Titel: Downloading
Autor: callisto24
Tamara starrte auf die Wörter, die eines nach dem anderen, Buchstabe für Buchstabe auf dem Bildschirm auftauchten. Das nagende Schuldgefühl in ihrem Inneren wollte sich nicht legen, wie viele Emails sie auch verfasste, wie viele neue Seiten sie auch anklickte.
Im Gegenteil. Jede Sekunde, die sie online blieb, verschlimmerte den Druck auf ihren Lungen, vergrößerte die Angst in ihrem Herzen.
Hätte sie es nur nicht getan? Es war das Risiko nicht wert, diesmal noch viel weniger wert gewesen, als jemals zuvor?
Nicht dass sie es oft tat. Nein, nur in Notfällen griff sie zu diesem allerletzten Mittel, nur wenn die Spannung unerträglich war, wenn sie es nicht aushielt, wenn keine andere Möglichkeit in Greifweite stand.
Nur dann wagte sie sich in Gefilde vor, die – wie sie wohl wusste – einen Hauch von Illegalität besaßen.
Nicht dass sie wusste, in welchem Ausmaße Aktivitäten wie diese illegal waren, geschweige denn, dass sie die Folgen kannte.
Aber es mussten derer furchtbare sein, schreckliche Folgen, die sich auszumalen sie zurückschreckte.
Da existierten diese Spots, diese Warn-Filme. Oft genug hatte sie diese gesehen. Schließlich handelte es sich bei ihr um eine Film-Närrin der allerersten Klasse.
Früher war es Kino gewesen, dann Video, und jetzt DVD.
Der Computer brachte alles durcheinander.
Natürlich vereinfachte er auch vieles.
Die Welt rückte zusammen.
Dinge, die einst unerreichbar schienen, erreichten eine greifbare Nähe.
Sie brauchte nur die Hand auszustrecken, um alles zu erfahren, alles, was ihr Herz begehrte.
Und ihr Herz war bescheiden.
Sie griff nicht nach den Sternen. Sie wollte nicht alles. Sie lud sich keine Blockbuster hinunter, sie war weit davon entfernt, sich auf auch nur irgendeine verdrehte Art zu bereichern.
Nein, bei Tamara handelte es sich lediglich um eine Sklavin ihrer Gelüste, ihrer Abhängigkeiten, wenn man so wollte.
Und was für eine Abhängigkeit sollte das schon sein?
Keine Drogen, kein Alkohol – das hatte sie hinter sich. Keine Neurosen – diese ließ sie seit behandeln.
Jede Art von Suchtverhalten, welches ihr in die Wiege gelegt worden war, bekämpfte sie nach Strich und Faden.
Nur nicht dieses.
Nur nicht die Sucht nach Serien.
Sie stellten einen Halt für sie dar, vielleicht den letzten Halt, der ihr blieb.
Die Zuverlässigkeit, mit der sich zu Freunden gewordene Seriengestalten Woche für Woche wieder in ihrem Zimmer, auf ihrem Fernsehmonitor einfanden, besaß etwas ungemein Tröstliches, beinhaltete eine Hoffnung, und damit einen Grund weiterzumachen.
Nicht selten den einzigen Grund, den sie sehen konnte.
Natürlich – sie nahm diese Serien zu wichtig, die Handlung, die Vorgänge, die emotionalen Verstrickungen und die Entwicklungen der Charaktere. Sie waren ihr wichtiger als ihr eigenes Leben, wichtiger als alles andere um sie herum.
Sie wusste das. Und doch konnte sie nicht aufhören, wollte sie nicht aufhören.
Was blieb ihr schon? Was hatte sie vom Leben, außer den verworrenen Strängen, denen sich ihre Lieblinge Woche für Woche aussetzten, und in denen sie sich nur allzu gerne selbst mit verfing, sich selbst vergaß?
Willentlich und wissentlich ergab sie sich dieser Abhängigkeit, einer Abhängigkeit, die zumindest nicht allzu großen Schaden anrichtete, die weder ihr noch den Menschen um sie herum wehtat, die ihr ein Leben ermöglichte, das normalerweise unerträglich für sie war.
Und doch – seit sie sich in der Welt der Computer zurechtfand, seitdem sie kommunizieren konnte mit Gleichgesinnten – ja – seitdem sie Gleichgesinnte entdeckt und zu ihrem eigenen Erstaunen festgestellt hatte, dass diese existierten, erfüllte sich ihr Leben von Tag zu Tag mit mehr Farbe. Mit neuen Entdeckungen, Erfahrungen, mit Vergnügungen von denen sie niemals gewagt hatte zu träumen.
Sie saß förmlich an der Quelle, nur einen Klick entfernt von den neuesten Gerüchten, Ereignissen, Geschehnissen aus der Welt derer, die ihr alles bedeuteten.
Wenn nur eines nicht gefehlt hätte? Eines vermisste sie immer noch und jetzt sogar mehr denn je.
Jetzt, wo sie wusste, was bereits geschehen war in dieser Welt, in der Serienwelt. Jetzt, wo sie es erfahren konnte, wann immer sie wollte. Nachlesen, worum es ging, Bilder betrachten, Meinungen hören. Jetzt wollte sie diese neuen Folgen auch sehen. Wollte sie unbedingt sehen. Unvorstellbar, dass das Gute bereits existierte, der Trost, die Erfüllung ihres Lebens auf zahllosen Bildschirmen flimmern durfte, nur nicht auf dem Ihren.
Warum nicht auf dem Ihren?
Sie lebte nicht im richtigen Land. Lediglich im Ursprungsland des unbändig tobenden Serienwahnsinns, bekamen die glücklichen Bewohner zu Gesicht, worauf sie schon so lange warteten. Worauf auch sie wartete, und worauf zu warten sie gezwungen blieb, gezwungen bleiben würde, bis ein gnädiges Schicksal die Serie ihrer Träume auch dorthin brachte, wo sie für Tamara erreichbar wäre.
Wenn sie denn erreichbar sein würde.
Nicht nur, dass sie gezwungen war, ein gutes Jahr zu warten, hin und wieder betrug die Wartezeit weitaus länger. Und hin und wieder wartete sie vergeblich.
Je nach Lust und Laune der Fernsehschaffenden, der Händler, die mit den Träumen und den Lebensinhalten von ihr und Menschen wie ihr handelten.
Denn dass sie nicht mehr alleine war, hatte sie erfahren, zumindest dies.
Manchmal reichte ein unglaubliches Aufgebot an Geduld und Selbstbeherrschung aus, bis die geliebte Serie auf DVD aufzufinden war.
Manchmal jedoch nicht.
Manchmal machte die DVD ihren Weg nicht bis über den großen Teich, manchmal verschwand sie spurlos, blieb ein Gerücht, eine vage Vorstellung, die sie nur mehr quälte.
Und Tamara war nicht dumm.
Sie wusste von den Möglichkeiten, die es gab. Sie wusste von den Wegen, über die man sich hinterrücks eine Nachdosis der Droge holen konnte, nach der sie sich verzehrte.
Und sie wusste, dass diese Wege verboten waren, weshalb sie sich von ihnen fernhielt.
Denn Tamara war ein braves Mädchen, immer ein braves Mädchen gewesen. Bis auf diese Aussetzer, die zu vergessen, sie sich stets bemühte.
Zudem schien die Prozedur schwierig, und nicht nur dies. Schwierig und gefährlich.
Und im Grunde, allen rationalen Überlegungen zufolge auch der Mühe nicht wert.
Dennoch konnte Tamara nicht anders.
Zu unerträglich war ihr das Bewusstsein, dass irgendwo da draußen die Erfüllung ihrer Sehnsüchte auf sie wartete, die Auflösung, auch wenn sie nur vorläufig sein konnte, der Handlungsstränge, die sich von Woche zu Woche erneut zuspitzten, bis sie endgültig und in einem hoffentlich überwältigenden Finale zusammenliefen.
Dem Finale der Staffel. Denn wenn alles gut verlief, so handelte es sich hierbei nicht um das Ende, sondern um den Anfang. Den Anfang einer neuen Staffel, bis zu deren Beginn eine schier unerträgliche Zeitspanne überstanden werden musste.
Doch in diesem Fall gab es kein Entkommen, keine Rettung aus der Wartehölle. Sie alle mussten warten, jeder einzelne, jeder, der sich nach neuem Stoff, den nur diese eine Serie ihm bieten konnte, verzehrte.
Es spielte keine Rolle, in welchem Teil der Welt, auf welchem Kontinent sie sich aufhielten, wieweit die Anhänger im Geiste über die Länder dieser Erde verstreut waren. Sie alle konnten nur rätseln, sich austauschen, und so gut wie möglich versuchen, die unerträgliche Frist zu überbrücken.
Denn die Folgen, auf die sie alle so sehnsüchtig warteten, existierten noch nicht. Es gab sie noch nicht. Sie mussten erst hergestellt, produziert werden.
Insofern handelte es sich um ein anderes Warten, als das unerträgliche Ausharren bis die Serie den Weg in Tamaras Land zurückgelegt hatte.
Als die Qual zu wissen, dass viele, so viele Menschen bereits das Glück genießen durften, dass deren Erwartungen bereits erfüllt wurden, während sie nach ihrer Erfüllung hungerte.
War es da ein Wunder, dass sie sich entschied, der Unerträglichkeit ihrer Situation entgegenzutreten?
War es ein Wunder, dass sie schwach wurde, dass sie mit der Sünde begann, der Versuchung nach gab, und sich das holte, was sie brauchte, sobald sie es konnte?
Nein – nicht immer. Selten – wahrlich, nur wenn es unbedingt nottat. Und jedesmal, trotz des Schauers des Verbotenen, der sie während der Tat schüttelte, besaß ihr Vorgehen doch den Hauch der Verzweiflung, die Überzeugung, dass es nicht anders ginge, dass sie es tun musste, dass es das Risiko wert wäre.
Selbst wenn man sie abführte, selbst wenn Bewaffnete, Uniformierte, Söldnertruppen ihr Zimmer stürmen sollten, ihr den geliebten Computer entreißen, ihr die Strafe entgegen brüllten, die sie nur allzu sehr verdiente. Selbst dann wäre es das wert, wert, die Serie gesehen zu haben, wert zu wissen, was geschehen ist, die neuesten Entwicklungen aus erster Hand erlebt zu haben.
Es war wunderbar, es gab nichts Besseres.
Und doch war sie zu weit gegangen, war Tamara an diesem Tage zu weit gegangen.
Nicht für sich, nicht für ihre Leidenschaft, für ihre Serie, um die Ungeduld zu stillen, die in ihr brannte, sondern für ihren kleinen Neffen, den Jungen, der ihrem Herzen am nächsten stand, dessen kindliches Gemüt ihrer im Kindesalter stehengebliebenen Entwicklung noch am ehesten entsprach.
Mit ihm verstand sie sich auf einer Ebene, die sie mit niemandem sonst teilen konnte. Mit niemandem in ihrem Leben, mit niemandem, der real war.
Und so war es auch die Welt des Irrealen, die sie mit ihm verband.
Eine Welt der Phantasie, des Traumes, die sie zumindest teilweise teilten.
Nur dass sich diese Welt in Kleinigkeiten unterschied. Nur dass ihre Welt von Kriminalfällen und Actionsequenzen handelte, vielleicht von Liebe und Romantik, die seine jedoch aus Animationen bestand.
Traumwelten waren beide, Wege um aus der Realität zu entkommen.
Und gerade weil sie sich beide in diesem Punkt einig waren, gerade weil sich ihre Gedanken, ihre Träume und Wünsche auf dieser Ebene überschnitten, verstand Tamara auch, warum ihr Neffe ausgerechnet diesen Film haben wollte. Diesen Film, der im Fernsehen gelaufen war, den sie nur hätte aufzeichnen müssen.
Doch sie versäumte es, und so blieb ihr nur noch dieser Weg, nur noch der Weg in die Illegalität. Sie musste es tun, sie hatte es versprochen, hatte ihm versprochen, dass sie ihm alle Filme besorgen konnte.
Und nur aus diesem Grund hatte sie sich an jenem Nachmittag hingesetzt, und nach den Möglichkeiten gesucht, die sich ihr boten.
Und dann hatte sie es getan, hatte ihn gefunden, hatte ihn angeklickt.
Und sie hatte nicht aufgehört, nicht gestoppt, auch als die Warnzeichen aufleuchteten.
Auch nicht als der Computer abstürzte, wieder und wieder.
Die Wunder der Technik erlaubten es ihr, erneut den Faden aufzunehmen, dort wo sie ihn verloren hatte.
Die Wunder der Technik erlaubten es ihr, weiterzumachen, weiterzusuchen, während die Räder mahlten und mahlten.
Und sie hörte nicht auf, als die Warnung aufblitzte, ein gelbes Dreieck. Es erzählte ihr davon, dass jemand – eine unbekannte Person dabei war, sie aufzuspüren, sie zu lokalisieren.
Doch das reichte ihr nicht, so wie es damals gereicht hatte, als sie einfach den Computer ausschaltete, in Panik, aus Vorsicht und Vernunft.
Nein – sie kannte das Zeichen, und sie war der Abstürze müde, des erneuten Einwählens, der wiederholten Anstrengungen für diesen Film, für ihren Neffen.
Deshalb hielt sie durch. Sie wechselte lediglich die Seite, jedoch sie lud weiter, und lud und lud. Beobachtete den Balken, der sich langsam aber stetig füllte.
So nah am Ziel, so nah daran, ihrem Neffen diesen Wunsch zu erfüllen.
Sie konnte es kaum glauben.
Und dann war es vorbei, sie hatte den Film.
Und sie wurde übermütig, suchte weiter, blieb online, obwohl ihr alle Instinkte dazu rieten, sich auszuloggen, zu flüchten, ein Versteck zu suchen.
Sie tat es nicht, starrte auf den Monitor, gab Suchanfragen ein, beseelt von dem Gedanken mehr und mehr aufzuspüren, zu suchen, zu finden, zu besitzen.
Die reine Gier erfasste Tamara. Sie konnte sich nicht mehr stoppen. Der Animationsfilm reichte ihr nicht. Das Serienfinale, das sie glücklich machen sollte, bis zum Beginn der neuen Staffel, reichte ihr nicht.
Sie brauchte mehr, wollte mehr.
Und die Auswahl war schier unbegrenzt. Ihr Blick weitete sich mit jeder neuen Seite, mit jedem neuen Aspekt, der sich ihr auftat.
Sie konnte alles haben, Western, Horror, Liebe, Komödie, Drama. Alles stand ihr offen.
Und sie klickte sich weiter, sie reiste durch die virtuellen Welten auf der Suche nach mehr, auf der Suche nach ihrer Droge. Sie wollte alles sehen, jeden Krimi, jede Tragödie. Sie wollte alles erfahren, jeden Schmerz, jedes Lachen, jede Emotion aus einer Welt, die ihr in den Schoß fallen sollte, wenn sie nur wagte, wenn sie es nur tat.
Und so tat sie es. Sie wählte. Sie nahm alles. Sie klickte auf Vampire, auf Werwölfe, auf Geister. Auf Herzschmerz, Sehnsüchte und Leidenschaften. Auf Spannung, Exotik oder Tränen.
Sie klickte weiter und weiter. Balken um Balken tauchte vor ihr auf. Balken um Balken begann sich zu füllen.
Und sie konnte nur an eines denken, an mehr, an alles. Wieso sich zurücknehmen. Hatte sie sich doch ihr ganzes Leben zurückgenommen. Wieso sollte sie es immer noch tun, immer noch zurückstecken, sich klein machen.
Jetzt nicht mehr, nicht in ihrem Zimmer, nicht in ihrem Reich.
Das gelbe Dreieck blinkte, doch sie ignorierte es. Der Computer stand auf ihrer Seite, er stürzte nicht ab, die Elektronik arbeitete mit ihr.
Gelbes Blitzen, Warnungen, die sie nur am Rande wahrnahm, die sie nicht wahrnehmen wollte.
Und dann polterte es gegen ihre Tür. Und das Poltern wurde stärker.
Tamara zuckte zusammen. Doch sie konnte nicht aufhören. Ihre Finger flogen über die Tastatur, ihr Körper beugte sich vorwärts, kam dem Bildschirm näher und näher, als sauge dieser sie ein.
Beschlagene Stiefel traten gegen die Wände. Heisere Stimmen brüllten Kommandos. Jetzt würde es passieren. Jetzt landete sie im Gefängnis, jetzt empfing sie die Strafe für ihre Untaten.
Tamara beugte sich weiter nach vorne.
„Bitte“, flüsterte sie. „Bitte – holt mich.“
Und sie wurde geholt. Sie rutschte, floss, strömte in das vibrierende, kalte Licht des Monitors. Sie löste sich auf, verschwamm mit Balken, Daten, Pixeln. Sie reiste auf elektronischen Wellen, surfte durch digitale Welten, verschmolz mit der Welt, nach der sie sich immer gesehnt hatte.
Und sie seufzte auf, zufrieden, wenn nicht gar glücklich.
Und sie seufzte immer noch, als sie die Tür einbrachen, als sie ihre schlaffe Gestalt vom Rechner wegzerrten, als sie sie fortbrachten, in eine Welt, die so ganz anders war, als die, welche sie sich erträumt hat.
Doch zumindest war sie anders. Anders als alles, was sie bisher erlebt und erlitten hatte.
Dienstag, 7. Juli 2009
Sonntag, 5. Juli 2009
Schmerz
Titel: Mark
Autor: callisto24
Genre: Original Slash
Mark starrte auf den Boden. Er merkte nicht, wie er auf den Boden starrte, spürte nicht, wie die Zeit verging, wie seine Kollegen an ihm vorbeiliefen, viele achtlos, viele während sie einen merkwürdigen Ausdruck in ihrem Gesicht trugen.
Er wusste, dass er wenigstens den Anschein erwecken sollte, als täte er etwas Sinnvolles, und konnte sich doch nicht dazu überwinden, seinen Text in die Hand zu nehmen.
Das würde bedeuten, dass er ihn festhalten müsste, seine Augen auf die Buchstaben richten, auf das grelle Weiß des Papieres, das in seinem Kopf schmerzte, wenn die Scheinwerfer es erfassten.
Vielleicht sollte er sich zurückziehen, einen Ort aufsuchen, an dem er alleine sein konnte. Aber Mark brachte die Kraft dazu nicht auf. Er war erschöpft. Erschöpft seit langem. Seit Tagen, Wochen mit Sicherheit. Und er wusste warum.
Dazu kam, dass er, wenn er gehen würde, die Chance versäumte, ihn zu sehen. Ihn nur zu sehen. Mehr erwartete er gar nicht mehr und eigentlich war es traurig, wie bescheiden er geworden war.
Er, den einst niemand hatte stoppen können, zur Hölle, den auch jetzt niemand stoppte.
Schließlich war es nicht so, als habe er nichts zu tun. Im Gegenteil, er füllte seine Tage und Nächte mit Aktivitäten, mit Arbeit. Sein Glück bestand in dem Netzwerk aus Freunden, das er sich aufgebaut hatte, den vielen grundverschiedenen Menschen mit ihren unterschiedlichen Interessen und Unternehmungen, in die sie ihn nur allzu gerne einbezogen.
Nicht nur, weil er gerne mitmachte, weil er gerne unter Menschen war. Die Gesellschaft hatte er von Kindheit an dem Alleinsein mit seinen Gedanken vorgezogen. Zu quälend erschienen ihm diese häufig. Sie gingen in Richtungen, die mit Traurigkeit zu tun hatten, und gefährlich nahe an die Depression führten.
Es handelte sich demnach um eine angenehme Symbiose. Für ihn gab es etwas zu tun, Ablenkung, die Andeutung eines eigenen Lebens unabhängig von dem Mann, um den trotz allem seine Gedanken ohne Unterlass kreisten.
Und für seine Freunde stellte sich jeder Schritt, den er in Richtung Bekanntheit machte, als doppelt positiv heraus.
Sein Name bedeutete Werbung, seine Anwesenheit bedeutete Mädchen und Frauen, die Schlange standen, um sich ein Autogramm abzuholen oder ein Foto mit ihm zu ergattern.
Und er beteiligte sich gerne. Es waren die kleinen Schritte, die zum Erfolg führten, und Mark machte sich nichts vor.
In der heutigen Zeit, in der jeder ein Star sein wollte, war er ein kleines Licht. Gut – er hatte in einigen Serien Gastrollen, und in einigen Filmen Nebenrollen bekleiden dürfen, aber bis auf die aktuell laufende Produktion, reichte keine der Rollen wirklich aus, um seinen Namen den Zuschauern im Gedächtnis haften zu lassen.
Und obwohl es gut für ihn aussah, war er doch weit davon entfernt, durch seine Darstellung aufzufallen. Er war weit davon entfernt, Preise zu erhalten, Auszeichnungen oder auch nur lobende Erwähnungen seitens der Kritiker.
Die waren IHM vorbehalten, Norbert.
Natürlich – Norbert befand sich schon weitaus länger in diesem Geschäft, als er es tat. Norbert hatte Hauptrollen gespielt, und sich schon vor vielen Jahren einen Namen gemacht.
Er gehörte nicht zu den Großen, aber dem Zielpublikum, an das sich ihre Serie richtete, war er ein Begriff.
Bei Mark dagegen handelte es sich für die meisten um nicht mehr, als ein hübsches Gesicht. Er war einer der vielen jungen Kerle, die sich die Seele aus dem Leib spielen konnten, aber dennoch nur von einem kleinen Teil der Zuschauer wahrgenommen wurde.
Und zwar von denen, die in seinem Charakter etwas von sich wiedererkannten, denen seine Rolle etwas bedeutete. Nicht er, nicht der Schauspieler.
Selbst wenn sie sein Autogramm wollten, sprachen sie ihn mit seinem Serien – Namen an. Und Mark lachte dazu.
Warum auch nicht. Es war ein Schritt. Und er hatte Geduld. In den meisten Dingen.
Er stellte sich vor die Produkte, die seine Freunde fabrizierten, lächelte pflichtschuldig, fand warme Worte, stellte sein eigenes Wirken in den Hintergrund.
Zumindest versuchte er es.
Denn je mehr sein Bekanntheitsgrad anstieg, desto mehr Interesse wuchs trotz allem an seiner Person. Ein Interesse, das sich nutzen ließ. Ein Interesse, das allerdings auch Nachteile mit sich brachte.
Und je mehr er darüber nachdachte, umso wahrscheinlicher kam es ihm vor, dass Norberts Verhalten der letzten Zeit damit zusammen hing.
Es konnte nicht daran liegen, dass Norbert ihn nicht mehr für anziehend hielt. Es konnte nicht daran liegen, dass der Ältere zu seiner Frau zurückgefunden hatte, sich seiner Verantwortung als Vater stellen wollte.
Es konnte auch nicht daran liegen, dass die Produzenten zu ihnen gekommen waren, zu ihnen beiden, um ihnen zu sagen, dass sie ihre Serienbeziehung distanzierter angehen sollten.
Aber vielleicht war es doch gerade das?
Vielleicht war dies der Weckruf gewesen, der Norbert hochschrecken ließ, sein Verhalten überdenken.
Sie spielten Kollegen, Anwälte, die nebeneinander, miteinander arbeiteten. Kollegen, Freunde, die auch privat eine enge Beziehung unterhielten. Eng genug, dass sie in der gelegentlichen Kriminalhandlung gemeinsame Aktionen durchführten.
Aktionen, die Körpereinsatz erforderten, die Kontakt erforderten, Körperkontakt.
Sie zogen, stießen, schubsten sich gegenseitig in Deckung, flüchteten vor der Mündung einer Waffe oder warfen sich zu Boden während hinter ihnen eine Explosion imitiert wurde.
Eine Scheinwelt, in der mit allem gerechnet werden musste.
Kein Wunder, dass Norbert und Mark ihre Charaktere als verbunden begriffen. Miteinander verschweißt durch Erlebnisse der Vergangenheit und Bedrohungen der Zukunft.
Kein Wunder, dass sie ihre Verbundenheit durch Gesten und Blicke ausdrückten. Zumal ihnen sowohl Gesten, als auch Blicke nur allzu natürlich zuflogen, sich von selbst ergaben, je stärker auch das Band zwischen ihnen selbst und nicht nur zwischen den dargestellten Charakteren wurde.
Zuerst war es Freundschaft, gegenseitige Sympathie. Man ging Texte und Abläufe zusammen durch, trank einen Kaffee zusammen oder nach getaner Arbeit auch ein Bier.
Das gegenseitige Schulterklopfen wurde zum Ritual, die gelegentlichen Umarmungen zur Gewohnheit.
Bis es dann eines Tages daraus mehr wurde. Obwohl es nicht richtig war, obwohl sie beide wussten, dass es nicht sein konnte, nicht sein durfte.
Schon allein, weil Norbert gebunden war.
Und doch geschah es, und es geschah wieder. Einmal damit begonnen, konnten sie nicht mehr voneinander lassen.
Es war an einem jener Abende passiert. Nach einer der Shows, der Preisverleihungen, an denen sie teilnahmen, weil ihre Serie nominiert worden war. Nicht, dass sie gewann, und darauf kam es auch gar nicht an. Es war das Ereignis, das zählte, die Aufmerksamkeit, die ihrer Arbeit zuteil wurde, und die ihnen die zweite Staffel sicherte.
Sie tranken vielleicht ein wenig mehr als sonst, ein wenig mehr, als ihnen guttat, ihnen beiden guttat.
Mark zog es in der Regel vor, mit dem Alkohol behutsam umzugehen. Er kannte seine Neigung zu Drogen, die ständige Versuchung, die von dieser Seite auf ihn lauerte, und er hatte nicht vor, seine Fehler zu wiederholen.
Und Norbert berichtete hin und wieder von ähnlichen Erfahrungen aus seiner Jugend, von der Notwendigkeit, ein Auge auf sich selbst zu haben.
Doch an diesem Abend hatte niemand ein Auge, weder auf sich selbst, noch auf den anderen.
Und der Regisseur ließ nicht davon ab, nachzuschenken. Er ließ nicht davon ab, wieder und wieder dazu aufzurufen, anzustoßen, das Fest in die Länge zu ziehen. Immerhin war es der erste Auftritt der Besetzung gemeinsam vor den Kameras der Welt. Ihre Bilder würden den Weg über so gut wie jeden Kanal finden, in einem Großteil der Klatschblätter landen, und ihre Namen, sowie den der Serie über Grenzen hinaus bekannt machen.
Sie alle waren albern, alle die da waren. Sie alle umarmten sich, tanzten, lachten, ließen den Abend nur widerstrebend ausklingen.
Es war nichts dabei, sich ein Taxi zu teilen, schließlich übernachteten Norbert und er in dem gleichen Hotel. In Zimmern, die zufällig nebeneinander lagen.
Während der Fahrt lehnte Mark seinen Kopf gegen Norberts Schulter, und Norbert legte seinen Arm um den Jüngeren.
Sie fuhren durch die Nacht, und Mark blinzelte gegen die Lichter der Straße und stellte sich vor, es wären Sterne. Er stellte sich vor, sie flögen, sie brausten durch das Weltall, und der warme Körper neben ihm gab ihm Halt und Trost, die Versicherung, dass sie ihr Ziel wohlbehalten erreichten.
Und das taten sie. Das Taxi hielt, und Norbert half Mark, der sich etwas tapsig anstellte, und vernehmlich gähnte, aus dem Wagen.
„Das war wohl ein bisschen zu viel heute“, hörte Mark die raue Stimme des anderen an seinem Ohr, als er ihn sicher vorwärts geleitete.
Er lächelte leicht und sah auf die weichen Teppiche, die ihre Schritte aufsaugten. Er schloss die Augen, öffnete sie wieder und schwankte ein wenig mit dem Gefühl, dass er sich in einem Kreis von Lichtern um sich selbst drehte.
„Ein schönes Hotel“, murmelte er, und lächelte breiter, als er von weitem den verräterisch schleppenden Ton seiner Stimme als unverkennbares Anzeichen seines Rausches erkannte.
„Das ist es.“ Mark sah zur Seite, hoch zu Norberts Lippen, die sich langsam bewegten, die feucht und warm aussahen, verlockend.
Und unter dem Einfluss des Alkohols gestand er sich ein, dass er diese Lippen schon seit langem für verlockend hielt, dass sich der Arm auf seiner Schulter gut anfühlte, dass die Wärme an seiner Seite Trost versprach und vielleicht sogar mehr. Vielleicht sogar die eine Art von Liebe nach der er ständig auf der Suche war, und die zu finden er schon seit langem nicht mehr hoffte.
Mark stand still, als Norbert sich ihre Schlüssel aushändigen ließ, Worte mit dem Mann an der Rezeption wechselte, die im Strom von Marks Gedanken untergingen.
Er kam wieder zu sich, als Norbert ihm wieder seine Hand auf die Schulter legte, seine warme Hand – er spürte sie durch den Stoff hindurch – und ihn zum Fahrstuhl führte, vor dem sie kurz warteten, bis die Türen sich mit einem leisen Klingen öffneten.
Sie standen in der kleinen Kabine, und Norbert sah ihn an. Mark lehnte mit dem Rücken gegen eine Wand und hielt sich mit beiden Händen an der waagrechten Stange fest, während Norbert nur vor ihm stand, ihn nicht berührte, nichts sagte, ihn nur ansah.
Und Mark konnte nicht anders als zurück zu starren. Er blickte in diese großen, braunen Augen, die er lachen gesehen hatte oder weinen, die in der Lage waren jede Art von Emotion, die seine Rolle ihm gebot, auszudrücken, zu verstärken.
Und er bemerkte die Wimpern, die länger waren, als es sich eigentlich für einen Mann gehörte. Er bemerkte das dunkle Haar, das einen beinahe scharfen Kontrast bildete zu der fast zu blassen Haut.
Norbert hatte abgenommen in der letzten Zeit, Mark sah es nun deutlicher, als er es zuvor wahrgenommen hatte.
Er war schlanker geworden, und blasser. Er sah jünger aus. Sein Haar fiel ihm in die Stirn, seine Hände blieben vergraben in den Taschen des Anzuges. Und er blickte Mark unverwandt an, der seinerseits still zurückblickte.
Ein Ruck und das Klingen ertönte erneut, als sich die Türen wieder öffneten, als Mark endlich seine Augen von denen des anderen löste, und hinaustrat in den Gang.
Er stolperte leicht, als ihm der Unterschied zwischen dem Boden des Fahrstuhls und dem flauschig roten Teppich auffiel.
Doch schneller noch, als er sich wieder fangen konnte, griff Norbert nach ihm. Norbert, der neben ihn getreten war, ohne dass Mark es bemerkt hatte. Norbert, der ihn festhielt und ihn sicher weiterführte, bis sie die Nummern erreichten, die ihre Zimmer anzeigten.
„Kommst du klar?“ Mark mochte es sich einbilden, doch klang Norberts Stimme nicht fast ein wenig heiser, ein wenig unsicher – zu unsicher für einen Mann seines Alters, der gerade den Höhepunkt seiner Karriere erreichte?
Mark drehte sich zu ihm, und seine Augen blieben wieder an den Lippen hängen, an den sanften Kurven. Er sah zu, wie Norberts Zunge kurz und nervös hervor blitzte, wie sie über einen Teil der Unterlippe fuhr, einen glänzenden Streifen Speichel dort zurückließ.
Mark konnte nicht antworten. Er konnte auch nicht wegsehen. Er starrte den Größeren weiter an, starrte seine Lippen an, die leicht zitterten, bevor sie sich bewegten.
Und dann drehte Norbert sich von ihm weg, und für einen Augenblick fühlte Mark sich verloren und allein, bis er hörte, wie der Mann den Schlüssel in das Schloss schob, und mit einem Klicken die Tür öffnete. Und ohne nachzudenken stolperte Mark hinter ihm in das Zimmer. Es spielte keine Rolle, ob es sich um seines handelte oder um das von Norbert. Spielte keine Rolle, was passieren würde. Er wusste nur, dass er jetzt nicht alleine sein wollte.
Dass er es nicht ertragen könnte, von Norbert getrennt zu werden, und sei es auch nur durch eine Wand zwischen ihnen.
Er stolperte in das Zimmer, blinzelte als das Licht aufflammte, zuckte zusammen, als sich die Tür hinter ihm wieder schloss, und ein Schatten vor ihn trat.
„Brauchst du Hilfe?“ Norberts Stimme klang fast besorgt, und Mark lächelte und hob sein Gesicht zu dem des anderem.
„Nein“, sagte er, und seine Stimme kam wie aus weiter Ferne. „Ich brauche nur dich.“
Norbert schluckte. Mark fühlte mehr als er sah, wie sich sein Adamsapfel bewegte. Und dann fühlte er nichts mehr außer zwei starken Armen, die ihn umschlangen, zwei Lippen, die sich hungrig auf die seinen pressten.
Und er seufzte in den Kuss, als sich sein Mund zugleich mit dem des anderen öffnete, als eine Zunge die Konturen seiner Lippen nachfuhr, an seinen Zähnen entlang glitt, bis sie auf seine eigene Zunge traf, mit ihr spielte, bis Mark stöhnte, bis er zurückweichen und nach Luft schnappen musste.
Doch Norbert ließ ihn nicht fort. Er hielt Mark nah genug, dass dieser seine Wärme fühlte, seinen Atem atmete.
„Ist es das, was du willst?“, fragte Norbert heiser, und Mark konnte nur nicken. Dankbar nicken, aufgeregt und ein wenig beschämt, dass er es zugegeben hatte.
Daraufhin zog ihn Norbert näher an sich, barg sein Gesicht an Marks Schulter. „Ich kann nur nicht… ich… ich kann nicht…“
„Ich weiß.“ Mark streifte Norberts Kopf, fuhr dann mit seinen Fingern durch die dunkelbraunen Strähnen, die sich jedem Versuch sie in Form zu halten unermüdlich wiedersetzten.
Und er wusste es wirklich. Er wusste, wovon Norbert sprach, wusste, dass dieser nie seine Frau aufgeben würde, nie seine Familie verlassen.
Mark kannte ihn, er hatte ihm zugehört, aufmerksam zugehört, wenn dieser von Affären berichtete, schuldbewusst und trotzdem auf eine derart entwaffnende Art ehrlich, dass es Mark nicht möglich war, ihn zu verurteilen.
Er wusste selbst, wie leicht es sein konnte, wie hinterrücks sich die Versuchung heranschleichen, einen – den einen günstigen Augenblick abpassen konnte, um schließlich zu einer Handlung zu führen, die nicht zu verzeihen war, nicht wenn sie bekannt würde, nicht, wenn die Öffentlichkeit davon erführe.
Und so wusste er auch, dass Norbert seine Bindung ernst nahm, wusste und verstand es.
Er umfasste Norberts Kopf mit seiner ganzen Hand, und zog ihn näher, näher an seinen Hals.
„Ich weiß“, wiederholte er noch einmal. „Es macht nichts“, fügte er hinzu, als er fühlte wie sich Norberts Lippen gegen seine Haut bewegten, wie er sanfte Küsse bis zu seinem Nacken hinunter regnen ließ.
Und als habe Norbert darauf gewartet, drückte er Mark näher an sich, drückte ihn fest genug, dass er dessen Erektion spüren konnte, den Beweis dafür, dass es nicht nur Mark war, der sich seit langem die Nähe zwischen ihnen ersehnte.
Später, als sie im Bett lagen, ineinander verschlugen, ein konfuses Gemisch aus Armen, Beinen, aus verschwitzter Haut und erschöpften Gliedmaßen, küsste Mark die haarlose Brust auf der seinen Kopf ruhen ließ.
„Ich danke dir“, sagte er, und sah auf, als ein glucksendes Geräusch, ein Lachen an sein Ohr drang. „Du – dankst mir?“, fragte Norbert leise. „Ich bin es, der dir danken sollte. Du ahnst nicht, wie lange ich… wie sehr ich mich danach gesehnt habe.“
Mark stützte sich auf. „Dann ist es nicht zu Ende?“, fragte er, und erlaubte es seiner Stimme zu zittern.
„Nein“, antwortete Norbert. „Es ist nicht zu Ende.“ Und er ließ es zu, dass Mark sich über ihn warf, und sein Gesicht mit offenen Küssen bedeckte.
„Oh Gott… das ist… das ist…“
Mark fehlten damals die Worte, und er bewahrte diesen Augenblick in seinem Herzen wie einen Schatz, wohl wissend, dass es für eine lange Zeit der Schönste in seinem Leben sein sollte.
Obwohl es viele schöne Momente gab. Die Momente, die sie teilten, in Abgeschiedenheit, in Heimlichkeit, gestohlene Momente, fern vom Set, fern von den Verpflichtungen, die das Leben ihnen auferlegte.
Es gelang ihnen. Sie teilten und sie unterstützten sich. Sie traten gemeinsam auf, nutzten die Möglichkeiten, die ihnen allein durch die Arbeit geboten wurde.
Und wann immer sie konnten, schlossen sie eine Tür hinter sich, schlossen sich ab von den Augen der Öffentlichkeit, von den Augen anderer, und ergaben sich ihrer Leidenschaft.
Bis… bis vor ein paar Monaten alles anders geworden war. Nicht plötzlich, nicht von einem Tag auf den anderen. Sondern langsam, stückweise, ohne dass Mark die Veränderung zunächst in Worte oder auch nur in Gedanken fassen konnte.
Eine langsam wachsende Distanz. Es begann mit dem Gespräch, das die Produzenten mit ihnen geführt hatten. Und es hörte nicht auf, schlimmer zu werden, den Abstand, die Kluft zwischen ihnen vergrößerte sich mit jedem Tag. Und Mark wusste nicht, ob es daran lag, dass Norbert seine Rolle in den Alltag übernahm, oder ob es andere Beweggründe gab, Vorsichtsmaßnahmen, Bedenken, die ihn zurückweichen ließen.
Sie lernten nicht mehr zusammen, was hauptsächlich daran lag, dass sie weniger Szenen miteinander bekamen, dass ihre Charaktere Differenzen austrugen, deren Intensität Mark auch noch spüren konnte, wenn die Kameras längst ausgeschaltet waren.
Norbert war nicht mehr zu fassen. Er ließ sich nicht sprechen, nicht von ihm, und Mark ertappte sich dabei, wie er Nacht für Nacht dagegen ankämpfte, dass der Klumpen, den er in seinem Hals spürte, sich vergrößerte, stieg, sich entlud in einem Schrei oder in einem Sturzbach von Tränen.
Wie sollte er das erklären?
Wie jemandem, wie sich selbst deutlich machen?
Er hatte es gewusst, gewusst, dass es nicht von Dauer sein konnte, gewusst, dass Norbert nie für ihn da sein würde.
Und trotzdem wuchs der Schmerz in ihm, bis er beinahe unerträglich wurde, bis Mark sich auf seinem Bett zusammenrollte und wartete, bis er vorüber ging, bis die Welle anstieg und dann wieder abflachte, erträglich wurde, für eine Weile, bis die nächste Welle heran rollte.
Und seine Tage vergingen in dumpfer Gleichgültigkeit. Bis er sich an einem Ort wie diesem wiederfand, umgeben von Kollegen, von Freunden, die nicht wussten, nicht wissen konnten, was er fühlte, die vielleicht über ihn lachten, oder die ihn geflissentlich ignorierten, den Hoffnungsträger, der geholfen hatte, die Serie hochzubringen, doch der nun alle Anzeichen dafür aufwies, sich auf dem absteigenden Ast zu befinden.
Und er wartete, wartete auf ein Zeichen, auf ein Wort, einen Blick. Er wartete, dass Norbert wiederkäme, dass er zu ihm zurückkäme, dass er seine Vorbehalte vergessen konnte, und auf einmal vor ihm stünde, seine dunklen Augen in die Marks tauchte und ihm versicherte, dass er es nun erkannt habe. Dass sie zusammengehörten. Dass es nichts auf der Welt gab, das sie trennen konnte, nichts und niemand.
Doch es würde nicht geschehen. Nie geschehen.
Und Mark fühlte die Träne, die sich aus seinem Auge löste, die langsam, wie in Zeitlupe fiel, tiefer und tiefer, bis sie auf dem Boden aufkam und dort zerplatzte.
Es sollte nur eine sein, nur eine von vielen.
Autor: callisto24
Genre: Original Slash
Mark starrte auf den Boden. Er merkte nicht, wie er auf den Boden starrte, spürte nicht, wie die Zeit verging, wie seine Kollegen an ihm vorbeiliefen, viele achtlos, viele während sie einen merkwürdigen Ausdruck in ihrem Gesicht trugen.
Er wusste, dass er wenigstens den Anschein erwecken sollte, als täte er etwas Sinnvolles, und konnte sich doch nicht dazu überwinden, seinen Text in die Hand zu nehmen.
Das würde bedeuten, dass er ihn festhalten müsste, seine Augen auf die Buchstaben richten, auf das grelle Weiß des Papieres, das in seinem Kopf schmerzte, wenn die Scheinwerfer es erfassten.
Vielleicht sollte er sich zurückziehen, einen Ort aufsuchen, an dem er alleine sein konnte. Aber Mark brachte die Kraft dazu nicht auf. Er war erschöpft. Erschöpft seit langem. Seit Tagen, Wochen mit Sicherheit. Und er wusste warum.
Dazu kam, dass er, wenn er gehen würde, die Chance versäumte, ihn zu sehen. Ihn nur zu sehen. Mehr erwartete er gar nicht mehr und eigentlich war es traurig, wie bescheiden er geworden war.
Er, den einst niemand hatte stoppen können, zur Hölle, den auch jetzt niemand stoppte.
Schließlich war es nicht so, als habe er nichts zu tun. Im Gegenteil, er füllte seine Tage und Nächte mit Aktivitäten, mit Arbeit. Sein Glück bestand in dem Netzwerk aus Freunden, das er sich aufgebaut hatte, den vielen grundverschiedenen Menschen mit ihren unterschiedlichen Interessen und Unternehmungen, in die sie ihn nur allzu gerne einbezogen.
Nicht nur, weil er gerne mitmachte, weil er gerne unter Menschen war. Die Gesellschaft hatte er von Kindheit an dem Alleinsein mit seinen Gedanken vorgezogen. Zu quälend erschienen ihm diese häufig. Sie gingen in Richtungen, die mit Traurigkeit zu tun hatten, und gefährlich nahe an die Depression führten.
Es handelte sich demnach um eine angenehme Symbiose. Für ihn gab es etwas zu tun, Ablenkung, die Andeutung eines eigenen Lebens unabhängig von dem Mann, um den trotz allem seine Gedanken ohne Unterlass kreisten.
Und für seine Freunde stellte sich jeder Schritt, den er in Richtung Bekanntheit machte, als doppelt positiv heraus.
Sein Name bedeutete Werbung, seine Anwesenheit bedeutete Mädchen und Frauen, die Schlange standen, um sich ein Autogramm abzuholen oder ein Foto mit ihm zu ergattern.
Und er beteiligte sich gerne. Es waren die kleinen Schritte, die zum Erfolg führten, und Mark machte sich nichts vor.
In der heutigen Zeit, in der jeder ein Star sein wollte, war er ein kleines Licht. Gut – er hatte in einigen Serien Gastrollen, und in einigen Filmen Nebenrollen bekleiden dürfen, aber bis auf die aktuell laufende Produktion, reichte keine der Rollen wirklich aus, um seinen Namen den Zuschauern im Gedächtnis haften zu lassen.
Und obwohl es gut für ihn aussah, war er doch weit davon entfernt, durch seine Darstellung aufzufallen. Er war weit davon entfernt, Preise zu erhalten, Auszeichnungen oder auch nur lobende Erwähnungen seitens der Kritiker.
Die waren IHM vorbehalten, Norbert.
Natürlich – Norbert befand sich schon weitaus länger in diesem Geschäft, als er es tat. Norbert hatte Hauptrollen gespielt, und sich schon vor vielen Jahren einen Namen gemacht.
Er gehörte nicht zu den Großen, aber dem Zielpublikum, an das sich ihre Serie richtete, war er ein Begriff.
Bei Mark dagegen handelte es sich für die meisten um nicht mehr, als ein hübsches Gesicht. Er war einer der vielen jungen Kerle, die sich die Seele aus dem Leib spielen konnten, aber dennoch nur von einem kleinen Teil der Zuschauer wahrgenommen wurde.
Und zwar von denen, die in seinem Charakter etwas von sich wiedererkannten, denen seine Rolle etwas bedeutete. Nicht er, nicht der Schauspieler.
Selbst wenn sie sein Autogramm wollten, sprachen sie ihn mit seinem Serien – Namen an. Und Mark lachte dazu.
Warum auch nicht. Es war ein Schritt. Und er hatte Geduld. In den meisten Dingen.
Er stellte sich vor die Produkte, die seine Freunde fabrizierten, lächelte pflichtschuldig, fand warme Worte, stellte sein eigenes Wirken in den Hintergrund.
Zumindest versuchte er es.
Denn je mehr sein Bekanntheitsgrad anstieg, desto mehr Interesse wuchs trotz allem an seiner Person. Ein Interesse, das sich nutzen ließ. Ein Interesse, das allerdings auch Nachteile mit sich brachte.
Und je mehr er darüber nachdachte, umso wahrscheinlicher kam es ihm vor, dass Norberts Verhalten der letzten Zeit damit zusammen hing.
Es konnte nicht daran liegen, dass Norbert ihn nicht mehr für anziehend hielt. Es konnte nicht daran liegen, dass der Ältere zu seiner Frau zurückgefunden hatte, sich seiner Verantwortung als Vater stellen wollte.
Es konnte auch nicht daran liegen, dass die Produzenten zu ihnen gekommen waren, zu ihnen beiden, um ihnen zu sagen, dass sie ihre Serienbeziehung distanzierter angehen sollten.
Aber vielleicht war es doch gerade das?
Vielleicht war dies der Weckruf gewesen, der Norbert hochschrecken ließ, sein Verhalten überdenken.
Sie spielten Kollegen, Anwälte, die nebeneinander, miteinander arbeiteten. Kollegen, Freunde, die auch privat eine enge Beziehung unterhielten. Eng genug, dass sie in der gelegentlichen Kriminalhandlung gemeinsame Aktionen durchführten.
Aktionen, die Körpereinsatz erforderten, die Kontakt erforderten, Körperkontakt.
Sie zogen, stießen, schubsten sich gegenseitig in Deckung, flüchteten vor der Mündung einer Waffe oder warfen sich zu Boden während hinter ihnen eine Explosion imitiert wurde.
Eine Scheinwelt, in der mit allem gerechnet werden musste.
Kein Wunder, dass Norbert und Mark ihre Charaktere als verbunden begriffen. Miteinander verschweißt durch Erlebnisse der Vergangenheit und Bedrohungen der Zukunft.
Kein Wunder, dass sie ihre Verbundenheit durch Gesten und Blicke ausdrückten. Zumal ihnen sowohl Gesten, als auch Blicke nur allzu natürlich zuflogen, sich von selbst ergaben, je stärker auch das Band zwischen ihnen selbst und nicht nur zwischen den dargestellten Charakteren wurde.
Zuerst war es Freundschaft, gegenseitige Sympathie. Man ging Texte und Abläufe zusammen durch, trank einen Kaffee zusammen oder nach getaner Arbeit auch ein Bier.
Das gegenseitige Schulterklopfen wurde zum Ritual, die gelegentlichen Umarmungen zur Gewohnheit.
Bis es dann eines Tages daraus mehr wurde. Obwohl es nicht richtig war, obwohl sie beide wussten, dass es nicht sein konnte, nicht sein durfte.
Schon allein, weil Norbert gebunden war.
Und doch geschah es, und es geschah wieder. Einmal damit begonnen, konnten sie nicht mehr voneinander lassen.
Es war an einem jener Abende passiert. Nach einer der Shows, der Preisverleihungen, an denen sie teilnahmen, weil ihre Serie nominiert worden war. Nicht, dass sie gewann, und darauf kam es auch gar nicht an. Es war das Ereignis, das zählte, die Aufmerksamkeit, die ihrer Arbeit zuteil wurde, und die ihnen die zweite Staffel sicherte.
Sie tranken vielleicht ein wenig mehr als sonst, ein wenig mehr, als ihnen guttat, ihnen beiden guttat.
Mark zog es in der Regel vor, mit dem Alkohol behutsam umzugehen. Er kannte seine Neigung zu Drogen, die ständige Versuchung, die von dieser Seite auf ihn lauerte, und er hatte nicht vor, seine Fehler zu wiederholen.
Und Norbert berichtete hin und wieder von ähnlichen Erfahrungen aus seiner Jugend, von der Notwendigkeit, ein Auge auf sich selbst zu haben.
Doch an diesem Abend hatte niemand ein Auge, weder auf sich selbst, noch auf den anderen.
Und der Regisseur ließ nicht davon ab, nachzuschenken. Er ließ nicht davon ab, wieder und wieder dazu aufzurufen, anzustoßen, das Fest in die Länge zu ziehen. Immerhin war es der erste Auftritt der Besetzung gemeinsam vor den Kameras der Welt. Ihre Bilder würden den Weg über so gut wie jeden Kanal finden, in einem Großteil der Klatschblätter landen, und ihre Namen, sowie den der Serie über Grenzen hinaus bekannt machen.
Sie alle waren albern, alle die da waren. Sie alle umarmten sich, tanzten, lachten, ließen den Abend nur widerstrebend ausklingen.
Es war nichts dabei, sich ein Taxi zu teilen, schließlich übernachteten Norbert und er in dem gleichen Hotel. In Zimmern, die zufällig nebeneinander lagen.
Während der Fahrt lehnte Mark seinen Kopf gegen Norberts Schulter, und Norbert legte seinen Arm um den Jüngeren.
Sie fuhren durch die Nacht, und Mark blinzelte gegen die Lichter der Straße und stellte sich vor, es wären Sterne. Er stellte sich vor, sie flögen, sie brausten durch das Weltall, und der warme Körper neben ihm gab ihm Halt und Trost, die Versicherung, dass sie ihr Ziel wohlbehalten erreichten.
Und das taten sie. Das Taxi hielt, und Norbert half Mark, der sich etwas tapsig anstellte, und vernehmlich gähnte, aus dem Wagen.
„Das war wohl ein bisschen zu viel heute“, hörte Mark die raue Stimme des anderen an seinem Ohr, als er ihn sicher vorwärts geleitete.
Er lächelte leicht und sah auf die weichen Teppiche, die ihre Schritte aufsaugten. Er schloss die Augen, öffnete sie wieder und schwankte ein wenig mit dem Gefühl, dass er sich in einem Kreis von Lichtern um sich selbst drehte.
„Ein schönes Hotel“, murmelte er, und lächelte breiter, als er von weitem den verräterisch schleppenden Ton seiner Stimme als unverkennbares Anzeichen seines Rausches erkannte.
„Das ist es.“ Mark sah zur Seite, hoch zu Norberts Lippen, die sich langsam bewegten, die feucht und warm aussahen, verlockend.
Und unter dem Einfluss des Alkohols gestand er sich ein, dass er diese Lippen schon seit langem für verlockend hielt, dass sich der Arm auf seiner Schulter gut anfühlte, dass die Wärme an seiner Seite Trost versprach und vielleicht sogar mehr. Vielleicht sogar die eine Art von Liebe nach der er ständig auf der Suche war, und die zu finden er schon seit langem nicht mehr hoffte.
Mark stand still, als Norbert sich ihre Schlüssel aushändigen ließ, Worte mit dem Mann an der Rezeption wechselte, die im Strom von Marks Gedanken untergingen.
Er kam wieder zu sich, als Norbert ihm wieder seine Hand auf die Schulter legte, seine warme Hand – er spürte sie durch den Stoff hindurch – und ihn zum Fahrstuhl führte, vor dem sie kurz warteten, bis die Türen sich mit einem leisen Klingen öffneten.
Sie standen in der kleinen Kabine, und Norbert sah ihn an. Mark lehnte mit dem Rücken gegen eine Wand und hielt sich mit beiden Händen an der waagrechten Stange fest, während Norbert nur vor ihm stand, ihn nicht berührte, nichts sagte, ihn nur ansah.
Und Mark konnte nicht anders als zurück zu starren. Er blickte in diese großen, braunen Augen, die er lachen gesehen hatte oder weinen, die in der Lage waren jede Art von Emotion, die seine Rolle ihm gebot, auszudrücken, zu verstärken.
Und er bemerkte die Wimpern, die länger waren, als es sich eigentlich für einen Mann gehörte. Er bemerkte das dunkle Haar, das einen beinahe scharfen Kontrast bildete zu der fast zu blassen Haut.
Norbert hatte abgenommen in der letzten Zeit, Mark sah es nun deutlicher, als er es zuvor wahrgenommen hatte.
Er war schlanker geworden, und blasser. Er sah jünger aus. Sein Haar fiel ihm in die Stirn, seine Hände blieben vergraben in den Taschen des Anzuges. Und er blickte Mark unverwandt an, der seinerseits still zurückblickte.
Ein Ruck und das Klingen ertönte erneut, als sich die Türen wieder öffneten, als Mark endlich seine Augen von denen des anderen löste, und hinaustrat in den Gang.
Er stolperte leicht, als ihm der Unterschied zwischen dem Boden des Fahrstuhls und dem flauschig roten Teppich auffiel.
Doch schneller noch, als er sich wieder fangen konnte, griff Norbert nach ihm. Norbert, der neben ihn getreten war, ohne dass Mark es bemerkt hatte. Norbert, der ihn festhielt und ihn sicher weiterführte, bis sie die Nummern erreichten, die ihre Zimmer anzeigten.
„Kommst du klar?“ Mark mochte es sich einbilden, doch klang Norberts Stimme nicht fast ein wenig heiser, ein wenig unsicher – zu unsicher für einen Mann seines Alters, der gerade den Höhepunkt seiner Karriere erreichte?
Mark drehte sich zu ihm, und seine Augen blieben wieder an den Lippen hängen, an den sanften Kurven. Er sah zu, wie Norberts Zunge kurz und nervös hervor blitzte, wie sie über einen Teil der Unterlippe fuhr, einen glänzenden Streifen Speichel dort zurückließ.
Mark konnte nicht antworten. Er konnte auch nicht wegsehen. Er starrte den Größeren weiter an, starrte seine Lippen an, die leicht zitterten, bevor sie sich bewegten.
Und dann drehte Norbert sich von ihm weg, und für einen Augenblick fühlte Mark sich verloren und allein, bis er hörte, wie der Mann den Schlüssel in das Schloss schob, und mit einem Klicken die Tür öffnete. Und ohne nachzudenken stolperte Mark hinter ihm in das Zimmer. Es spielte keine Rolle, ob es sich um seines handelte oder um das von Norbert. Spielte keine Rolle, was passieren würde. Er wusste nur, dass er jetzt nicht alleine sein wollte.
Dass er es nicht ertragen könnte, von Norbert getrennt zu werden, und sei es auch nur durch eine Wand zwischen ihnen.
Er stolperte in das Zimmer, blinzelte als das Licht aufflammte, zuckte zusammen, als sich die Tür hinter ihm wieder schloss, und ein Schatten vor ihn trat.
„Brauchst du Hilfe?“ Norberts Stimme klang fast besorgt, und Mark lächelte und hob sein Gesicht zu dem des anderem.
„Nein“, sagte er, und seine Stimme kam wie aus weiter Ferne. „Ich brauche nur dich.“
Norbert schluckte. Mark fühlte mehr als er sah, wie sich sein Adamsapfel bewegte. Und dann fühlte er nichts mehr außer zwei starken Armen, die ihn umschlangen, zwei Lippen, die sich hungrig auf die seinen pressten.
Und er seufzte in den Kuss, als sich sein Mund zugleich mit dem des anderen öffnete, als eine Zunge die Konturen seiner Lippen nachfuhr, an seinen Zähnen entlang glitt, bis sie auf seine eigene Zunge traf, mit ihr spielte, bis Mark stöhnte, bis er zurückweichen und nach Luft schnappen musste.
Doch Norbert ließ ihn nicht fort. Er hielt Mark nah genug, dass dieser seine Wärme fühlte, seinen Atem atmete.
„Ist es das, was du willst?“, fragte Norbert heiser, und Mark konnte nur nicken. Dankbar nicken, aufgeregt und ein wenig beschämt, dass er es zugegeben hatte.
Daraufhin zog ihn Norbert näher an sich, barg sein Gesicht an Marks Schulter. „Ich kann nur nicht… ich… ich kann nicht…“
„Ich weiß.“ Mark streifte Norberts Kopf, fuhr dann mit seinen Fingern durch die dunkelbraunen Strähnen, die sich jedem Versuch sie in Form zu halten unermüdlich wiedersetzten.
Und er wusste es wirklich. Er wusste, wovon Norbert sprach, wusste, dass dieser nie seine Frau aufgeben würde, nie seine Familie verlassen.
Mark kannte ihn, er hatte ihm zugehört, aufmerksam zugehört, wenn dieser von Affären berichtete, schuldbewusst und trotzdem auf eine derart entwaffnende Art ehrlich, dass es Mark nicht möglich war, ihn zu verurteilen.
Er wusste selbst, wie leicht es sein konnte, wie hinterrücks sich die Versuchung heranschleichen, einen – den einen günstigen Augenblick abpassen konnte, um schließlich zu einer Handlung zu führen, die nicht zu verzeihen war, nicht wenn sie bekannt würde, nicht, wenn die Öffentlichkeit davon erführe.
Und so wusste er auch, dass Norbert seine Bindung ernst nahm, wusste und verstand es.
Er umfasste Norberts Kopf mit seiner ganzen Hand, und zog ihn näher, näher an seinen Hals.
„Ich weiß“, wiederholte er noch einmal. „Es macht nichts“, fügte er hinzu, als er fühlte wie sich Norberts Lippen gegen seine Haut bewegten, wie er sanfte Küsse bis zu seinem Nacken hinunter regnen ließ.
Und als habe Norbert darauf gewartet, drückte er Mark näher an sich, drückte ihn fest genug, dass er dessen Erektion spüren konnte, den Beweis dafür, dass es nicht nur Mark war, der sich seit langem die Nähe zwischen ihnen ersehnte.
Später, als sie im Bett lagen, ineinander verschlugen, ein konfuses Gemisch aus Armen, Beinen, aus verschwitzter Haut und erschöpften Gliedmaßen, küsste Mark die haarlose Brust auf der seinen Kopf ruhen ließ.
„Ich danke dir“, sagte er, und sah auf, als ein glucksendes Geräusch, ein Lachen an sein Ohr drang. „Du – dankst mir?“, fragte Norbert leise. „Ich bin es, der dir danken sollte. Du ahnst nicht, wie lange ich… wie sehr ich mich danach gesehnt habe.“
Mark stützte sich auf. „Dann ist es nicht zu Ende?“, fragte er, und erlaubte es seiner Stimme zu zittern.
„Nein“, antwortete Norbert. „Es ist nicht zu Ende.“ Und er ließ es zu, dass Mark sich über ihn warf, und sein Gesicht mit offenen Küssen bedeckte.
„Oh Gott… das ist… das ist…“
Mark fehlten damals die Worte, und er bewahrte diesen Augenblick in seinem Herzen wie einen Schatz, wohl wissend, dass es für eine lange Zeit der Schönste in seinem Leben sein sollte.
Obwohl es viele schöne Momente gab. Die Momente, die sie teilten, in Abgeschiedenheit, in Heimlichkeit, gestohlene Momente, fern vom Set, fern von den Verpflichtungen, die das Leben ihnen auferlegte.
Es gelang ihnen. Sie teilten und sie unterstützten sich. Sie traten gemeinsam auf, nutzten die Möglichkeiten, die ihnen allein durch die Arbeit geboten wurde.
Und wann immer sie konnten, schlossen sie eine Tür hinter sich, schlossen sich ab von den Augen der Öffentlichkeit, von den Augen anderer, und ergaben sich ihrer Leidenschaft.
Bis… bis vor ein paar Monaten alles anders geworden war. Nicht plötzlich, nicht von einem Tag auf den anderen. Sondern langsam, stückweise, ohne dass Mark die Veränderung zunächst in Worte oder auch nur in Gedanken fassen konnte.
Eine langsam wachsende Distanz. Es begann mit dem Gespräch, das die Produzenten mit ihnen geführt hatten. Und es hörte nicht auf, schlimmer zu werden, den Abstand, die Kluft zwischen ihnen vergrößerte sich mit jedem Tag. Und Mark wusste nicht, ob es daran lag, dass Norbert seine Rolle in den Alltag übernahm, oder ob es andere Beweggründe gab, Vorsichtsmaßnahmen, Bedenken, die ihn zurückweichen ließen.
Sie lernten nicht mehr zusammen, was hauptsächlich daran lag, dass sie weniger Szenen miteinander bekamen, dass ihre Charaktere Differenzen austrugen, deren Intensität Mark auch noch spüren konnte, wenn die Kameras längst ausgeschaltet waren.
Norbert war nicht mehr zu fassen. Er ließ sich nicht sprechen, nicht von ihm, und Mark ertappte sich dabei, wie er Nacht für Nacht dagegen ankämpfte, dass der Klumpen, den er in seinem Hals spürte, sich vergrößerte, stieg, sich entlud in einem Schrei oder in einem Sturzbach von Tränen.
Wie sollte er das erklären?
Wie jemandem, wie sich selbst deutlich machen?
Er hatte es gewusst, gewusst, dass es nicht von Dauer sein konnte, gewusst, dass Norbert nie für ihn da sein würde.
Und trotzdem wuchs der Schmerz in ihm, bis er beinahe unerträglich wurde, bis Mark sich auf seinem Bett zusammenrollte und wartete, bis er vorüber ging, bis die Welle anstieg und dann wieder abflachte, erträglich wurde, für eine Weile, bis die nächste Welle heran rollte.
Und seine Tage vergingen in dumpfer Gleichgültigkeit. Bis er sich an einem Ort wie diesem wiederfand, umgeben von Kollegen, von Freunden, die nicht wussten, nicht wissen konnten, was er fühlte, die vielleicht über ihn lachten, oder die ihn geflissentlich ignorierten, den Hoffnungsträger, der geholfen hatte, die Serie hochzubringen, doch der nun alle Anzeichen dafür aufwies, sich auf dem absteigenden Ast zu befinden.
Und er wartete, wartete auf ein Zeichen, auf ein Wort, einen Blick. Er wartete, dass Norbert wiederkäme, dass er zu ihm zurückkäme, dass er seine Vorbehalte vergessen konnte, und auf einmal vor ihm stünde, seine dunklen Augen in die Marks tauchte und ihm versicherte, dass er es nun erkannt habe. Dass sie zusammengehörten. Dass es nichts auf der Welt gab, das sie trennen konnte, nichts und niemand.
Doch es würde nicht geschehen. Nie geschehen.
Und Mark fühlte die Träne, die sich aus seinem Auge löste, die langsam, wie in Zeitlupe fiel, tiefer und tiefer, bis sie auf dem Boden aufkam und dort zerplatzte.
Es sollte nur eine sein, nur eine von vielen.
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Kurzgeschichte,
schreiben,
Slash
Dienstag, 30. Juni 2009
Fandom, Femslash und TV
Als hätte Gilmore Girls mir nicht schon genug angetan. Da versuche ich mich nach getaner Arbeit mit der Aufzeichnung einer unterhaltsamen Nichtigkeit zu erfreuen und dann das: Lorelei trennt sich von Luke… oder umgekehrt.
Wieso nur? Wieso?
Ich sollte ernsthaft erwägen, diese Serie aufzugeben. Sie quält mich. Schon allein, dass Jess offenbar keine Chance hat bei Rory… gut – sie ist ein Kind – weiß nicht was sie will – und er ist ja auch noch ein Baby… also keine Panik… sage ich mir zumindest.
Und dann das.
Selbstverständlich könnte es sein, dass Lorelei sich eines Tages eines Besseren besinnt, hoffentlich schon in der nächsten Folge, aber wenn man ihre Beziehungen so ansieht, besteht da eigentlich nicht allzu viel Hoffnung.
Dabei ist Luke – Scott Patterson – perfekt für sie. Brummig, ein wenig wie Bernd Das Brot. Verlässlich – wie Bernd und zudem erträgt er ihren Redeschwall.
Nicht zu vergessen – er besitzt Zukunftsaussichten, aktuell spielt er den Vater in Aliens in Amerika, Pro 7, Samstag – einer sehr komischen Serie über einen pakistanischen Austauschschüler, der sich nur immer wieder wundern kann. Wirklich sehr zu empfehlen.
Ich rekapituliere: Rory schießt Jess in den Wind, schnappt sich die Pfeife von Dean, der sie dann zum zweiten Mal abserviert, und wendet sich schließlich einem grinsenden, blondgelockten Hirni zu? Ist sie noch ganz dicht?
Gut – Logan besitzt einen Chauffeur, den er großzügig mit ihr teilt. Ich versuche mal meinerseits ebenfalls großzügig über gewisse politische Unkorrektheiten hinwegzusehen.
Schließlich stammt diese Serie aus der Prä-Obama-Ära, dem sogenannten Dunklen Zeitalter, in dem schon Michael Moore so treffend anklagte, dass Afro-Amerikaner im Dienstleistungsgewerbe oder an der Rezeption gern gesehen werden, aber wohl kaum an anderer Stelle. (z.B. als gleichgestellt oder so… um mal unverschämt zu werden.)
In Gilmore Girls haben wir Michel, den Quoten-Schwarzen, Quoten-Vielleicht-Homosexuellen, Quoten-Franzosen?... dann kommt lange nichts, und nun Frank – der Chauffeur.
Aber ich sehe schon über so vieles hinweg, dass es darauf nun auch nicht mehr ankommt.
Eine Freundin warf mir gerade erst vor, dass es sich bei Gilmore Girls um eine Seifenoper handle, um nur eines zu nennen.
Aber – ganz ehrlich – das kann doch nicht sein? Zugegeben, ich habe schon so lange keine Seifenoper mehr gesehen, dass ich nicht mehr weiß, wie so etwas aussieht, aber Gilmore Girls besitzt doch einfach viel zu viel schräge Elemente, beispielsweise die gesamte Bevölkerung von Stars Hollow, die Schleifchen verteilt, weil sich Luke und Lorelei getrennt haben.
Gut, die ganzen Liebesgeschichten – Jess, der permanent im Hintergrund lauert und sich nach Rory verzehrt – zumindest stelle ich mir das so vor – Lorelei, die Männer verschleißt wie andere Leute Turnschuhe. (Und das nur weil sie nicht erkennt, dass sie eigentlich für Olivia Dunham aus Fringe bestimmt ist, gesetzt den Fall sie kann sich mit Luke nicht mehr zusammenraufen. Lorelei und Olivia – hört sich schön an, und passt auch optisch. Lange habe ich gerätselt, zu wem sie passt, aber jetzt ist es klar. Ich bin nur des Crossoverns so müde, sonst würde ich ihnen eine wirkliche Chance einräumen.)
Apropos Crossover: Noch so ein Dilemma in Gilmore Girls – ich finde keinen geeigneten Slash. Stars Hollow ist frei von Frauen, die Lorelei gewachsen sind. Und die Männer… ganz im Ernst – das ist kein Slash-Material.
Außer Jess, und der ist ein Kind. Und außerdem eigentlich Peter Petrelli – also wenn er größer wird. Und Peter gehört natürlich schon Nathan. Daran lässt sich nicht rütteln. So unmoralisch und merkwürdig es ist – aber schließlich reden wir von den Petrellis, und für die gelten andere Maßstäbe.
Und schon bin ich glücklich bei Nathan angekommen, der übrigens gerade einen Preis erhalten hat für seine Performance in Staffel 3 der Serie Heroes. Yeah Nathan! Ich meine Adrian Pasdar.
Übrigens, wer sich für Nathan/Adrian interessiert: Vox ist so nett, und zeigt ‚Für alle Fälle Amy‘ zu grauenvollen Zeiten. (Aber wenn man um 4 oder 5 in der Nacht aufstehen muss, hat man Glück.)
Ich versuche gerade herauszubekommen wann, aber irgendwann während dieser Serie darf Adrian Amys Love-Interest spielen, obwohl da immer diese Spannung zwischen ihm und Amys Kollegen herrscht, die meiner Ansicht nach nicht unbedingt mit Amy zu tun hat. (Ja, ein paar seiner Auftritte habe ich schon genießen können.)
Amy wiederum, also Amy Brenneman spielt aktuell in ‚Private Practice‘ – irgendwas mit Ärzten.
Wenn ich jetzt Amy mit Lorelei verkuppeln könnte, schlösse sich der Kreis. Aber ich kann nicht.
Also gut, wir haben Nathan und Peter, Lorelei und Olivia, Amy und Bruce.
Für Jess und Luke muss ich noch suchen, aber vielleicht helfen Rory ein paar Jahre mit diesem grässlichen Snob, um wahre Schönheit zu erkennen.
Mit Luke allerdings benötige ich ernsthafte Hilfe. Der Mann hat etwas Besonderes verdient.
Und nun bleibt mir nur noch an dieser Stelle den Femslash Day zu empfehlen.
Der 18. Juli steht unter dem Zeichen des Femslash, das bedeutet posten, kommentieren, wohlfühlen. :)
Wer auf der Suche nach Inspiration und/oder hinreißenden Figuren ist: Numb3rs bietet eine Vielzahl wunderschöner Frauen, die meiner Ansicht nach allesamt bereit für eine Orgie sind.
Wieso nur? Wieso?
Ich sollte ernsthaft erwägen, diese Serie aufzugeben. Sie quält mich. Schon allein, dass Jess offenbar keine Chance hat bei Rory… gut – sie ist ein Kind – weiß nicht was sie will – und er ist ja auch noch ein Baby… also keine Panik… sage ich mir zumindest.
Und dann das.
Selbstverständlich könnte es sein, dass Lorelei sich eines Tages eines Besseren besinnt, hoffentlich schon in der nächsten Folge, aber wenn man ihre Beziehungen so ansieht, besteht da eigentlich nicht allzu viel Hoffnung.
Dabei ist Luke – Scott Patterson – perfekt für sie. Brummig, ein wenig wie Bernd Das Brot. Verlässlich – wie Bernd und zudem erträgt er ihren Redeschwall.
Nicht zu vergessen – er besitzt Zukunftsaussichten, aktuell spielt er den Vater in Aliens in Amerika, Pro 7, Samstag – einer sehr komischen Serie über einen pakistanischen Austauschschüler, der sich nur immer wieder wundern kann. Wirklich sehr zu empfehlen.
Ich rekapituliere: Rory schießt Jess in den Wind, schnappt sich die Pfeife von Dean, der sie dann zum zweiten Mal abserviert, und wendet sich schließlich einem grinsenden, blondgelockten Hirni zu? Ist sie noch ganz dicht?
Gut – Logan besitzt einen Chauffeur, den er großzügig mit ihr teilt. Ich versuche mal meinerseits ebenfalls großzügig über gewisse politische Unkorrektheiten hinwegzusehen.
Schließlich stammt diese Serie aus der Prä-Obama-Ära, dem sogenannten Dunklen Zeitalter, in dem schon Michael Moore so treffend anklagte, dass Afro-Amerikaner im Dienstleistungsgewerbe oder an der Rezeption gern gesehen werden, aber wohl kaum an anderer Stelle. (z.B. als gleichgestellt oder so… um mal unverschämt zu werden.)
In Gilmore Girls haben wir Michel, den Quoten-Schwarzen, Quoten-Vielleicht-Homosexuellen, Quoten-Franzosen?... dann kommt lange nichts, und nun Frank – der Chauffeur.
Aber ich sehe schon über so vieles hinweg, dass es darauf nun auch nicht mehr ankommt.
Eine Freundin warf mir gerade erst vor, dass es sich bei Gilmore Girls um eine Seifenoper handle, um nur eines zu nennen.
Aber – ganz ehrlich – das kann doch nicht sein? Zugegeben, ich habe schon so lange keine Seifenoper mehr gesehen, dass ich nicht mehr weiß, wie so etwas aussieht, aber Gilmore Girls besitzt doch einfach viel zu viel schräge Elemente, beispielsweise die gesamte Bevölkerung von Stars Hollow, die Schleifchen verteilt, weil sich Luke und Lorelei getrennt haben.
Gut, die ganzen Liebesgeschichten – Jess, der permanent im Hintergrund lauert und sich nach Rory verzehrt – zumindest stelle ich mir das so vor – Lorelei, die Männer verschleißt wie andere Leute Turnschuhe. (Und das nur weil sie nicht erkennt, dass sie eigentlich für Olivia Dunham aus Fringe bestimmt ist, gesetzt den Fall sie kann sich mit Luke nicht mehr zusammenraufen. Lorelei und Olivia – hört sich schön an, und passt auch optisch. Lange habe ich gerätselt, zu wem sie passt, aber jetzt ist es klar. Ich bin nur des Crossoverns so müde, sonst würde ich ihnen eine wirkliche Chance einräumen.)
Apropos Crossover: Noch so ein Dilemma in Gilmore Girls – ich finde keinen geeigneten Slash. Stars Hollow ist frei von Frauen, die Lorelei gewachsen sind. Und die Männer… ganz im Ernst – das ist kein Slash-Material.
Außer Jess, und der ist ein Kind. Und außerdem eigentlich Peter Petrelli – also wenn er größer wird. Und Peter gehört natürlich schon Nathan. Daran lässt sich nicht rütteln. So unmoralisch und merkwürdig es ist – aber schließlich reden wir von den Petrellis, und für die gelten andere Maßstäbe.
Und schon bin ich glücklich bei Nathan angekommen, der übrigens gerade einen Preis erhalten hat für seine Performance in Staffel 3 der Serie Heroes. Yeah Nathan! Ich meine Adrian Pasdar.
Übrigens, wer sich für Nathan/Adrian interessiert: Vox ist so nett, und zeigt ‚Für alle Fälle Amy‘ zu grauenvollen Zeiten. (Aber wenn man um 4 oder 5 in der Nacht aufstehen muss, hat man Glück.)
Ich versuche gerade herauszubekommen wann, aber irgendwann während dieser Serie darf Adrian Amys Love-Interest spielen, obwohl da immer diese Spannung zwischen ihm und Amys Kollegen herrscht, die meiner Ansicht nach nicht unbedingt mit Amy zu tun hat. (Ja, ein paar seiner Auftritte habe ich schon genießen können.)
Amy wiederum, also Amy Brenneman spielt aktuell in ‚Private Practice‘ – irgendwas mit Ärzten.
Wenn ich jetzt Amy mit Lorelei verkuppeln könnte, schlösse sich der Kreis. Aber ich kann nicht.
Also gut, wir haben Nathan und Peter, Lorelei und Olivia, Amy und Bruce.
Für Jess und Luke muss ich noch suchen, aber vielleicht helfen Rory ein paar Jahre mit diesem grässlichen Snob, um wahre Schönheit zu erkennen.
Mit Luke allerdings benötige ich ernsthafte Hilfe. Der Mann hat etwas Besonderes verdient.
Und nun bleibt mir nur noch an dieser Stelle den Femslash Day zu empfehlen.
Der 18. Juli steht unter dem Zeichen des Femslash, das bedeutet posten, kommentieren, wohlfühlen. :)
Wer auf der Suche nach Inspiration und/oder hinreißenden Figuren ist: Numb3rs bietet eine Vielzahl wunderschöner Frauen, die meiner Ansicht nach allesamt bereit für eine Orgie sind.
Samstag, 13. Juni 2009
Gedanke
Die Wellen plätscherten gegen den Bootsrumpf, und doch schlingerte das Schiff nicht mehr so stark, wie es Aaron bislang vorgekommen war.
Vielleicht beruhigte die See sich gegen Abend.
Vielleicht gewöhnte er sich auch nur so langsam an das ständige Auf- und Ab, die permanenten Bewegungen, die dem Mensch, der sich entschieden hatte, längere Zeit auf dem Meer zu verbringen, zwangsläufig vertraut werden mussten, wollte er nicht in ihrem Verlaufe dem Wahnsinn verfallen.
Der Sonnenuntergang war traumhaft schön, auch wenn es sich lächerlich oder gar kitschig anhörte, dies zuzugeben.
Kein Geräusch, außer den beruhigenden Tönen, die das Wasser verursachte, und dem gelegentliche Knarzen des Bootes störte die Stille, einen Frieden, an dessen Existenz Aaron sich kaum noch erinnern konnte.
Seit Jahren hatte er nicht mehr diese Ruhe gespürt. Und seit Jahren nicht mehr diese Einsamkeit.
War das nicht der Grund für ihn gewesen, hinaus zu segeln? Einmal fortzukommen von all dem Trubel, dem Chaos in seinem Leben, der Verwirrung, die seine Tage bestimmten.
Einmal nachzudenken, über sein Leben, über die Zukunft, über die Situation, in die er sich katapultiert hatte, Hals über Kopf und ohne Nachzudenken, so wie er Zeit seines Lebens gewohnt war zu handeln.
Aber er war nicht mehr dieser junge Mann, der sich nach einem Stolpern wieder fangen konnte, der einen Schlag wegsteckte, und sich vom Boden wieder aufrappelte, sollte es nötig sein.
Er war erwachsen geworden, Himmel – er war vierzig Jahre alt.
Ein Alter, in dem man eigentlich wissen sollte, was man wollte, was man erwartete.
Ein Alter, in dem die Weichen gestellt waren, in dem nicht mehr viel existierte, das überraschte, in dem die wichtigen Entscheidungen längst getroffen worden waren.
Und er hatte diese Entscheidungen getroffen, schon vor Jahren. Als es richtig war, als es an der Zeit war, als er sie treffen musste, um weiter zu kommen im Leben.
Er hatte geheiratet, und es niemals bereut.
Fast nie bereut.
Nathalie war die perfekte Partnerin. Sie stand an seiner Seite, unterstützte ihn, wann immer es notwendig war, und ließ ihm doch seinen Freiraum, erlaubte ihm die Momente des Rückzuges, die er brauchte. Momente wie diesen hier auf See.
Und Momente, die er mit jemand anderem teilte, mit einem anderen Menschen.
Nathalie hatte von Anfang an gewusst, dass sie ihn nicht würde halten können. Sie hatte von Anfang an gewusst, dass er nicht monogam war, dass er anders war, dass er Abwechslung brauchte.
Und er hatte ihr im Gegenzug versprochen, die Dinge, die er brauchte, von ihr fernzuhalten. Von der Öffentlichkeit fern zu halten.
Nicht nötig, sie bloßzustellen. Nicht nötig, sich selbst ins Gerede zu bringen. Nicht mehr als unbedingt notwendig. Nicht in seinem Beruf. Und nicht in ihrem Beruf. Und schon gar nicht in Hinblick auf ihre gemeinsamen Kinder.
Er war ein guter Vater. Er versuchte es zumindest. Soweit man ein guter Vater sein konnte, wenn man 360 Tage im Jahr unterwegs sein musste, und Freizeit ein Fremdwort blieb.
Auf jeden Fall bot er seinen Söhnen Halt. Er kümmerte sich um sie, wurde nicht müde, ihnen zu versichern, dass er für sie da wäre, wann immer und aus welchem Grunde auch immer sie ihn benötigten.
Sie sollten das Wichtigste in seinem Leben sein. Nathalie sollte das Wichtigste in seinem Leben sein.
Doch sie waren es nicht, und sie – Nathalie – war es auch nicht. Nicht mehr.
Nicht mehr seit er ihm begegnet war.
Aaron sah auf das Meer hinaus. Auf die Dunkelheit, die sich über das Wasser senkte, die Farben des Sonnenunterganges verschluckte.
Vielleicht – wenn er ihn früher getroffen hätte. Vielleicht – wenn er ihm begegnet wäre, bevor er Nathalie begegnete. Bevor er die Verantwortung für Kinder, für eine Familie auf seinen Schultern trug.
Vielleicht sähe es dann anders aus.
Vielleicht wäre alles einfacher.
Und doch wusste Aaron, besser als er sich zugestehen wollte, dass dem nicht so war. Es wäre nicht einfacher.
Er hätte sich verhalten, wie er sich bei jedem Mann zuvor verhalten hatte, sich in ein Verhältnis gestürzt, von dem sie beide wussten, dass es sein unvermeidliches Ende nach sich zog. Dass die Zeit begrenzt blieb, die Leichtfertigkeit erhalten, und jede Art von Ernst oder Bindung außer Frage stand.
Doch nun wusste er, was es bedeutete, eine Beziehung einzugehen. Er wusste, was von ihm erwartet wurde, und was er erwartete.
Er liebte Nathalie, und doch bekam er den Gedanken an Nico nicht aus seinem Kopf, konnte ihn nicht vergessen.
Jede wache Minute, jede Bewegung, die andeutete, dass er nicht alleine wäre, ließ ihn aufschrecken, hoffnungsvoll aufsehen.
Hoffnungsvoll, weil er sich wünschte, dass Nico bei ihm war.
Hoffnungsvoll, weil er nur für den Bruchteil einer Sekunde glaubte, dass Nico die Grenzen der Physik und der Vernunft außer Kraft gesetzt hatte, um zu ihm zu kommen. Dass er alles über Bord geworfen hatte, nur um bei ihm zu sein.
Dass er seine Entscheidung getroffen hatte.
Und Nico hatte diese Entscheidung getroffen. Das wusste Aaron. Er hatte sich entschieden, hatte sich für ihn entschieden.
Nico hatte es ihm gesagt, hatte ihn beschworen, dasselbe für ihn zu tun, hatte ihn gebeten, mit ihm zu kommen.
Doch Aaron konnte nicht. Er konnte nicht, konnte es Nathalie nicht antun, konnte es Nico nicht antun.
Nico war jünger als er, zehn Jahre jünger. Zehn Jahre konnten eine Ewigkeit bedeuten.
Nico würde es bereuen, wenn er sich für Aaron entschied. Und noch viel schlimmer… er würde ihn verlassen. Ebenso wie Aaron selbst früher die Männer verlassen hatte, die sich an ihn banden.
Er war gegangen, bevor sie alt werden konnten, alt und hässlich. Noch bevor sie ihn fortstoßen konnten. Bevor er sich auf etwas einließ, dass nicht wieder rückgängig zu machen war.
Und er hatte nie verstanden, was er ihnen damit antat, nie erkannt, dass sie vielleicht mehr in ihm sehen konnten, als ein flüchtiges Abenteuer, eine momentane Erleichterung, eine Möglichkeit des zwanglosen Stressabbaus.
Nichts sprach dagegen, sich einer Leidenschaft hinzugeben, zu fühlen, zu leben, zu spüren, dass man, und warum man lebte.
Nichts – sofern man sich dessen bewusst war, was diese Leidenschaft bedeutete, oder vielmehr, was sie nicht bedeutete.
Warum verstand Nico das nicht?
Und warum verstand er selbst es nicht – verstand es nicht mehr?
Warum sehnte er sich auf einmal nach mehr? Warum war es ihm nicht genug, sich hin und wieder zu treffen, sich zu holen, was Nathalie ihm nicht geben konnte, und Nico zurückzugeben, was dieser bei der Freundin, die er der Welt zum Schein vorführte, nicht finden konnte?
Ein stummes Einverständnis – eine lediglich mit Blicken und Gesten getroffene Abmachung, die so einfach sein sollte, so unkompliziert, eine Abwechslung von dem Druck, den Zwängen, den notwendig gewordenen Lügen des Alltags.
Mehr war es nicht, mehr hatte es nie sein sollen.
Doch nun konnte Aaron nicht aufhören, an Nico zu denken. Er konnte nicht damit aufhören, ihn vor sich zu sehen. Schloss er die Augen, so sah er Nicos Gesicht, die großen, dunklen Augen, das wirre Haar, das ihm ungebändigt in die Stirn fiel, das schiefe Lächeln, den suchenden Blick.
Nico schien stets etwas zu suchen. Sein Blick enthielt ein Verlangen, einen unausgesprochenen Wunsch, eine Sehnsucht, die zu erfüllen eine zu große Aufgabe darstellte. Zu groß für ihn, zu groß für Aaron.
Was Nico brauchte, konnte er ihm nicht geben. Selbst wenn er alles aufgäbe – und Aaron hatte darüber nachgedacht. Während der dunklen Stunden, die er alleine in einem Hotelzimmer verbrachte, angetrunken in der Hoffnung doch noch ein wenig Schlaf zu finden, nachdem er den obligatorischen Anruf bei Nathalie getätigt hatte.
Eine Hoffnung, die von Stunde zu Stunde schwand, je länger er sich in den verschwitzten Laken wälzte, je öfter er seinen Arm ausstreckte, und nach der Gestalt griff, die er neben sich wähnte, die er neben sich wünschte, doch die sich in Nichts auflöste, sobald der Schleier des Halbschlafes, in den er verfallen war, sich senkte.
Er roch ihn, roch Nico immer.
Der Duft nach Rasierwasser, nach Schweiß, nach ihm verging nicht mehr. Er klebte an Aaron, war um ihn, egal was er unternahm, egal wie lange er sich wusch, duschte, mit intensiven Düften umgab.
Nicos Geruch existierte, wie sein Wesen, wie die Sehnsucht nach seinem Körper, nach harten Küssen, nach Händen, die wussten, was sie taten, die wussten, was Aaron brauchte.
Nicos Geruch verließ ihn nicht, auch wenn sie sich für Wochen nicht sahen. Ebenso wenig, wie der Gedanke an ihn verfliegen konnte.
Wenn alles um ihn zusammenbrach, wenn er unglücklich war, ohne Hoffnung in die Zukunft sah, wenn die Wellen über ihm zusammenschlugen, dann war der Gedanke an Nico noch bei ihm. Fest, stark, wie der Felsen, nach dem er sein Leben lang gesucht hatte. Ein Felsen, der in sich ruhte, der Halt bot in den Stürmen, die weder vorauszusehen, noch zu vermeiden war.
Ein Gedanke nur – doch dieser durchdrang jeden von Aarons Atemzügen, durchdrang seinen Körper gewaltsam, und ohne, dass er eine Chance besaß, sich gegen ihn wehren zu können.
Und Aaron wollte sich nicht wehren.
Er öffnete die Augen, und die Dunkelheit um ihn war vollkommen. Das Wasser trug ihn mit beruhigenden Bewegungen, hielt ihn, so wie ihn die Nacht sanft umgab.
Weit über ihm blinkte ein einzelner Stern, einer allein, dessen Licht die Wolken durchdrang, die Aaron mehr fühlte, als dass er sie sah.
Ein einzelner Stern – mehr war nicht nötig. Mehr brauchte er nicht.
Ein einzelner Stern, der sich weder durch Gischt, noch durch Nebel oder Dunkelheit davon abhalten ließ zu strahlen.
Ein einzelner Stern, eine einzelne Liebe – eine Lösung, eine einzige Lösung für alle Probleme, eine Antwort auf alle Fragen, auf seine Suche, auf Nicos Suche.
Vielleicht würden sie diese zusammen finden.
Und das Wasser plätscherte gegen den Bootsrand, während das Schiff scheinbar ziellos auf den Wellen schaukelte. Ziellos, und doch fest verankert.
Das Schiff wusste, was es brauchte, kannte seinen Weg.
Es konnte so einfach sein.
Vielleicht beruhigte die See sich gegen Abend.
Vielleicht gewöhnte er sich auch nur so langsam an das ständige Auf- und Ab, die permanenten Bewegungen, die dem Mensch, der sich entschieden hatte, längere Zeit auf dem Meer zu verbringen, zwangsläufig vertraut werden mussten, wollte er nicht in ihrem Verlaufe dem Wahnsinn verfallen.
Der Sonnenuntergang war traumhaft schön, auch wenn es sich lächerlich oder gar kitschig anhörte, dies zuzugeben.
Kein Geräusch, außer den beruhigenden Tönen, die das Wasser verursachte, und dem gelegentliche Knarzen des Bootes störte die Stille, einen Frieden, an dessen Existenz Aaron sich kaum noch erinnern konnte.
Seit Jahren hatte er nicht mehr diese Ruhe gespürt. Und seit Jahren nicht mehr diese Einsamkeit.
War das nicht der Grund für ihn gewesen, hinaus zu segeln? Einmal fortzukommen von all dem Trubel, dem Chaos in seinem Leben, der Verwirrung, die seine Tage bestimmten.
Einmal nachzudenken, über sein Leben, über die Zukunft, über die Situation, in die er sich katapultiert hatte, Hals über Kopf und ohne Nachzudenken, so wie er Zeit seines Lebens gewohnt war zu handeln.
Aber er war nicht mehr dieser junge Mann, der sich nach einem Stolpern wieder fangen konnte, der einen Schlag wegsteckte, und sich vom Boden wieder aufrappelte, sollte es nötig sein.
Er war erwachsen geworden, Himmel – er war vierzig Jahre alt.
Ein Alter, in dem man eigentlich wissen sollte, was man wollte, was man erwartete.
Ein Alter, in dem die Weichen gestellt waren, in dem nicht mehr viel existierte, das überraschte, in dem die wichtigen Entscheidungen längst getroffen worden waren.
Und er hatte diese Entscheidungen getroffen, schon vor Jahren. Als es richtig war, als es an der Zeit war, als er sie treffen musste, um weiter zu kommen im Leben.
Er hatte geheiratet, und es niemals bereut.
Fast nie bereut.
Nathalie war die perfekte Partnerin. Sie stand an seiner Seite, unterstützte ihn, wann immer es notwendig war, und ließ ihm doch seinen Freiraum, erlaubte ihm die Momente des Rückzuges, die er brauchte. Momente wie diesen hier auf See.
Und Momente, die er mit jemand anderem teilte, mit einem anderen Menschen.
Nathalie hatte von Anfang an gewusst, dass sie ihn nicht würde halten können. Sie hatte von Anfang an gewusst, dass er nicht monogam war, dass er anders war, dass er Abwechslung brauchte.
Und er hatte ihr im Gegenzug versprochen, die Dinge, die er brauchte, von ihr fernzuhalten. Von der Öffentlichkeit fern zu halten.
Nicht nötig, sie bloßzustellen. Nicht nötig, sich selbst ins Gerede zu bringen. Nicht mehr als unbedingt notwendig. Nicht in seinem Beruf. Und nicht in ihrem Beruf. Und schon gar nicht in Hinblick auf ihre gemeinsamen Kinder.
Er war ein guter Vater. Er versuchte es zumindest. Soweit man ein guter Vater sein konnte, wenn man 360 Tage im Jahr unterwegs sein musste, und Freizeit ein Fremdwort blieb.
Auf jeden Fall bot er seinen Söhnen Halt. Er kümmerte sich um sie, wurde nicht müde, ihnen zu versichern, dass er für sie da wäre, wann immer und aus welchem Grunde auch immer sie ihn benötigten.
Sie sollten das Wichtigste in seinem Leben sein. Nathalie sollte das Wichtigste in seinem Leben sein.
Doch sie waren es nicht, und sie – Nathalie – war es auch nicht. Nicht mehr.
Nicht mehr seit er ihm begegnet war.
Aaron sah auf das Meer hinaus. Auf die Dunkelheit, die sich über das Wasser senkte, die Farben des Sonnenunterganges verschluckte.
Vielleicht – wenn er ihn früher getroffen hätte. Vielleicht – wenn er ihm begegnet wäre, bevor er Nathalie begegnete. Bevor er die Verantwortung für Kinder, für eine Familie auf seinen Schultern trug.
Vielleicht sähe es dann anders aus.
Vielleicht wäre alles einfacher.
Und doch wusste Aaron, besser als er sich zugestehen wollte, dass dem nicht so war. Es wäre nicht einfacher.
Er hätte sich verhalten, wie er sich bei jedem Mann zuvor verhalten hatte, sich in ein Verhältnis gestürzt, von dem sie beide wussten, dass es sein unvermeidliches Ende nach sich zog. Dass die Zeit begrenzt blieb, die Leichtfertigkeit erhalten, und jede Art von Ernst oder Bindung außer Frage stand.
Doch nun wusste er, was es bedeutete, eine Beziehung einzugehen. Er wusste, was von ihm erwartet wurde, und was er erwartete.
Er liebte Nathalie, und doch bekam er den Gedanken an Nico nicht aus seinem Kopf, konnte ihn nicht vergessen.
Jede wache Minute, jede Bewegung, die andeutete, dass er nicht alleine wäre, ließ ihn aufschrecken, hoffnungsvoll aufsehen.
Hoffnungsvoll, weil er sich wünschte, dass Nico bei ihm war.
Hoffnungsvoll, weil er nur für den Bruchteil einer Sekunde glaubte, dass Nico die Grenzen der Physik und der Vernunft außer Kraft gesetzt hatte, um zu ihm zu kommen. Dass er alles über Bord geworfen hatte, nur um bei ihm zu sein.
Dass er seine Entscheidung getroffen hatte.
Und Nico hatte diese Entscheidung getroffen. Das wusste Aaron. Er hatte sich entschieden, hatte sich für ihn entschieden.
Nico hatte es ihm gesagt, hatte ihn beschworen, dasselbe für ihn zu tun, hatte ihn gebeten, mit ihm zu kommen.
Doch Aaron konnte nicht. Er konnte nicht, konnte es Nathalie nicht antun, konnte es Nico nicht antun.
Nico war jünger als er, zehn Jahre jünger. Zehn Jahre konnten eine Ewigkeit bedeuten.
Nico würde es bereuen, wenn er sich für Aaron entschied. Und noch viel schlimmer… er würde ihn verlassen. Ebenso wie Aaron selbst früher die Männer verlassen hatte, die sich an ihn banden.
Er war gegangen, bevor sie alt werden konnten, alt und hässlich. Noch bevor sie ihn fortstoßen konnten. Bevor er sich auf etwas einließ, dass nicht wieder rückgängig zu machen war.
Und er hatte nie verstanden, was er ihnen damit antat, nie erkannt, dass sie vielleicht mehr in ihm sehen konnten, als ein flüchtiges Abenteuer, eine momentane Erleichterung, eine Möglichkeit des zwanglosen Stressabbaus.
Nichts sprach dagegen, sich einer Leidenschaft hinzugeben, zu fühlen, zu leben, zu spüren, dass man, und warum man lebte.
Nichts – sofern man sich dessen bewusst war, was diese Leidenschaft bedeutete, oder vielmehr, was sie nicht bedeutete.
Warum verstand Nico das nicht?
Und warum verstand er selbst es nicht – verstand es nicht mehr?
Warum sehnte er sich auf einmal nach mehr? Warum war es ihm nicht genug, sich hin und wieder zu treffen, sich zu holen, was Nathalie ihm nicht geben konnte, und Nico zurückzugeben, was dieser bei der Freundin, die er der Welt zum Schein vorführte, nicht finden konnte?
Ein stummes Einverständnis – eine lediglich mit Blicken und Gesten getroffene Abmachung, die so einfach sein sollte, so unkompliziert, eine Abwechslung von dem Druck, den Zwängen, den notwendig gewordenen Lügen des Alltags.
Mehr war es nicht, mehr hatte es nie sein sollen.
Doch nun konnte Aaron nicht aufhören, an Nico zu denken. Er konnte nicht damit aufhören, ihn vor sich zu sehen. Schloss er die Augen, so sah er Nicos Gesicht, die großen, dunklen Augen, das wirre Haar, das ihm ungebändigt in die Stirn fiel, das schiefe Lächeln, den suchenden Blick.
Nico schien stets etwas zu suchen. Sein Blick enthielt ein Verlangen, einen unausgesprochenen Wunsch, eine Sehnsucht, die zu erfüllen eine zu große Aufgabe darstellte. Zu groß für ihn, zu groß für Aaron.
Was Nico brauchte, konnte er ihm nicht geben. Selbst wenn er alles aufgäbe – und Aaron hatte darüber nachgedacht. Während der dunklen Stunden, die er alleine in einem Hotelzimmer verbrachte, angetrunken in der Hoffnung doch noch ein wenig Schlaf zu finden, nachdem er den obligatorischen Anruf bei Nathalie getätigt hatte.
Eine Hoffnung, die von Stunde zu Stunde schwand, je länger er sich in den verschwitzten Laken wälzte, je öfter er seinen Arm ausstreckte, und nach der Gestalt griff, die er neben sich wähnte, die er neben sich wünschte, doch die sich in Nichts auflöste, sobald der Schleier des Halbschlafes, in den er verfallen war, sich senkte.
Er roch ihn, roch Nico immer.
Der Duft nach Rasierwasser, nach Schweiß, nach ihm verging nicht mehr. Er klebte an Aaron, war um ihn, egal was er unternahm, egal wie lange er sich wusch, duschte, mit intensiven Düften umgab.
Nicos Geruch existierte, wie sein Wesen, wie die Sehnsucht nach seinem Körper, nach harten Küssen, nach Händen, die wussten, was sie taten, die wussten, was Aaron brauchte.
Nicos Geruch verließ ihn nicht, auch wenn sie sich für Wochen nicht sahen. Ebenso wenig, wie der Gedanke an ihn verfliegen konnte.
Wenn alles um ihn zusammenbrach, wenn er unglücklich war, ohne Hoffnung in die Zukunft sah, wenn die Wellen über ihm zusammenschlugen, dann war der Gedanke an Nico noch bei ihm. Fest, stark, wie der Felsen, nach dem er sein Leben lang gesucht hatte. Ein Felsen, der in sich ruhte, der Halt bot in den Stürmen, die weder vorauszusehen, noch zu vermeiden war.
Ein Gedanke nur – doch dieser durchdrang jeden von Aarons Atemzügen, durchdrang seinen Körper gewaltsam, und ohne, dass er eine Chance besaß, sich gegen ihn wehren zu können.
Und Aaron wollte sich nicht wehren.
Er öffnete die Augen, und die Dunkelheit um ihn war vollkommen. Das Wasser trug ihn mit beruhigenden Bewegungen, hielt ihn, so wie ihn die Nacht sanft umgab.
Weit über ihm blinkte ein einzelner Stern, einer allein, dessen Licht die Wolken durchdrang, die Aaron mehr fühlte, als dass er sie sah.
Ein einzelner Stern – mehr war nicht nötig. Mehr brauchte er nicht.
Ein einzelner Stern, der sich weder durch Gischt, noch durch Nebel oder Dunkelheit davon abhalten ließ zu strahlen.
Ein einzelner Stern, eine einzelne Liebe – eine Lösung, eine einzige Lösung für alle Probleme, eine Antwort auf alle Fragen, auf seine Suche, auf Nicos Suche.
Vielleicht würden sie diese zusammen finden.
Und das Wasser plätscherte gegen den Bootsrand, während das Schiff scheinbar ziellos auf den Wellen schaukelte. Ziellos, und doch fest verankert.
Das Schiff wusste, was es brauchte, kannte seinen Weg.
Es konnte so einfach sein.
Alkohol
Alkohol und Zigaretten.
Ich erinnere mich an diesen Film: Kaffee und Zigaretten, ein nachweisliches Kunstwerk, erschaffen dereinst in Schwarz-Weiß von dem unvergleichlichen Jim Jarmusch.
Damals war es Mode zu behaupten, dass eine Tasse Kaffee, stark und schwarz selbstverständlich, zusammen mit einer Zigarette am Morgen genossen, die Lebensgeister auf wundersame Weise in Schwung brächten.
Vielleicht galt es allerdings auch nur als cool, auf diese Art zu frühstücken. Denn was ist schon cool an einer Schale Müsli, einer Schüssel Cornflakes oder einem Milchbrötchen mit Früchtetee?
Nein – es musste etwas Finsteres sein, etwas, das Düsternis und Selbstzerstörung verkörperte, und zugleich oder trotz dessen, anregend genug blieb, um Interesse aufrecht zu erhalten.
Kein hirnloses Zusaufen mit dem Glimmstengel zwischen den Fingern. Statt dessen Ja zum Leben, Ja zum Morgen, aber Nein zum Alter, Nein zur Gesundheit, Nein zur Selbsterhaltung.
Natürlich – wir alle wussten, dass Zigaretten schädlich waren, ebenso wie es heutzutage jedermann weiß. Aber hält das tatsächlich denjenigen ab vom Rauchen, der wirklich Rauchen will? Ganz sicher nicht. Im Gegenteil – das Interesse am Verbotenen wird lediglich gesteigert.
Wo war ich… bei Kaffee und Zigaretten, genau.
Also Zigaretten besitzen diese dumme Nebenwirkung – sie stinken. Und nicht nur, wenn sie abbrennen, und man zufällig an einem glimmenden Glimmstengel vorbeischreitet.
Nein – das riecht eigentlich sogar ziemlich lecker. Zumindest für den ehemaligen Raucher. Der kräuselnde, silbergraue Rauchfaden, der sich so elegant in die Lüfte erhebt, der Duft nach Teer und Nikotin, nach Verbrannten weckt Erinnerungen an die ersten Züge, die im Hals wohl brannten, und dennoch oder gerade deshalb die Köstlichsten waren.
Das ist natürlich keine Entschuldigung. Sondern im Gegenteil ein Argument dafür, mit dieser Unsitte erst gar nicht anzufangen. Denn hat man einmal mit dem rauchen begonnen, so ist der Samen gesetzt, so schlummert die Sehnsucht nach der Zigarette bis in alle Ewigkeit, oder zumindest, bis man zum allerletzten Mal die Augen schließt, in den Tiefen der eigenen Seele, bereit herauszukommen, sobald man nur auf dem Bildschirm, nur auf einem Foto des verlockenden Stengels ansichtig wird.
Vergessen die Zeiten der Loslösung, der heldenhafte Kampf gegen die Versuchung, das Bedürfnis an jedem Auspuff zu schnuppern, jede Garage, jeden U-Bahn-Tunnel in die eigenen Lungen zu saugen, um zumindest den geringsten, schäbigsten Ersatz für die Droge zu bekommen.
Und bei all dem stellt sich die widersinnigste aller Fragen – was hat man überhaupt von der Zigarette?
Sie verleiht einem keine Träume, versorgt nicht mit Illusionen, noch nicht einmal die Selbsteinschätzung ändert sich – bis auf die fatale und längst veraltete Vorstellung von Coolness.
Nur dass der letzte Rest dieser Vorstellung verfliegt, sobald ein Gegenüber tief Atem holt. Denn gerade während dieser Sommertage, gerade in Verbindung mit anderen Substanzen reagiert der andere gerne mit einer speziellen Form des Naserümpfens.
Selbstverständlich bemerkt der erprobt coole Raucher und Kaffeetrinker ein solches Naserümpfen nicht. Es könnte auch sein, dass er darüber steht, dass Kleinigkeiten wie seine Wirkung auf andere nicht von dem Material sind, über das er sich Gedanken macht.
Zugegeben – eigentlich und wiederum eine recht gesunde Einstellung. Der Raucher scheint doch etwas richtig zu machen.
Problematisch wird es nur, wenn besagter Raucher eines Tages doch der Zigarette entsagt. Und machen wir uns nichts vor – irgendwann wird es passieren.
Mit der Aufgabe der Zigarette, setzt nämlich zwangsläufig und irgendwann früher oder später ein längst vergessener oder verdrängter Sinn ein - der Geruchssinn.
Auf einmal riecht man wieder. Ein Argument, das selbstverständlich auch für das Rauchen sprechen könnte, je nachdem wo man lebt oder arbeitet. Es kann sich durchaus um einen Segen handeln, wenn der Mensch nicht gezwungen ist, alles zu riechen, was ihn umgibt.
Nichtsdestotrotz ist der Geruchssinn einer von der Sorte, der auch Freude machen kann. Die Welt duftet plötzlich wieder. Blumen, Parfüm, Duft-Öle – zuvor nicht existente Welten kehren ins Bewusstsein zurück.
Aber natürlich riecht man auch Übles. Und damit ist nicht die vor sich hin glimmende Zigarette gemeint… die Rauchwolke, nach der man unwillkürlich schnuppert, schlendert man an einem Raucher vorbei, während die letzten Reserven mobilisiert werden, um besagtem Raucher nicht seinen Glimmstengel aus der Hand zu reißen, sondern stoisch weiterzuschreiten und sich an der eigenen Stärke und Willenskraft zu erfreuen.
Nein, die Zigarette – der Zigarettenrauch zählt zu den verlockenden Düften.
Der Raucher selbst mitnichten.
Unter verschiedensten Umständen kann es passieren, dass selbst der oft erwähnte abgestandene Aschenbecher besser riecht, als der Raucher. Wer erinnert sich nicht an diesen unheiligen Dunst, diese Wolke von unsichtbarer und dennoch geradezu erschlagender Wucht?
Habe ich auch so geduftet, als ich noch aktiv war, fragt man sich unwillkürlich, und vielleicht zum ersten Mal ohne die leise Wehmut, ohne das Gefühl des unerträglichen Verzichts, der einer geradezu unverdienten Strafe gleichkommt.
Und man muss sich eingestehen, dass die Zeichen dafür sprechen, dass eine Zigarette nun mal Zigarette ist, und in Kombination mit dem menschlichen Körper gewisse Effekte produziert. Nichts passiert ohne Folgen.
Du bist, was du isst, also auch was du rauchst. Und du duftest auch wie du rauchst.
Selbstverständlich kannst du den Zigarettenmief mit einem guten Deo zu kaschieren versuchen, aber seien wir ehrlich – so stark ist kein Deo. Da helfen nur schwere Geschütze, und viele Leute lehnen es ab, als wandelnde Duftlampe durch die Gegend zu laufen.
Doch komme ich vom Thema ab, zielte ich doch eigentlich in Richtung Alkohol – wie immer.
Aber mittlerweile sind wir auch über das Frühstück hinaus. Der Tag beinhaltet schließlich noch mehr.
Lassen wir Mittagessen und belanglose Nichtigkeiten wie Arbeit, Uni
oder Schule beiseite, und gehen direkt zum interessanten Teil des Tages über.
Natürlich besteht durchaus die Möglichkeit, sich bereits vor der Happy Hour mit einem guten Schluck zu trösten, aber ich gehe doch davon aus, dass die meisten Menschen etwas stärker sind als ich, und deshalb bis zum Abend warten, um sich einen hinter die Binde zu gießen.
Wie dem auch sei: ein gemütlicher Tagesabschluss, ein Drink, eine Zigarette, um die Nervosität zu überbrücken, wenn die hübsche Blonde, oder der hübsche Dunkelhaarige zufällig herübersieht.
Keine Frage, das gehört dazu und kommt gut.
Nur dass die Kombination duftmäßig gesehen eine weitaus durchschlagendere Wirkung besitzt, als die Zigarette allein.
Oh ja… diese Kombination tötet empfindliche Geruchsnerven. Und das am erfolgreichsten, wenn man Bier zu dem Mix gibt.
Wir haben also zwei Möglichkeiten: Entweder sehen wir cool aus, fühlen uns cool, und rauchen und trinken ohne Scham und Zurückhaltung.
Oder wir leben anständig, brav, abstinent, und der teure Duft, den wir uns von dem Geld leisten können, das wir uns durch die Vermeidung des Kaufes von Alkohol und Zigaretten sparen, entfaltet sich wie eine Blume. Ohne Hindernis, ohne Barriere, ohne dass eine legale Droge uns das Gehirn vernebelt.
Natürlich, selbstverständlich und fraglos existieren gerade für den Alkoholgenuss noch andere Gründe, außer, dass er legal ist. Positive Aspekte, die zu erwähnen sich von selbst verbietet, möchte ich nicht die stets auf tönernen Füßen schwankende Trockenheit gefährden.
Nur zu dem einen, entscheidenden Punkt: Man kann sich wunderbar damit umbringen. Vor allem dauert das. Es zieht sich ein Weilchen hin, bis die Leber ruiniert ist. Und dann fängt sie an zu schmerzen.
Zusammen mit der einsetzenden Übelkeit ist es fast möglich, dass der Mensch schwach wird, und freiwillig mit den harten Getränken aufhört. Ja vielleicht sogar das Trinken vollkommen bleiben lässt. Zumindest für eine Weile. Wenn man so will.
Dummerweise regeneriert die Leber sich unter Umständen wieder. Ja, die Leber kann fast wieder gesund werden, und ihre Tätigkeit munter wieder aufnehmen. Und je nachdem wie konsequent man den Alkoholismus betrieben hat, umso langfristiger und vielleicht vorerst noch unbemerkt bleiben die Langzeitschäden.
Ja, der menschliche Körper ist ein Wunderwerk, und ausgesprochen widerstandsfähig.
Es kann durchaus sein, dass man einigermaßen stabil aus dieser Sache hervorgeht – Neigung zur Selbstzerstörung hin oder her.
Und natürlich – und zur Beruhigung labiler Geister – kann mit gutem Gewissen behauptet werden, dass ja doch die Möglichkeit besteht, sich jederzeit dem guten Trunk erneut zuzuwenden.
Ja, der Mensch darf jederzeit – vom gesetzlichen Standpunkt betrachtet – seine Meinung ändern, und damit fortfahren, sich zu Tode zu trinken.
Unterstützend und hilfreich wirkt natürlich auch hier, dass Rauchen. Zigarettenindustrie, Gewerbesteuer, der Staat und der Teufel – schätze ich – sich nebst vielen anderen Unerwähnten freuen, wenn das Geschäft boomt, und eifrig gequalmt wird.
Genauso wie sich die Waffenindustrie durchaus offen freuen darf, wenn sich ein Konflikt über kurz oder lang zuspitzt.
Und ist nicht das Wirtschaftswachstum das Wichtigste? Haben wir das nicht alle gelernt?
Wohlgemerkt – das Wachstum unserer Wirtschaft natürlich. Also der, auf die es ankommt.
Denn mit der Beachtung eines biologischen Grundgesetzes dürfte jedem denkenden Menschen klar werden, dass Wachstum in jeder Form Konsequenzen nach sich zieht.
Konsequenzen für eine andere, unbedeutende Existenzform. Eine Form, von der man bald nichts mehr weiß, da sie zwangsläufig überwuchert wird.
Ist ja auch klar – irgendwohin muss die Wirtschaft wachsen. Also wächst sie dorthin wo sie vorher nicht war. Wo vorher etwas anderes war. Zum Beispiel eine andere Kultur. Und was interessiert es unser Wachstum, wenn diese Kultur ausgerupft, ausgedörrt oder vernichtet wird. Der Kolonialismus war nur die Spitze des Eisbergs. An dem Rest wird munter weitergearbeitet.
Mittlerweile interessiert das natürlich niemanden mehr, da die ‚Krise‘ hier angekommen ist, unerwartet, unbeschreiblich und aus dem Nichts aufgetaucht. Deshalb wird diese Krise erst einmal behandelt. Der Blick auf globale Zusammenhänge limitiert sich dadurch von selbst. Hatten wir zuvor vielleicht noch einen mitleidigen Blick übrig auf ein verarmtes Land, so sind wir nun ausreichend mit der Selbsterhaltung beschäftigt, um jenem Land zuzutrauen, sich doch selbst und an den eigenen Haaren aus dem Sumpf zu ziehen.
Es versteht sich also auch von selbst, dass wir keine Möglichkeit mehr besitzen, auf Geringfügigkeiten wie faire Kaffeepreise Rücksicht zu nehmen. Um Gottes Willen – sonst noch was?
Nein – wir, als Opfer der Krise, sind geradezu verpflichtet uns das Billigste vom Billigsten anzuschaffen, im Konsum zu schwelgen, Angebot und Nachfrage zu regeln, und uns überhaupt wie pflichtbewusste Bürger dieses Landes zu verhalten.
Den Kaffee erlauben wir uns – natürlich – wir sind schließlich eine Nation von eingeschworenen Kaffeetrinkern.
Und die Zigarette kurbelt die Wirtschaft an, sorgt für Arbeitsplätze, erspart der Gesellschaft die Rentenkosten, und dem Raucher selbst das Alter.
Gleiches lässt sich auch für den Alkohol anführen.
Die Vorteile des freudigen Konsums überwiegen demnach eindeutig. Vergessen wir also belanglose Kleinigkeiten wie unangenehme Gerüche. Sie gehören zum Leben, so wie alles andere auch.
Vergessen wir den menschlichen Trieb zur Selbsterhaltung. Irgendwann muss damit Schluss sein.
Und loben wir gemeinsam die nie nachlassende Tendenz zur Selbstzerstörung, den alles überragenden Sieg der Lässigkeit, die Verdrängung von Realität und Durchblick.
Den unnachahmlichen Charme, den ein qualmender und saufender Fünfzigjähriger verströmt, oder die Anziehungskraft einer Dame in den besten Jahren, die sich alleine auf ihrem Sofa den Likör gibt, bis sie ins leerstehende Bett taumelt.
Das ist unsere Gesellschaft. Lieben und erhalten wir sie. Alkohol und Zigaretten bleiben dabei unerlässlich.
Ich erinnere mich an diesen Film: Kaffee und Zigaretten, ein nachweisliches Kunstwerk, erschaffen dereinst in Schwarz-Weiß von dem unvergleichlichen Jim Jarmusch.
Damals war es Mode zu behaupten, dass eine Tasse Kaffee, stark und schwarz selbstverständlich, zusammen mit einer Zigarette am Morgen genossen, die Lebensgeister auf wundersame Weise in Schwung brächten.
Vielleicht galt es allerdings auch nur als cool, auf diese Art zu frühstücken. Denn was ist schon cool an einer Schale Müsli, einer Schüssel Cornflakes oder einem Milchbrötchen mit Früchtetee?
Nein – es musste etwas Finsteres sein, etwas, das Düsternis und Selbstzerstörung verkörperte, und zugleich oder trotz dessen, anregend genug blieb, um Interesse aufrecht zu erhalten.
Kein hirnloses Zusaufen mit dem Glimmstengel zwischen den Fingern. Statt dessen Ja zum Leben, Ja zum Morgen, aber Nein zum Alter, Nein zur Gesundheit, Nein zur Selbsterhaltung.
Natürlich – wir alle wussten, dass Zigaretten schädlich waren, ebenso wie es heutzutage jedermann weiß. Aber hält das tatsächlich denjenigen ab vom Rauchen, der wirklich Rauchen will? Ganz sicher nicht. Im Gegenteil – das Interesse am Verbotenen wird lediglich gesteigert.
Wo war ich… bei Kaffee und Zigaretten, genau.
Also Zigaretten besitzen diese dumme Nebenwirkung – sie stinken. Und nicht nur, wenn sie abbrennen, und man zufällig an einem glimmenden Glimmstengel vorbeischreitet.
Nein – das riecht eigentlich sogar ziemlich lecker. Zumindest für den ehemaligen Raucher. Der kräuselnde, silbergraue Rauchfaden, der sich so elegant in die Lüfte erhebt, der Duft nach Teer und Nikotin, nach Verbrannten weckt Erinnerungen an die ersten Züge, die im Hals wohl brannten, und dennoch oder gerade deshalb die Köstlichsten waren.
Das ist natürlich keine Entschuldigung. Sondern im Gegenteil ein Argument dafür, mit dieser Unsitte erst gar nicht anzufangen. Denn hat man einmal mit dem rauchen begonnen, so ist der Samen gesetzt, so schlummert die Sehnsucht nach der Zigarette bis in alle Ewigkeit, oder zumindest, bis man zum allerletzten Mal die Augen schließt, in den Tiefen der eigenen Seele, bereit herauszukommen, sobald man nur auf dem Bildschirm, nur auf einem Foto des verlockenden Stengels ansichtig wird.
Vergessen die Zeiten der Loslösung, der heldenhafte Kampf gegen die Versuchung, das Bedürfnis an jedem Auspuff zu schnuppern, jede Garage, jeden U-Bahn-Tunnel in die eigenen Lungen zu saugen, um zumindest den geringsten, schäbigsten Ersatz für die Droge zu bekommen.
Und bei all dem stellt sich die widersinnigste aller Fragen – was hat man überhaupt von der Zigarette?
Sie verleiht einem keine Träume, versorgt nicht mit Illusionen, noch nicht einmal die Selbsteinschätzung ändert sich – bis auf die fatale und längst veraltete Vorstellung von Coolness.
Nur dass der letzte Rest dieser Vorstellung verfliegt, sobald ein Gegenüber tief Atem holt. Denn gerade während dieser Sommertage, gerade in Verbindung mit anderen Substanzen reagiert der andere gerne mit einer speziellen Form des Naserümpfens.
Selbstverständlich bemerkt der erprobt coole Raucher und Kaffeetrinker ein solches Naserümpfen nicht. Es könnte auch sein, dass er darüber steht, dass Kleinigkeiten wie seine Wirkung auf andere nicht von dem Material sind, über das er sich Gedanken macht.
Zugegeben – eigentlich und wiederum eine recht gesunde Einstellung. Der Raucher scheint doch etwas richtig zu machen.
Problematisch wird es nur, wenn besagter Raucher eines Tages doch der Zigarette entsagt. Und machen wir uns nichts vor – irgendwann wird es passieren.
Mit der Aufgabe der Zigarette, setzt nämlich zwangsläufig und irgendwann früher oder später ein längst vergessener oder verdrängter Sinn ein - der Geruchssinn.
Auf einmal riecht man wieder. Ein Argument, das selbstverständlich auch für das Rauchen sprechen könnte, je nachdem wo man lebt oder arbeitet. Es kann sich durchaus um einen Segen handeln, wenn der Mensch nicht gezwungen ist, alles zu riechen, was ihn umgibt.
Nichtsdestotrotz ist der Geruchssinn einer von der Sorte, der auch Freude machen kann. Die Welt duftet plötzlich wieder. Blumen, Parfüm, Duft-Öle – zuvor nicht existente Welten kehren ins Bewusstsein zurück.
Aber natürlich riecht man auch Übles. Und damit ist nicht die vor sich hin glimmende Zigarette gemeint… die Rauchwolke, nach der man unwillkürlich schnuppert, schlendert man an einem Raucher vorbei, während die letzten Reserven mobilisiert werden, um besagtem Raucher nicht seinen Glimmstengel aus der Hand zu reißen, sondern stoisch weiterzuschreiten und sich an der eigenen Stärke und Willenskraft zu erfreuen.
Nein, die Zigarette – der Zigarettenrauch zählt zu den verlockenden Düften.
Der Raucher selbst mitnichten.
Unter verschiedensten Umständen kann es passieren, dass selbst der oft erwähnte abgestandene Aschenbecher besser riecht, als der Raucher. Wer erinnert sich nicht an diesen unheiligen Dunst, diese Wolke von unsichtbarer und dennoch geradezu erschlagender Wucht?
Habe ich auch so geduftet, als ich noch aktiv war, fragt man sich unwillkürlich, und vielleicht zum ersten Mal ohne die leise Wehmut, ohne das Gefühl des unerträglichen Verzichts, der einer geradezu unverdienten Strafe gleichkommt.
Und man muss sich eingestehen, dass die Zeichen dafür sprechen, dass eine Zigarette nun mal Zigarette ist, und in Kombination mit dem menschlichen Körper gewisse Effekte produziert. Nichts passiert ohne Folgen.
Du bist, was du isst, also auch was du rauchst. Und du duftest auch wie du rauchst.
Selbstverständlich kannst du den Zigarettenmief mit einem guten Deo zu kaschieren versuchen, aber seien wir ehrlich – so stark ist kein Deo. Da helfen nur schwere Geschütze, und viele Leute lehnen es ab, als wandelnde Duftlampe durch die Gegend zu laufen.
Doch komme ich vom Thema ab, zielte ich doch eigentlich in Richtung Alkohol – wie immer.
Aber mittlerweile sind wir auch über das Frühstück hinaus. Der Tag beinhaltet schließlich noch mehr.
Lassen wir Mittagessen und belanglose Nichtigkeiten wie Arbeit, Uni
oder Schule beiseite, und gehen direkt zum interessanten Teil des Tages über.
Natürlich besteht durchaus die Möglichkeit, sich bereits vor der Happy Hour mit einem guten Schluck zu trösten, aber ich gehe doch davon aus, dass die meisten Menschen etwas stärker sind als ich, und deshalb bis zum Abend warten, um sich einen hinter die Binde zu gießen.
Wie dem auch sei: ein gemütlicher Tagesabschluss, ein Drink, eine Zigarette, um die Nervosität zu überbrücken, wenn die hübsche Blonde, oder der hübsche Dunkelhaarige zufällig herübersieht.
Keine Frage, das gehört dazu und kommt gut.
Nur dass die Kombination duftmäßig gesehen eine weitaus durchschlagendere Wirkung besitzt, als die Zigarette allein.
Oh ja… diese Kombination tötet empfindliche Geruchsnerven. Und das am erfolgreichsten, wenn man Bier zu dem Mix gibt.
Wir haben also zwei Möglichkeiten: Entweder sehen wir cool aus, fühlen uns cool, und rauchen und trinken ohne Scham und Zurückhaltung.
Oder wir leben anständig, brav, abstinent, und der teure Duft, den wir uns von dem Geld leisten können, das wir uns durch die Vermeidung des Kaufes von Alkohol und Zigaretten sparen, entfaltet sich wie eine Blume. Ohne Hindernis, ohne Barriere, ohne dass eine legale Droge uns das Gehirn vernebelt.
Natürlich, selbstverständlich und fraglos existieren gerade für den Alkoholgenuss noch andere Gründe, außer, dass er legal ist. Positive Aspekte, die zu erwähnen sich von selbst verbietet, möchte ich nicht die stets auf tönernen Füßen schwankende Trockenheit gefährden.
Nur zu dem einen, entscheidenden Punkt: Man kann sich wunderbar damit umbringen. Vor allem dauert das. Es zieht sich ein Weilchen hin, bis die Leber ruiniert ist. Und dann fängt sie an zu schmerzen.
Zusammen mit der einsetzenden Übelkeit ist es fast möglich, dass der Mensch schwach wird, und freiwillig mit den harten Getränken aufhört. Ja vielleicht sogar das Trinken vollkommen bleiben lässt. Zumindest für eine Weile. Wenn man so will.
Dummerweise regeneriert die Leber sich unter Umständen wieder. Ja, die Leber kann fast wieder gesund werden, und ihre Tätigkeit munter wieder aufnehmen. Und je nachdem wie konsequent man den Alkoholismus betrieben hat, umso langfristiger und vielleicht vorerst noch unbemerkt bleiben die Langzeitschäden.
Ja, der menschliche Körper ist ein Wunderwerk, und ausgesprochen widerstandsfähig.
Es kann durchaus sein, dass man einigermaßen stabil aus dieser Sache hervorgeht – Neigung zur Selbstzerstörung hin oder her.
Und natürlich – und zur Beruhigung labiler Geister – kann mit gutem Gewissen behauptet werden, dass ja doch die Möglichkeit besteht, sich jederzeit dem guten Trunk erneut zuzuwenden.
Ja, der Mensch darf jederzeit – vom gesetzlichen Standpunkt betrachtet – seine Meinung ändern, und damit fortfahren, sich zu Tode zu trinken.
Unterstützend und hilfreich wirkt natürlich auch hier, dass Rauchen. Zigarettenindustrie, Gewerbesteuer, der Staat und der Teufel – schätze ich – sich nebst vielen anderen Unerwähnten freuen, wenn das Geschäft boomt, und eifrig gequalmt wird.
Genauso wie sich die Waffenindustrie durchaus offen freuen darf, wenn sich ein Konflikt über kurz oder lang zuspitzt.
Und ist nicht das Wirtschaftswachstum das Wichtigste? Haben wir das nicht alle gelernt?
Wohlgemerkt – das Wachstum unserer Wirtschaft natürlich. Also der, auf die es ankommt.
Denn mit der Beachtung eines biologischen Grundgesetzes dürfte jedem denkenden Menschen klar werden, dass Wachstum in jeder Form Konsequenzen nach sich zieht.
Konsequenzen für eine andere, unbedeutende Existenzform. Eine Form, von der man bald nichts mehr weiß, da sie zwangsläufig überwuchert wird.
Ist ja auch klar – irgendwohin muss die Wirtschaft wachsen. Also wächst sie dorthin wo sie vorher nicht war. Wo vorher etwas anderes war. Zum Beispiel eine andere Kultur. Und was interessiert es unser Wachstum, wenn diese Kultur ausgerupft, ausgedörrt oder vernichtet wird. Der Kolonialismus war nur die Spitze des Eisbergs. An dem Rest wird munter weitergearbeitet.
Mittlerweile interessiert das natürlich niemanden mehr, da die ‚Krise‘ hier angekommen ist, unerwartet, unbeschreiblich und aus dem Nichts aufgetaucht. Deshalb wird diese Krise erst einmal behandelt. Der Blick auf globale Zusammenhänge limitiert sich dadurch von selbst. Hatten wir zuvor vielleicht noch einen mitleidigen Blick übrig auf ein verarmtes Land, so sind wir nun ausreichend mit der Selbsterhaltung beschäftigt, um jenem Land zuzutrauen, sich doch selbst und an den eigenen Haaren aus dem Sumpf zu ziehen.
Es versteht sich also auch von selbst, dass wir keine Möglichkeit mehr besitzen, auf Geringfügigkeiten wie faire Kaffeepreise Rücksicht zu nehmen. Um Gottes Willen – sonst noch was?
Nein – wir, als Opfer der Krise, sind geradezu verpflichtet uns das Billigste vom Billigsten anzuschaffen, im Konsum zu schwelgen, Angebot und Nachfrage zu regeln, und uns überhaupt wie pflichtbewusste Bürger dieses Landes zu verhalten.
Den Kaffee erlauben wir uns – natürlich – wir sind schließlich eine Nation von eingeschworenen Kaffeetrinkern.
Und die Zigarette kurbelt die Wirtschaft an, sorgt für Arbeitsplätze, erspart der Gesellschaft die Rentenkosten, und dem Raucher selbst das Alter.
Gleiches lässt sich auch für den Alkohol anführen.
Die Vorteile des freudigen Konsums überwiegen demnach eindeutig. Vergessen wir also belanglose Kleinigkeiten wie unangenehme Gerüche. Sie gehören zum Leben, so wie alles andere auch.
Vergessen wir den menschlichen Trieb zur Selbsterhaltung. Irgendwann muss damit Schluss sein.
Und loben wir gemeinsam die nie nachlassende Tendenz zur Selbstzerstörung, den alles überragenden Sieg der Lässigkeit, die Verdrängung von Realität und Durchblick.
Den unnachahmlichen Charme, den ein qualmender und saufender Fünfzigjähriger verströmt, oder die Anziehungskraft einer Dame in den besten Jahren, die sich alleine auf ihrem Sofa den Likör gibt, bis sie ins leerstehende Bett taumelt.
Das ist unsere Gesellschaft. Lieben und erhalten wir sie. Alkohol und Zigaretten bleiben dabei unerlässlich.
Freitag, 22. Mai 2009
Oh, the places you'll go
Oh, the places you'll go
Spoiler, Spoiler… ernsthafte Spoilerwarnung!
Wer die siebte Staffel von 24 oder Redemption noch nicht gesehen hat, liest auf eigene Gefahr.
Persönliche, unfertige und unflätige Gedanken zum Seriengeschehen:
Das war’s also mal wieder. 24 Folgen in Echtzeit.
Wie lange habe ich darauf gewartet. Um ehrlich zu sein, lange genug, dass meine Begeisterung für diese Serie und für Jack Bauer im Speziellen empfindlichen Schaden genommen hat.
So ist das eben mit ernsthaften Beziehungen. Geben sich nicht beide Seiten reichlich und ununterbrochen Mühe, so lässt die Liebe rasch nach.
Und 24 legte einfach schnöde, und ohne sich bei mir zu entschuldigen, eine unvorstellbar lange Sendepause ein. Treulosigkeit nenne ich das.
Gewiss – ich gab mir Mühe, hielt mich zeitweise mit Fanfiction über Wasser. Doch da diese treulosen Typen von 24 global derartig ungehobelt mit ihren Fans umsprangen, so ist es kein Wunder, dass es mit der Fiction weniger und weniger wurde, der Slash praktisch komplett ausstarb, und bis auf neckische Anekdoten über Kiefer Sutherland nichts geboten wurde. Der Serienfan als solcher benötigt aber ständige Aufmerksamkeit in Form von Blumen, Schokolade und romantischen Treffen. Anders gesagt neue Folgen, noch mehr neue Folgen, und dann noch mehr neue Folgen.
Gab es nicht – keine einzige. Dann wurde Kiefer Sutherland sesshaft, und anständig, und der letzte Strohhalm, an den ich mich klammerte, war dahin.
Aber alte Liebe vergeht nie so ganz, und 24 legte sich Ende letzten Jahres ins Zeug, um vergangene Fehler auszubügeln. Zuerst servierten sie uns einen zweistündigen TV-Film, der die Brücke zwischen 6. Staffel und 7. Staffel schlug.
Schön gemacht, dieser Film, mit den allerbesten Absichten, auch auf dem ethisch-moralischen Sektor.
Gewiss – jede Dokumentation zum Thema Kindersoldaten und Gräueltaten im eigentlich gar nicht so weit entfernten, und dennoch so fremden Kontinent Afrika, wirkt erhellender, als die Erfindung eines ganzen Landes, in dem unser guter Jack Erlösung von seinen Sünden sucht, indem er an einer Schule bastelt.
Hauptsächlich weil der Zuschauer sich mit dem Wissen trösten kann, dass dieses spezielle, fiktive Land eben gar nicht existiert.
Kinder und Erwachsene wirken – mit Ausnahme von Robert Carlyle – auffällig gesund und stabil – außer, wenn auf sie geschossen wird. Aber wir wissen ja alle, dass ihnen mit Jack an ihrer Seite nichts geschehen kann – also fast nichts.
Im Großen und Ganzen eine recht nette Unterhaltung, die allerdings den Vergleich mit Filmen wie Blood Diamond nicht mal im Ansatz aushält.
Gehen wir allerdings davon aus, dass ein durchschnittlicher 24 – Fan sich insgesamt nicht sicher ist, ob Afrika überhaupt existiert, geschweige denn was es darstellt und mit unserem gemütlichen Leben zu tun hat, dann wirkt dieser Film sich möglicherweise doch aufklärerischer aus, als ich ursprünglich annahm.
Auf jeden Fall spannt er sehr schön besagte Brücke zwischen den Staffeln, führt eine Präsidentin, deren Familie und Teile des Stabes ein, deutet an, dass es auch in fiktiven afrikanischen Ländern erheblich düsterer zugehen kann, als man annehmen möchte, und erwähnt sogar einen der Übeltäter, welcher Staffel 7 benutzt, um zur Hochform aufzulaufen.
Nicht nur dass er Angelina Jolies Vater ist, nein – er treibt es noch schlimmer. Jon Voight ist Waffenhändler, Kopf einer Ansammlung fieser Söldnertruppen, und außerdem irgendwie total irre. Aber das wäre wohl jeder, wenn jeder zweite, der ihm ins Gesicht sieht, die Ähnlichkeit zu seiner Tochter erwähnt. Ehrlich – die Lippen aufgespritzt, und er ist Angelina in blond.
Waffenhändler – bezahlte und von der Regierung beschäftigte kaltblütige Söldnertruppen, die in allen Teilen der Welt ihr Unwesen treiben – das hört sich derartig realistisch an, dass es schon richtig gut ist.
Nicht nur das, der wahnsinnige Jon Voight schreckt auch nicht davor zurück, mit Biowaffen zu experimentieren, Massaker am Ende der Welt, wo sie keinen interessieren anzurichten, und den ausführenden General Tony Todd… obwohl dieser als Candyman eigentlich noch fieser war, schnell mal nach Washington zu schmuggeln, damit er das Weiße Haus kidnappen kann.
Also, es geht wahrhaftig ziemlich ab, dass muss ich gestehen. Die 7. Staffel bietet eine ganze Menge Erfreuliches.
Natürlich ist das Erfreulichste aller Dinge die Rückkehr des toten Tony Almeidas. Milliarden Jack/Tony Anhänger jubelten, bis… bis sie Tonys Frisur sahen.
Ein harter Schlag für die Fangemeinde. Haare, die praktisch kaum vorhanden waren. Statt dessen eine Art Drei-Tage-Bart, um das Zweifelhafte des Charakters zu unterstreichen.
Richtig – es handelt sich um die Frisur für einen Bösewicht. Komisch eigentlich, dass sie Tony nicht auch rauchen lassen – üblicherweise ein sicherer Hinweis.
Aber wir bleiben mit Tony zweifelhaft, weshalb ich auch Hoffnung für das Jack/Tony Fandom hege.
Gut, der eigentlich tote Tony lebt. Warum eigentlich interessiert auch niemanden. Ein längst vergessener, und von Jack gemeuchelter Bösewicht, Robocop, aus Staffel 5, dosierte verkehrt, oder mischte heimlich ein Gegengift in die tödliche Spritze… irgendetwas in der Richtung.
All das nur, damit Tony sich in die heiße Liebesaffaire mit dem Typ aus Highländer und aus Stargate werfen konnte. Hauptsächlich wohl, um Jack vergessen zu können, der in der Zwischenzeit in einem chinesischen Gefängnis schmorte, und sich nach Tony verzehrte, den er für tot hielt.
Soweit – so verwirrend.
Ein aufrechter Senator nahm Jacks, sich über Jahrzehnte hinziehende Protokollverletzungen nicht mehr hin, und zitierte ihn vor einen Senatsausschuss.
Natürlich wäre Jack niemals freiwillig dort erschienen. Er versteckte sich lieber in Afrika oder Indien, um den Konsequenzen seiner Untaten zu entgehen.
Jedoch die sanfte Erpressung von Ally McBeal’s Gil Bellow, ließ ihn an das Wohl später nicht weiter erwähnter Kinder denken, und Jack stellte sich opferbereit, und edelmütig – Jack eben – den wütenden Senatoren und der Aussicht auf noch mehr Gefängnis – diesmal gewürzt mit amerikanischen Foltermethoden.
Natürlich fühlte Jack, dass er durch die Handvoll Kinder, die er aus einem dem Untergang geweihten Land, gerettet hatte, und die danach niemand mehr gesehen hat, ausreichend im Recht war, um vor dem Senat große Töne zu spucken.
Doch bevor ihm der hyperaktive Vater aus den wilden Siebzigern in seiner Verkleidung als Senator an die Gurgel gehen konnte, näherte sich schon die Rettung.
Diesmal zur großen Freude des weiblichen Publikums, und des Teils an männlichem Publikum, das sich an hübschen Frauen erfreuen dürfte, handelte es sich um eine Vertreterin des schönen Geschlechtes.
Ganz genau… wir haben jetzt einen weiblichen Jack Bauer.
Da die CTU aus verständlichen Gründen – ich meine – was haben die alles angerichtet? – abgeschafft wurde, gehört Renee Walker dem FBI an, das – wie Chloe uns später lehrt – mit absolut unzureichendem technischen Equipment arbeitet. Ein Skandal!
Weshalb Chloe auch nicht zum FBI wechselte, sondern stattdessen ein Kind in die Welt setzte, Morris nervte, und im Untergrund zwielichtigen Geschäften mit ihrem ehemaligen Boss nachging.
Bill – besagter Boss – gewann in Staffel 7 definitiv, schon allein durch sein wildes Outfit. Weiße Locken – schwarzer Rollkragenpulli – sehr heiß.
(Nicht, dass ich von Haaren oder Äußerlichkeiten besessen wäre.)
Wobei mir einfällt – auch Jack sieht phänomenal gut aus. Ein heller Mantel, so etwas Ähnliches wie eine blondierte Stirnlocke – ganz entzückend.
Und erst, wenn er sich dann entkleidet und in etwas Bequemes schlüpft – schusssichere Weste über hautengem Kampfanzug – spätestens dann können wir verstehen, dass Renee bei seinem Anblick ihren Liebhaber, der zufällig auch FBI Chef ist, im Regen stehen lässt.
Zurück zur Handlung. Renee präsentiert Jack den wiederauferstandenen Tony. Dieser ist merklich erschüttert, und selbstverständlich sofort bereit, Anhörung Anhörung sein zu lassen, und sich auf dunkle Pfade zu begeben.
Beziehungsweise – er prüft erst einmal, ob Tony wirklich so böse ist, wie er tut, wenn er fiese Attacken gegen amerikanische Zivilisten organisiert.
Selbstverständlich dauert es nicht lange, und Jack kommt Tonys Zusammenarbeit mit Bill und Chloe auf die Spur, welche natürlich den hehrsten Motiven entspringt.
Jack und Tony arbeiten zusammen – die Fans schmelzen dahin – ihre Liebe lebt.
Renee zweifelt noch ein wenig an Jacks Methoden, aber ein Blick in seine meergrünen Augen, und jeglicher Einwand des langweilig moralischen Chefs versinkt im Nebel der Verzückung.
Ganz nebenbei plant die Präsidentin schnell mal den Einmarsch in dem erfundenen Land, bemuttert ihren vom Tod des gemeinsamen Sohnes besessenen Ehemann, und trifft sogar auf Jack. Worauf auch diese Frau seinem Charme erliegt, und sich den Rest der Staffel um unseren armen Agenten sorgt.
Dazu hat sie natürlich auch allen Grund.
Überstand das weiße Haus, und ein Großteil seiner Bewohner zwar die Besetzung durch Candyman und seine Mannen, so ist die Gefahr damit noch lange nicht gebannt.
Jon Voight kehrt mit bösen Plänen zurück, und arbeitet an der Vernichtung demokratischer Wertvorstellungen.
Weder Jack, noch die Präsidentin können das dulden. Außerdem sind wir grad erst bei der Halbzeit der Staffel.
Der Stargate und Highlander Mensch ist inzwischen auch tot, aber Tony ist es egal, weil er hat ja jetzt Jack wieder. Sie küssen und knuddeln und feiern Wiedersehen mit Kerzen und Rosenblättern… in meiner Vorstellung zumindest.
Doch ist da noch Renee. Ich gebe zu, ich war von Anfang an skeptisch ihr gegenüber.
Zum einen machte sie Jack vollkommen unpassend schöne Augen. Dabei sieht doch jeder, dass Jack und Tony füreinander bestimmt sind.
Dann trägt sie die gleiche Haarfarbe wie Chloe? Wieso nur? Muss 24 sparen – beide Frauen sich eine Packung Färbemittel teilen?
Und dann auch noch rot – dieses künstliche rot, das aus der Tube kommen muss. Ich werde nie verstehen, wie sich jemand freiwillig die Haare rot färben kann. Aber das liegt daran, dass ich mit Spitznamen wie Karotte oder Pumuckel aufwachsen durfte. Natürlich rotes Haar ist einfach wenig berückend.
Und überhaupt – warum färbt sich Chloe dauernd ihre Haare. Das verwirrt mich.
Aber gut, zumindest ist Renee nicht blond. Ich bin immer noch traumatisiert von Audrey. Noch eine Blondine für Jack verkrafte ich nicht.
Also – Renee ist ausbaufähig, und hart im Nehmen. Sie besitzt sozusagen das Jack-Bauer-Gen.
Im Laufe von 24 Stunden wird sie erschossen, eingebuddelt, mit Plastikfolie erstickt, und behält nichts davon zurück, außer einem lächerlichen Pflaster am Hals.
Sie erträgt sogar die eifersüchtigen Blicke, die Tony, Bill und Chloe ihr zuwerfen, sobald sie versucht, sich Jack an den Hals zu werfen.
Fairerweise muss gesagt werden, dass niemand ihr daraus einen Strick drehen dürfte.
Schließlich erhält Jack wiederholt die Gelegenheit, auf höchst attraktive Art und Weise zusammenzubrechen. Und niemand – ich wiederhole – niemand kann einem zusammenbrechenden, verletzlichen, emotional gestörten Jack widerstehen. Wieso sollte Renee dies schaffen?
Die Schuld liegt also bei Jack, und er wird von seiner Schuld freigebetet. Wir brauchen uns keine Sorgen um ihn zu machen.
Nun gut – das Schlimmste kommt noch – die Präsidenten befördert ihre labile Tochter solange, bis sie ihr richtig Schwierigkeiten bereiten kann – Bill opfert sich, damit Jack sich nicht opfern muss - dieser egoistische Wurm – und Jon Voight plant Raketen mit Biowaffen wahllos in der Gegend herum zu schießen.
Genug zu tun für Jack. Nachdem er Bill und damit seinen schon wieder nicht funktionierten Selbstmordplan ein wenig betrauert hat, geht er Jon Voight an die Kehle.
Zum Beispiel rettet er die Menschheit vor irgendwelchen ominösen Krankheitserregern. Und da Jack sich permanent im Selbstaufopferungsmodus befindet, dreht er dem Erreger den Hahn ab, in dem er sich selbstlos vor dessen Flinte wirft.
Jack ist exposed. Und das kommt richtig gut. Nicht nur, dass er einen öffentlichen Strip hinlegen muss – mitten auf der Straße – vor Tausenden von interessierten Zuschauern – nein, er wird auch noch kalt abgeduscht, in ein weißes Hemdchen gekleidet und unter Quarantäne gestellt.
Hinfort mit der schnittigen, schwarzen Kluft – herbei mit luftigen Krankenhausklamotten.
Ziemlich bald, und damit Jack nicht den Rest der Staffel in einem abgeriegelten Zimmer verbringen muss, stellt eine attraktive Ärztin fest, dass die Sache zwar für ihn tödlich endet, er allerdings für andere keine Gefahr darstellt.
Welch eine Erleichterung. Jack darf sich wieder unters Volk mischen, und sich in den ergriffenen Blicken Renees oder Tonys baden.
Tony ist auch nicht völlig untätig. Er schleicht im Hintergrund herum, und betätigt sich als Außendienst – Agent von Gnaden des FBIs. Ganz recht, Tony macht sich gut – trotz komischer Frisur und traurigem Blick, ausgelöst aller Wahrscheinlichkeit nach durch Jacks Weigerung sich öffentlich zu ihrer Liebe zu bekennen.
Chloe ärgert die nette FBI-Chloe, Janeane Garofalo, und Renee übernimmt das Kommando.
Jack bekommt in der Zwischenzeit Anfälle, schafft es aber dennoch Jon Voights Raketen zu entschärfen… oder so ähnlich. Er arbeitet einfach von der FBI-Zentrale aus und wir erinnern uns aus früheren Tagen, dass Jack durchaus auch fähig zum Büro-Job ist.
Leider verursacht er ein wenig Unordnung, durch wiederholtes Zusammenbrechen, Umreißen von unschuldigen Tischen und Stühlen und wüstes Herumzucken auf glänzendem FBI-Boden.
Das geht natürlich nicht, weshalb die hübsche Ärztin, Jack ein Paket Spritzen überreicht, und ihn in den Außendienst zurückversetzt.
Spritzen – ganz recht. Neben Jacks Bürotätigkeiten erinnern wir uns auch an seine Heroinsucht. Mit Spritzen kennt sich der Mann also aus, und als wahrer Junkie fackelt er auch nicht lange, sondern beginnt sofort damit, sich eine Spritze nach der anderen in den Arm zu rammen.
Das – kommt –gut.
Für mich, denn ich liebte Jack in Staffel 3, und ich liebe Jacks Tendenz zur Selbstzerstörung.
Gut, da er hier ohnehin zum Sterben verdammt ist, braucht der Fan sich wohl auch keine Sorgen über mögliche Folgen exzessiven Medikamentenmissbrauchs zu machen.
Das Gift, dem Jack sich so todesmutig aussetzte, führt übrigens neben Zuckungen, Krämpfen und gelegentlichem Augenrollen auch noch zu netten Halluzinationen. Es handelt sich also um etwas Neurologisches. Trotzdem kommt niemand darauf, Dr. House zu rufen.
Ist auch nicht notwendig, denn zufällig befindet sich Jacks Tochter in der Gegend, deren Stammzellen eine experimentelle Therapie erlauben.
Natürlich will Jack Kim nicht sehen. Er ist immer noch beleidigt, da sie in Staffel 5 nichts mehr mit ihm zu tun haben wollte. Als wäre sie die Einzige, und als würde ihm das sonst etwas ausmachen?
Nun gut, Jack sagt ‚Nö‘ zur experimentellen Therapie, und überhaupt zum Wiedersehen mit der verschollenen Tochter. Er ist und bleibt eben doch ein Sensibelchen.
Aber Renee ist eine Frau, und weiß daher wie wichtig Familienzusammenführung in Krisenzeiten sein kann. Sie stellt Kim zu Jack durch, und beide versöhnen sich herzzerreißend. Kim versteht, dass Jack keinen Bock darauf hat, Versuchskaninchen für Experimente zu spielen.
Vielleicht ist sie auch die Einzige, die Jacks permanenten Todeswunsch akzeptiert, den dieser seit dem Tod ihrer Mutter mit sich herumschleppt.
Zu blöd, dass ihm der finale Schritt einfach nicht gelingen will.
Er hat nun wirklich, wirklich alles Erdenkliche versucht.
Es begann mit Bartwuchs und dem Ertränken des Kummers in Spirituosen, setze sich fort über das wiederholte Selbst-Aussetzen radioaktiver Strahlung, diverse, bislang ungezählte Opfertode, denen jedesmal ergreifende Szenen vorausgingen.
Zudem haben wir noch den unterschwelligen, langsamen Selbstmord. Man nehme die bereits erwähnte Drogensucht, den halsbrecherischen Job, Undercover-Einsätze in der Hölle oder auch die Tatsache, dass Jack trotz Folter, Gefängnis, blutender Wunden, Herzinfarkten, lebensgefährlichen inneren Verletzungen einfach weiter munter in der Gegend herum hüpft.
Gut – Jack sagt ‚Nö‘ und Kim sagt ‚OK‘.
Sie kennt schließlich diese Verabschiedungen von Jack aus erster Hand, und weiß sehr gut, dass sein Plan nie und nimmer aufgehen wird.
Jack dagegen freut sich über eine gelegentliche Spritze und die Aussicht in absehbarer Zeit endlich ein wenig Ruhe zu finden, welche er im Grunde auch wirklich verdient hat.
Aber Stillsitzen ist nichts für Jack, zumal Tony sich schnell mal entschlossen hat, wieder böse zu werden.
Er mordet harmlose Leute, räumt netterweise noch Renees Ex-Liebhaber aus dem Weg, und blickt finster in die Gegend, während er den letzten Kanister mit Bio-Gift festhält.
Jack reicht einmal Selbstaufopfern in dieser Staffel nicht, weshalb er sich mitten ins Geschehen begibt, den Kanister schnappt, und sich dem Gift ein zweites Mal aussetzt.
FA-BEL-HAFT!
Darauf hatte ich in Staffel 3 gebaut, aber in dieser machte es auch Freude. Tür zu, und das Teil explodieren lassen, danach erschöpft zu Boden sinken.
Inzwischen macht sich auch niemand mehr Illusionen darüber, dass dieses Zeug irgendjemand anders als Jack vernichten könnte, weshalb wir leider auf den angenehmen Anblick des strippenden Jacks verzichten müssen. Keine kalte Dusche – kein Kleiderwechsel.
Und Jack trägt zudem sein Spritzenset mit sich herum, außer wenn Tony es ihm wegnimmt, um ihn leiden zu sehen.
Mittlerweile ist Jon Voight vollkommen irre geworden. Deshalb macht es auch gar nichts, dass die Tochter der Präsidentin seine Ermordung anordnet… und dann wieder nicht.
Denn der Zuschauer weiß, dass neben Tony noch weitaus üblere Gestalten hinter der Sache stecken. Ein mysteriöser Anrufer murmelt kryptisches Zeug. Eine heiße Schnecke krallt sich Tony und entpuppt sich als Mittelsfrau zwischen allem und jedem.
Da hätte ich doch fast vergessen, dass Kim immer noch existiert.
Ich liebe Kim – sie ist wunderbar. Und sie enttäuscht auch diesmal nicht.
Trotz sämtlicher Vorsichtsmaßnahmen, die Jack trifft, damit er sie glücklich wieder los wird, schafft sie es, sich in einem Raum voller harmloser Menschen an die beiden einzigen fiesen Terroristen zu hängen. Mary Page Kellar und den anderen kenne ich auch. Schicke lange Haare.
Alles selbstverständlich nur, damit die heiße Schnecke Jack ein Bild von Kim in Schwierigkeiten schicken kann, worauf dieser – wie gewohnt – seinen letzten Rest Verstandes aufgibt – und alles tut, um sein Töchterchen zu retten.
Wahrscheinlich nur, weil er noch nicht weiß, dass sie verheiratet ist. Und zwar NICHT mit Chase Edmunds. Was ich persönlich Kim nicht so schnell verzeihen werde. Der langweilige Nicht-Chase-Edmunds hat auch im Grunde nicht viel zu melden – eigentlich gar nichts. Ich finde, Chase sollte ihn aus dem Feld nehmen.
Gut – Kim in Gefahr – Jack mit Knopf im Ohr wird herzlos erpresst – Yeah! -, und befreit erst mal Tony, um sich diesem dann zum Fraß vorzuwerfen.
Natürlich ahnt er nicht, dass Tony keine phantasievollen Liebesspiele im Sinn hat, sondern stattdessen Jacks Körper ausweiden möchte, um an den letzten Rest des Biogiftes zu kommen, das noch verfügbar ist.
Jawohl – Jack hat alles kaputt gemacht, nur nicht das, was sich noch in seiner Blutbahn befindet.
Jack, obwohl halbtot, 24 Stunden im Dauerstress, verwirrt vom bösen-guten-wieder bösen Tony, lässt sich jedoch nicht so einfach irgendwo festbinden und von weißbekittelten Fieslingen auf Spritzen spießen.
Nein – er entfleucht, und irrt weiter in der Gegend herum, Tony und die heiße Schnecke auf den Fersen.
In der Zwischenzeit richtet Kim in der Flugzeug-Wartehalle ein Blutbad an. Also – nicht sie – aber wenn das Mädchen ein wenig mehr Verstand hätte, würde sie vielleicht mal die Leichen zählen, die auf ihr Konto gehen, und sich daraufhin ein wenig schuldig fühlen.
Es wird heftig geballert, Tausende unschuldiger Wachleute, Polizisten, Flugreisende und andere gehen zu Boden. Ein paar Bösewichte auch – obwohl – das waren eigentlich nur zwei.
Egal… Kim ist gerettet und nicht nur das. Sie greift ins Feuer und rettet den Laptop, der verrät, wohin Tony Jack geschleift hat.
Und Renee fährt zur Hochform auf.
Tony unterhält sich zwischendurch auch mal ruhig und entspannt mit Jacky, während er diesen an einen Zaun kettet und mit Sprengstoff versieht.
Er ist vielleicht noch ein wenig angepisst, weil Jack, in seinem Unwillen ausgeweidet zu werden, einen weiteren heroischen Selbstmordversuch unternehmen wollte. Jawohl, er setzte sich in eine Benzinpfütze und versuchte ein Streichholz anzuzünden. Dämlicherweise rammte Tony rechtzeitig die Garagenwand ein, um das Schlimmste zu verhindern, und Jack lebt immer noch.
Nicht einmal sein herzerweichendes Flehen, gerichtet an den ehemaligen Liebhaber, dieser möge ihn doch bitte, bitte in Frieden sterben lassen, berührt des verstockten Tonys Herz.
Nein, stattdessen gesteht er, dass NICHT Jack seine große Liebe ist, sondern er immer noch Michelle hinterher trauert.
Er wollte sich mit Jacks ausgeweideten Organen nur bei dem Super-Oberbösewicht einschleimen, der hinter allem steckt, was jemals an Bösem in der Serie passiert ist.
Und anstatt dass Jack das einsieht, und ihm auf seinem Rachefeldzug viel Glück wünscht – weil wir ja jetzt wissen, dass Tony nicht böse ist, sondern nur vom Rachedurst zerfressen und in ernsthafter Not nach einem Therapeuten und starken Medikamenten – beschimpft er ihn herzlos.
Also ob Jack noch nie rachedurstig gewesen wäre. Gut – er fährt nur Bösewichter mit dem Jeep über den Haufen, und lässt keine Flugzeuge abstürzen, oder setzt Biowaffen frei – aber immerhin. Das kann ja noch kommen.
Also gut, Jack als Werkzeug in Tonys Racheplan soll den oberfiesen Bösewicht von Telefonierer zum explodieren bringen.
Nur denkt er gar nicht daran, sondern lässt sich von Renee retten, die in einem hinreißenden Einsatz mit wehenden Fahnen und Haaren ihren Jack rettet.
Ihn rettet, damit er in Frieden sterben kann.
Was für ein Mist, denn jetzt hat der arme Kerl auch noch ein paar Stunden Zeit, sich über sein Leben den Kopf zu zerbrechen. Nicht gut – gar nicht gut. Vor allem, wenn man doch so einiges auf dem Kerbholz hat.
Umso besser, dass Jack im Laufe der letzten Stunden einen muslimischen Religionsexperten angeschrien, entführt und bedroht hat, bis Chloe darauf kam, dass der arme Mann unschuldig ist.
Jawohl… mit Staffel 7 entschuldigen wir uns für sämtliche politischen Unkorrektheiten betreffend unserer muslimischen Mitbürger.
Ravi Kapoor – seines Zeichens Gerichtsmediziner bei Crossing Jordan, und von dort bereits Behandlung wie Wasserfolter oder haltlose Drohungen seitens der Behörden gewohnt – verstärkt seinen Akzent und ist einfach bestrickend.
Gut, Jack war zu Beginn ihrer Bekanntschaft ein wenig unfreundlich, aber allein die Tatsache, dass Jack – nachdem ihm sein Irrtum bewusst wurde – Ravi Kapoor nicht erschossen und in der Wüste verscharrt hat, um seinen Fehler zu vertuschen – gewann ihm des guten Mannes verzeihendes Herz. Nicht zu vergessen – die tödliche Diagnose.
Letztendlich besteht ja auch kein Zweifel, dass Jack definitiv Unterstützung im spirituellen Bereich benötigt. Und Ravis schöne große Augen tun ihr Übriges.
Apropros schöne Augen. Zu Ravis Unterstützung im Bereich des Ausbadens ehemaliger 24-Sünden eilt ebenfalls der junge Mann aus Sleeper Cell, eine Serie, die ich jedem 24 Seher ans Herz legen kann.
Zuerst dachte ich Omid Abtahi wohnt mit seinem Liebsten zusammen, aber nicht jeder Drehbuchautor besitzt eine derart schmutzige Phantasie wie ich. Demnach handelt es sich um seinen kleinen Bruder, der – wir erraten es – entführt wird, damit der arme Mann erpresst werden kann, unaussprechliche Dinge zu tun. Er hält sich wacker und zur Belohnung rettet Jack seinen Bruder und ihn und darf ein Lächeln mit Ravi tauschen.
Ich glaube fast, dieser Handlungsstrang ist mein liebster.
Schon allein als der junge Mann sich - anders als Jack - entscheidet, nicht die Welt für das Überleben eines einzigen Anverwandten zu opfern, und sich hilfesuchend an uniformierte Vertreter des Gesetzes wendet – wissen wir doch, dass er der edlere Charakter ist.
Leider gehören die Uniformierten zu den Terroristen.
Ja, wer nicht Jack heißt, hat mit unliebsamen Überraschungen zu rechnen.
Aber wie gesagt – es gibt ein Happy End. Bis auf die zahllosen Toten. Und darauf, dass sich kein Mensch für irgendwelche afrikanischen Staaten interessiert, in die Amerika schnell mal einmarschiert, um zu gucken, was amerikanische Söldnertruppen und Biowaffenentwickler an der Bevölkerung so herum probiert haben, und dann schnell wieder geht, bevor sich seine tapferen Vertreter noch mit irgendwas anstecken.
Also – fast wie im richtigen Leben.
Auch das traurige Ende Jacks war eigentlich absehbar.
Was hat dieser Mann im Lauf der Staffel nicht alles unternommen, um endlich sterben zu dürfen. Und dann das.
Kaum hat er sich von allem und jedem gebührlich verabschiedet, mit Hilfe von Ravi Kapoors zweizeiligem Gebet Frieden mit dem Universum geschlossen, und sich in Vorfreude auf die Ewigkeit zur Ruhe gebettet, schon kommt die sture Kim hineingestürmt.
Wankelmütig wie sie ist, besann sie sich irgendwann zwischen Blutbad und Laptop-Rettung darauf, dass Jacks Tod sie eigentlich tierisch nerven würde.
Sie krempelt ihren Arm hoch, und besteht auf der Stammzellentransfusion… oder was auch immer. Weiteres wird uns erspart… zum Beispiel wie so etwas funktionieren soll… oder wie Jack aufwacht und feststellt, dass er immer noch auf Erden festsitzt – trotz aller Bemühungen – trotz Freispruch von Ravi Kapoor.
Übrigens… so schnell möchte ich auch mal Frieden finden. Andere Leute irren jahrzehntelang von Kirche zu Kirche, diskutieren sich den Kopf heiß mit Vertretern des Klerus, versuchen sich an Buddhismus, Wicca und jeder anderen noch so geringen Chance mit Hilfe von Religion oder Philosophie einen Sinn zu erkennen.
Und für Jack reicht ein Zwei-Zeilen-Gebet?
Er lächelt selig und bemerkt, dass er jetzt bereit wäre.
Andererseits blieben ihm auch nur noch zwei Minuten, bevor Kim einbrach. Da muss man Abstriche machen.
Fazit: Jack wird überleben.
Tony lebt erstaunlicherweise auch noch. Böse oder gut oder gut-böse, auf jeden Fall bereit für erneute romantische Abenteuer mit Jack.
Renee und Jack wird sich wohl nicht vermeiden lassen. Igitt. Nichts gegen Renee. Sie wuchs mir doch im Laufe der Staffel ans Herz. Aber seien wir ehrlich – auf Anhieb wüsste ich zehn Darstellerinnen, die mir besser in der Rolle gefallen würden. Nehmen wir mal – nur als Beispiel – die toughen Schönheiten aus Numb3rs. Jede einzelne könnte ich mit Jack sehen.
Aber was soll’s. Und wer weiß, was kommt. Jack in Liebesdingen ist nicht unbedingt der Stabilste.
Und leider wird uns das Beste wieder vorenthalten.
Vermutlich dürfen wir uns ohnehin nur ausmalen, wie Jack aufwacht, sich darüber wundert, wie es im Himmel aussieht, dann Kim ausgiebig beschimpft, weil sie mal wieder nicht auf ihn gehört hat, und außerdem jemanden geheiratet hat, der nicht mit Jack in Mexiko war.
Renee… der neue Jack…tut zumindest bereits alles, um die Flagge hochzuhalten.
Sie kettet die nette Ersatz-Chloe an die Wand, und entsorgt ihre Marke, damit sie ein wenig foltern konnte, und ihr Seelenheil somit trotz Jacks Warnung unwiderruflich Richtung Hölle schickt.
Sie wird auch Jack aufsammeln, Kim wiederbeleben, Chase Edmunds auftreiben und den einen Fall finden, der es notwendig macht, dass Tony aus dem Gefängnis kommt und mit Jack zusammenarbeitet.
Wir freuen uns auf die wiederholte Entführung von Kims Töchterchen, das Ableben ihres Gatten… denn ihr wisst, mit wem dieser ersetzt werden sollte… und erneute Versuche Jacks, den Heldentod zu erleiden.
Andererseits… er könnte auch mit Renee glücklich werden… wäre das nicht furchtbar? Auf jeden Fall wäre es dann nicht mehr mein Jack.
Oh nein – mein Jack gehört in Dantes Inferno, und zwar mittenrein.
Alles in allem – tolle Staffel.
Aber ich liebte auch Staffel 6 - also bin ich kein Maßstab.
Spoiler, Spoiler… ernsthafte Spoilerwarnung!
Wer die siebte Staffel von 24 oder Redemption noch nicht gesehen hat, liest auf eigene Gefahr.
Persönliche, unfertige und unflätige Gedanken zum Seriengeschehen:
Das war’s also mal wieder. 24 Folgen in Echtzeit.
Wie lange habe ich darauf gewartet. Um ehrlich zu sein, lange genug, dass meine Begeisterung für diese Serie und für Jack Bauer im Speziellen empfindlichen Schaden genommen hat.
So ist das eben mit ernsthaften Beziehungen. Geben sich nicht beide Seiten reichlich und ununterbrochen Mühe, so lässt die Liebe rasch nach.
Und 24 legte einfach schnöde, und ohne sich bei mir zu entschuldigen, eine unvorstellbar lange Sendepause ein. Treulosigkeit nenne ich das.
Gewiss – ich gab mir Mühe, hielt mich zeitweise mit Fanfiction über Wasser. Doch da diese treulosen Typen von 24 global derartig ungehobelt mit ihren Fans umsprangen, so ist es kein Wunder, dass es mit der Fiction weniger und weniger wurde, der Slash praktisch komplett ausstarb, und bis auf neckische Anekdoten über Kiefer Sutherland nichts geboten wurde. Der Serienfan als solcher benötigt aber ständige Aufmerksamkeit in Form von Blumen, Schokolade und romantischen Treffen. Anders gesagt neue Folgen, noch mehr neue Folgen, und dann noch mehr neue Folgen.
Gab es nicht – keine einzige. Dann wurde Kiefer Sutherland sesshaft, und anständig, und der letzte Strohhalm, an den ich mich klammerte, war dahin.
Aber alte Liebe vergeht nie so ganz, und 24 legte sich Ende letzten Jahres ins Zeug, um vergangene Fehler auszubügeln. Zuerst servierten sie uns einen zweistündigen TV-Film, der die Brücke zwischen 6. Staffel und 7. Staffel schlug.
Schön gemacht, dieser Film, mit den allerbesten Absichten, auch auf dem ethisch-moralischen Sektor.
Gewiss – jede Dokumentation zum Thema Kindersoldaten und Gräueltaten im eigentlich gar nicht so weit entfernten, und dennoch so fremden Kontinent Afrika, wirkt erhellender, als die Erfindung eines ganzen Landes, in dem unser guter Jack Erlösung von seinen Sünden sucht, indem er an einer Schule bastelt.
Hauptsächlich weil der Zuschauer sich mit dem Wissen trösten kann, dass dieses spezielle, fiktive Land eben gar nicht existiert.
Kinder und Erwachsene wirken – mit Ausnahme von Robert Carlyle – auffällig gesund und stabil – außer, wenn auf sie geschossen wird. Aber wir wissen ja alle, dass ihnen mit Jack an ihrer Seite nichts geschehen kann – also fast nichts.
Im Großen und Ganzen eine recht nette Unterhaltung, die allerdings den Vergleich mit Filmen wie Blood Diamond nicht mal im Ansatz aushält.
Gehen wir allerdings davon aus, dass ein durchschnittlicher 24 – Fan sich insgesamt nicht sicher ist, ob Afrika überhaupt existiert, geschweige denn was es darstellt und mit unserem gemütlichen Leben zu tun hat, dann wirkt dieser Film sich möglicherweise doch aufklärerischer aus, als ich ursprünglich annahm.
Auf jeden Fall spannt er sehr schön besagte Brücke zwischen den Staffeln, führt eine Präsidentin, deren Familie und Teile des Stabes ein, deutet an, dass es auch in fiktiven afrikanischen Ländern erheblich düsterer zugehen kann, als man annehmen möchte, und erwähnt sogar einen der Übeltäter, welcher Staffel 7 benutzt, um zur Hochform aufzulaufen.
Nicht nur dass er Angelina Jolies Vater ist, nein – er treibt es noch schlimmer. Jon Voight ist Waffenhändler, Kopf einer Ansammlung fieser Söldnertruppen, und außerdem irgendwie total irre. Aber das wäre wohl jeder, wenn jeder zweite, der ihm ins Gesicht sieht, die Ähnlichkeit zu seiner Tochter erwähnt. Ehrlich – die Lippen aufgespritzt, und er ist Angelina in blond.
Waffenhändler – bezahlte und von der Regierung beschäftigte kaltblütige Söldnertruppen, die in allen Teilen der Welt ihr Unwesen treiben – das hört sich derartig realistisch an, dass es schon richtig gut ist.
Nicht nur das, der wahnsinnige Jon Voight schreckt auch nicht davor zurück, mit Biowaffen zu experimentieren, Massaker am Ende der Welt, wo sie keinen interessieren anzurichten, und den ausführenden General Tony Todd… obwohl dieser als Candyman eigentlich noch fieser war, schnell mal nach Washington zu schmuggeln, damit er das Weiße Haus kidnappen kann.
Also, es geht wahrhaftig ziemlich ab, dass muss ich gestehen. Die 7. Staffel bietet eine ganze Menge Erfreuliches.
Natürlich ist das Erfreulichste aller Dinge die Rückkehr des toten Tony Almeidas. Milliarden Jack/Tony Anhänger jubelten, bis… bis sie Tonys Frisur sahen.
Ein harter Schlag für die Fangemeinde. Haare, die praktisch kaum vorhanden waren. Statt dessen eine Art Drei-Tage-Bart, um das Zweifelhafte des Charakters zu unterstreichen.
Richtig – es handelt sich um die Frisur für einen Bösewicht. Komisch eigentlich, dass sie Tony nicht auch rauchen lassen – üblicherweise ein sicherer Hinweis.
Aber wir bleiben mit Tony zweifelhaft, weshalb ich auch Hoffnung für das Jack/Tony Fandom hege.
Gut, der eigentlich tote Tony lebt. Warum eigentlich interessiert auch niemanden. Ein längst vergessener, und von Jack gemeuchelter Bösewicht, Robocop, aus Staffel 5, dosierte verkehrt, oder mischte heimlich ein Gegengift in die tödliche Spritze… irgendetwas in der Richtung.
All das nur, damit Tony sich in die heiße Liebesaffaire mit dem Typ aus Highländer und aus Stargate werfen konnte. Hauptsächlich wohl, um Jack vergessen zu können, der in der Zwischenzeit in einem chinesischen Gefängnis schmorte, und sich nach Tony verzehrte, den er für tot hielt.
Soweit – so verwirrend.
Ein aufrechter Senator nahm Jacks, sich über Jahrzehnte hinziehende Protokollverletzungen nicht mehr hin, und zitierte ihn vor einen Senatsausschuss.
Natürlich wäre Jack niemals freiwillig dort erschienen. Er versteckte sich lieber in Afrika oder Indien, um den Konsequenzen seiner Untaten zu entgehen.
Jedoch die sanfte Erpressung von Ally McBeal’s Gil Bellow, ließ ihn an das Wohl später nicht weiter erwähnter Kinder denken, und Jack stellte sich opferbereit, und edelmütig – Jack eben – den wütenden Senatoren und der Aussicht auf noch mehr Gefängnis – diesmal gewürzt mit amerikanischen Foltermethoden.
Natürlich fühlte Jack, dass er durch die Handvoll Kinder, die er aus einem dem Untergang geweihten Land, gerettet hatte, und die danach niemand mehr gesehen hat, ausreichend im Recht war, um vor dem Senat große Töne zu spucken.
Doch bevor ihm der hyperaktive Vater aus den wilden Siebzigern in seiner Verkleidung als Senator an die Gurgel gehen konnte, näherte sich schon die Rettung.
Diesmal zur großen Freude des weiblichen Publikums, und des Teils an männlichem Publikum, das sich an hübschen Frauen erfreuen dürfte, handelte es sich um eine Vertreterin des schönen Geschlechtes.
Ganz genau… wir haben jetzt einen weiblichen Jack Bauer.
Da die CTU aus verständlichen Gründen – ich meine – was haben die alles angerichtet? – abgeschafft wurde, gehört Renee Walker dem FBI an, das – wie Chloe uns später lehrt – mit absolut unzureichendem technischen Equipment arbeitet. Ein Skandal!
Weshalb Chloe auch nicht zum FBI wechselte, sondern stattdessen ein Kind in die Welt setzte, Morris nervte, und im Untergrund zwielichtigen Geschäften mit ihrem ehemaligen Boss nachging.
Bill – besagter Boss – gewann in Staffel 7 definitiv, schon allein durch sein wildes Outfit. Weiße Locken – schwarzer Rollkragenpulli – sehr heiß.
(Nicht, dass ich von Haaren oder Äußerlichkeiten besessen wäre.)
Wobei mir einfällt – auch Jack sieht phänomenal gut aus. Ein heller Mantel, so etwas Ähnliches wie eine blondierte Stirnlocke – ganz entzückend.
Und erst, wenn er sich dann entkleidet und in etwas Bequemes schlüpft – schusssichere Weste über hautengem Kampfanzug – spätestens dann können wir verstehen, dass Renee bei seinem Anblick ihren Liebhaber, der zufällig auch FBI Chef ist, im Regen stehen lässt.
Zurück zur Handlung. Renee präsentiert Jack den wiederauferstandenen Tony. Dieser ist merklich erschüttert, und selbstverständlich sofort bereit, Anhörung Anhörung sein zu lassen, und sich auf dunkle Pfade zu begeben.
Beziehungsweise – er prüft erst einmal, ob Tony wirklich so böse ist, wie er tut, wenn er fiese Attacken gegen amerikanische Zivilisten organisiert.
Selbstverständlich dauert es nicht lange, und Jack kommt Tonys Zusammenarbeit mit Bill und Chloe auf die Spur, welche natürlich den hehrsten Motiven entspringt.
Jack und Tony arbeiten zusammen – die Fans schmelzen dahin – ihre Liebe lebt.
Renee zweifelt noch ein wenig an Jacks Methoden, aber ein Blick in seine meergrünen Augen, und jeglicher Einwand des langweilig moralischen Chefs versinkt im Nebel der Verzückung.
Ganz nebenbei plant die Präsidentin schnell mal den Einmarsch in dem erfundenen Land, bemuttert ihren vom Tod des gemeinsamen Sohnes besessenen Ehemann, und trifft sogar auf Jack. Worauf auch diese Frau seinem Charme erliegt, und sich den Rest der Staffel um unseren armen Agenten sorgt.
Dazu hat sie natürlich auch allen Grund.
Überstand das weiße Haus, und ein Großteil seiner Bewohner zwar die Besetzung durch Candyman und seine Mannen, so ist die Gefahr damit noch lange nicht gebannt.
Jon Voight kehrt mit bösen Plänen zurück, und arbeitet an der Vernichtung demokratischer Wertvorstellungen.
Weder Jack, noch die Präsidentin können das dulden. Außerdem sind wir grad erst bei der Halbzeit der Staffel.
Der Stargate und Highlander Mensch ist inzwischen auch tot, aber Tony ist es egal, weil er hat ja jetzt Jack wieder. Sie küssen und knuddeln und feiern Wiedersehen mit Kerzen und Rosenblättern… in meiner Vorstellung zumindest.
Doch ist da noch Renee. Ich gebe zu, ich war von Anfang an skeptisch ihr gegenüber.
Zum einen machte sie Jack vollkommen unpassend schöne Augen. Dabei sieht doch jeder, dass Jack und Tony füreinander bestimmt sind.
Dann trägt sie die gleiche Haarfarbe wie Chloe? Wieso nur? Muss 24 sparen – beide Frauen sich eine Packung Färbemittel teilen?
Und dann auch noch rot – dieses künstliche rot, das aus der Tube kommen muss. Ich werde nie verstehen, wie sich jemand freiwillig die Haare rot färben kann. Aber das liegt daran, dass ich mit Spitznamen wie Karotte oder Pumuckel aufwachsen durfte. Natürlich rotes Haar ist einfach wenig berückend.
Und überhaupt – warum färbt sich Chloe dauernd ihre Haare. Das verwirrt mich.
Aber gut, zumindest ist Renee nicht blond. Ich bin immer noch traumatisiert von Audrey. Noch eine Blondine für Jack verkrafte ich nicht.
Also – Renee ist ausbaufähig, und hart im Nehmen. Sie besitzt sozusagen das Jack-Bauer-Gen.
Im Laufe von 24 Stunden wird sie erschossen, eingebuddelt, mit Plastikfolie erstickt, und behält nichts davon zurück, außer einem lächerlichen Pflaster am Hals.
Sie erträgt sogar die eifersüchtigen Blicke, die Tony, Bill und Chloe ihr zuwerfen, sobald sie versucht, sich Jack an den Hals zu werfen.
Fairerweise muss gesagt werden, dass niemand ihr daraus einen Strick drehen dürfte.
Schließlich erhält Jack wiederholt die Gelegenheit, auf höchst attraktive Art und Weise zusammenzubrechen. Und niemand – ich wiederhole – niemand kann einem zusammenbrechenden, verletzlichen, emotional gestörten Jack widerstehen. Wieso sollte Renee dies schaffen?
Die Schuld liegt also bei Jack, und er wird von seiner Schuld freigebetet. Wir brauchen uns keine Sorgen um ihn zu machen.
Nun gut – das Schlimmste kommt noch – die Präsidenten befördert ihre labile Tochter solange, bis sie ihr richtig Schwierigkeiten bereiten kann – Bill opfert sich, damit Jack sich nicht opfern muss - dieser egoistische Wurm – und Jon Voight plant Raketen mit Biowaffen wahllos in der Gegend herum zu schießen.
Genug zu tun für Jack. Nachdem er Bill und damit seinen schon wieder nicht funktionierten Selbstmordplan ein wenig betrauert hat, geht er Jon Voight an die Kehle.
Zum Beispiel rettet er die Menschheit vor irgendwelchen ominösen Krankheitserregern. Und da Jack sich permanent im Selbstaufopferungsmodus befindet, dreht er dem Erreger den Hahn ab, in dem er sich selbstlos vor dessen Flinte wirft.
Jack ist exposed. Und das kommt richtig gut. Nicht nur, dass er einen öffentlichen Strip hinlegen muss – mitten auf der Straße – vor Tausenden von interessierten Zuschauern – nein, er wird auch noch kalt abgeduscht, in ein weißes Hemdchen gekleidet und unter Quarantäne gestellt.
Hinfort mit der schnittigen, schwarzen Kluft – herbei mit luftigen Krankenhausklamotten.
Ziemlich bald, und damit Jack nicht den Rest der Staffel in einem abgeriegelten Zimmer verbringen muss, stellt eine attraktive Ärztin fest, dass die Sache zwar für ihn tödlich endet, er allerdings für andere keine Gefahr darstellt.
Welch eine Erleichterung. Jack darf sich wieder unters Volk mischen, und sich in den ergriffenen Blicken Renees oder Tonys baden.
Tony ist auch nicht völlig untätig. Er schleicht im Hintergrund herum, und betätigt sich als Außendienst – Agent von Gnaden des FBIs. Ganz recht, Tony macht sich gut – trotz komischer Frisur und traurigem Blick, ausgelöst aller Wahrscheinlichkeit nach durch Jacks Weigerung sich öffentlich zu ihrer Liebe zu bekennen.
Chloe ärgert die nette FBI-Chloe, Janeane Garofalo, und Renee übernimmt das Kommando.
Jack bekommt in der Zwischenzeit Anfälle, schafft es aber dennoch Jon Voights Raketen zu entschärfen… oder so ähnlich. Er arbeitet einfach von der FBI-Zentrale aus und wir erinnern uns aus früheren Tagen, dass Jack durchaus auch fähig zum Büro-Job ist.
Leider verursacht er ein wenig Unordnung, durch wiederholtes Zusammenbrechen, Umreißen von unschuldigen Tischen und Stühlen und wüstes Herumzucken auf glänzendem FBI-Boden.
Das geht natürlich nicht, weshalb die hübsche Ärztin, Jack ein Paket Spritzen überreicht, und ihn in den Außendienst zurückversetzt.
Spritzen – ganz recht. Neben Jacks Bürotätigkeiten erinnern wir uns auch an seine Heroinsucht. Mit Spritzen kennt sich der Mann also aus, und als wahrer Junkie fackelt er auch nicht lange, sondern beginnt sofort damit, sich eine Spritze nach der anderen in den Arm zu rammen.
Das – kommt –gut.
Für mich, denn ich liebte Jack in Staffel 3, und ich liebe Jacks Tendenz zur Selbstzerstörung.
Gut, da er hier ohnehin zum Sterben verdammt ist, braucht der Fan sich wohl auch keine Sorgen über mögliche Folgen exzessiven Medikamentenmissbrauchs zu machen.
Das Gift, dem Jack sich so todesmutig aussetzte, führt übrigens neben Zuckungen, Krämpfen und gelegentlichem Augenrollen auch noch zu netten Halluzinationen. Es handelt sich also um etwas Neurologisches. Trotzdem kommt niemand darauf, Dr. House zu rufen.
Ist auch nicht notwendig, denn zufällig befindet sich Jacks Tochter in der Gegend, deren Stammzellen eine experimentelle Therapie erlauben.
Natürlich will Jack Kim nicht sehen. Er ist immer noch beleidigt, da sie in Staffel 5 nichts mehr mit ihm zu tun haben wollte. Als wäre sie die Einzige, und als würde ihm das sonst etwas ausmachen?
Nun gut, Jack sagt ‚Nö‘ zur experimentellen Therapie, und überhaupt zum Wiedersehen mit der verschollenen Tochter. Er ist und bleibt eben doch ein Sensibelchen.
Aber Renee ist eine Frau, und weiß daher wie wichtig Familienzusammenführung in Krisenzeiten sein kann. Sie stellt Kim zu Jack durch, und beide versöhnen sich herzzerreißend. Kim versteht, dass Jack keinen Bock darauf hat, Versuchskaninchen für Experimente zu spielen.
Vielleicht ist sie auch die Einzige, die Jacks permanenten Todeswunsch akzeptiert, den dieser seit dem Tod ihrer Mutter mit sich herumschleppt.
Zu blöd, dass ihm der finale Schritt einfach nicht gelingen will.
Er hat nun wirklich, wirklich alles Erdenkliche versucht.
Es begann mit Bartwuchs und dem Ertränken des Kummers in Spirituosen, setze sich fort über das wiederholte Selbst-Aussetzen radioaktiver Strahlung, diverse, bislang ungezählte Opfertode, denen jedesmal ergreifende Szenen vorausgingen.
Zudem haben wir noch den unterschwelligen, langsamen Selbstmord. Man nehme die bereits erwähnte Drogensucht, den halsbrecherischen Job, Undercover-Einsätze in der Hölle oder auch die Tatsache, dass Jack trotz Folter, Gefängnis, blutender Wunden, Herzinfarkten, lebensgefährlichen inneren Verletzungen einfach weiter munter in der Gegend herum hüpft.
Gut – Jack sagt ‚Nö‘ und Kim sagt ‚OK‘.
Sie kennt schließlich diese Verabschiedungen von Jack aus erster Hand, und weiß sehr gut, dass sein Plan nie und nimmer aufgehen wird.
Jack dagegen freut sich über eine gelegentliche Spritze und die Aussicht in absehbarer Zeit endlich ein wenig Ruhe zu finden, welche er im Grunde auch wirklich verdient hat.
Aber Stillsitzen ist nichts für Jack, zumal Tony sich schnell mal entschlossen hat, wieder böse zu werden.
Er mordet harmlose Leute, räumt netterweise noch Renees Ex-Liebhaber aus dem Weg, und blickt finster in die Gegend, während er den letzten Kanister mit Bio-Gift festhält.
Jack reicht einmal Selbstaufopfern in dieser Staffel nicht, weshalb er sich mitten ins Geschehen begibt, den Kanister schnappt, und sich dem Gift ein zweites Mal aussetzt.
FA-BEL-HAFT!
Darauf hatte ich in Staffel 3 gebaut, aber in dieser machte es auch Freude. Tür zu, und das Teil explodieren lassen, danach erschöpft zu Boden sinken.
Inzwischen macht sich auch niemand mehr Illusionen darüber, dass dieses Zeug irgendjemand anders als Jack vernichten könnte, weshalb wir leider auf den angenehmen Anblick des strippenden Jacks verzichten müssen. Keine kalte Dusche – kein Kleiderwechsel.
Und Jack trägt zudem sein Spritzenset mit sich herum, außer wenn Tony es ihm wegnimmt, um ihn leiden zu sehen.
Mittlerweile ist Jon Voight vollkommen irre geworden. Deshalb macht es auch gar nichts, dass die Tochter der Präsidentin seine Ermordung anordnet… und dann wieder nicht.
Denn der Zuschauer weiß, dass neben Tony noch weitaus üblere Gestalten hinter der Sache stecken. Ein mysteriöser Anrufer murmelt kryptisches Zeug. Eine heiße Schnecke krallt sich Tony und entpuppt sich als Mittelsfrau zwischen allem und jedem.
Da hätte ich doch fast vergessen, dass Kim immer noch existiert.
Ich liebe Kim – sie ist wunderbar. Und sie enttäuscht auch diesmal nicht.
Trotz sämtlicher Vorsichtsmaßnahmen, die Jack trifft, damit er sie glücklich wieder los wird, schafft sie es, sich in einem Raum voller harmloser Menschen an die beiden einzigen fiesen Terroristen zu hängen. Mary Page Kellar und den anderen kenne ich auch. Schicke lange Haare.
Alles selbstverständlich nur, damit die heiße Schnecke Jack ein Bild von Kim in Schwierigkeiten schicken kann, worauf dieser – wie gewohnt – seinen letzten Rest Verstandes aufgibt – und alles tut, um sein Töchterchen zu retten.
Wahrscheinlich nur, weil er noch nicht weiß, dass sie verheiratet ist. Und zwar NICHT mit Chase Edmunds. Was ich persönlich Kim nicht so schnell verzeihen werde. Der langweilige Nicht-Chase-Edmunds hat auch im Grunde nicht viel zu melden – eigentlich gar nichts. Ich finde, Chase sollte ihn aus dem Feld nehmen.
Gut – Kim in Gefahr – Jack mit Knopf im Ohr wird herzlos erpresst – Yeah! -, und befreit erst mal Tony, um sich diesem dann zum Fraß vorzuwerfen.
Natürlich ahnt er nicht, dass Tony keine phantasievollen Liebesspiele im Sinn hat, sondern stattdessen Jacks Körper ausweiden möchte, um an den letzten Rest des Biogiftes zu kommen, das noch verfügbar ist.
Jawohl – Jack hat alles kaputt gemacht, nur nicht das, was sich noch in seiner Blutbahn befindet.
Jack, obwohl halbtot, 24 Stunden im Dauerstress, verwirrt vom bösen-guten-wieder bösen Tony, lässt sich jedoch nicht so einfach irgendwo festbinden und von weißbekittelten Fieslingen auf Spritzen spießen.
Nein – er entfleucht, und irrt weiter in der Gegend herum, Tony und die heiße Schnecke auf den Fersen.
In der Zwischenzeit richtet Kim in der Flugzeug-Wartehalle ein Blutbad an. Also – nicht sie – aber wenn das Mädchen ein wenig mehr Verstand hätte, würde sie vielleicht mal die Leichen zählen, die auf ihr Konto gehen, und sich daraufhin ein wenig schuldig fühlen.
Es wird heftig geballert, Tausende unschuldiger Wachleute, Polizisten, Flugreisende und andere gehen zu Boden. Ein paar Bösewichte auch – obwohl – das waren eigentlich nur zwei.
Egal… Kim ist gerettet und nicht nur das. Sie greift ins Feuer und rettet den Laptop, der verrät, wohin Tony Jack geschleift hat.
Und Renee fährt zur Hochform auf.
Tony unterhält sich zwischendurch auch mal ruhig und entspannt mit Jacky, während er diesen an einen Zaun kettet und mit Sprengstoff versieht.
Er ist vielleicht noch ein wenig angepisst, weil Jack, in seinem Unwillen ausgeweidet zu werden, einen weiteren heroischen Selbstmordversuch unternehmen wollte. Jawohl, er setzte sich in eine Benzinpfütze und versuchte ein Streichholz anzuzünden. Dämlicherweise rammte Tony rechtzeitig die Garagenwand ein, um das Schlimmste zu verhindern, und Jack lebt immer noch.
Nicht einmal sein herzerweichendes Flehen, gerichtet an den ehemaligen Liebhaber, dieser möge ihn doch bitte, bitte in Frieden sterben lassen, berührt des verstockten Tonys Herz.
Nein, stattdessen gesteht er, dass NICHT Jack seine große Liebe ist, sondern er immer noch Michelle hinterher trauert.
Er wollte sich mit Jacks ausgeweideten Organen nur bei dem Super-Oberbösewicht einschleimen, der hinter allem steckt, was jemals an Bösem in der Serie passiert ist.
Und anstatt dass Jack das einsieht, und ihm auf seinem Rachefeldzug viel Glück wünscht – weil wir ja jetzt wissen, dass Tony nicht böse ist, sondern nur vom Rachedurst zerfressen und in ernsthafter Not nach einem Therapeuten und starken Medikamenten – beschimpft er ihn herzlos.
Also ob Jack noch nie rachedurstig gewesen wäre. Gut – er fährt nur Bösewichter mit dem Jeep über den Haufen, und lässt keine Flugzeuge abstürzen, oder setzt Biowaffen frei – aber immerhin. Das kann ja noch kommen.
Also gut, Jack als Werkzeug in Tonys Racheplan soll den oberfiesen Bösewicht von Telefonierer zum explodieren bringen.
Nur denkt er gar nicht daran, sondern lässt sich von Renee retten, die in einem hinreißenden Einsatz mit wehenden Fahnen und Haaren ihren Jack rettet.
Ihn rettet, damit er in Frieden sterben kann.
Was für ein Mist, denn jetzt hat der arme Kerl auch noch ein paar Stunden Zeit, sich über sein Leben den Kopf zu zerbrechen. Nicht gut – gar nicht gut. Vor allem, wenn man doch so einiges auf dem Kerbholz hat.
Umso besser, dass Jack im Laufe der letzten Stunden einen muslimischen Religionsexperten angeschrien, entführt und bedroht hat, bis Chloe darauf kam, dass der arme Mann unschuldig ist.
Jawohl… mit Staffel 7 entschuldigen wir uns für sämtliche politischen Unkorrektheiten betreffend unserer muslimischen Mitbürger.
Ravi Kapoor – seines Zeichens Gerichtsmediziner bei Crossing Jordan, und von dort bereits Behandlung wie Wasserfolter oder haltlose Drohungen seitens der Behörden gewohnt – verstärkt seinen Akzent und ist einfach bestrickend.
Gut, Jack war zu Beginn ihrer Bekanntschaft ein wenig unfreundlich, aber allein die Tatsache, dass Jack – nachdem ihm sein Irrtum bewusst wurde – Ravi Kapoor nicht erschossen und in der Wüste verscharrt hat, um seinen Fehler zu vertuschen – gewann ihm des guten Mannes verzeihendes Herz. Nicht zu vergessen – die tödliche Diagnose.
Letztendlich besteht ja auch kein Zweifel, dass Jack definitiv Unterstützung im spirituellen Bereich benötigt. Und Ravis schöne große Augen tun ihr Übriges.
Apropros schöne Augen. Zu Ravis Unterstützung im Bereich des Ausbadens ehemaliger 24-Sünden eilt ebenfalls der junge Mann aus Sleeper Cell, eine Serie, die ich jedem 24 Seher ans Herz legen kann.
Zuerst dachte ich Omid Abtahi wohnt mit seinem Liebsten zusammen, aber nicht jeder Drehbuchautor besitzt eine derart schmutzige Phantasie wie ich. Demnach handelt es sich um seinen kleinen Bruder, der – wir erraten es – entführt wird, damit der arme Mann erpresst werden kann, unaussprechliche Dinge zu tun. Er hält sich wacker und zur Belohnung rettet Jack seinen Bruder und ihn und darf ein Lächeln mit Ravi tauschen.
Ich glaube fast, dieser Handlungsstrang ist mein liebster.
Schon allein als der junge Mann sich - anders als Jack - entscheidet, nicht die Welt für das Überleben eines einzigen Anverwandten zu opfern, und sich hilfesuchend an uniformierte Vertreter des Gesetzes wendet – wissen wir doch, dass er der edlere Charakter ist.
Leider gehören die Uniformierten zu den Terroristen.
Ja, wer nicht Jack heißt, hat mit unliebsamen Überraschungen zu rechnen.
Aber wie gesagt – es gibt ein Happy End. Bis auf die zahllosen Toten. Und darauf, dass sich kein Mensch für irgendwelche afrikanischen Staaten interessiert, in die Amerika schnell mal einmarschiert, um zu gucken, was amerikanische Söldnertruppen und Biowaffenentwickler an der Bevölkerung so herum probiert haben, und dann schnell wieder geht, bevor sich seine tapferen Vertreter noch mit irgendwas anstecken.
Also – fast wie im richtigen Leben.
Auch das traurige Ende Jacks war eigentlich absehbar.
Was hat dieser Mann im Lauf der Staffel nicht alles unternommen, um endlich sterben zu dürfen. Und dann das.
Kaum hat er sich von allem und jedem gebührlich verabschiedet, mit Hilfe von Ravi Kapoors zweizeiligem Gebet Frieden mit dem Universum geschlossen, und sich in Vorfreude auf die Ewigkeit zur Ruhe gebettet, schon kommt die sture Kim hineingestürmt.
Wankelmütig wie sie ist, besann sie sich irgendwann zwischen Blutbad und Laptop-Rettung darauf, dass Jacks Tod sie eigentlich tierisch nerven würde.
Sie krempelt ihren Arm hoch, und besteht auf der Stammzellentransfusion… oder was auch immer. Weiteres wird uns erspart… zum Beispiel wie so etwas funktionieren soll… oder wie Jack aufwacht und feststellt, dass er immer noch auf Erden festsitzt – trotz aller Bemühungen – trotz Freispruch von Ravi Kapoor.
Übrigens… so schnell möchte ich auch mal Frieden finden. Andere Leute irren jahrzehntelang von Kirche zu Kirche, diskutieren sich den Kopf heiß mit Vertretern des Klerus, versuchen sich an Buddhismus, Wicca und jeder anderen noch so geringen Chance mit Hilfe von Religion oder Philosophie einen Sinn zu erkennen.
Und für Jack reicht ein Zwei-Zeilen-Gebet?
Er lächelt selig und bemerkt, dass er jetzt bereit wäre.
Andererseits blieben ihm auch nur noch zwei Minuten, bevor Kim einbrach. Da muss man Abstriche machen.
Fazit: Jack wird überleben.
Tony lebt erstaunlicherweise auch noch. Böse oder gut oder gut-böse, auf jeden Fall bereit für erneute romantische Abenteuer mit Jack.
Renee und Jack wird sich wohl nicht vermeiden lassen. Igitt. Nichts gegen Renee. Sie wuchs mir doch im Laufe der Staffel ans Herz. Aber seien wir ehrlich – auf Anhieb wüsste ich zehn Darstellerinnen, die mir besser in der Rolle gefallen würden. Nehmen wir mal – nur als Beispiel – die toughen Schönheiten aus Numb3rs. Jede einzelne könnte ich mit Jack sehen.
Aber was soll’s. Und wer weiß, was kommt. Jack in Liebesdingen ist nicht unbedingt der Stabilste.
Und leider wird uns das Beste wieder vorenthalten.
Vermutlich dürfen wir uns ohnehin nur ausmalen, wie Jack aufwacht, sich darüber wundert, wie es im Himmel aussieht, dann Kim ausgiebig beschimpft, weil sie mal wieder nicht auf ihn gehört hat, und außerdem jemanden geheiratet hat, der nicht mit Jack in Mexiko war.
Renee… der neue Jack…tut zumindest bereits alles, um die Flagge hochzuhalten.
Sie kettet die nette Ersatz-Chloe an die Wand, und entsorgt ihre Marke, damit sie ein wenig foltern konnte, und ihr Seelenheil somit trotz Jacks Warnung unwiderruflich Richtung Hölle schickt.
Sie wird auch Jack aufsammeln, Kim wiederbeleben, Chase Edmunds auftreiben und den einen Fall finden, der es notwendig macht, dass Tony aus dem Gefängnis kommt und mit Jack zusammenarbeitet.
Wir freuen uns auf die wiederholte Entführung von Kims Töchterchen, das Ableben ihres Gatten… denn ihr wisst, mit wem dieser ersetzt werden sollte… und erneute Versuche Jacks, den Heldentod zu erleiden.
Andererseits… er könnte auch mit Renee glücklich werden… wäre das nicht furchtbar? Auf jeden Fall wäre es dann nicht mehr mein Jack.
Oh nein – mein Jack gehört in Dantes Inferno, und zwar mittenrein.
Alles in allem – tolle Staffel.
Aber ich liebte auch Staffel 6 - also bin ich kein Maßstab.
Funny how that works
Äußerlichkeiten
Aus gegebenem Anlass sehe ich mich gezwungen, einen Eintrag epischer Länge und Breite über einen Schauspieler im Speziellen und seine Schicksalsgenossen im Allgemeinen zu verfassen.
Selbstverständlich und wie immer distanziere ich mich vor allen politischen Unkorrektheiten und oberflächlichen Behauptungen, die möglicherweise gleich erscheinen. Oder wie Jon Stewart sagen würde – nicht alle, die hier ihre Meinung äußern, haben zuvor darüber nachgedacht.
Also – wo kann ich anfangen? Wie die meisten tragischen Entwicklungen, zeichnete auch diese sich bereits im Vorfeld ab, genauer gesagt ungefähr ab der Mitte der 3. Staffel einer ungenannt bleibenden Serie.
Ich bin ja ein toleranter Mensch, und kann über vieles hinwegsehen. Behilflich ist mir das Talent, Realitäten so lange leugnen zu können, bis ich mit der Nase drüber stolpere, und trotzdem noch an meinem Wahn festzuhalten.
Deshalb sollte ich mich vielleicht doch um die Umgehung direkter Namensnennungen bemühen. Nennen wir also den Hauptakteur der Geschehnisse einfach Adrian P., ein Schauspieler, der für so viele andere Vertreter seines Faches steht.
Adrian begleitet mich nun mit Sicherheit schon seit Jahrzehnten. Eher unterschwellig – so viel muss ich zugeben, da der arme Mann sich doch hauptsächlich mit Nebenrollen über Wasser hielt, von denen auch nicht unbedingt alle ihren Weg über den großen Teich fanden.
Nichtsdestotrotz kann man mir vieles vorwerfen, aber nicht, dass ich wahre Schönheit verkenne.
Und der Mann ist schön… oder soll ich sagen war?
Er ist eigentlich so schön, dass er schon wieder uninteressant ist. Denn der unschuldige TV-Konsument liebt die kleinen Schwächen, die Unebenheiten, das Menschliche im Übermenschlichen.
Bei Adrian allerdings handelt es sich um einen besonderen Fall. Er lässt Apollo persönlich alt aussehen. Der Mann besitzt die ideale Größe, Augen, die einen Eisberg schmelzen könnten, Wimpern von mehreren Metern Länge, einen perfekten Mund, dunkles und lockiges Haar, und alles andere ist auch nicht zu verachten.
Er ist so schön, dass Kleinigkeiten wie eigentlich ziemlich auffällige Narben am Kinn und ein halber Daumen definitiv nicht auffallen. Mir zumindest nicht. Nein - gleichgesinnte, ebenfalls klassischer Schönheit verfallene Seelen mussten mich darauf hinweisen.
Und ist es wirklich ein Wunder, dass diese kleinen, sichtbaren Spuren ehemalig eingegangener Risiken und schmerzhafter Lebenserfahrung, das Herz des Bewunderers nur noch höher schlagen lassen?
Die Reaktion der Damenwelt und der Welt interessierter Herren natürlich – wir wollen ja niemanden diskriminieren – ist bestenfalls vergleichbar mit der auf den Anblick eines Kollegen des anonymen Adrian, nennen wir ihn spontan Milo.
Besagter Milo lebt und liebt mit einer halb gelähmten Unterlippe, ebenfalls eine Tatsache, die mir ohne deutlichen Hinweis eingefleischter Liebhaber in tausend Jahren nicht aufgefallen wäre.
Seitdem ich es weiß allerdings, kann ich nirgendwo anders mehr hinsehen, und bin selbstverständlich bis über beide Ohren und unsterblich in den Jungen verliebt.
Dabei hilft, dass Milo auch dunkle Haare besitzt, dunkle Augen, nicht zu vergessen diese goldigen Lippen und… und… Verzeihung… ein kurzer Anfall weiblicher Schwäche – ist schon wieder vorbei – schließlich ist der Knabe viel zu jung für mich.
Wie auch immer, die unbestreitbare Schönheit erwähnter Herren, plus eine Handlung, die an Verstrickungen, Verwirrungen und chaotischen Gedankensprüngen kaum zu überbieten ist, resultierte in extremem Fangirling meinerseits – um es wissenschaftlich auszudrücken.
Alles gut und schön, bis zur Katastrophe, die sich – wie gesagt – langsam ankündigte.
Den Beginn zeichnete das nicht nachvollziehbare Bedürfnis Adrians seine Haare zu schneiden.
Wohlgemerkt - nicht alle, und nicht sofort.
Nein, die Entwicklung vollzog sich schleichend, heimlich, aber dennoch nicht weniger erschreckend.
Erst schnitt er die Seiten – na gut – ich vermute, dass der Mann mehr Geld besitzt als ich, und sich demzufolge vielleicht sogar einen Friseur leisten kann.
Eigentlich allerdings umso schlimmer, zog er doch auf diese Weise einen harmlosen, bislang vermutlich unbescholtenen Haardesigner in sein schreckliches Werk hinein.
Wie auch immer – ich ertrug die abgesäbelten Seitenhaare, weil Adrian das Haar oben auf dem Kopf stehen ließ, weshalb ihm eine neckische Locke ausgesprochen attraktiv in die Stirn fiel. Und – wie gesagt – ich bin ja ausgesprochen tolerant.
Aber meine Toleranz in Fragen des Haarschmucks hat Grenzen, und Adrian hörte einfach nicht auf mit dem Absäbeln. Es wurde kürzer und kürzer… jede Folge kostete ihn ein paar Millimeter. Einfach furchtbar mitanzusehen. Warum ist der Mann so herzlos?
Aber wenigstens blieb uns zumindest ein Teil der erwähnten Stirnlocke erhalten, obgleich auch diese im Lauf der Zeit auffällig abnahm.
Und mit der Erwähnung des Begriffes Abnehmens, dringe ich bereits zum Kern des Problems vor.
Wohlgemerkt handelt es sich dabei nicht darum, dass der arme Kerl Gewicht verlor.
Oh nein – dass er dazu in der Lage ist, hat er bereits in der zweiten Staffel jener nicht genannten Serie eindrucksvoll bewiesen und den Effekt ausprobiert, unterstützt von einer windigen Frisur bestehend aus hinreißend wirren Locken – Verzeihung… erneuter Anfall.
Zurück zur Tragödie – der Mann nimmt also nicht ab - im Gegenteil – er beginnt aus den Nähten zu platzen.
Nicht, dass mich jemand falsch versteht. Ich habe gar nichts gegen zusätzliche Kilos – nicht das Geringste.
Um ehrlich zu sein, weiß ich sogar zu gut, wie sich das anfühlt.
Um noch ehrlicher zu sein, bescherten mir jahrzehntelange, intensive Selbstversuche, eine gewisse Kenntnis der Materie.
Und um absolut ehrlich zu sein – zu dem Bündel an Neurosen, das ich mit mir herumtrage, gehört auch die Packung mit den Essstörungen.
Und wie ein sehr kluger Mensch einst sagte – wahrscheinlich einer der zahlreichen Therapeuten, die vergeblich versuchten, mich wieder auf die Reihe zu bringen – lässt sich eine Magersucht beim besten Willen nicht kitten. Obwohl es sich um nicht mehr als ein Symptom handelt, bleibt dem Betreffenden die Freude daran erhalten.
Sie ändert sich lediglich in Form, Ausprägung und Erscheinungsbild, denn welcher Mensch liebt nicht ein wenig Abwechslung – gelegentlich zumindest.
Immer nur Magersucht ist langweilig – zudem äußerst anstrengend und nervenaufreibend.
Man oder in diesem Fall eigentlich immer noch vorzugsweise Frau greift demnach gerne zu anderen wirkungsvollen Methoden der Selbstzerstörung, immerhin bietet die Gesellschaft reichliche Auswahl.
Aber verlassen wir die Exkursion, die sich verdächtig in Richtung lustigerer Themen wie Drogen oder Alkohol bewegt, und bleiben wir bei den Essstörungen.
Die gepflegte Magersucht als solche, kippt – sollte man sie überleben - auch mal in das Bedürfnis, sich permanent mit guten Sachen vollzustopfen – zumal wenn das mit dem Alkohol und den Drogen nicht mehr so klappt. Könnte ja sein, dass sich die Leber beschwert oder irgendjemand anderes.
Ergo weiß ich ausgesprochen genau wie das ist, wenn man bis auf die Knochen abmagert, und dann eine Weile später nicht mehr in seine Hosen hineinpasst. Erneut abmagert… neue Hosen braucht… dünner wird… und dicker… Gürtel anschafft… oder zurück in den Schrank hängt - das Konzept ist klar.
Eine sehr ungesunde Methode des Überlebens, erheblich ungesünder, als sich für eine der Möglichkeiten zu unterscheiden, aber ich hatte ja bereits erwähnt, dass es im Grunde genommen um Selbstzerstörung geht.
Wie auch immer – es liegt mir fern, den anonymen Adrian zu verurteilen, nur weil sein einst so knackiges Hinterteil auf einmal den halben Bildschirm einnimmt. Zumindest sollte es mir fern liegen.
Aber es ist Adrian… er ist dafür geboren schön zu sein, und mich mit seinem Anblick zu erfreuen. Und nun? Warum tut er mir das an? Habe ich nicht schon genug gelitten, als er sich sein Haar abschnitt?
Nun – eine Weile funktionierte die Verleugnung. Ich schob es auf seine ausgesprochen unvorteilhafte Kleidung, in der sein heldenhafter Charakter auszog die Welt zu retten. Wer um alles in der Welt ist darauf gekommen, ihn in eine Bomberjacke und helle Hosen zu stecken? Wo waren die Verantwortlichen?
Sind denn alle blind?
Und das sage ich, die ich von Mode weniger Ahnung habe als von Kernphysik oder den gallischen Kriegen oder der Notwendigkeit von Manolos.
Im Ernst – ich halte ausgebeulte Jogginghosen durchaus für ausgehfein.
Aber ich beleidige ja auch nur meine Mitmenschen mit meinem Anblick, nicht eine ganze, und zutiefst schockierte Fangemeinde.
Zurück zu Adrian. Kleidung, voluminöse Formen sind nicht das einzige geblieben. Oh nein, der Mann selbst, oder der Kostümbildner, oder wer auch immer, beschloss, dass er sich einen Bart wachsen ließe.
Also eigentlich keinen richtigen Bart. Mehr so eine Art Gestrüpp im Gesicht. Ich kann nicht sagen, ob das seiner Rolle den letzten Rest geben sollte – den desolaten Zustand der Figur optisch hervorheben, oder ob andere, dunklere Motive dahinterstanden.
Auf jeden Fall zerstört dieser Anblick jeden slashigen Gedanken im Ansatz. Und ich liebe slashige Gedanken. Adrian wurde dafür geschaffen - oder wahlweise auch dazu, auf einem Podest zu stehen, und angebetet zu werden.
Wie auch immer – er denkt überhaupt nicht daran, seinen Verpflichtungen uns liebeshungrigen Fans gegenüber nachzukommen.
Stattdessen spielt er in bester Midlife-Crisis- Manier in einer Garagenband, besser gesagt in der Band From TV, die für wohltätige Zwecke Geld einspielt. Ein nobles Unterfangen, und erfreulich für den gemeinen Fan als solchen.
Bis… bis ich über das Bild seiner letzten Schandtat stolperte, und mir die Wahrheit ins Gesicht schlug. Keine verzerrte Wahrnehmung, kein verschrobenes Weltbild, keine unglückliche Kleiderwahl… der Mann ist kräftig gebaut. Und trägt diese unaussprechliche Sache im Gesicht. Dazu abgeratztes Haupthaar. Und dazu - Schlabber Jeans und T-Shirt. Nichts gegen Jeans und T-Shirt… aber… aber…
Was ist nur mit der Welt los? Kann es an mir liegen?
Habe ich nicht bereits genug Schmerz ertragen?
Muss ich mir ein anderes Fandom suchen? Eines, in dem die Hauptdarsteller ihr Gewicht halten, wenn Adrian und ich das schon nicht schaffen?
Und da wären wir beim zweiten Problem angekommen? Gibt es so ein Fandom überhaupt? Ist der Mensch an sich nicht zu schwach, um die stets variierenden Erwartungen seiner Anhänger zu erfüllen?
Und wieder greife ich auch den reichen Schatz meiner Erfahrungen zurück. Ist dieser doch durchzogen von Enttäuschungen und Frustrationen. Aber auch von seltsamen Phänomenen und sich mysteriös gleichender Begebenheiten, und das nur zu diesem speziellen aller Themen.
Denn es geschah bei weitem nicht zum ersten Mal, dass ein Traummann sich entscheidet, ob absichtlich oder nicht sei dahingestellt, seinem Äußeren unaussprechliche Dinge anzutun.
Man nehme also erst einmal einen Klassiker – Johnny Depp. Johnny spielte in der niedlichen Achtziger Jahre Serie 21 Jump Street die revolutionäre Rolle eines Undercover Polizisten. Die Serie ging ihm nachweislich auf die Nerven. Und sei es aus diesem Grund, oder aus einem anderen, er magerte urplötzlich ab.
Und zwar solange, bis er gar nicht mehr vorhanden war, beziehungsweise sich aus der Serie heraus gemogelt hatte.
Ein strategisch ausgetüftelter Plan?
Oder pure Verzweiflung, die ihm den Appetit nahm bei der Aussicht seinen Vertrag zu erfüllen, und noch weitere, endlose Jahre an der Seite von Stargates Peter DeLuise seine Perlen vor den TV-Zuschauer zu werfen?
Das Vorhaben ging zumindest auf, und Johnny erklomm die große Leinwand.
Extrem cleveres Marketing, würde ich sagen. Selten ließ sich beobachten, wie jemand durch vergleichsweise wenige Filme, aber stete Erwähnung in der Klatschpresse, guten Beziehungen und der geschicktesten Rollenauswahl, die die Welt je gesehen hat, zum Star wurde.
Aber zurück zum Wichtigen: Johnny beschäftigte sich mit was?
Natürlich mit Drogen und Alkohol, und sah langsam wieder wie ein Mensch aus. Allerdings verlor ich sofort das Interesse an dem Hübschen, als er begann, sein Leben in stabile Bahnen zu lenken. Auf seltsame Weise verschwand auf diese Weise sein Zauber.
Zweites tragisches Beispiel verkappter Magersucht männlicher Schauspieler: James Marsters alias Spike der Vampir.
Hinreißend ob mit oder ohne Seele, ob böse oder gut, ob blond oder… blonder gebleicht.
Ebenfalls ein phänomenal guter Darsteller, sein Ruhm kam nicht von ungefähr.
Aus Gründen, die ich wieder nur vermuten kann, entschied sich Spike zur sechsten Staffel seiner Vampir-Serie extrem dünn zu werden. Also dünner, als er es bereits gewesen war. Und James Marsters war immer dünn.
Nun allerdings wirkte er wie eine Ansammlung angespannter Sehnen, durchtrainiert, schmalhüftig, hohlwangig… und irgendwie lecker. Nicht dass wir uns falsch verstehen – er sah gut aus, sehr gut, und begann die Cover der Zeitungen zu zieren.
Selbstverständlich besteht die Möglichkeit, dass er sich bei seinen weiblichen Co-Darstellern angesteckt hatte, die offenbar einen Wettbewerb ausfochten, wer am dünnsten werden konnte.
Aber wir alle wissen, dass es sich bei Frauen ohnehin um eine andere Kategorie handelt. Diätwahn gehört nun mal dazu, daran wird sich auch so schnell nichts ändern.
Männer sind die geheimnisvollen Wesen, die es uns unmöglich machen, ihre Psyche zu erforschen.
Nun gut – Spike befand sich gegen Ende der erwähnten Staffel in einer Art Schock - Zustand, weil sein Part die versuchte Vergewaltigung der Hauptdarstellerin beinhaltete.
Offenbar erschütterte ihn diese Szene weitaus mehr, als den Zuschauer. Aber was wissen wir von der empfindlichen Seele eines wahren Künstlers?
Spike entschloss sich öffentlich, weniger emotionale Kräfte in seine Kunst zu legen, und futterte sich gleichzeitig ein dickeres Fell an. Natürlich – er war immer noch dünn, aber die hohlen Wangen füllten sich, der ganze Mann begann gesünder und stabiler zu wirken. Im Grunde ein positives Zeichen seelischer Stabilität – und sofort verlor ich das Interesse an ihm.
Letzter Fall – Adrian. Abgemagert weil…? Der Möglichkeiten existieren wiederum unzählige.
Wie wäre es zum Beispiel mit der ungelösten Bromance – Affäre, den Morddrohungen wahnsinniger Bush-Anhänger oder dem Anspruch Superman zu werden, nur ohne Cape und mit politisch zweifelhaften Ambitionen?
Ist auch egal, denn gerade, als ich mich in ihn verliebte, fing er an, seine Haare zu schneiden. Und der Rest ist Geschichte.
Irgendwie zeichnet sich ein Muster ab, so peinlich das für meinen Charakter auch aussieht.
Aber viel wichtiger, was wird die Zukunft bringen? Wird Adrian weiter und weiter aufgehen wie ein Hefeteig? Solange bis ich vor dem Fernseher oder Computer - Bildschirm in Tränen ausbreche? So wie jetzt?
Oder lässt er sein traumhaftes Haar wachsen, und legt die Absicht, eine Karriere als prämierter Preisboxer mit Kahlrasur zu starten, zurück in den Aktenschrank, wo sie hingehört?
Natürlich gäbe es theoretisch eine dritte Möglichkeit. So unvorstellbar mir diese auch erscheinen mag. Aber nichtsdestotrotz könnte ich mich auch dafür entscheiden, sein Aussehen zu ignorieren, einfach nicht zu bemerken. So wie ich es mit der von Menschen des wirklichen Lebens halte. Nicht mit Absicht, und nicht unabsichtlich. Sondern weil es egal ist. Weil der Mensch mehr ist, als die Ansammlung seiner Kilos.
Dagegen spricht nur, dass Adrian eben kein richtiger Mensch ist, sondern eine Kunstfigur. Eine Kunstfigur, die ich verslashen und verherrlichen möchte, und das am besten gleichzeitig. Dummerweise macht er es mir verdammt schwer.
Zum Beispiel führt er diesen Videoblog auf YouTube, und ob man es glaubt oder nicht, er liest tatsächlich die Kommentare und antwortet sogar hin und wieder. Man könnte beinahe glauben, dass er echt ist, sozusagen… irgendwie ein Mitglied unserer Spezies – jemand, der sich gerne im Internet herumtreibt, und Unsinn verbreitet.
Was bleibt da für mich? Muss ich meine Prioritäten überdenken?
Sollte ich mir ein weniger hübsches männliches Ideal auswählen?
Natürlich bleibt mir noch Jack Bauer, welcher möglicherweise körperliche Irrungen, Verwirrungen und Veränderungen letztendlich hinter sich hat.
Die wenigen in der Gemütlichkeit seiner Gefängnisstrafe angesammelten Pfunde, ist er mit bewundernswerter Schnelligkeit wieder losgeworden, und zurückgekehrt zu seinem drahtigen, untergewichtigen Selbst.
Und dennoch, oder auch aus diesem Grund, hat er an Faszination eingebüßt. Der Mann ist zu kontrolliert, zu… normal… zu nah an einem glücklichen Leben. Das inspiriert einfach nicht mehr.
Verdammt… wenn das so weiter geht, muss ich auch noch anfangen, mein Leben auf die Reihe zu kriegen… vielleicht sogar… selber normal zu werden.
Undenkbar – unvorstellbar!
Mich vielleicht auch noch auf mich selbst konzentrieren, anstatt auf Adrian, Jack, James oder Johnny? Kommt überhaupt nicht in Frage – wäre viel zu deprimierend. ;)
Aus gegebenem Anlass sehe ich mich gezwungen, einen Eintrag epischer Länge und Breite über einen Schauspieler im Speziellen und seine Schicksalsgenossen im Allgemeinen zu verfassen.
Selbstverständlich und wie immer distanziere ich mich vor allen politischen Unkorrektheiten und oberflächlichen Behauptungen, die möglicherweise gleich erscheinen. Oder wie Jon Stewart sagen würde – nicht alle, die hier ihre Meinung äußern, haben zuvor darüber nachgedacht.
Also – wo kann ich anfangen? Wie die meisten tragischen Entwicklungen, zeichnete auch diese sich bereits im Vorfeld ab, genauer gesagt ungefähr ab der Mitte der 3. Staffel einer ungenannt bleibenden Serie.
Ich bin ja ein toleranter Mensch, und kann über vieles hinwegsehen. Behilflich ist mir das Talent, Realitäten so lange leugnen zu können, bis ich mit der Nase drüber stolpere, und trotzdem noch an meinem Wahn festzuhalten.
Deshalb sollte ich mich vielleicht doch um die Umgehung direkter Namensnennungen bemühen. Nennen wir also den Hauptakteur der Geschehnisse einfach Adrian P., ein Schauspieler, der für so viele andere Vertreter seines Faches steht.
Adrian begleitet mich nun mit Sicherheit schon seit Jahrzehnten. Eher unterschwellig – so viel muss ich zugeben, da der arme Mann sich doch hauptsächlich mit Nebenrollen über Wasser hielt, von denen auch nicht unbedingt alle ihren Weg über den großen Teich fanden.
Nichtsdestotrotz kann man mir vieles vorwerfen, aber nicht, dass ich wahre Schönheit verkenne.
Und der Mann ist schön… oder soll ich sagen war?
Er ist eigentlich so schön, dass er schon wieder uninteressant ist. Denn der unschuldige TV-Konsument liebt die kleinen Schwächen, die Unebenheiten, das Menschliche im Übermenschlichen.
Bei Adrian allerdings handelt es sich um einen besonderen Fall. Er lässt Apollo persönlich alt aussehen. Der Mann besitzt die ideale Größe, Augen, die einen Eisberg schmelzen könnten, Wimpern von mehreren Metern Länge, einen perfekten Mund, dunkles und lockiges Haar, und alles andere ist auch nicht zu verachten.
Er ist so schön, dass Kleinigkeiten wie eigentlich ziemlich auffällige Narben am Kinn und ein halber Daumen definitiv nicht auffallen. Mir zumindest nicht. Nein - gleichgesinnte, ebenfalls klassischer Schönheit verfallene Seelen mussten mich darauf hinweisen.
Und ist es wirklich ein Wunder, dass diese kleinen, sichtbaren Spuren ehemalig eingegangener Risiken und schmerzhafter Lebenserfahrung, das Herz des Bewunderers nur noch höher schlagen lassen?
Die Reaktion der Damenwelt und der Welt interessierter Herren natürlich – wir wollen ja niemanden diskriminieren – ist bestenfalls vergleichbar mit der auf den Anblick eines Kollegen des anonymen Adrian, nennen wir ihn spontan Milo.
Besagter Milo lebt und liebt mit einer halb gelähmten Unterlippe, ebenfalls eine Tatsache, die mir ohne deutlichen Hinweis eingefleischter Liebhaber in tausend Jahren nicht aufgefallen wäre.
Seitdem ich es weiß allerdings, kann ich nirgendwo anders mehr hinsehen, und bin selbstverständlich bis über beide Ohren und unsterblich in den Jungen verliebt.
Dabei hilft, dass Milo auch dunkle Haare besitzt, dunkle Augen, nicht zu vergessen diese goldigen Lippen und… und… Verzeihung… ein kurzer Anfall weiblicher Schwäche – ist schon wieder vorbei – schließlich ist der Knabe viel zu jung für mich.
Wie auch immer, die unbestreitbare Schönheit erwähnter Herren, plus eine Handlung, die an Verstrickungen, Verwirrungen und chaotischen Gedankensprüngen kaum zu überbieten ist, resultierte in extremem Fangirling meinerseits – um es wissenschaftlich auszudrücken.
Alles gut und schön, bis zur Katastrophe, die sich – wie gesagt – langsam ankündigte.
Den Beginn zeichnete das nicht nachvollziehbare Bedürfnis Adrians seine Haare zu schneiden.
Wohlgemerkt - nicht alle, und nicht sofort.
Nein, die Entwicklung vollzog sich schleichend, heimlich, aber dennoch nicht weniger erschreckend.
Erst schnitt er die Seiten – na gut – ich vermute, dass der Mann mehr Geld besitzt als ich, und sich demzufolge vielleicht sogar einen Friseur leisten kann.
Eigentlich allerdings umso schlimmer, zog er doch auf diese Weise einen harmlosen, bislang vermutlich unbescholtenen Haardesigner in sein schreckliches Werk hinein.
Wie auch immer – ich ertrug die abgesäbelten Seitenhaare, weil Adrian das Haar oben auf dem Kopf stehen ließ, weshalb ihm eine neckische Locke ausgesprochen attraktiv in die Stirn fiel. Und – wie gesagt – ich bin ja ausgesprochen tolerant.
Aber meine Toleranz in Fragen des Haarschmucks hat Grenzen, und Adrian hörte einfach nicht auf mit dem Absäbeln. Es wurde kürzer und kürzer… jede Folge kostete ihn ein paar Millimeter. Einfach furchtbar mitanzusehen. Warum ist der Mann so herzlos?
Aber wenigstens blieb uns zumindest ein Teil der erwähnten Stirnlocke erhalten, obgleich auch diese im Lauf der Zeit auffällig abnahm.
Und mit der Erwähnung des Begriffes Abnehmens, dringe ich bereits zum Kern des Problems vor.
Wohlgemerkt handelt es sich dabei nicht darum, dass der arme Kerl Gewicht verlor.
Oh nein – dass er dazu in der Lage ist, hat er bereits in der zweiten Staffel jener nicht genannten Serie eindrucksvoll bewiesen und den Effekt ausprobiert, unterstützt von einer windigen Frisur bestehend aus hinreißend wirren Locken – Verzeihung… erneuter Anfall.
Zurück zur Tragödie – der Mann nimmt also nicht ab - im Gegenteil – er beginnt aus den Nähten zu platzen.
Nicht, dass mich jemand falsch versteht. Ich habe gar nichts gegen zusätzliche Kilos – nicht das Geringste.
Um ehrlich zu sein, weiß ich sogar zu gut, wie sich das anfühlt.
Um noch ehrlicher zu sein, bescherten mir jahrzehntelange, intensive Selbstversuche, eine gewisse Kenntnis der Materie.
Und um absolut ehrlich zu sein – zu dem Bündel an Neurosen, das ich mit mir herumtrage, gehört auch die Packung mit den Essstörungen.
Und wie ein sehr kluger Mensch einst sagte – wahrscheinlich einer der zahlreichen Therapeuten, die vergeblich versuchten, mich wieder auf die Reihe zu bringen – lässt sich eine Magersucht beim besten Willen nicht kitten. Obwohl es sich um nicht mehr als ein Symptom handelt, bleibt dem Betreffenden die Freude daran erhalten.
Sie ändert sich lediglich in Form, Ausprägung und Erscheinungsbild, denn welcher Mensch liebt nicht ein wenig Abwechslung – gelegentlich zumindest.
Immer nur Magersucht ist langweilig – zudem äußerst anstrengend und nervenaufreibend.
Man oder in diesem Fall eigentlich immer noch vorzugsweise Frau greift demnach gerne zu anderen wirkungsvollen Methoden der Selbstzerstörung, immerhin bietet die Gesellschaft reichliche Auswahl.
Aber verlassen wir die Exkursion, die sich verdächtig in Richtung lustigerer Themen wie Drogen oder Alkohol bewegt, und bleiben wir bei den Essstörungen.
Die gepflegte Magersucht als solche, kippt – sollte man sie überleben - auch mal in das Bedürfnis, sich permanent mit guten Sachen vollzustopfen – zumal wenn das mit dem Alkohol und den Drogen nicht mehr so klappt. Könnte ja sein, dass sich die Leber beschwert oder irgendjemand anderes.
Ergo weiß ich ausgesprochen genau wie das ist, wenn man bis auf die Knochen abmagert, und dann eine Weile später nicht mehr in seine Hosen hineinpasst. Erneut abmagert… neue Hosen braucht… dünner wird… und dicker… Gürtel anschafft… oder zurück in den Schrank hängt - das Konzept ist klar.
Eine sehr ungesunde Methode des Überlebens, erheblich ungesünder, als sich für eine der Möglichkeiten zu unterscheiden, aber ich hatte ja bereits erwähnt, dass es im Grunde genommen um Selbstzerstörung geht.
Wie auch immer – es liegt mir fern, den anonymen Adrian zu verurteilen, nur weil sein einst so knackiges Hinterteil auf einmal den halben Bildschirm einnimmt. Zumindest sollte es mir fern liegen.
Aber es ist Adrian… er ist dafür geboren schön zu sein, und mich mit seinem Anblick zu erfreuen. Und nun? Warum tut er mir das an? Habe ich nicht schon genug gelitten, als er sich sein Haar abschnitt?
Nun – eine Weile funktionierte die Verleugnung. Ich schob es auf seine ausgesprochen unvorteilhafte Kleidung, in der sein heldenhafter Charakter auszog die Welt zu retten. Wer um alles in der Welt ist darauf gekommen, ihn in eine Bomberjacke und helle Hosen zu stecken? Wo waren die Verantwortlichen?
Sind denn alle blind?
Und das sage ich, die ich von Mode weniger Ahnung habe als von Kernphysik oder den gallischen Kriegen oder der Notwendigkeit von Manolos.
Im Ernst – ich halte ausgebeulte Jogginghosen durchaus für ausgehfein.
Aber ich beleidige ja auch nur meine Mitmenschen mit meinem Anblick, nicht eine ganze, und zutiefst schockierte Fangemeinde.
Zurück zu Adrian. Kleidung, voluminöse Formen sind nicht das einzige geblieben. Oh nein, der Mann selbst, oder der Kostümbildner, oder wer auch immer, beschloss, dass er sich einen Bart wachsen ließe.
Also eigentlich keinen richtigen Bart. Mehr so eine Art Gestrüpp im Gesicht. Ich kann nicht sagen, ob das seiner Rolle den letzten Rest geben sollte – den desolaten Zustand der Figur optisch hervorheben, oder ob andere, dunklere Motive dahinterstanden.
Auf jeden Fall zerstört dieser Anblick jeden slashigen Gedanken im Ansatz. Und ich liebe slashige Gedanken. Adrian wurde dafür geschaffen - oder wahlweise auch dazu, auf einem Podest zu stehen, und angebetet zu werden.
Wie auch immer – er denkt überhaupt nicht daran, seinen Verpflichtungen uns liebeshungrigen Fans gegenüber nachzukommen.
Stattdessen spielt er in bester Midlife-Crisis- Manier in einer Garagenband, besser gesagt in der Band From TV, die für wohltätige Zwecke Geld einspielt. Ein nobles Unterfangen, und erfreulich für den gemeinen Fan als solchen.
Bis… bis ich über das Bild seiner letzten Schandtat stolperte, und mir die Wahrheit ins Gesicht schlug. Keine verzerrte Wahrnehmung, kein verschrobenes Weltbild, keine unglückliche Kleiderwahl… der Mann ist kräftig gebaut. Und trägt diese unaussprechliche Sache im Gesicht. Dazu abgeratztes Haupthaar. Und dazu - Schlabber Jeans und T-Shirt. Nichts gegen Jeans und T-Shirt… aber… aber…
Was ist nur mit der Welt los? Kann es an mir liegen?
Habe ich nicht bereits genug Schmerz ertragen?
Muss ich mir ein anderes Fandom suchen? Eines, in dem die Hauptdarsteller ihr Gewicht halten, wenn Adrian und ich das schon nicht schaffen?
Und da wären wir beim zweiten Problem angekommen? Gibt es so ein Fandom überhaupt? Ist der Mensch an sich nicht zu schwach, um die stets variierenden Erwartungen seiner Anhänger zu erfüllen?
Und wieder greife ich auch den reichen Schatz meiner Erfahrungen zurück. Ist dieser doch durchzogen von Enttäuschungen und Frustrationen. Aber auch von seltsamen Phänomenen und sich mysteriös gleichender Begebenheiten, und das nur zu diesem speziellen aller Themen.
Denn es geschah bei weitem nicht zum ersten Mal, dass ein Traummann sich entscheidet, ob absichtlich oder nicht sei dahingestellt, seinem Äußeren unaussprechliche Dinge anzutun.
Man nehme also erst einmal einen Klassiker – Johnny Depp. Johnny spielte in der niedlichen Achtziger Jahre Serie 21 Jump Street die revolutionäre Rolle eines Undercover Polizisten. Die Serie ging ihm nachweislich auf die Nerven. Und sei es aus diesem Grund, oder aus einem anderen, er magerte urplötzlich ab.
Und zwar solange, bis er gar nicht mehr vorhanden war, beziehungsweise sich aus der Serie heraus gemogelt hatte.
Ein strategisch ausgetüftelter Plan?
Oder pure Verzweiflung, die ihm den Appetit nahm bei der Aussicht seinen Vertrag zu erfüllen, und noch weitere, endlose Jahre an der Seite von Stargates Peter DeLuise seine Perlen vor den TV-Zuschauer zu werfen?
Das Vorhaben ging zumindest auf, und Johnny erklomm die große Leinwand.
Extrem cleveres Marketing, würde ich sagen. Selten ließ sich beobachten, wie jemand durch vergleichsweise wenige Filme, aber stete Erwähnung in der Klatschpresse, guten Beziehungen und der geschicktesten Rollenauswahl, die die Welt je gesehen hat, zum Star wurde.
Aber zurück zum Wichtigen: Johnny beschäftigte sich mit was?
Natürlich mit Drogen und Alkohol, und sah langsam wieder wie ein Mensch aus. Allerdings verlor ich sofort das Interesse an dem Hübschen, als er begann, sein Leben in stabile Bahnen zu lenken. Auf seltsame Weise verschwand auf diese Weise sein Zauber.
Zweites tragisches Beispiel verkappter Magersucht männlicher Schauspieler: James Marsters alias Spike der Vampir.
Hinreißend ob mit oder ohne Seele, ob böse oder gut, ob blond oder… blonder gebleicht.
Ebenfalls ein phänomenal guter Darsteller, sein Ruhm kam nicht von ungefähr.
Aus Gründen, die ich wieder nur vermuten kann, entschied sich Spike zur sechsten Staffel seiner Vampir-Serie extrem dünn zu werden. Also dünner, als er es bereits gewesen war. Und James Marsters war immer dünn.
Nun allerdings wirkte er wie eine Ansammlung angespannter Sehnen, durchtrainiert, schmalhüftig, hohlwangig… und irgendwie lecker. Nicht dass wir uns falsch verstehen – er sah gut aus, sehr gut, und begann die Cover der Zeitungen zu zieren.
Selbstverständlich besteht die Möglichkeit, dass er sich bei seinen weiblichen Co-Darstellern angesteckt hatte, die offenbar einen Wettbewerb ausfochten, wer am dünnsten werden konnte.
Aber wir alle wissen, dass es sich bei Frauen ohnehin um eine andere Kategorie handelt. Diätwahn gehört nun mal dazu, daran wird sich auch so schnell nichts ändern.
Männer sind die geheimnisvollen Wesen, die es uns unmöglich machen, ihre Psyche zu erforschen.
Nun gut – Spike befand sich gegen Ende der erwähnten Staffel in einer Art Schock - Zustand, weil sein Part die versuchte Vergewaltigung der Hauptdarstellerin beinhaltete.
Offenbar erschütterte ihn diese Szene weitaus mehr, als den Zuschauer. Aber was wissen wir von der empfindlichen Seele eines wahren Künstlers?
Spike entschloss sich öffentlich, weniger emotionale Kräfte in seine Kunst zu legen, und futterte sich gleichzeitig ein dickeres Fell an. Natürlich – er war immer noch dünn, aber die hohlen Wangen füllten sich, der ganze Mann begann gesünder und stabiler zu wirken. Im Grunde ein positives Zeichen seelischer Stabilität – und sofort verlor ich das Interesse an ihm.
Letzter Fall – Adrian. Abgemagert weil…? Der Möglichkeiten existieren wiederum unzählige.
Wie wäre es zum Beispiel mit der ungelösten Bromance – Affäre, den Morddrohungen wahnsinniger Bush-Anhänger oder dem Anspruch Superman zu werden, nur ohne Cape und mit politisch zweifelhaften Ambitionen?
Ist auch egal, denn gerade, als ich mich in ihn verliebte, fing er an, seine Haare zu schneiden. Und der Rest ist Geschichte.
Irgendwie zeichnet sich ein Muster ab, so peinlich das für meinen Charakter auch aussieht.
Aber viel wichtiger, was wird die Zukunft bringen? Wird Adrian weiter und weiter aufgehen wie ein Hefeteig? Solange bis ich vor dem Fernseher oder Computer - Bildschirm in Tränen ausbreche? So wie jetzt?
Oder lässt er sein traumhaftes Haar wachsen, und legt die Absicht, eine Karriere als prämierter Preisboxer mit Kahlrasur zu starten, zurück in den Aktenschrank, wo sie hingehört?
Natürlich gäbe es theoretisch eine dritte Möglichkeit. So unvorstellbar mir diese auch erscheinen mag. Aber nichtsdestotrotz könnte ich mich auch dafür entscheiden, sein Aussehen zu ignorieren, einfach nicht zu bemerken. So wie ich es mit der von Menschen des wirklichen Lebens halte. Nicht mit Absicht, und nicht unabsichtlich. Sondern weil es egal ist. Weil der Mensch mehr ist, als die Ansammlung seiner Kilos.
Dagegen spricht nur, dass Adrian eben kein richtiger Mensch ist, sondern eine Kunstfigur. Eine Kunstfigur, die ich verslashen und verherrlichen möchte, und das am besten gleichzeitig. Dummerweise macht er es mir verdammt schwer.
Zum Beispiel führt er diesen Videoblog auf YouTube, und ob man es glaubt oder nicht, er liest tatsächlich die Kommentare und antwortet sogar hin und wieder. Man könnte beinahe glauben, dass er echt ist, sozusagen… irgendwie ein Mitglied unserer Spezies – jemand, der sich gerne im Internet herumtreibt, und Unsinn verbreitet.
Was bleibt da für mich? Muss ich meine Prioritäten überdenken?
Sollte ich mir ein weniger hübsches männliches Ideal auswählen?
Natürlich bleibt mir noch Jack Bauer, welcher möglicherweise körperliche Irrungen, Verwirrungen und Veränderungen letztendlich hinter sich hat.
Die wenigen in der Gemütlichkeit seiner Gefängnisstrafe angesammelten Pfunde, ist er mit bewundernswerter Schnelligkeit wieder losgeworden, und zurückgekehrt zu seinem drahtigen, untergewichtigen Selbst.
Und dennoch, oder auch aus diesem Grund, hat er an Faszination eingebüßt. Der Mann ist zu kontrolliert, zu… normal… zu nah an einem glücklichen Leben. Das inspiriert einfach nicht mehr.
Verdammt… wenn das so weiter geht, muss ich auch noch anfangen, mein Leben auf die Reihe zu kriegen… vielleicht sogar… selber normal zu werden.
Undenkbar – unvorstellbar!
Mich vielleicht auch noch auf mich selbst konzentrieren, anstatt auf Adrian, Jack, James oder Johnny? Kommt überhaupt nicht in Frage – wäre viel zu deprimierend. ;)
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