hatten es zu etwas gebracht. Und denen es nicht so ging, die tauchten einfach nicht auf, blieben vergessen. Und Susanne wünschte, sie hätte es ihnen gleichgetan. &lt;br /&gt;Als sie von dem Ausflug zurückkehrte, fühlte sie sich schäbiger und erfolgloser als zuvor. Sie hatte gedacht, die Fotos ihrer Kinder zu zeigen, erwecke ein Gefühl der Freude in ihr, das Bewusstsein, dass auch sie etwas zuwege brachte, sich auf einem guten Weg befand. &lt;br /&gt;Aber der Vergleich mit jenen, denen es gelang, ohne sichtbare Anstrengung Beruf und Kindererziehung zu bewältigen, hinterließ einen dumpfen Schmerz in ihren Eingeweiden. &lt;br /&gt;Das konnte doch unmöglich alles gewesen sein. &lt;br /&gt;Susanne betrachtete ihre Haut, an deren Unebenheiten sie sich schon so lange gewöhnt hatte, dass sie sie nicht einmal mehr wahrnahm. &lt;br /&gt;Sie sah in ihre müden Augen, die mit zu viel und zu kräftigem Schwarz umrandet waren. Sie bemerkte, dass ihr Haar an den Enden struppig wirkte, dass der Farbton sich stumpf und ungleichmäßig, wie gescheckt über ihren Kopf ausbreitete. &lt;br /&gt;Ihr Busen war zu klein, ihre Hüften zu ausladend, ihre Füße zu groß. &lt;br /&gt;Susanne dachte an ihren Mann und empfand nichts. Sie dachte an ihre Kinder und fühlte sich hilflos. Sie dachte an ihr Leben und an all das, was es nicht war. &lt;br /&gt;Und jetzt war es zu spät. Für immer zu spät. &lt;br /&gt;Und doch war sie erst 42 Jahre alt.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3263622768781598349-6895384801192372251?l=callisto24.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://callisto24.blogspot.com/feeds/6895384801192372251/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3263622768781598349&amp;postID=6895384801192372251' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/6895384801192372251'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/6895384801192372251'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://callisto24.blogspot.com/2010/04/shangri-la.html' title='Shangri-La'/><author><name>callisto24</name><uri>http://www.blogger.com/profile/18191488055625225167</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/_Uzq-1PR2gcg/SNaEoxPltqI/AAAAAAAAAAM/7NujjFFZKlk/S220/peacesee.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3263622768781598349.post-6819509580140130815</id><published>2010-03-29T07:54:00.000-07:00</published><updated>2010-03-29T07:55:13.907-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Geschichte'/><title type='text'>Palast</title><content type='html'>Titel: Palast&lt;br /&gt;Autor: callisto24&lt;br /&gt;* * * &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Ganze wirkte von Anfang an merkwürdig und manchmal war sich Katharina tatsächlich nicht sicher, ob sie sich nicht doch inmitten eines verrückten Traumes befand, aus dem sie den Ausgang einfach nicht entdecken konnte. &lt;br /&gt;Sie hatte sich in ihrem Leben nie unwohl gefühlt. Ihr Haus war nicht besonders groß und nicht gerade neu. Aber es gehörte zu ihr und sie gehörte zu ihm. Katharina erinnerte sich nicht daran, jemals woanders gelebt zu haben, oder an einem anderen Ort leben zu wollen. &lt;br /&gt;Sie verstand auch nicht, warum sie ausgerechnet jetzt umziehen sollten. &lt;br /&gt;Die ganze Entwicklung kam nicht nur unerwartet, sie erschien ihr zudem ausgesprochen suspekt. &lt;br /&gt;Katharinas Vater, wie es seine Art war, hielt sich aus der ganzen Sache heraus. Seit er in Rente gegangen war, hatte er nach und nach begonnen, sich mehr und mehr aus jedem sozialen Leben zurückzuziehen. Und das schloss auch das Zusammenleben in der Familie mit ein. &lt;br /&gt;Wenn Katharina ehrlich zu sich war, so wusste sie nicht einmal genau, womit er sich eigentlich den ganzen Tag beschäftigte. Es war kaum noch so, als bekäme sie oder auch ihr kleiner Bruder ihn noch viel zu Gesicht. &lt;br /&gt;Natürlich führte auch Katharinas Mutter ihr eigenes Leben. Wie sollte es auch anders sein? Katharina war fast erwachsen und auch wenn ihr Bruder gerade erst kurz vor dem Eintritt ins Teenager-Alter stand, so benötigte auch er seine Mutter nicht mehr in dem Maße, in dem sie gebraucht werden wollte. Oder wenn er sie brauchte, so zeigte er es nicht. &lt;br /&gt;Denn nur auf diese Weise war es wohl zu erklären, dass die Mutter von Woche zu Woche, von Monat zu Monat unruhiger geworden war. Und eigentlich stellte es sich kaum als Überraschung dar, dass sie im Geheimen begonnen hatte, nach neuen Wegen, neuen Beschäftigungen zu suchen. Immerhin war sie nicht alt. Etwas kleiner als Katharina, das nur leicht angegraute Haar kurz geschnitten, verströmte sie seit jeher eine Energie, um die Katharina sie beneidete. &lt;br /&gt;Und natürlich hatte sie Recht damit, wenn sie sagte, dass ihr Haus im Grunde und bei Tageslicht betrachtet, kurz davor stand, auseinanderzubrechen. &lt;br /&gt;Die beschädigten Böden, das von Rissen durchzogene Mauerwerk und den Schimmelwuchs in jeder Ecke mal außen vorgelassen, erkannte jeder Passant im Vorbeigehen, dass das Gebäude abbruchreif war. &lt;br /&gt;Und natürlich hatte Brigitte, so lautete der Name von Katharinas Mutter, auch Recht damit, wenn sie feststellte, dass ihnen sowohl das Geld für die Renovierung, als auch die finanziellen Möglichkeiten dafür fehlten, sich eine neue Bleibe zu suchen. &lt;br /&gt;Kam das Gespräch auf dieses Thema, sah Katharina jedes Mal schuldbewusst zu Boden. Natürlich wusste sie sehr gut, dass ihre Familie größere Sprünge machen könnte, wenn sie nur nach dem Quali eine Lehrstelle gefunden hätte. Wenn sie sich mehr Mühe gegeben, einen besseren Durchschnitt erreicht hätte. &lt;br /&gt;Aber so wie es jetzt war, so wie sie jeden Aushilfsjob in den Sand setzte, konnte sie keinen Cent zu dem Familieneinkommen beitragen. &lt;br /&gt;Umso mehr Sinn ergab es, als Brigitte von diesem neuen Job erzählte, den sie ergattert hatte. Nicht, dass sie die anderen fragte, fragen musste. Weder Katharinas Vater, noch ihr Bruder Bernd kämen auch nur auf den Gedanken, einen Einwand zu erheben. Und Katharina selbst lag es fern sich einzubringen, nicht nachdem sie selbst auf der ganzen Linie versagt hatte. &lt;br /&gt;Und doch fühlte sie sich von Anfang an mulmig. Nicht nur, dass sie Hals über Kopf packen und umziehen mussten, auch die wenigen Informationen, die ihr über Brigittes Arbeit oder ihr neues Umfeld preisgegeben wurden, hinterließen einen unangenehmen Beigeschmack in ihrem Mund. &lt;br /&gt;Doch Katharina war es gewohnt zu folgen, und das ohne Widerworte zu geben oder zu viele Fragen zu stellen. &lt;br /&gt;Und so fand sie sich wieder, wie sie neben ihrem Bruder und einer aufgeregten Brigitte, ihre Hände fest um die Griffe der Koffer mit ihren Habseligkeiten geklammert, im engen Eingangsbereich eines unscheinbaren Gebäudes stand. &lt;br /&gt;‚Grau‘ lautete der erste Begriff, der Katharina in den Sinn kam. Außen ebenso wie innen wirkte ihr neues Zuhause grau. Und vergleichsweise belebt. Katharina spürte, dass die Anlage nicht nur größer war, als sie schien, sondern dass sie auch mehr Menschen umfasste, als erwartet. &lt;br /&gt;Und der Eindruck täuschte nicht. Nicht nach der freundlichen Begrüßung der Damen im Büro, die sich geradezu begeistert über ihre Ankunft und über Brigittes künftige Mitarbeit äußerten. &lt;br /&gt;Und sie gleich darauf durch das Büro hindurch und in tiefere Stockwerke geleitete. In tatsächlich tiefer gelegene Stockwerke. Nicht nur Erdgeschoss und ein darunter gelegener Keller – die Wanderung führte weitaus tiefer. &lt;br /&gt;Sicher hatte Brigitte sie vorgewarnt, dass ihre neue Behausung unterirdisch gelegen war, und Katharina erhob auch keinerlei Einwände dagegen oder empfand auch nur Bedenken empfunden. Nicht bis sie mit der Realität konfrontiert wurde. &lt;br /&gt;Die Dame, die sie vorwärts geleitete, stieß kraftvoll große Türen auf, die den Blick erlaubten auf einen geradezu riesigen Raum. Einen riesigen Raum, an dessen Seite eine geöffnete Doppeltür in einen ebenso gigantischen Raum führte, der wie der erste mit prachtvollen Orientteppichen ausgelegt war. Doch bis auf die Teppiche waren beide Räume leer, ragten hohe, fensterlose Wände auf, beleuchtet von einem hellen und kalten Licht. &lt;br /&gt;„Ist es das?“, wollte Katharina fragen, doch die eindeutige Gestik der inzwischen über das ganze Gesicht strahlenden Dame erwies die Frage als unnötig. &lt;br /&gt;Mit gespielter Erschrockenheit führte die ihre Hände an die Lippen und murmelte eine Entschuldigung betreffend des Fehlens der Matratzen. Ein Manko, dem selbstverständlich rasch abgeholfen wurde. Schon sehr bald lagen auf den Eingängen abgewandten Seiten des Raumes großflächige Matratzen, jeweils zwei nebeneinander und es wurde offensichtlich, dass einer der Räume Katharina und ihrem Bruder, der andere Brigitte und deren Mann zugedacht waren. &lt;br /&gt;Katharina stellte ihre Koffer ab und betrachtete den Raum. Abgesehen von der Größe und der auffallenden Leere, wirkte er ausgesprochen stabil und fast schon elegant, was an der Höhe der Decke und dem oben angebrachten, wenn auch nur angedeuteten Stuckverzierungen ebenso wie an den prächtigen Orientteppichen lag. &lt;br /&gt;Sie hörte nicht zu, als die Dame vom Eingang weitersprach, vermutete jedoch, dass es sich um das Versprechen von mehr Mobiliar handelte. &lt;br /&gt;Letztendlich wusste Katharina nichts an den Räumlichkeiten auszusetzen, nicht wirklich. Und letztendlich hatte ihre Mutter auch durchaus Recht damit, dass es in der aktuellen Lage, in der sich die Welt befand, nicht unbedingt dumm war, sich auf eine unterirdische Existenz vorzubereiten. &lt;br /&gt;Egal welche Katastrophen folgen mochten, ob die Außentemperaturen zunahmen, die Sonne sich verdunkelte oder Kriege ausbrachen, ein Leben verborgen im Untergrund wies doch diverse Vorteile auf, das ließ sich Katharinas Ansicht nach überhaupt nicht leugnen. &lt;br /&gt;Und dennoch blieb da dieser unangenehme Beigeschmack, der auch nicht verging, als sie die erste Nacht auf dieser großen Matratze, in der bunten Bettwäsche und unter der hohen Decke in einem viel zu weiten Raum verbrachte. &lt;br /&gt;Der Beigeschmack verging auch nicht, als Katharina am folgenden Tag ihr gewohntes Leben wieder aufnahm, als sie Bernd zur Schule begleitete und wieder abholte. Er verging nicht, als sie trotz allem, sobald sie den Eingangsbereich, der zu den unterirdischen Räumen führte, hinter sich gelassen hatte, nicht mehr leugnen konnte, sich eingesperrt zu fühlen, gefangen in einer Welt, deren Sinn und Zweck sie nicht verstand. &lt;br /&gt;Es half ihr auch nicht, als sie damit begann, falsche Wege einzuschlagen, Abzweigungen zu nehmen, die nicht in ihre Räume führten und Türen aufzustoßen, mit Absicht oder aus Versehen, von denen sie nicht wusste, wohin sie führten. &lt;br /&gt;Und Katharina war ernsthaft überrascht, als sie ihre Vermutung bestätigt und die Anwesenheit zahlreicher anderer Menschen vor sich sah. Die Türen, die sie öffnete führten in ähnliche Räume wie die, welche ihre Familie bewohnten. Nur fielen sie geringfügig kleiner aus und es mangelte ihnen an den auffallenden Teppichen, sowie an der Eleganz der Bettwäsche. Die Räume, in denen die anderen Menschen hausten, deren verstrubbelte Köpfe sich bei ihrem Eintreten erschrocken aus den Kissen hoben, deren schlaftrunkene Münder unverständliche Worte murmelten, wirkten zudem ein wenig niedriger und nicht ganz so riesig wie ihre. &lt;br /&gt;Und als Katharina ihre Mutter in der Zusammenarbeit mit den Damen im Büro beobachtete, da schnappte sie nicht nur auf, es wurde ihr auch aus dem Verhalten aller Anwesenden klar, dass der Sonderstatus ihrer Mutter und damit ihrer Familie auf der Tätigkeit beruhte, die sie hier ausübte, auf der rätselhaften Verantwortung, die Brigitte in einem seltsamen Umfeld wie diesem übernahm. &lt;br /&gt;Und es waren viele Menschen, die sich in den Weiten dieser verzweigten, grauen, unterirdischen Welt aufhielten. Viele verschlossene und verängstigte Menschen. Soviel wurde Katharina allein durch die geweiteten Blicke, durch die verstohlen ausgetauschten Worte und die geduckten Köpfe klar, wenn sie an ihr vorbeihuschten. &lt;br /&gt;Katharina versuchte das Gute in der neuen Lage zu erkennen. Sie versuchte, nicht daran zu denken, dass sie sich unterhalb der Erde aufhielten, dass sie ihren kleinen Bruder einer unnatürlichen Umgebung aussetzte, die nicht gesund sein konnte. Nicht nach allem, was sie davon wusste. &lt;br /&gt;Sogar als sie die Schwimmanlagen entdeckten, half ihr das Erleben des geradezu ferienhaft anmutenden Badeparadieses nicht dabei, sich wohler, sicherer oder weniger schuldig zu fühlen. &lt;br /&gt;Schuldig, weil Bernd in dieser Welt leben musste. Weil sie die Möglichkeit besäße, ihn vor den schädlichen Einflüssen zu bewahren, die sie in den Wänden, in der Erde, im Mangel an Natur, an Luft, an Freiheit vermutete. &lt;br /&gt;Niemals hätte Katharina vermutet, dass ihr allein die Möglichkeit abginge, einfach vor die Haustür zu treten und tief einzuatmen. Niemals geglaubt, dass es so schwierig war, mit dem Bewusstsein zu leben, dass nicht lediglich ein kleines Stück Weg zwischen ihr und einem Feld, einem Wald, einer Möglichkeit einfach nur loszurennen, bestand. Stattdessen war ihr, als müsse sie sich aus dem Erdinneren einen Weg graben, sollte sie denn dem versteckten, grauen Labyrinth entfliehen wollen. &lt;br /&gt;Und wie das zu geschehen hatte, daran wagte Katharina nicht zu denken. &lt;br /&gt;Stattdessen hoffte sie, sich selbst des Irrtums zu überführen. Sie hoffte, dass ihr Schuppen von den Augen fielen, dass ihr von einer Minute auf die andere klar werde, dass sie mit ihrem Leben im Untergrund das große Los gezogen hatten. &lt;br /&gt;Und sie wünschte, die phantastische Badelandschaft, in die sich Bernd begeistert stürzte, trüge bei zu ihrer Beruhigung. &lt;br /&gt;Sie tat es nicht, nicht wirklich. &lt;br /&gt;Zwar konnten durch die Fenster der blaue Himmel und die grünen, vor dem Gebäude gelegenen und bis an den leeren Horizont führenden Wiesen bewundert werden, zwar existierte ein Spielplatz und tatsächlich befanden sich Kinder in seiner Nähe, dennoch gab es keine Möglichkeit zu erkennen, ob und wie es möglich war, aus der Schwimmhalle an die frische Luft zu gelangen. &lt;br /&gt;Bis es demonstriert wurde. Bis ein Kind dem an einem Hebel sitzenden Bademeister bedeutete, dass es hinaus ins Freie wolle und dieser mit einem Umlegen besagten Hebels die unteren Abschnitte der Fenster aufschob. Kurz nur, so kurz, dass das Kind gerade so hindurch schlüpfen konnte, sich im letzten Augenblick duckte, bevor das Glas wieder herabstürzte. &lt;br /&gt;Katharina blieb das Herz stehen, als sie sich vorstellte, wie knapp der Junge an der Gefahr vorbeigeschrammt war, die eine oder andere Gliedmaße zu verlieren. &lt;br /&gt;Nein, es mochte möglich sein, diesem Ort zu entkommen, doch wohin gelangte der Flüchtling? Katharina sah es mit plötzlicher Klarheit. &lt;br /&gt;Außerhalb dieses Gebäudes existierte nichts. Sie saßen hier fest, waren Flüchtlinge, wie die anderen, im Inneren der Erde Gestrandeten. &lt;br /&gt;Und Katharina weinte.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3263622768781598349-6819509580140130815?l=callisto24.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://callisto24.blogspot.com/feeds/6819509580140130815/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3263622768781598349&amp;postID=6819509580140130815' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/6819509580140130815'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/6819509580140130815'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://callisto24.blogspot.com/2010/03/palast.html' title='Palast'/><author><name>callisto24</name><uri>http://www.blogger.com/profile/18191488055625225167</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/_Uzq-1PR2gcg/SNaEoxPltqI/AAAAAAAAAAM/7NujjFFZKlk/S220/peacesee.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3263622768781598349.post-600109366412023732</id><published>2010-03-20T11:46:00.000-07:00</published><updated>2010-03-20T11:47:21.469-07:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Geschichte'/><title type='text'>Nordlicht</title><content type='html'>Titel: Nordlicht&lt;br /&gt;Autor: callisto24&lt;br /&gt;* * *&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ferdinand kam neu in das Haus. Seine Aufgaben waren klar umrissen und doch verloren die strengen Grenzlinien im Laufe der Monate und Jahre an Bedeutung und er entwickelte sich vom einfachen Stallburschen zu einem Handlanger für alle und für jedes. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als er von den Besitzern gekauft worden war, zählte er gerade mal neun Jahre. So war es üblich, auch wenn man nicht direkt von Kauf sprach. Man wählte geschicktere, undeutlichere Ausdrücke, die jedoch alle nur diese eine und keine andere Bedeutung besaßen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Letztlich spielte der Begriff auch keine Rolle. Entscheidend war, dass für Ferdinand gesorgt wurde, dass er ein Dach über dem Kopf und einen Platz zum Schlafen hatte. Dass er nicht verhungerte und seine Aufgabe im Leben erfüllte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und je älter Ferdinand wurde, desto mehr Gedanken machte er sich darüber, um welche Aufgabe es sich dabei wohl handeln könnte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mit zwölf Jahren war ihm bereits klar, dass es das nicht sein konnte, nicht dieses Leben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Vorstellung, wie der alte Gerhardt, noch als krummbeiniger Greis, die Ställe auszumisten und die Tiere zur Tränke zu führen, ließ Ferdinand innerlich erschauern. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dennoch wusste er nicht, welche Richtung sein Leben stattdessen nehmen sollte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Manchmal beobachtete er seine Herrschaft, doch auch aus ihr wurde er nicht schlau. Unmöglich konnte es im Leben darum gehen, sich in Seide und Spitze zu kleiden und tagaus tagein auf hohen Absätzen mit großen Schleifen an den Schuhen über eigens für die vornehme Welt ausgelegte Teppiche zu stolzieren. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ferdinand dachte über diese Menschen nach und darüber, was sie taten, womit sie ihre Zeit verbrachten, aber trotz all der Zeit, die er in dieses Rätsel investierte, kam er nicht dahinter, worin der Sinn ihrer Existenz bestand. Er konnte sich nicht einmal vorstellen, womit sie diese rechtfertigten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Noch dazu schienen einige dieser Exemplare eine geradezu bemerkenswerte Scheu vor denen zu hegen, die Tag und Nacht dafür arbeiteten, dass ihr Leben sich so bequem gestaltete, wie es allerorts zu beobachten war. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Oh ja, Ferdinand war durchaus weiter gekommen, als über die Grenzen dieses Gehöftes. &lt;br /&gt;Als er vierzehn war, durfte er seine Herrschaft zu deren Verwandten begleiten. Wobei begleiten bedeutete, dass er hinter der Kutsche herlief, so gut er es vermochte, und darauf achtete, dass keines der Schafe, die sie als Geschenke mitzubringen gedachten, den Hunden auskam. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auf dieser Reise, auf der er nicht nur festgestellt hatte, dass die Welt größer war, als sein Hof und Heim ihm manchmal suggerierten, sondern auch dass es auf anderen Höfen und in anderen Heimen ebenso zuging, wie auf dem, zu dem er gehörte. Dem er gehörte, wenn man es genau nahm. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nichtsdestotrotz zählte der Ausflug in die große, weite Welt zu den entscheidendsten Erlebnissen, an die er sich erinnern konnte. Und das nicht nur, weil sein Leben abgesehen von dieser Zeit eintönig und gleichförmig verlief, sondern auch aufgrund der Begegnung, die er gemacht hatte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Natürlich war er schon zu vor auf Gleichaltrige gestoßen. Ferdinand stand nicht als einziger bereits von Kindheit an in den Diensten betuchter Herrschaften. Und auch zu jenen, obwohl sie stets sorgfältig von dem Teil der für sie arbeitenden Bevölkerung abgeschottet waren, gehörten Kinder und Jugendliche. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doch durfte Ferdinand sie stets nur aus der Ferne sehen. Es war vielleicht seine Aufgabe, sich um ihre Reittiere zu kümmern, sie vorzubereiten, bevor die Herrschaft sich zeigte, und zu versorgen, wenn diese schon längst wieder verschwunden war, aber während keinem dieser Anlässe konnte er mehr als einen Blick erhaschen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sein Ausflug in die Welt, oder – wie ihm später erzählt wurde – der Besuch einer entfernten Verwandtschaft jener, denen er diente - eröffnete ihm jedoch eine, wenn auch nur geringfügig, erweiterte Sicht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er war untergebracht mit den anderen Bediensteten in einem Nebengebäude, das an die Ställe anschloss. &lt;br /&gt;Doch schon in der ersten Nacht wurde Ferdinand klar, dass die Regeln an diesem Ort ein wenig gelockert wurden. Selbst die erwachsenen Diener, die das Sagen hatten, stellten sich auf die neue Situation ein und genossen diese, indem sie sich an dem freizügig angebotenen alkoholischen Getränken gütlich taten und ohne die üblichen, kontrollierenden Blicke auf ihn und seine Arbeit in den Schlaf der Gerechten sanken. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Von der veränderten Luft oder vielleicht auch von der Aufregung, die das Reisen in ihm verursachte, angeregt, hielt es Ferdinand nicht auf dem aufgeschütteten Stroh, dass ihm als Schlafplatz diente und er schlich sich aus dem Stall, um einem bislang selten verspürten Instinkt nachzugehen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es war ihm, als fühlte er, dass an diesem Ort etwas oder jemand auf ihn wartete. &lt;br /&gt;Ferdinand schlich vorsichtig um die Gebäude, erreichte das mittig gelegene Anwesen, das verblüffende Ähnlichkeit mit dem seiner eigenen Herrschaft aufwies. &lt;br /&gt;Und anstatt sich demütig von den hohen, hellen Wänden abzuwenden, konnte Ferdinand nicht anders, als sich Schritt für Schritt den erleuchteten Fenstern zu nähern, die vor ihm lagen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In dem prachtvoll ausgestatteten Raum mit den verspiegelten Wänden und dem glänzenden Parkettboden sah er einen Jungen seines Alters, der sich vergeblich bemühte, den Tanzschritten, die ihm ein gepuderter und mit einer immens hohen Perücke versehener Tanzlehrer beizubringen gedachte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Junge selbst trug den mit Spitzen und funkelnden Knöpfen besetzten Frack, ohne den offenbar kein männliches Mitglied der Familie sich zu zeigen wagte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er balancierte mühselig auf seinen hohen Absätzen und noch während Ferdinand gebannt, und ohne daran zu denken, dass es besser für ihn sei, Deckung zu suchen, in seine Richtung starrte, hob er den Blick von seinen Füßen und seine dunklen Augen trafen genau auf die des Jungen, der vor dem Fenster verharrte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Für einen Moment weiteten sie sich und der Fremde erstarrte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doch noch bevor Ferdinand damit beginnen konnte, sich darüber Sorgen zu machen, ob der Lehrer oder einer der anderen livrierten und dekorativ an den Wänden stehenden Personen aufmerksam wurden, vielleicht sogar auf die Idee kamen, Ferdinand mit mehr oder weniger überzeugend handgreiflichen Mitteln auf seinen Platz zu verweisen, senkte der Fremde den Blick und fuhr damit fort, seine unbeholfenen Schritte zu proben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erst jetzt dachte Ferdinand daran, sich ebenfalls zurückzuziehen und er verschwand übereilt in dem Schatten des Gebüschs, an dem er zuvor achtlos vorbeigeschritten war. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Trotzdem konnte er sich noch nicht von dem Anblick trennen. Und er wusste nicht, ob es daran lag, dass er zum ersten Mal jemanden in seinem Alter aus unmittelbarer Nähe bei einer Tätigkeit beobachten durfte, die, wenn auch nicht an Arbeit, dann doch zumindest an eine seltsam aufgezwungene Form der Beschäftigung erinnerte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ferdinand war sich fast sicher und seine Überzeugung wuchs, je länger er dem Jungen zusah, dass dieser sich der Mühe nicht freiwillig unterzog. Ganz im Gegenteil, er quälte sich dabei und verabscheute nicht nur die unnatürlichen Schrittfolgen, sondern auch seine Kleidung, wenigstens wenn man danach ging, wie er gelegentlich an seinem Kragen zupfte und zerrte, als fühlte er sich von ihm eingeschlossen. &lt;br /&gt;Wie er die Augen schloss und tief ausatmete, als versuche er sich zu beruhigen, sich selbst davon abzuhalten, etwas zu tun, was er später bereuen konnte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und Ferdinand war sich keineswegs sicher, ob es sich dabei um einen drohenden Wutausbruch oder um panische Flucht handelte. &lt;br /&gt;Die vielen Wachen an den Wänden und Eingängen verrieten ihm jedoch, dass trotz der offensichtlich gehobenen Stellung, die der Fremde genoss, keine der Möglichkeiten zu empfehlen sei. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ferdinand hatte sich weit genug zurückgezogen, um in der Dunkelheit der Nacht unkenntlich zu bleiben. Aber dennoch fielen ihm die Blicke auf, die der Junge wieder und wieder suchend aus dem Fenster schickte. Kurz nur, fast unauffällig und trainiert in seiner Unauffälligkeit. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ferdinand fühlte sich an das Geschick erinnert, das er sich über die Jahre erarbeitet hatte, und das es jedes Mal einzusetzen galt, wenn er ein Ziel anstrebte, von dem die anderen, ihm übergeordneten Diener nichts wissen durften. Sei es, dass es sich um das Ergattern eines frischen Apfels aus dem Obstgarten handelte, der selbstverständlich der Herrschaft zugedacht war, oder um das kurze Bad im Bach, das im Sommer zwar verlockend, aber dennoch ungern gesehen wurde. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Offenbar hatte der Fremde sich ähnliche Techniken angeeignet, nur dass er sie in einer vollkommen anderen Umgebung anwendete, die Ferdinand nicht verstand und von der er sich nicht einmal sicher war, ob er sie verstehen wollte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jedes Mal, wenn der Blick des anderen in die Nacht wanderte, fragte Ferdinand sich, ob der ihn vielleicht doch sehen konnte, ob er sich gut genug verborgen hatte und welche Konsequenzen darauf folgten, sähe er ihn immer noch dort stehen, an einem Ort, an den Ferdinand nicht gehörte, in dessen Nähe er nicht einmal erlaubt war sich aufzuhalten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und doch konnte auch Ferdinand nicht gehen. Auf eine Weise gefesselt, die er nicht verstand, wurde er nicht müde, den Bemühungen des Jungen zu folgen, der Art, wie er irritiert sein dunkles Haar aus dem Gesicht blies, das ihm immer wieder von Neuem in die Stirn fiel. &lt;br /&gt;Den kleinen, stolpernden Schritten, die jede versuchte Drehung begleiteten, oder dem enttäuschten Wedeln mit seinen Armen, wenn er sich wieder der falschen Seite zuwandte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ferdinand war sich nicht sicher, was ihn festhielt und fast fühlte er sich erleichtert, als der Junge, nach einem letzten und bedauernden Blick in die Dunkelheit vor dem Gebäude aus dem Raum geführt wurde. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erst jetzt kehrte er auf schnellstem Wege in den Stall zurück und versprach sich selbst für den Rest des Aufenthaltes, keinen Gedanken mehr an seinen unbesonnenen, nächtlichen Ausflug zu verschwenden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sein Vorhaben wurde Ferdinand allerdings erschwert, als er in den folgenden Tagen immer öfter auf den fremden Jungen traf. Und während jeder Begegnung, die ebenso zufällig wie inszeniert wirkte, starrte der andere ihn an. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Selbstverständlich senkte Ferdinand pflichtbewusst sofort seinen Blick. &lt;br /&gt;Ob es nun der Fall war, dass der Fremde zu früh auftauchte, um sein Pferd abzuholen, oder sich für einen Jungen seines Ranges vollkommen unangebracht ohne größere Begleitung als zwei oder drei Diener, die ihm aufgeregt hinterher hasteten, im Freien aufhielt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und nicht mit der ihm standesgemäßen Zurückhaltung sein Kinn hob und an jeglicher unwürdigen Dienerschaft vorbei schritt, ohne ihr eine Bedeutung zuzumessen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Stattdessen sah er Ferdinand immer wieder unverfroren an und obwohl Ferdinand trotz seines gesenkten Kopfes den Blick auf sich spürte, schien der Fremde sich nicht einmal zu schämen, keineswegs das Unpassende seines Verhaltens zu spüren. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doch spielte das alles auch keine Rolle, nicht für Ferdinand. Er kannte sehr wohl seinen Platz und auch wenn ihm Ausrutscher unterliefen, so kam es nicht in Frage, dass er ein Risiko egal welcher Art einging. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und dennoch geschah es, dass Ferdinand hin und wieder aufsah, um unvermittelt im Blick des anderen gefangen zu sein, der ihn viel zu direkt und über eine viel zu große Entfernung hinweg ansah. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ferdinand wusste nicht, was er mit diesen Blicken anfangen sollte und auch wenn ein Teil von ihm es bedauerte, dass die Rückkehr bevorstand, so fühlte sich ein anderer fast erleichtert, dem seltsamen Fremden entrinnen zu können. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und doch blieb ihm am letzten Tag seines Aufenthaltes der Atem weg, als er dem Pferd den Sattel abnahm, von dem er nicht einmal gewusst, wenn auch im Stillen geahnt hatte, dass der Junge es ritt, und darunter geklemmt ein kleines Stück Papier entdeckte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Für einen Augenblick betrachtete er überrascht die filigrane Schrift, bevor er sich besann und den Zettel rasch in seiner Brusttasche verschwinden ließ. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erst nachdem sie wieder zurückgekehrt waren und Ferdinand sich sicher genug fühlte, suchte er den einzigen Menschen unter der Dienerschaft auf, der lesen konnte, und bat ihn, die wenigen Worte zu entziffern. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mit kaum unterdrücktem Unbehagen, aber dennoch bereitwillig las dieser ihm vor, was auf dem Papier stand, und Ferdinand prägte sich diese Worte ein. &lt;br /&gt;Und manchmal, wenn er alleine war, nahm er den sorgfältig zusammengefalteten und versteckten Zettel aus seiner Brusttasche und sagte sich vor, was sie bedeuteten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dabei dachte er an die dunklen Augen des Jungen, an das ungebärdige Haar und an die unbeholfenen Schritte auf dem glänzenden Parkett. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;‚Es hat mich gefreut, dich kennengelernt zu haben‘, lauteten die Worte auf dem Papier. ‚Mein Name ist Pascal.‘ &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ferdinand nickte und strich mit der Spitze seines durch die harte Arbeit verhornten Zeigefingers über das letzte Wort und dachte bei sich, dass der Name durchaus passte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und manchmal malte er sich aus, wie Pascal tanzte oder wie er auf dem Pferd saß, das Ferdinand zuvor gestriegelt hatte, und wie er sich vorbeugte und ein Stück Papier sorgfältig am Sattel verbarg. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weitere Jahre vergingen und obwohl der Zettel dünn und abgegriffen war, trug Ferdinand ihn immer noch bei sich. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er war siebzehn Jahre alt und kein Stallbursche mehr. Jetzt lehrte er die Jungen, die neu auf den Hof kamen, das, was er gelernt hatte. &lt;br /&gt;Er trug Verantwortung und hielt sich wohlweislich vom Anwesen fern, das alle andere Gebäude überragte. Es war nicht so, als könnte er die Ablenkung wirklich gebrauchen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Umso überraschter war Ferdinand, als eines Tages, im Spätsommer, eine Kutsche mit Gefolge eintraf. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nicht dass dies selten geschah, seine Herrschaft empfing gelegentlich Besuch und beherbergte diesen auch für Wochen und Monate. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doch schon als Ferdinand die Ankommenden von weitem bemerkte, fühlte er, wie sein Herz schneller schlug. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er konnte das Wappen nicht erkennen, aber die Farben kamen ihm vage vertraut vor. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ferdinand unterdrückte den Impuls, der ihn überkam, unterdrückte die Vorstellung, die sich in ihm ausbreitete. &lt;br /&gt;Zu lange war es her, zu viel geschehen, als dass er noch wüsste, welche Farben der einzige Hof, den er außer dem, auf dem er arbeitete, kannte, für sich beanspruchte. Sie konnten ähnlich sein, konnten anders sein. Und nicht zuletzt spielten Verstand und Erinnerung ihm doch immer wieder Streiche, blieb ihm während und auch trotz der Arbeit zu viel Zeit zum Träumen, zu viel Zeit seine Gedanken auf Reisen zu schicken, die ihm nicht gut taten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Umso verblüffter war Ferdinand, als er sich der Kutsche näherte, als er die Stallburschen beaufsichtigte, die nach bestem Wissen mit der Versorgung von Tieren und dem Transport des Gepäcks begannen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im ersten Augenblick glaubte Ferdinand sich zu täuschen, fürchtete sich zu täuschen, als er den stolzen Falken auf der Wappenzeichnung erkannte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sein Mund öffnete sich und sein Blick glitt rasch über die Fassade des Anwesens, über das geschäftige Hauspersonal, mit dem er nichts zu tun hatte, bis er wie von einer äußeren Kraft gesteuert herauf wanderte bis zu dem Vorsprung, der über dem Eingang angebracht und mit einer steinernen Brüstung versehen war. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und dort oben, gegen diese Brüstung lehnte Pascal und sah auf ihn herab. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er gab kein Zeichen des Erkennens, aber ein beiläufiges Lächeln breitete sich auf seinen Lippen aus, als habe er auf etwas gewartet, einen Verdacht gehegt, eine Hoffnung, die sich erst jetzt bestätigte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und noch bevor Ferdinand auch nur seinen Mund schließen konnte, drehte Pascal sich um und verschwand im Inneren des Gebäudes. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ferdinand fühlte, wie sein Puls sich beschleunigte, sein Hals trocken wurde. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rasch, bevor jemand aufmerksam werden konnte, senkte er seinen Blick und wandte seine Aufmerksamkeit wieder den Pflichten zu. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doch gelang es jenen nicht ihn soweit in Beschlag zu nehmen, dass er den Anblick vergaß. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Pascal war größer geworden, aber das war er selbst auch. Sein Haar, seine Augen waren dieselben geblieben. Beide glänzten dunkel und satte Strähnen fielen ihm in die Stirn. &lt;br /&gt;Der unvermeidliche Frack war mit ihm gewachsen, die Spitzen und Bordüren auffälliger denn je. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ferdinand schluckte, dachte an das Papier, das er immer noch in seiner Brusttasche trug. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Pascal war nur ein Besuch wie so viele vor ihm und so viele nach ihm. Seine Anwesenheit bedeutete keinen Unterschied für Ferdinand und für sein Leben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und obwohl es sich anfühlte, als brenne der Zettel mit Pascals Namen darauf ihm in den folgenden Tagen ein Loch in seine Haut, brachte Ferdinand es nicht über sich, ihn zu entfernen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Stattdessen wartete er und wusste aber nicht worauf. &lt;br /&gt;Er fühlte, dass etwas vorging, in ihm oder in der Welt, die ihn umgab. &lt;br /&gt;Alles schien mit einem Mal um so vieles lebendiger. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er fühlte den Wind auf seiner Haut und die Sonne in seinem Haar. Er spürte den rauen Grund unter seinen Füßen, lauschte auf den Abschiedsgesang der Vögel, atmete den süßen Duft der Herbstblumen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Alles stand in vibrierender Erwartung. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ferdinands Blicke durchsuchten von morgens bis abends die Wiesen, die Felder, die Gebäude. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Überall erhaschte er dunkles Haar, dunkle Augen, nur um beim Näherkommen zu erkennen, dass er sich geirrt hatte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und er wusste nicht, ob er über diese Irrtümer traurig oder erleichtert sein sollte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Pascal hatte dort, wo er lebte, nichts verloren. Niemals setzte er seine Füße auf den Boden, der Ferdinand trug. &lt;br /&gt;Und niemals war es ihm erlaubt auch nur ein Wort an den anderen zu richten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ferdinand wusste nicht einmal, ob er das auch wollte. &lt;br /&gt;Er konnte sich nicht einmal im Entferntesten vorstellen, was er dem anderen sagen sollte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber er wusste, dass selbst ihn anzublicken zu jenen unausgesprochenen Verboten zählte, die zu brechen, Schande und Strafe nach sich zögen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ferdinand hörte auf zu schlafen. &lt;br /&gt;Er fand nachts keine Ruhe mehr. Egal wie lange und wie schwer er gearbeitet hatte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hin und wieder gab er den Versuch auf, hielt inne mit seinem unruhigen Wälzen auf dem Stroh, dem kurzen Eindämmern, aus dem er schweißgebadet und ohne sich daran zu erinnern, wovon er geträumt hatte, erwachte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dann stand er auf und wanderte durch die tiefe Nacht oder die frühen Morgenstunden, zog seine dünne Jacke enger um den frierenden Körper und fragte sich, was um alles in der Welt er hier tat. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er fragte sich, ob das nun alles gewesen war, ob es so auch zu Ende gehen sollte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vielleicht war er krank, vielleicht begann sein Sterben auf diese Weise. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er konnte nicht schlafen, konnte nicht essen, und wenn er unterwegs war, spielten seine Sinne verrückt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und er bekam Pascal nicht mehr zu Gesicht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Manchmal, wenn er sehr müde war, glaubte Ferdinand sich geirrt zu haben, dass er sich die Ankunft des anderen nur einbildete, dass darin nur ein weiteres Symptom seines unaufhaltsamen Verfalls bestand. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bis zu jenem Tag, zu jener Nacht, in der er sich nicht einmal mehr die Mühe machte, sich hinzulegen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er lehnte sich gegen die Holzwand in seinem Stall, verschränkte die Arme und wartete. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er lauschte auf die Geräusche der Nacht, auf den Atem der Tiere und er wusste, dass etwas geschah. Und dass es in dieser Nacht geschehen sollte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein Wind kam auf. Ferdinand hörte ihn um die Gebäude streichen, vernahm sein Flüstern, das vom Ende einer Jahreszeit und dem Beginn einer anderen erzählte. Von dem Nahen des Winters, von drohender Kälte, aber auch von Klarheit und einer Bedeutung, die Ferdinand nicht verstand. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er ging an den schlafenden Stallburschen und Knechten vorbei, verließ das Gebäude und schloss sachte die Tür hinter sich. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weiter lief er, fort von dem Anwesen, vorbei an den Stallungen für die kostbarsten der Pferde, die, um jene er selbst sich nur in den seltensten Fällen kümmern durfte, die für den Handel und die Zucht bestimmt waren, und er erreichte das Feld, das gleich im Anschluss an den Wald grenzte, der in der Finsternis düster und bedrohlich wirkte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und doch verblasste die Finsternis, ebenso wie die schwelende Bedrohung, obwohl oder gerade weil Ferdinand gerade dort im Schutz der hohen Bäume jemanden stehen sah. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er fühlte keine Angst, nicht einmal mehr Zweifel, als er sich dem Mann näherte. Und Ferdinand spürte nicht einmal Verwunderung über die beiden wertvollen Tiere, die Pascal lose am Halfter führte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Mond schien silbern über sie hinweg, spiegelte sich in Pascals Augen, in seinen weißen Zähnen, als er lächelte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Ich habe auch gewartet“, sagte er dann und seine Stimme klang gerade so wie Ferdinand es erwartet hatte, sanft und tief. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er reichte Ferdinand einen der Zügel. „Kommst du?“, fragte Pascal und Ferdinand überlegte nicht, als er sich in den Sattel schwang, als sie ihre Pferde antrieben und am Waldesrand entlang jagten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erst als sie über die Grenzen der Grafschaft hinaus waren, als sie im stummen Einverständnis abstiegen, um den Tieren eine Rast zu gönnen, wandte Pascal sich wieder an Ferdinand, sah ihn ruhig an, bis Ferdinand seinen Blick zu Boden senkte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Warum tust du das?“, fragte er heiser. Und als er wieder aufsah, lächelte Pascal nahezu hilflos. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Ich musste dich wiedersehen“, sagte er schlicht. „Nichts anderes war von Bedeutung.“ &lt;br /&gt;Dann drehte er sich um und nestelte an der Satteltasche von Ferdinands Pferd, zog eine pelzgefütterte Jacke heraus. „Die wirst du brauchen“, meinte er nachdenklich und reichte sie Ferdinand. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der strich über die weiche, warme Oberfläche. „Wohin gehen wir?“, flüsterte er, als Pascal sein Pferd wieder bestieg. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Dorthin wo sie uns niemals finden werden“, antwortete er. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und Ferdinand glaubte ihm, als sie das Land durchquerten, dem Winter entgegen ritten. &lt;br /&gt;Er vertraute Pascal, als der ihn durch Wind und Kälte führte, als die Hufen ihrer Tiere über den von herabfallenden Blättern bedeckten Boden schritten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und er war glücklich, als sie die weiten Schneeflächen erreichten, die einst fruchtbare Ödnis bedeckten, die sich endlos ausdehnten, als sie über sie hinweg galoppierten, auf ein Ziel zu, dass Ferdinand nicht kannte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Welt dehnte sich kalt und unwirtlich vor ihnen aus und zugleich war sie von klarer, heller Schönheit. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie ritten lange und es wurde wieder Nacht, als die Lichter begannen den Himmel zu erleuchten, als Farben über die Schneedecken tanzten, die Dunkelheit zum Glühen brachten, bis Ferdinand innehielt und sich atemlos zu Pascal umdrehte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; „Ist es das?“, fragte er und Pascal nickte nur. „Deine und meine Bestimmung“, sagte er und streckte eine kalte Hand aus, die Ferdinand dankbar ergriff. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Das Nordlicht“, fuhr er fort. „Es lockt und droht uns zu gleicher Zeit. Doch selbst, wenn es uns den Tod bringt, so sind wir wenigstens frei.“ &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Und zusammen“, ergänzte Ferdinand, während violette und grüne Wellen über den Himmel glitten. „Für immer.“&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/3263622768781598349-600109366412023732?l=callisto24.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://callisto24.blogspot.com/feeds/600109366412023732/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3263622768781598349&amp;postID=600109366412023732' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/600109366412023732'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/3263622768781598349/posts/default/600109366412023732'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://callisto24.blogspot.com/2010/03/nordlicht.html' title='Nordlicht'/><author><name>callisto24</name><uri>http://www.blogger.com/profile/18191488055625225167</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='32' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/_Uzq-1PR2gcg/SNaEoxPltqI/AAAAAAAAAAM/7NujjFFZKlk/S220/peacesee.jpg'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-3263622768781598349.post-3175601850255286865</id><published>2010-03-06T12:01:00.001-08:00</published><updated>2010-03-06T12:01:43.666-08:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Geschichte'/><title type='text'>Missbrauch</title><content type='html'>Titel: Missbrauch&lt;br /&gt;Autor: callisto 24&lt;br /&gt;* * *&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er hörte in den Nachrichten, was geschehen war. Nicht dass er ernsthaft glaubte, Arthur habe nichts Besseres zu tun, als sich bei ihm zu melden und ihm sein Herz auszuschütten, gleich nachdem er das Polizeirevier verlassen hatte. &lt;br /&gt;Und doch tat es weh zu spüren, wie weit sie sich immer noch voneinander entfernten. Es war ihm fast, als vergrößere sich der Abstand zwischen ihnen von Tag zu Tag, ohne dass er etwas dagegen tun konnte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Natürlich spielte es auch eine Rolle, dass sie nun nicht mehr zusammenarbeiteten, nicht mehr gezwungen waren, sich beinahe täglich zu sehen. Wobei dies nie zu einem Zwang geworden war, sondern immer den Höhepunkt des Tages darstellte, den einen Augenblick, dem Matthias erwartungsvoll entgegensah, auch wenn er nicht genau definieren konnte oder wollte, was er sich eigentlich davon erwartete. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und nun war Arthur wegen Alkohols am Steuer verhaftet worden, und Matthias fühlte nichts als verletzten Stolz. Und das nur, weil Arthur sich nicht die Zeit genommen hatte, ihn persönlich zu informieren. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie waren sich einmal so nahe gewesen, keine Stecknadel konnte sich zwischen sie drängen. Und in seinen schwachen Momenten wünschte Matthias sich diese Zeiten zurück. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er rieb sich die Stirn und presste dann seine Fäuste gegen die übermüdeten Augen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es war das Letzte, was Matthias erwartet hatte, und mit Sicherheit das Letzte, was er sehen wollte, wenn er den Fernseher anschaltete. Sich nur vorzustellen, wie Arthur diese Nacht verbracht hatte, machte ihn krank. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Matthias griff zum Telefon, ließ dann seine Hand wieder sinken. Woher sollte er auch wissen, ob es Arthur recht war, wenn er ihn anriefe. Vielleicht wollte er gerade jetzt niemanden um sich haben, oder – und viel wahrscheinlicher – er war gerade dabei, seinen Rausch auszuschlafen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Matthias ballte seine Hände zu Fäusten und presste sie dann gegen seine Augen. Er stützte die Ellbogen auf die Knie und krümmte sich vornüber. &lt;br /&gt;Doch das Bild wollte nicht vergehen. Die Aufnahme, die von Arthur auf dem Revier gemacht worden war und durch Umstände, die sich womöglich nie wieder nachverfolgen ließen, in die Presse geraten waren, hatte sich in seine Netzhaut eingebrannt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sicherlich schenkte kaum jemand diesen Nachrichten aus der Sparte Prominenten-Klatsch allzu viel Aufmerksamkeit, aber Matthias kam es dennoch so vor, als habe jeder Kanal mit Wonne und in entsprechend genüsslicher Länge Arthurs Foto ausgestrahlt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie sah er aus? Wie hatte sich der doch gerade eben erst so attraktive Mann verwandelt? &lt;br /&gt;Seine Haut wirkte bleich und teigig und Matthias wusste leider, dass es dieses Mal nicht die ungünstige Beleuchtung war, die dafür verantwortlich zeigte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Schönste in Arthurs Gesicht, seine dunklen ausdrucksvollen Augen, waren blutunterlaufen und verquollen. Sie schienen kleiner zu werden, je mehr sein Gesicht auseinanderging. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Matthias hatte versucht, es zu leugnen. Aber die Wahrheit ließ sich nicht mehr abstreiten. Arthur ließ sich gehen. Er verfiel auf rapide und geradezu erschreckende Weise. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch wenn er es noch so sehr versuchen wollte, so konnte Matthias sich nicht mehr vormachen, dass Arthur lediglich in einer Phase steckte, dass er sich wieder finge und seinen Schwung, die Energie, seine Ausstrahlung und das unnachahmliche Charisma, das ihm so viele seiner Rollen verschaffte, zurückgewänne. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zu tief steckte der Ältere bereits in dem Sumpf, in den er sich freiwillig begeben hatte. &lt;br /&gt;Und nun wusste es jeder. Die ganze Welt wusste Bescheid. Und die Chancen auf einen neuen Weg, auf die Gelegenheit, die es am Schopf zu ergreifen galt, und die ihm einen Neustart seiner Karriere ermöglichten, sanken mit jeder Sekunde. Mit jedem Telefonanruf, der durch die Leitungen ging, mit jedem Blog-Post, der das Thema aufgriff. Und mit jeder Sendung, die nichts Besseres im Programm hatte, als wieder und wieder das Bild von Arthurs Schande zu zeigen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So schnelllebig die Medien dieser Tage sich auch gebärdeten, so gründlich speicherte die Branche Vorfälle wie diese, ordnete sie nach Publikumswirksamkeit in Kategorien und berechnete Verkaufszahlen aufgrund des öffentlich erweckten Eindrucks. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und wie Matthias es auch drehen oder wenden wollte, für diese Art von Publicity war Arthur letztendlich zu alt. Sie funktionierte nicht mehr in seiner Generation, funktionierte nicht, wenn der Protagonist nicht mehr jung genug war, um mit dem Nimbus des missverstandenen und am Leben erkrankten Teenagers versehen zu werden. Ein Nimbus, der heutzutage durchaus auch noch bei Dreißigjährigen passte. &lt;br /&gt;Aber eben nicht, wenn die Vierzig längst überschritten, das Zielpublikum auf die eine oder andere Art ihre eigene Identität gefunden oder akzeptiert hatte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Matthias vergrub seine Finger in den Haaren, packte ganze Büschel davon und zerrte an ihnen, bis es weh tat. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vielleicht war das ein Teil des Problems, so wie er selbst fraglos ein Teil von Arthurs Problem war. Soviel versuchte er zumindest sich selbst gegenüber zuzugeben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Arthur war weit davon entfernt, eine eigene Identität zu entwickeln. Und so wie es aussah, hatte er niemals eine besessen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Deshalb war er so gut in seiner Arbeit. Er schaffte es mühelos, sich in jemanden zu verwandeln, der ebenso eindimensional wie komplex sein konnte. Arthur war in der Lage einen Charakter zu entwickeln, zu ergründen und sich mit Haut und Haaren in ihn zu vertiefen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und Matthias beschlich manchmal der Verdacht, dass er auch sein Leben auf genau diese Art führte. &lt;br /&gt;Arthur probierte sich aus. Er spielte mit den Alternativen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Selbstverständlich hatte Matthias sich die Mühe gemacht, in Arthurs Biographie zu stöbern, als sie beide für ein derart zeitintensives Zusammenspiel engagiert worden waren. &lt;br /&gt;Wenn er so viel Zeit mit jemandem am Set verbringen musste, dann war es immer gut, sich zumindest ein wenig vorzubereiten, Gemeinsamkeiten auszuloten, heiße Themen vermeiden zu lernen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Matthias war schon immer gut damit gefahren, sich unter den Kollegen Freunde zu machen, enge Freunde. &lt;br /&gt;Es kam gut in der Presse. Und es half definitiv der eigenen Karriere weiter. &lt;br /&gt;In diesem Geschäft ging nichts über Beziehungen und man konnte niemals wissen, wer aus einem umfangreichen Ensemble der Glückliche war, der den nächsten Hit landete. &lt;br /&gt;Gut, wenn man mit demjenigen dann auf gutem Fuß stand. Ausgezeichnet, wenn man bereits eine Freundschaft pflegte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Matthias befand sich lange genug in diesem Metier. Er war in jungen Jahren eingestiegen, als die Suche nach Anschluss noch ein Grundbedürfnis gewesen war. &lt;br /&gt;Und in der Regel konnte er sich auf seinen Instinkt verlassen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schon sehr oft hatte er beobachten dürfen, wie einer seiner guten Freunde aus einem gemeinsamen Projekt ausstieg um eine Stufe höher zu klettern, ob es sich nun um Kino handelte oder um eine Mainstream-Serie. Bislang hatte ihm allerdings noch keiner der Kontakte wirklich geholfen, nicht auf eine umwerfende und karriereanschiebende Weise. &lt;br /&gt;Sei es, dass der andere keine Möglichkeit besaß, Matthias weiterzuhelfen, oder dass er schlichtweg seine Absicht durchschaute, darüber versuchte er nicht nachzudenken. Es führte zu keinem Ergebnis und Matthias hatte nicht vor, seine Zeit zu verschwenden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch aus diesem Grund fühlte er sich schuldig. Nicht dass er sich mit Absicht von Arthur zurückgezogen hatte, nicht bewusst, das ganz gewiss nicht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber er entwickelte sich und er besaß jedes Recht dazu. Jung war er, jung genug, um in einem Jahr in der Musik seine Obsession zu finden, in einem anderen in der Gründung einer Produktionsfirma und im nächsten in der  Malerei. &lt;br /&gt;Darsteller wie er verdienten nicht die Welt, es war immens wichtig, sich so viele Standbeine wie möglich aufzubauen. &lt;br /&gt;Selbst Arthur hatte ihn darin bestärkt. Und der Himmel wusste, dass Arthur viel ausprobiert hatte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In seiner Jugend ließ er sich die Haare lang wachsen und experimentierte mit Drogen. Er hatte in Künstler-WGs gehaust und vom Existentialismus gekostet. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn Matthias sich die Bilder aus dieser Zeit im Internet herunterlud, dann konnte er nicht angeben, ob Arthur in der Rolle des Freigeistes überzeugender war, als in der Rolle des braven Hausmannes, die er ebenso getestet hatte, wie die eines besessen Workaholics, der von Gig zu Gig reist ohne sich eine Pause zu gönnen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und als Matthias ihn kennengelernt hatte, da ergab Arthurs Verhalten letztendlich auch einen Sinn. Nicht von Beginn an, aber im Laufe der Zeit. &lt;br /&gt;Als Matthias nicht anders konnte, als zu bemerken, dass Arthur mehr und mehr begann, ihn und sein Verhalten zu imitieren. Als wollte er seine Jugend zurück, als ginge er mit einer Midlife-Crisis um, oder als suche er einfach nur ein Vorbild, das er kopieren könne, um sich nicht damit auseinanderzusetzen, was immer noch verborgen zu tief in ihm selbst schlummerte, als dass er es, ohne sich zu verrenken, erreichen konnte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Matthias hob den Kopf und stützte das Kinn auf seine Fäuste. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So klar hatte er es bisher noch nicht vor sich gesehen. Es handelte sich um eine klare Frage von Nachahmung, von Imitation aus einem Gefühl der Leere heraus. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Arthur wusste nicht, wer er war. Und deshalb füllte er seine Leere mit den Menschen, die ihm über den Weg liefen. &lt;br /&gt;Er suchte den Anschluss, so wie Matthias ihn suchte, nur aus anderen Gründen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Arthur kopierte ihn, weil er sein wollte wie Matthias, weil er ihn für ein erstrebenswertes Vorbild hielt. So wie er zuvor vielleicht einen brotlosen Künstler oder einen glücklichen Familienvater für ein Vorbild gehalten hatte, für die letzte Rolle, die er spielen werde. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nur merkte er jedes Mal wieder, dass es nicht seine Rolle war. Und irgendwann musste er gemerkt haben, dass er nicht mehr so viel mit Matthias gemein hatte, wie er eine Zeitlang wohl glauben wollte. &lt;br /&gt;Dass er nicht mehr durchging als jugendlicher Held. Dass seine Rollenverteilung auf anderen Ebenen gesucht wurde. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und Matthias, auch wenn er sich dessen nicht bewusst gewesen war, konnte Arthur nicht mehr ertragen, nicht mehr in dieser Enge, mit dieser Nähe. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nur deshalb hatte er sich zurückgezogen, deshalb war er mit beiden Beinen in die Möglichkeit der Musikproduktion gesprungen. Deshalb hatte er Kontakte am Rande der Branche aufgegriffen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und Arthur nach und nach fallen gelassen, vergessen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nicht dass er es gewollt hatte, aber es war geschehen. &lt;br /&gt;Und nun konnte er nichts mehr daran ändern. &lt;br /&gt;Nun wusste er nicht einmal, ob es wirklich ein Fehler gewesen war. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Matthias schüttelte den Kopf. Von seiner eigenen Perspektive aus gesehen handelte es sich wohl auch nicht um einen Fehler. &lt;br /&gt;Matthias befand sich noch inmitten des Getriebes. Vielleicht nicht mehr auf der Überholspur, aber dafür weit oben. &lt;br /&gt;Und wenn er es weiter hinauf schaffen wollte, dann gelänge ihm das nicht um jeden Preis, nicht unbedingt im Doppelpack. Nicht mit Arthur. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vielleicht hatte er im Stillen geahnt, dass in Arthur die Wurzel zum Absturz schlummerte. Vielleicht gefühlt, dass seine Instabilität eine schwelende Bedrohung für Matthias eigene, auf lange Zeit angelegte Karriere war. &lt;br /&gt;So wie Matthias gespürt hatte, dass es besser für ihn war, sich zu lösen. Besser für ihn selbst. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Matthias rieb sich die Stirn. Natürlich hätte er sich denken können, dass es nicht gut liefe, dass es für Arthur nicht gut ausginge. &lt;br /&gt;Das Geschäft lief nicht so. Alles hing zusammen und die Antennen schlugen in die unterschiedlichsten Richtungen aus, schneller als selbst der flexibelste Produzent sich nach dem Wind drehen konnte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine Kleinigkeit konnte ausreichen. Und eine Kleinigkeit hatte ausgereicht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Matthias glaubte keine Sekunde die offizielle Version. Er konnte sich nicht vorstellen, dass die Geschichten für Arthurs Charakter ausgelaufen waren, dass keinem der Autoren eine neue Wendung, ein Kniff einfiele, der die Rolle am Leben hielt. Und er konnte sich nicht vorstellen, dass die Produzenten sich wirkliche Erfolge davon versprachen, ihn aus der Besetzungsliste zu entfernen. Nicht so. Und nicht so plötzlich. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber das Schlimmste war, dass er sich selbst keineswegs von Schuld freisprechen konnte. Dass er fühlte, wie sein Abstand zu Arthur, die sich stetig erweiternde Kluft Anlass zu Spekulationen gab und unangenehme Schwingungen am Set verbreitete. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dass er wusste, er hätte das Unvermeidliche aufhalten können. Sich für Arthur und seinen Verbleib in der Serie einsetzen. Es war nicht notwendig, stumm zu akzeptieren, was von oben bestimmt wurde. Nicht, wenn er wusste, dass es bis zu einem gewissen Grad aufgrund seines Verhaltens geschehen war. Dass die angedeutete Möglichkeit, eine weitere Zusammenarbeit sei schwierig, die machtausübenden Personen einzeln nach und nach unter Druck gesetzt und dazu bewogen hatte, eine Entscheidung zu treffen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine Entscheidung, von der er sehr gut wusste, von der sie alle sehr gut wussten, dass sie zu Matthias Gunsten ausfallen musste. &lt;br /&gt;Wenn auch nicht mehr der Star der Serie, so blieb Matthias Charakter doch eine Rolle, die den Zuschauern ans Herz gewachsen war, ohne die sie sich weitere Verläufe nicht vorstellen konnten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Arthurs Figur dagegen war erheblich komplexer. Sie beinhaltete zu viele Facetten, zu viele unterschiedliche Grautöne, als dass er für jedermann leicht zu verkraften war. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es existierten regelrechte Feinde seines Charakters. Ebenso wie seine Fans existierten, die Fans, die fraglos dagegen protestiert hatten, dass ihre Lieblingsfigur aus der Serie entfernt wurde. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber offenbar nicht genug, um Arthurs Selbstvertrauen ausreichend Schub zu verleihen. &lt;br /&gt;Vielleicht existierten auch mehr seiner Feinde, mehr Meinungsbildner, die ihr Wohlgefallen darüber äußerten, dass Arthurs Geschichte ihr Ende gefunden hatte. Endlich, wie diese lautstark verkündeten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und doch ließ sich nicht leugnen, dass diese Rolle Arthur letztendlich einen unbestreitbaren Karriereschub verpasst hatte. &lt;br /&gt;Demnach war es nicht nur blauäugig von Matthias allein, wenn er geglaubt hatte, dass Arthur sich ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, umdrehte und einer neuen Aufgabe zuwandte. Einem neuen Leben und, wenn es denn sein musste, einem neuen Bild, dem gerecht zu werden, er sich erhoffte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doch dies war offenbar nicht geschehen. Und Matthias musste zugeben, dass er nicht genau wusste, was eigentlich geschehen war. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sicher, sie hatten versucht, ihre Freundschaft noch einmal aufleben zu lassen. Sie hatten sich getroffen wie in alten Zeiten, hingen noch einmal zusammen ab, versuchten einen Abschluss zu finden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nein. Matthias presste seine Lippen zusammen. Er hatte versucht, einen Abschluss zu finden. &lt;br /&gt;Für ihn war das unvermeidliche Ende in Sichtweite gerückt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ihre Wege, die ohnehin bereits verschiedene Richtungen einschlugen, trennten sich nun endgültig. &lt;br /&gt;So wie das Leben spielte. Und wie Matthias es von Anfang an erwartet hatte. Er war in der Lage dazu, abzuschließen, in der Lage loszulassen und zu neuen Ufern aufzubrechen. Aber Arthur? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;An diesem Abend hatte Matthias es bereits geahnt. Arthurs Weg existierte nicht. Gut, vielleicht existierte er irgendwo, aber Arthur hatte ihn noch nicht gefunden. Und so wie er aussah, wie er auf Matthias wirkte, war nicht davon auszugehen, dass er ihn überhaupt suchte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Natürlich konnte er nicht seinen Finger darauf legen. Die letzte Szene war damals noch nicht abgedreht worden, Arthurs Arbeit noch nicht beendet. Und wenn er etwas Neues in Aussicht hatte, vielleicht sogar etwas, über das er Stillschweigen bewahren sollte, so erwartete Matthias beinahe, dass er nicht mit der Sprache herausrückte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So gut verstanden sie sich eben nicht mehr. Und vielleicht hatten sie das auch nie. Alles, was sie geteilt hatten waren oberflächliche Scherze und das Bedürfnis, sich vor der Kamera in Szene zu setzen. So gut es ihnen möglich war. &lt;br /&gt;Sicher verband auch das. Sicher verbanden eine äußerliche Anziehungskraft und die Tatsache, dass Arthur immer und überall ein willkommener Freund und Kollege war. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und genauso sicher wusste Matthias, dass er selbst eben kein netter oder willkommener Kerl war, nicht im Geringsten. Er versuchte es manchmal, er versuchte immer so zu tun. Aber er versagte regelmäßig. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sein inneres Wesen sah doch zu oft unter der dünnen Haut, mit der er es zu vertuschen suchte, hervor. Es pikte an den Schichten und ließ sich erraten, wenn er jemanden zu lange und zu nah an sich heranließ. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Matthias schloss seine Augen und rieb langsam, methodisch seine Stirn. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jeder konnte sehen, was ihn ausmachte, wenn er nur genau genug hinsah. Matthias machte sich da nichts vor. Er wusste sehr gut, dass dieser genaue Blick auch oft der Grund dafür war, dass er seine so guten und engen Freunde nicht mehr wiedersah. Wenn sie erst einmal eine andere Richtung einschlugen, von anderen Menschen umgeben waren, dann sahen sie hinter die Fassade, die Matthias so mühsam errichtet hatte. &lt;br /&gt;Sie erkannten, dass er nicht ehrlich war, dass es ihm nicht um sie ging, nicht einmal um ihre Freundschaft. Sie sahen, dass er mit ihnen ebenso verführe, wie sie es letztlich mit ihm taten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Matthias hielt in der Bewegung inne. &lt;br /&gt;Nur Arthur nicht. Und er war sich sicher, manchmal war Matthias sich sicher, dass Arthur schon sehr früh einen Blick hinter die Fassade geworfen hatte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ihre Beziehung war wirklich und tatsächlich eng gewesen. Und wenn Matthias es zugeben müsste, so sagte er, dass sie vermutlich enger war, als jede andere, die er jemals mit einem Kollegen geteilt hatte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Arthur müsste schon ausgesprochen blind und taub sein, wenn er nicht einen Hauch von Matthias Absichten erahnte. &lt;br /&gt;Und so dumm war er nicht, dass nicht auch er seine Hausaufgaben gemacht hatte. Matthias wusste, dass Arthur seine Filme kannte, dass er sie nicht allzu lange Zeit nachdem sie Bekanntschaft geschlossen hatten, sah. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Manchmal erzählte er ihm davon. Und charmant wie Arthur war, geizte er nicht mit Komplimenten, die Matthias angenehm den Rücken hinunter rieselten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nicht, dass er selbst den Gefallen erwidert hatte. &lt;br /&gt;Sicher, auch er hatte einige von Arthurs Filmen gesehen. Aber er hatte sich dann doch auf die wenigen, bekannteren beschränkt. Und mit Sicherheit hatte er niemals ein lobendes Wort darüber verloren, überhaupt ein Wort verloren. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es war für ihn, als begann Arthurs Existenz mit seinem Eintritt in die Serie oder in Matthias Leben, was letztlich dasselbe bedeutete. Und anders wollte Matthias es doch auch gar nicht haben. Es ergab keinen Sinn, Zeit und Mühe in etwas zu investieren, was keine Zukunft beinhaltete. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Keine seiner Freundschaften, seiner Beziehungen besaß jemals eine Zukunft. Damit hatte Matthias sich schon vor langer Zeit abgefunden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Für sich selbst erkannte er, was oder wer er wirklich war. Er war der selbstsüchtige Einzelgänger, das Individuum, das mit dem Kopf in den Wolken achtlos auf denen herum trampelte, die niedertrat, die er von dort oben nicht einmal sehen konnte. Natürlich wusste er, dass sie existierten. Aber es war ein schwaches, unklares Wissen, es trug kein Gesicht. &lt;br /&gt;Bis jetzt nicht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Matthias hatte sich damit abgefunden, dass er so war, dass er so sein musste, in seinem Beruf. &lt;br /&gt;Und für seine Kunst, wenn man das, was er tat, Kunst nennen wollte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schauspielerei war ein einsames und hartes Geschäft. Jeder musste jederzeit in der Lage sein, einen anderen ausbooten zu können, was immer es auch kostete. &lt;br /&gt;Denn das Einzige, was wirklich zählte, nannte sich Erfolg. Und der Erfolg war eine kurzlebige Angelegenheit. Er wollte ständig umworben werden. Für ihn musste man sich erniedrigen, sich erdreisten Grenzen zu überschreiten, die unter normalen Umständen eindeutig Tabu wären. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und Matthias war nun einmal dazu bereit. Hatte sich diesem Leben verschrieben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Arthur war nur ein Stein in seinem Weg, nur ein Kollege, der nicht verkraftete, wo es nichts zu verkraften gab. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Matthias seufzte auf. Eigentlich hatte er, hatte jeder erwartet, dass Arthur die Angebote auf Silbertabletts serviert wurden. Dass er nur zu wählen brauchte. Dass der Erfolg in einer Rolle wie der beendeten, ihn zu einer größeren Bandbreite an Angeboten verführte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber selbst wenn diesem so sein sollte, so war davon nichts zu spüren. Von keinerlei positiven Entwicklungen war etwas zu spüren. Beim besten Willen nicht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Widersinnig. Ständig waren neue Produktionen im Gerede. Ständig wurden Namen gehandelt. Doch Arthurs war nicht dabei, war nie dabei. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als Matthias das auffiel, das war das erste Mal, dass er damit begann, sich Sorgen zu machen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er erlaubte es sich nicht, Arthur war immerhin weitaus älter als er selbst. Er war erfahren und konnte ausreichend Erfolge auf seinem Konto verbuchen, um sich ohne Schuldgefühle eine Auszeit gönnen zu dürfen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nur dass es sich um keine Auszeit handelte. &lt;br /&gt;Und dass Matthias dies bereits spürte, als sie ihren letzten Abend zusammen verbrachten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Geschwindigkeit, mit der Arthur seine Gläser leerte, die geradezu konzentrierte Methodik, die er aufbrachte, als er sich mit offenkundiger Absicht betrank, sagte bereits viel. Mehr aber noch sagten sein leerer Blick, die graue, verlebte Farbe seiner Haut, die hängenden Schultern. &lt;br /&gt;Wenn er nicht vor der Kamera oder auf der Bühne stand, schenkte Arthur seiner Kleidung niemals Beachtung, aber die Art, wie er nun begann herumzulaufen, übertraf alles bisher dagewesene. Und wenn Matthias sich nicht täuschte, so trug Arthur zur Krönung des miserabel sitzenden Schlabber-Outfits zwei verschiedenfarbige Socken. &lt;br /&gt;Ein Unding für jemanden wie Matthias, der stets darauf achtete, gepflegt und möglichst elegant aufzutreten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber auch da hatte er noch geglaubt, glauben wollen, dass es die Auszeit war, die Arthur sich genehmigte, dass er einfach Ferien machte vom Druck. Und ein bisschen Alkohol, ein wenig durchfeiern hatte noch nie geschadet. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So dachte er. Und dann dachte Matthias gar nicht mehr über Arthur nach. Er hatte schließlich genug zu tun. Seine Arbeit ging weiter. Die Erwartungen lasteten auf ihm und er spürte sie stärker mit jedem neuen Einbruch, den die Einschaltquoten erlitten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Natürlich konnte es nicht an ihm liegen, nicht an seiner Darbietung. Auch nicht am Wegfall Arthurs, wenigstens versuchten die Produzenten sich und allen, die zuhören wollten, dies einzureden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber die Tatsache blieb, dass es mit der Serie bergab ging. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nur, wenn Matthias glaubte, auch dies könne Arthur wenigstens eine kleine positive Seite des Ganzen abgewinnen lassen, dass er den auffallenden Niedergang als indirektes Kompliment empfinden durfte, so irrte er sich offenbar auch diesmal. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anscheinend lag es nicht in Arthurs Art sich daran zu erfreuen, wenn ein Zusammenbruch bevorstand. Anscheinend erkannte er nicht einmal seinen eigenen Vorteil in der Tatsache, dass sein Wegfallen eine derartige Lücke riss. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ebenso wenig wie er Matthias jemals einen Vorwurf gemacht hatte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Matthias‘ Augen flogen auf. Dass er das zuvor nicht erkannte hatte? Er schüttelte den Kopf, dass sein Haar ungebärdig in die Stirn fiel. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er wollte nicht daran denken, wollte nie daran denken, dass ihm jemand seine Taten vorhielt. Das war der Grund, weshalb er bereits abblockte, bevor es geschehen konnte. Warum er verschwand, ohne sich die Meinung des anderen anzuhören. Und wenn er Glück hatte, vergaß derjenige nach geraumer Zeit, was er ihm hatte sagen wollen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nur Arthur nicht. Er hatte ihm keine Vorwürfe gemacht, nicht einmal im Ansatz. Und wenn Matthias darüber nachdachte, dann wurde ihm klar, dass er jede Gelegenheit dazu gehabt hätte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Lange genug hatte es gedauert, dass sie sich auseinanderlebten. Oft genug drückte Matthias sich mit fadenscheinigen Ausreden in letzter Minute vor einer Verabredung. Oft genug hätte er ihn am Set zur Rede stellen können, ihn fragen, warum er seine Anrufe nicht erwiderte, warum ihre Treffen weniger und weniger würden, bis sie schließlich ganz ausblieben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Warum Matthias, der keinen Fotografen ausgelassen hatte, um seine enge Freundschaft mit Arthur zu demonstrieren, ihn auf einmal mied wie die Pest. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nein, Arthur hatte nichts dergleichen getan. Auch das war nicht seine Art. &lt;br /&gt;Er hatte sich anderen Dingen zugewandt. Wenigstens sah es von Weitem so aus – zu dieser Zeit. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Matthias wollte nichts davon wissen, aber in dieser Branche herrschte nie Stille. Irgendjemand wisperte stets eine Neuigkeit und es lag an einem selbst, ob man sie als wertvoll erachtete. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zuerst freute Matthias sich. Es machte Sinn für Arthur, dass er sich hinsetzte, um zu schreiben. Matthias kannte einige seiner Gedichte. Es hörte sich an wie eine nette Nebenbeschäftigung und bestimmt war es nicht die schlechteste Möglichkeit der Welt, seine Zeit damit zuzubringen, ein Buch herauszubringen, Lesungen zu veranstalten. Was immer Arthur glücklich machte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nur, dass Matthias von diesen Plänen bald nichts mehr hörte. Nur, dass er sich eigentlich nicht einmal darüber wunderte. Sicher, Matthias verstand nichts von Gedichten, aber was er von Arthur mitbekam, erschien ihm doch mehr als langweilig. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Natürlich verstand er eigentlich auch nichts von Musik. Und natürlich war ihm klar, dass seine Produktionsfirma auch nur den Bruchteil einer Chance erhielt, weil sein Name Bekanntheitsgrad genoss und er diesen auf jede nur erdenkliche Art auszunutzen gedachte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn Arthur dies mit seinen Gedichten ebenso anstellte, dann wäre ihm immerhin ein Achtungserfolg in kleinsten Kreisen seiner Anhänger sicher. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber es sah nicht so aus, als gebe Arthur sich diesbezüglich auch nur den Hauch von Mühe. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es sah eher so aus, als täte er buchstäblich gar nichts. Arthur war so gut wie unsichtbar. Und nun war es auch nicht mehr möglich sich einzureden, dass er fleißig an einem Projekt arbeite, dass er wie Phoenix aus der Asche zu neuer Hochform auftauche. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nichts dergleichen. Nein. Er war festgenommen worden wegen Fahrens unter Alkoholeinfluss. &lt;br /&gt;Es war definitiv armselig. &lt;br /&gt;Es war armselig, was von dem Ereignis bekannt war. Ob es der Wahrheit entsprach konnte Matthias noch nicht beurteilen und er wusste weder, ob Arthur bereit war darüber zu sprechen, noch, ob er selbst bereit war, sich die bittere Wahrheit anzuhören. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Offenbar war Arthur betrunken genug gewesen, um kaum noch stehen zu können. &lt;br /&gt;Betrunken genug, dass man es ihm von Weitem bereits ansah. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und offenbar hatte er jede Zusammenarbeit mit den Behörden verweigert. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der freundliche Mann, den Matthias kannte, er war verschwunden, ausgewechselt mit einem verwahrlosten, selbstsüchtigen, rücksichtslosen Trunkenbold. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mit jemandem, den es nichts ausmachte, sich oder andere zu gefährden. Und das war Arthur passiert, jemandem, dessen Mitgefühl und Freundlichkeit immer zu den besonderen Merkmalen seines Wesens gehört hatten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Matthias rieb seine Schläfen. Er konnte nicht begreifen, was geschehen war. Warum es geschehen war. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn er sich Arthurs Erscheinungsbild ins Gedächtnis rief, dann schien ihm fast, als habe der auch seinen Sport aufgegeben, als habe er alles aufgeben, alles was ihn bisher ausgemacht hatte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und wofür das? Für eine alte Sucht? Um mit Selbstzerstörung zu experimentieren? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Matthias schüttelte den Kopf. Es sah Arthur nicht ähnlich, sich auf diese Art kindisch zu verhalten. Es sah ihm nicht ähnlich, zuzulassen, dass sein Leben eine solche negative Wendung nahm. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Matthias stand auf. Er schob die Hände in die Hosentaschen und sah auf seine Schuhe. Sie waren blank geputzt wie immer. Keine löchrigen Treter mit aufgelösten Schuhbändern, wie Arthur sie als bequem erachtete. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Matthias war sich absolut sicher, dass ihm nie etwas in dieser Richtung passieren könnte. Er war zu koordiniert, zu beherrscht. Es fiel ihm nicht ein, seine Laufbahn auf eine derart dumme Weise aufs Spiel zu setzen. Aber Arthur? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Matthias erinnerte sich an Berichte von Trinkgelagen, von Drogenexzessen. Aber selbst wenn er den Halbwahrheiten Glauben geschenkt hätte, so bestand doch kein Zweifel daran, dass Arthur diese Phase bereits vor langer Zeit als Jugendsünde abgehakt hatte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es war nicht möglich, dass er sich derart zurückentwickelte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Matthias erinnerte sich plötzlich an die Anfänge ihrer Freundschaft, an das Interesse, mit dem Arthur ihm und seinem Verhalten gefolgt war. &lt;br /&gt;Wie er ihn gemustert hatte, von einem Tag auf den anderen das Rauchen aufgab, von Kaffee auf Tee umstieg und sich tatsächlich dazu überreden ließ, wenigstens zu den Anlässen, zu denen sie gemeinsam geladen war, in den Designer-Anzügen aufzutreten, die Matthias ihm empfahl. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie machten Sport zusammen. Matthias nahm ihn mit zu seinem Training. Er überredete ihn zu Einigem und das Seltsame daran war, er hatte es bis jetzt nicht einmal gemerkt. &lt;br /&gt;Bislang war er der Meinung gewesen, sie hätten all diese Entscheidungen in gemeinsamem Einvernehmen getroffen, dass jeder sich von dem anderen inspirieren ließ. &lt;br /&gt;Aber so war es nicht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Arthur hatte von Anfang an sein Verhalten imitiert, sich ihm angepasst. Er war mitgelaufen, hatte Matthias studiert, sich in allem an seiner Person orientiert. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und ob Matthias dies nicht bemerkt hatte oder sich sogar geschmeichelt fühlte, war spätestens in dem Moment unwichtig geworden, in dem Arthur sein Verhalten aufgab und einen neuen Weg beschritt, von dem Matthias erst jetzt erkannte in welche Irren er ihn geführt hatte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Matthias schloss seine Augen und atmete tief ein. Er hielt die Luft an, zählte bis zehn und ließ sie langsam wieder entweichen. Seine Lunge schmerzte, doch es war kein Vergleich zu dem Stich, den er im Herzen fühlte, dachte er an Arthur und an Arthurs Nacht im Gefängnis. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Matthias biss sich auf die Lippen, bis er Blut schmeckte und schüttelte dann heftig den Kopf. Es hatte keinen Sinn. Er konnte sich einreden, was er wollte. Er konnte seine Zeit damit verbringen, jede auch nur erdenkliche Erklärung an die Wand zu malen, doch es spielte keine Rolle. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Früher oder später musste er sich ihm stellen. Und je länger er es heraus zögerte, desto schmerzhafter und unangenehmer konnte es werden. Egal was Arthur ihm an den Kopf warf, er konnte damit umgehen. Er hatte keine Probleme damit, es zurückzuwerfen, dem anderen seine Gedanken zurecht zu rücken, die Schuld dorthin zu schieben, wo sie zu suchen war. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wollte Arthur den pathetischen Mistkerl spielen, dann sollte er dies ruhig tun. Nur Matthias ließ sich nicht in dieses Spiel mit hineinziehen. Nicht, solange er dies verhindern konnte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er griff seine Jacke und verließ nur einen Augenblick später sein Apartment. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Den Weg zu Arthur konnte er im Schlaf zurücklegen. Nur dass er hellwach war, seine Sinne gespannt. &lt;br /&gt;Keine Chance, dass er sich einen Fehler im Verkehr erlaubte, der auch nur annähernd in Verbindung mit Arthur gebracht werden konnte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vorsichtig fuhr er zweimal um den Block, in dem sich Arthurs Haus befand, suchte die Gegend nach Reportern und Fotographen ab. Doch zu seiner Erleichterung schienen jene entweder bereits abgezogen zu sein, oder sie hatten die Möglichkeit aufgegeben, ein ergiebiges Ergebnis ihrer Geduld zu erhalten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und wie man es auch drehen und wenden mochte, Arthur war vielleicht nicht der einzige skandalumwitterte Held in einer Stadt wie dieser. Im Gegenteil, der Vergleich ließ ihn als kleines Licht erscheinen, auch wenn der Vorfall es ins Fernsehen geschafft hatte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Matthias seufzte und zog die Bremse. Langsam und vorsichtig parkte er in ausgiebigem Abstand zu Arthurs Heim, schob sie die Sonnenbrille auf die Nase und zog eine Kapuze über den Kopf. Erst dann verließ er den Wagen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sicherheitshalber blickte er sich vor Arthurs Haustür noch einmal gründlich um, doch mit Ausnahme des Zwitscherns der Vögel und eines gelegentlichen Hundegebells war nichts zu hören. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Um eine gute Gegend handelte es sich, soviel musste Matthias zugeben. Wenn man hier wohnte, sollte man es eigentlich nicht nötig haben, die Nächte in heruntergekommenen Bars totzuschlagen. Oder doch vielleicht gerade dann. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Matthias schürzte die Lippen, bevor er klingelte. Er klingelte noch zwei weitere Male, gründlich und laut, bevor langsames Schlurfen aus dem Inneren des Hauses ihm antwortete. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Matthias starrte an die Tür, fixierte mit neutralem Gesichtsausdruck das Guckloch, das sich exakt in der Höhe seines Gesichtes befand. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Es hat keinen Sinn, sich zu verstecken“, sagte er dann. „Ich weiß, dass du da bist. Also mach mir auf.“ &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Einen Moment lang geschah gar nichts, doch dann hörte Matthias, wie ein Riegel zurückgeschoben, eine Kette ausgehängt wurde. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Langsam öffnete sich die Tür und Arthur stand mit hängenden Schultern vor ihm. Sein Haar stand wirr von seinem Gesicht ab. Es glänzte fettig und auf seiner Nase saß eine große Sonnenbrille. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Matthias schüttelte missbilligend den Kopf. „Lass mich rein“, befahl er dann resolut und schob sich an Arthur vorbei ins Haus. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Arthur wich leicht zurück, schwankte ein wenig und schloss dann die Tür hinter Matthias, als dieser sich bereits auf dem Weg ins Wohnzimmer befand. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Matthias setzte seine Brille ab und legte sie auf den Tisch, bevor er sich umsah. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die zerknüllten Decken auf der Couch, die leeren Gläser und die Packung Aspirin bewiesen, dass sein Läuten Arthur allem Anschein nach aus bewusstlosem Schlaf geweckt hatten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schließlich drehte Matthias sich zu Arthur um. Er stemmte die Arme in die Seiten und legte seinen Kopf schief. „Was zum Teufel hast du dir dabei gedacht?“ &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Arthur stand still vor ihm, sah ihn durch dunkle Brillengläser ausdruckslos an. &lt;br /&gt;„Nimm die Sonnenbrille ab“, murrte Matthias ärgerlich.
